Es glüht die Heide …

Nein, vom Heideglühen hatte ich tatsächlich noch nichts gehört. Das kommt vor in Berlin, auch uns Taxifahrer erwischt es mal eiskalt und wir wissen etwas nicht. Und erleichtert wurde es nicht gerade dadurch, dass das Smartphone meines potenziellen Fahrgastes „Heideglühhein“ anzeigte. Wobei ich mit der Adresse im Grunde schon was anfangen konnte. In der Heidestraße – direkt gegenüber des Hauptbahnhofs – finden sich ja einige Clubs. Da hätte ich meine lustige französische Fünfertruppe heute Nacht auch gerne mal eben hingebracht. Nun bestanden sie aber darauf, dass es am Ostbahnhof direkt ums Eck sein müsste.

Es entwickelte sich ein ziemlich langatmiges und permanent unterbrochenes Gespräch, bei dem ich sie auch darauf hingewiesen hab, dass sie vielleicht einfach den falschen Bahnhof meinten. (Wobei es schon komisch war – der Ostbahnhof hieß zwar früher mal Hauptbahnhof, umgekehrt wäre mir das neu. Hätten sie Lehrter Bahnhof gesagt, wäre die Sache ja gleich klar gewesen.)

Aber ein Unglück (hier: der ahnungslose Taxifahrer) kommt ja selten alleine und so gerieten sie an ein zweites (hier: einen völlig uninformierten Menschen am Telefon). Sie versuchten mich zu überzeugen, dass es direkt ums Eck eine Heidestraße geben musste, woraufhin ich mit meinem Navi konterte. Das kennt so einige Heidestraßen in Berlin, aber bis auf die am Hauptbahnhof liegen alle so richtig weit draussen: Wannsee, Hermsdorf, Mahlsdorf … da fahre ich Touris auf Verdacht ganz sicher nicht hin. Zumal da die Definition „ums Eck“ noch viel weiter danebengelegen hätte.

Letzten Endes entschuldigten sie sich dafür, dass sie mich rund 4 Positionen in der Schlange gekostet hatten und verschwanden im Bahnhof.

Als ich am Ende auf dem ersten Platz stand, kamen sie wieder an. Alle fünfe, der Gesprächsführer dieses Mal mit einem entwaffnenden Lächeln. Er fragte mich, ob ich mich freuen würde, sie wiederzusehen und bestätigte, dass ich Recht gehabt hätte. Natürlich am Hauptbahnhof! Da aber wollten sie nun gar nicht mehr hin. Nun sollte es zum Ostkreuz gehen. Von dem Club kannten sie gleich nicht mal eine falsch geschriebene Version des Namens, meinten aber, es sei ok, wenn ich sie in die neue Bahnhofstraße bringen würde.

So denn!

Ich ließ sie dann etwa 40 Minuten nach dem ersten Kontakt an einer Straßenecke ihrer Wahl raus. Sie waren geradezu angsteinflößend dankbar, ließen sich aber selbst die letzten 30 Cent auf 10 € rausgeben. Selbst am Wochenende verdient sich das Geld nicht immer einfach …

11 Kommentare bis “Es glüht die Heide …”

  1. TzTzTz das ist ne Frechheit – Vorallem wenn man bedenkt, dass es dann Kollegen gibt, die dann die Gruppe entnervt weggejagt hätten. Dann bleibst du aber trotzdem freundlich und locker und am Ende sowas als Dank? Geht garnicht…

  2. Sash sagt:

    @Busfahrer Michael:
    Na warte mal auf den Artikel am Montag …

  3. Ursli sagt:

    Ich wundere mich ja auch immer über unsere Touris. Besonders zugeknöpft zeigen sich ja gerne die Spanier, Italiener und Franzosen. Aber warum nur???
    Beispiel: Frankreich – Im Taxi sind 10% Aufschlag auf den Fahrpreis üblich
    Quelle: http://www.freizeitfreunde.de/de/editorial/reisen_und_genuss/fernweh/fernweh_artikel_4561.html

  4. Dicker Mann sagt:

    Was, es gab noch nicht mal Inkgeld? Das geht ja gar nicht!

  5. leserin sagt:

    da glüht nicht nur die heide, sondern auch der die wangen, vor fremdscham!

  6. leserin sagt:

    – der, ich wollte zuerst kopf schreiben 😉

  7. Sash sagt:

    @Ursli:
    Ach, bei Franzosen hatte ich bisher eigentlich sehr gute Erfahrungen. Bei Spaniern und Italienern ist allerdings echt was dran 🙂

    @Dicker Mann:
    Und auch kein Rinkgeld 😉

    @leserin:
    Ach, so schlimm waren die noch gar nicht. Da hatte ich ja nun wirklich schon ganz andere Kandidaten …

  8. Senior sagt:

    Erinnert mich an eine uralte Geschichte von Ephraim Kishon wo es um das Trinkgeld für Taxifahrer ging. Normalerweise: „in kleinen Münzen, bis der Taxifahrer lächelt“. In Paris allerdings: „…bis er aufhört zu schimpfen“. Ist also Dein Fehler gewesen – Du warst zu freundlich 😀

  9. Paul sagt:

    Mich würde auch mal interessieren, was mit den Franzosen los ist. Mir wurde von einem in Deutschland lebenden Franzosen bestätigt, daß in Frankreich ein Trinkgeld im Taxi üblich ist. Wie gerne würde ich mal nachfragen, doch leider gehört sich das in so einer Situation ja nicht…

  10. Sash sagt:

    @Senior:
    Ich mag deine Herangehensweise an die Problematik … 😉

    @Paul:
    Also bei mir lässt sich das überwiegend mit dem Alter erklären. Die jungen Leute geben auch hier weniger Trinkgeld und ich hab Nachts eben fast ausschließlich junge Touristen im Auto. Ich weiß beispielsweise auch nicht, was wir damals in Prag bei der Studienfahrt an Trinkgeld gegeben haben – obwohl es hier verbreitet ist …

  11. cult56 sagt:

    die italiener zahlen bei sich im land für dienstleistungen wie restaurant etc(und eben auch taxifahren)kein trinkgeld, weil dies bereits im preis mitenthalten ist. daher kann man denen ruhig mal sagen,dass das hier eben nicht der fall ist.
    bei den jüngeren amerikanern habe ich das allerdings auch schon festgestellt, dass die kein trinkgeld zahlen. auf meine frage, wieso sie das hier in deutschland nicht auch geben, verwiesen sie auf ihre reiseführer, in denen das so behauptet wirde.vielleicht werde ich mich bei den verlagen mal beschweren und um klarstellung bitten. grüsse an alle

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: