Schoki und so…

Ich wollte allen glücklichen Gewinnern des Gewinnspiels mitteilen, dass ich die Schoki und die Bücher heute im Laufe des Nachmittags verschicken werde, so sich nicht irgendwelche unvorhersehbaren Probleme ergeben sollten.

Sorry, dass es so lange gedauert hat, aber es hatte seine Gründe.

Was allerdings besonders schade ist: Ich habe von Carni keine Adresse gemailt bekommen und auch keine Antwort auf meine Nachfrage. Ich habe alle Spamordner durchgegraben, da ist offenbar irgendwas anderes passiert. Also Carni, falls du das lesen solltest: Versuche doch, mich irgendwie zu erreichen und mir die Adresse mitzuteilen!

Gelassen läuft’s…

Ich schreibe hier tagtäglich von einem der Hauptkampfplätze Deutschlands: Dem Straßenverkehr. Ich weiß, das klingt jetzt ein wenig radikal und ich hab auch besseres zu tun, als hier zu klingen wie ein Fahrschullehrer. Aber gelegentlich muss ich doch mal nachfragen:

Wenn ihr da draußen unterwegs seit auf der Straße mit dem Auto: Ist euch eigentlich bewusst, dass ihr mit einem Gefährt unterwegs seid, das prinzipiell wesentlich tödlicher ist als eine langweilige Gewehrkugel?

Ich meine, mit etwas Trainig und einer gutgläubigen Schulklasse vor dem Kühlergrill schafft man locker mehrere Personen auf einmal…

Aber ich will gar nicht auf die Gefahren von Raserei, Drogen und den üblichen Mist raus. Was ist mit Stress? Aro hat kürzlich mal wieder von einer (wenn auch etwas uneindeutigen) Schlägerei berichtet – was sicher kein Einzelfall ist. Und schon gar kein taxispezifisches Problem!

Warum es so ist, weiß ich nicht – aber es ist weit verbreitet, im Straßenverkehr erst einmal alle Fehler der anderen als feindliche Aktion zu werten und alle eigenen als versehentliches Mißgeschick, das den anderen Hornochsen ja wohl auch begreiflich sein müsste! Wenn die nicht eh schuld sind! Bloß weil die Vorfahrt haben…

Ich bin ein geduldiger Mensch, stehe nicht mal unterbewusst auf Stress und die Situationen, in denen ich mich wirklich mal aufrege, geht auch das selten über ein zwei böse Worte hinaus. Vielleicht ein Glücksfall, genetisch sollte ich eine gewisse Veranlagung zur Cholerik haben.

Aber gestern habe ich mich mal wirklich gefreut darüber, alle Wut in den Wind zu schlagen und defensiv geblieben zu sein. Und das wollte ich kurz schildern. EInfach so 🙂

Ich bin den Weißenseer Weg in Richtung Süden entlanggebretzelt, die letzten Meter vor der Möllendorffstraße. Halbwegs am Tempolimit orientiert auf der mittleren Spur. Irgendwann tauchte vor mir ein Kombi auf, von dem ich allerdings nichts sah, da er einen großen Anhänger am Heck hatte. Er war etwas langsamer unterwegs als ich, was mich veranlasst hat, die Spur zu wechseln um ihn zu überholen. Alles ordentlich, mit Blinker, Abstand etc….

Irgendwann hatte ich zu ihm aufgeschlossen, war gerade dabei am hintersten Teil seines Anhängers vorbeizuziehen, als er plötzlich nach links auf meine Spur zieht. Kein Blinken, keine Rücksicht, ziemlich scheiße das alles. Ich hab das in dem Moment sinnvollste getan und eine behutsame und dennoch energische Vollbremsung hingelegt. Da er durchaus nicht langsam war, war ich binnen Sekundenbruchteilen aus der Gefahrensituation raus, da ich mit dem Fuß aber nicht auf der Kupplung war, hab ich das Auto kurzerhand abgewürgt. Kommt davon, wenn man immer im fünften Gang in der Stadt unterwegs ist…

Ihm war das auch nicht entgangen, und es war irgendwie lustig anzusehen, wie er vor mir in den nächsten 30 Sekunden jeden Spurwechsel artig mit Blinken ankündigte und behutsam wechselte (er wollte links abbiegen), nachdem auch er die Fahrt spürbar verlangsamt hatte. Ich hab schon am Fahrstil erkannt, dass der Typ genauso wie ich mindestens einen Schrecken hatte und über seinen Fehler nachgedacht hat.

An der Ampel kamen wir beide nebeneinander zum Stehen. Innerlich war bei mir schon noch das Verlangen da, ihn zu maßregeln oder mir wenigstens anzuschauen, was für ein Depp da über meine Straße fährt…

Aber ich hab demonstrativ ein Gute-Laune-Gesicht aufgesetzt, gewartet bis grün war, und nicht einmal rübergesehen. So, als wäre nichts passiert. Als hätte ich nicht durch meine Reaktion einen Totalschaden unser beider Fahrzeuge verhindert. Als wäre er nicht regelwidrig nach links gezogen ohne zu blinken, als hätte er nicht den Blick in den Rückspiegel vergessen…

Und jetzt? Als ob ich mich einen Tag später darüber noch ärgern würde! Als ob sich für mich irgendwas ändern würde… obwohl, sicher fahre ich in den nächsten Tagen wieder einmal etwas vorsichtiger.

Und er: Er ist jetzt immerhin nicht davon überzeugt, dass Berliner Taxifahrer cholerische Idioten sind. Über die Aktion nachgedacht hat er schon, da bin ich mir sicher. Und in Anbetracht dessen, dass ich jetzt nicht zwingend der Feind auf vier Rädern bin, fällt der Rückblick vielleicht sogar realistischer aus 🙂

Haltet mich für einen Idioten, aber ich bin fest überzeugt davon, dass der Weg der bessere ist!

Mohammeds Einladungshölzchen

Jeder macht mal Dummheiten. Jeder. Und weil dieses jeder jeden miteinschließt, mache ich auch keine Ausnahme.

Es gibt beim Taxifahren ein paar wenige Grundregeln, über die man eigentlich nicht nachdenken muss:

Man nimmt keine Drogen bei der Arbeit, man bescheisst seine Fahrgäste nicht und man lässt sich selbst nicht bescheissen.

Eigentlich war es das schon. Punkt 1 habe ich bisher zu 100% umgesetzt, Punkt 2 mit ein paar versehentlichen Ausnahmen auch, diese Geschichte fällt unter Punkt 3. Meine Kollegen werden mich steinigen, wenn sie diese Geschichte lesen und meine Chefs hätten eine Grundlage, mich rauszuschmeißen. Das werden sie aber nicht tun, was euer Glück ist.

Worum geht es?

Ich habe einen Fahrgast befördert, der mir von vornherein gesagt hat, dass er mich nicht bezahlen kann.

Er hat auch noch eine Menge anderer Dinge gesagt und genau davon handelt diese Geschichte. Sie ist schon ewig her, es müsste im Sommer vor anderthalb Jahren gewesen sein. Ich stand auf der letzten Rücke am Ostbahnhof und habe mich mit ein paar Kollegen unterhalten. Es war noch hell draußen, alles in allem ein stinknormaler Arbeitstag. Unsere Augen blieben plötzlich alle an einem Mann hängen, der aus dem Nebeneingang des Bahnhofs trat. Ein reichlich beleibter arabisch aussehener Typ, der einfach nur nach Klischee-Scheich aussah. Sehr klischeemäßig war auch sein Angebot:

„Ich gebe dir eine Billion Euro, wenn du mich zur Botschaft von [Verrate ich nicht!] bringst!“

Das Schwierigste am Erzählen dieser Geschichte ist, glaubhaft zu machen, dass ich die Fahrt nicht angenommen habe, weil ich dem Typen das geglaubt habe. Mir war durchaus bewusst, dass eine Billion Euro nicht nur ein leicht obszöner Betrag für eine Taxifahrt wäre, sondern vor allem auch so viel Geld, dass es keine Einzelperson auf diesem Planeten gibt, die derart viel auch nur besitzt.

Das Problem an der Sache war jedenfalls, dass ausgerechnet dieser großzügige Scheich weder Geld dabei hatte, noch im Besitz einer Bankkarte war. Eine Rechnungsfahrt mit einem unbekannten Fahrgast: Definitiv etwas, das ich eigentlich nie machen würde! In diesem Fall habe ich es getan, einfach weil der Typ zum einen wahnsinnig sympathisch war, zum anderen weil er so absurde Sachen von sich gegeben hat, dass mir klar war, das würde bloggenswert werden.

Wir sind dann losgefahren und er hat mich weiterhin mit seiner Billion Euro bedroht. Recht bald wurde es dann aber etwas ruhiger um das Thema und er tischte mir derart fantastische Geschichten auf, dass ich aus dem Lachen bald nicht mehr herauskam.  Er faselte von geheimen Missionen und seinem Vater, alles in allem hätte man einen James-Bond-Film aus seinen Geschichten extrahieren können. Im Nachhinein betrachtet war der Typ wahrscheinlich psychisch krank. Er hat die Geschichten geglaubt, die er erzählt hat – so viel traue ich mir an Menschenkenntnis zu. Ich hab leider inzwischen vergessen, was genau der Inhalt war, aber er hat meine kühnsten Erwartungen übertroffen. Dass er nicht unterwegs anhalten wollte, um die Kanzlerin zu entführen, war so ziemlich alles.

Das Hauptthema ist aber irgendwie doch die Fahrt gewesen, er hat mich geradezu einzulullen versucht mit Komplimenten, dass ich nicht so rassistisch sei wie meine Kollegen, die ihn sicher nie gefahren hätten, bla keks. Am Ende wurde es geradezu rührend, denn da erzählte er mir dann, dass er mich deswegen auf seine Hochzeit einladen würde. Er nannte mir das Datum und bedeutete mir, ich könne gerne meine Frau mitbringen. Er nannte äußerst präzise ein Hotel in Dubai, wo er feiern würde und überreichte mir 3 Zahnstocher.

Auf meinen irritierten Blick hin antwortete er, dass das schon ok sei so, ich dürfe neben meiner Frau gerne noch einen Freund mitbringen. Diese „Hölzer“ seien Einladungen und der Sicherheitsdienst würde uns ohne Komplikationen durchlassen, wenn wir sie vorzeigen. Ehrensache! Und er freue sich schon auf unser Wiedersehen.

Ein bisschen Hoffnung, mein Geld noch zu sehen, hatte ich an diesem Punkt irgendwie dennoch. Also habe ich ihn am Ende gebeten, mir seinen Ausweis zu reichen, damit ich mir die Daten notieren könne. Das hat er auch anstandslos gemacht, nicht allerdings ohne mich darauf hinzuweisen, dass Yussuf – der Name stand in seinem Ausweis – eigentlich nicht richtig wäre und nur ein Zugeständnis an die deutschen Behörden, die Mohammed nicht anerkennen würden, den Namen, den er inzwischen angenommen hätte. Er unterschrieb einen handschriftlich von mir erstellten Schuldschein, allerdings nicht ohne auch hier noch einmal drunterzuschreiben, dass der Fahrpreis nicht 16,20 € war, sondern eine Billion Euro. Meinen Namen und meine Bankverbindung nahm er auch entgegen und versprach, die Billion binnen einer Woche zu überweisen.

Er dankte mir warmherzig und ist in Richtung Botschaft verschwunden.

Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie groß das „WTF???“ war, das zweifelsohne direkt in meinen Augen ablesbar war. Es war eine der geilsten Touren meines Lebens und sicher auch eine der geilsten Stories für den Blog. Mein Gefühl war aber letztlich doch eher, dass ich mich habe ausnutzen lassen, bzw. einen Fehler gemacht habe.

Die nächsten Tage habe ich meinen Kontostand regelmäßig gecheckt. Nicht wegen der Billion – ich bin mir sicher, dass ich dann von der Sparkasse auch einen netten Anruf bekommen hätte. Nein, ich wollte nur sehen, ob die 16 Euro eingehen. Das taten sie nie. Zumindest bis heute nicht.

Ich habe seinen Namen gegoogelt und ihn hier und da in ein paar arabischen Foren gefunden, in denen allerdings kein Deutsch gesprochen wurde. Ich haderte stark mit mir und am Monatsende hab ich die Fahrt aus eigener Tasche bezahlt und mehr oder minder beschlossen, es gut sein zu lassen.

Was ein Fazit angeht, habe ich wie schon erwähnt eine ambivalente Haltung: Natürlich war es rechtlich nicht ok und nach wie vor kann ich nicht ausschließen, dass der Typ mir nicht vielleicht doch nur was vorgespielt hat. Allerdings glaube ich das nicht und war auf der anderen Seite tatsächlich mehrere Tage beeindruckt von ihm und seinen obskuren Geschichten, sodass ich doch sagen kann, es hat sich (irgendwie) auch für mich gelohnt. Wie der Zufall es so will, habe ich vor ein paar Wochen beim Umräumen meines Zimmers das alte Büchlein weggeschmissen, in dem der Schuldschein war. Mehr als seinen Vornamen habe ich also inzwischen auch nicht mehr und damit ist die Sache wohl endgültig erledigt. Sei es drum. Ich hoffe, Yussuf Mohammed weiss das Ganze auch noch zu schätzen…

So sieht es eigentlich aus!

Aro hat mir gerade ein Video aus dem Adventskalender der rbb-Abendschau verlinkt und ich fand es irgendwie gut. Nein, zugegeben: Eigentlich ist es für mich relativ langweilig, allenfalls garniert mit etwas Heimweh ins Auto.

Aber es ist nach all den unsäglichen Taxi-Tests und aufgescheuchten Berichten aus dem miesen Milieu der Taxiabzocker doch einfach mal ein angenehm unaufgeregtes Video über unseren Job, so wie er letztlich ist. Auch wenn es in diesem Fall mal nicht viel spannendes hergibt.

Hier könnt ihr es anschauen.

Von Richtungen und Falschungen

…oder so.

Das Konzept von Taxen ist ja eigentlich nicht sonderlich kompliziert: Ein Fahrgast bezahlt uns Taxifahrer, um von uns dann dorthingebracht zu werden, wo er will. Aber da Menschen sich das Leben ja gerne besonders schwer machen, werde ich oft genug gefragt, ob das jetzt ok so sei mit der Richtung oder ob ich nicht lieber eine Tour nach xy statt nach z bekommen hätte. Manche gehen ja tatsächlich am Stand soweit, dass sie mir anbieten, ein anderes Taxi zu nehmen – meistens übrigens, wenn sie eine lange Tour in einen Randbezirk haben.

Wenn es ins Umland geht, ist die Frage natürlich berechtigter – und zwar im wahrsten Sinne. Schließlich habe ich dort sogar das Recht, die Fahrt abzulehnen. Aber bei Winkern sind das teilweise hanebüchene Nachfragen. Da wollen die Leute dann vom Kottbusser Tor zur Hermannstraße Ecke Flughafenstraße und fragen, ob mir das nicht zu weit nach außerhalb geht.

Andere sind in die andere Richtung dreist und fahren von Schöneweide nach Köpenick und behaupten, dass sei nicht etwa des Geldes wegen toll, sondern weil sich direkt neben ihrer Waldhütte ein Taxistand befindet – und ich glaube, selbst Funker finden Montag Nachts um drei bessere Halten als verlassene Ecken nahe dem Waldrand.

Wirklich geärgert habe ich mich noch nie über eine Tour, aber sicher wäre ich manchmal – insbesondere um den Feierabend herum – froh, keine Fahrt nach JWD mehr zu kriegen. So einen Fall hatte ich neulich wieder:

Nach der Tour mit dem betrunkenen Spaßvogel, der um ein Haar mein Auto unfreiwillig als Suizidhilfe verwendet hätte, wollte ich eigentlich gleich wieder in die Stadt, zumindest mal so grob wieder in Richtung belebter Gebiete. Da ich aber mein Handy nicht dabeihatte, dachte ich, ich könne ja durchaus auch mal nach meiner besseren Hälfte sehen, wenn ich schon so weit östlich gelandet bin. Allen Überkilometern zum Trotz hab ich mich auf den Weg in die Marzahner Promenade gemacht, nur um festzustellen, dass zu Hause schon alles dunkel und niemand mehr wach war.
Ein wenig frustriert bin ich also die diesmal rund 10 km lange Strecke gen City gegurkt. Dabei hab ich – wieder in Lichtenberg angekommen – auch tatsächlich einen Winker gehabt.

„Wo darf es denn hingehen?“

„Marzahner Promenade 42.“

Ich hab mich an dem Punkt auch beherrschen müssen, nicht Homer Simpson mit einem lauten „Nein!“ zu zitieren 🙂

Aber im Grunde meine ich es ernst: Wir werden dafür bezahlt, dass wir die Fahrgäste dorthin bringen, wo sie hinwollen, nicht dafür, irgendwo hinzufahren, wo wir gerade Lust drauf haben.

Kameras in Taxen?

Stephan hat mir einen Link zukommen lassen, dem nach die Mitteldeutsche Zeitung verkündet, Magdeburgs Taxen würden künftig mit Videokameras ausgestattet, der Grund wären häufige Überfälle in letzter Zeit. Stephan fragte, was ich davon halte und ob ich diese Maßnahme angemessen finde.

Das ist schwierig. Sehr schwierig. Kurz zusammengefasst würde ich sagen:

Ich persönlich halte nichts davon, kann aber nachvollziehen, dass die Magdeburger Kollegen sich diese Gedanken machen.

Ich muss bei dieser Frage natürlich ganz deutlich eines voranstellen: Ich selbst bin noch nie überfallen worden und ich maße mir nicht an, über Kollegen zu urteilen, die aufgrund einer solch traumatischen Erfahrung eine derartige Überwachung gutheißen!

Insgesamt bin ich allerdings ein Gegner von Überwachungsmaßnahmen fast jeglicher Art und glaube nicht an eine langfristig gute Bilanz des Ganzen. Natürlich haben Kameras zunächst einmal eine abschreckende Wirkung. Das kann ich selbst als Gegner nicht leugnen – und auch der Taxiblogger hat das ja neulich berichtet, wenn auch eher „indirekt“. Sicher schreckt eine Kamera mal einen Kunden ab, der übles im Schilde führt, die guten Seiten sind also offensichtlich.

Inwischen meldet ebenfalls die MZ, was in anderen Städten davon gehalten, bzw. wie es dort überhaupt gehalten wird mit den Kameras. Das ist natürlich unterschiedlich, die Befürchtungen und Hoffnungen schwanken offenbar zwischen Abschreckung im Positiven auf Räuber und Abschreckung im Negativen auf alle Fahrgäste. Letztere Meinung teile ich nicht mal, bin aber dennoch eher dagegen.

Wir gewöhnen uns doch sowieso schon viel zu sehr an Überwachung an allen Orten! Es mag sein, dass an den überwachten Stellen weniger passiert, was das gesamtgesellschaftlich bedeutet, ist indes gar nicht so sicher. Das Berliner Nahverkehrsnetz beispielsweise ist recht gut überwacht mit Kameras. An Bahnhöfen, in den Zügen usw. Was fällt euch zu den Berliner Bahnen an Schlagzeilen der letzten Jahre ein? „Berliner Straßenbahn sicherste der Welt!“? War das eine Headline der Boulevardpresse? Oder sonst einer Zeitung? Natürlich nicht. Und den Grund kann ich kostenlos dazu liefern:

Absolute Sicherheit gibt es nicht!

Im Einzelnen – also auch für uns Taxifahrer – ist das erstmal gar kein unlogischer Schritt: Autos überwachen, mit Kamera, GPS, Funk, dazu stillen und lauten Alarm etc. Wer weiss, vielleicht sorgt das für sicherere Taxen. Aber zum einen werden wir dann plötzlich 100% unserer Arbeitszeit überwacht und das Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen: Vielleicht verwenden unsere Chefs dann die Aufnahmen irgendwann, um zu überwachen, ob wir das Rauchverbot einhalten, vielleicht stellen wir aber auch selbst die lustigsten Fahrgastvideos mal ins Netz, am besten mit GPS-Tag und Namen.

Zum Anderen können wir dann aber auch nicht dagegen sein, wenn sich die Kloputzer aus den Bahnhofstoiletten melden und sagen, dass es bei ihnen oft zu Gewalttaten kommt. Also machen sie das nächst logische: Kameras, Alarmanlagen…

Das kann nicht ernsthaft die Lösung sein!

Sie ist einfach und vergleichsweise billig, das muss man zugeben. Aber Überwachung verlagert Kriminalität nur. Was machen denn die Taxiräuber, wenn sie in Zukunft mal wieder einen Hunni brauchen? Handtaschen klauen, in Wohnungen einbrechen… es ist doch kein einziges Problem gelöst damit.

Sicher darf man mal auf die Probleme hinweisen, die wir ja tatsächlich mit Überfällen haben. Natürlich sind wir als Einzelpersonen verwundbar und wir führen Geld mit uns. Auf der anderen Seite haben wir jetzt schon Alarmsysteme vorgeschrieben und unsere Geldbestände sind wahnsinnig niedrig. Wenn da draussen Menschen rumrennen, die überhaupt auf die Idee kommen, einen schweren bewaffneten Raubüberfall zu begehen, um maximal ein paar hundert Euro zu erbeuten, dann können wir doch nicht einfach die ganze Welt mit Kameras zupflastern wegen solcher Spinner. Oder verbarrikadieren: Im zweiten verlinkten MZ-Artikel wird bereits wieder nach der Panzerglasscheibe im Taxi gefragt – eine Einrichtung, die es hier in Deutschland schon gab und gegen die letzten Endes die Taxifahrer protestiert haben!

Spätestens seit Nine-Eleven sind wir dabei, uns immer und überall überwachen zu lassen und gleichzeitig zu jammern, dass es ja „immer schlimmer“ wird mit der Kriminalität. Vielleicht sollte man irgendwann mal zugeben, dass das eine Sackgasse ist.

Ich bin der Meinung, dass man das Geld besser in Fortbildungen und dergleichen investiert. Es mag nur ein Teil der Überfälle sein, der sich durch Psychologie vermeiden lässt, aber es ist auch nur ein Teil, bei dem Kameras das leisten. Im einen Fall haben wir bessere Taxifahrer, im anderen, nun ja, ein paar Kameras mehr…

Vor allem hilft einem eine Kamera am Ende bei einem tatsächlichen Überfall gar nicht. Denn im Grunde geht es ja letztlich nicht drum, ob die Täter erwischt werden, oder ob man seine paar Kröten wiedersieht. Wenn ich mir jetzt vorstelle, dass ein Räuber am Ende auch noch das Auto demoliert, um die Aufnahme zu löschen, oder es gar klaut, was weiss ich… dann verzichte ich gleich nochmal lieber darauf.

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Wie Bombe (2)

Als ich meinen alkoholisierten Super-Fang wieder im Auto hatte und ausparken wollte, ermahnte er mich, wir müssten erst einmal anstoßen. Dazu hatter er mir tatsächlich eine Cola mitgebracht, er selbst hielt sich an einer kleinen Jägermeister-Pulle fest. „Nicht betrinken“ war er ja angeblich. Wieder auf der Straße hab ich ihm den Gefallen getan und ihm zugeprostet, ist ja nicht das erste Mal, dass ich im Auto etwas trinke.

Er verzog bei seinem ersten Schluck das Gesicht, als würde er – wie ich – eigentlich gar keinen Schnaps trinken und es ziemlich widerlich finden. Als Lösung fing er an, sich eines der 5 gekauften Bier zu öffnen. Ich bin da nach wie vor recht offen, aber er war schon arg in Mitleidenschaft gezogen. Also hab ich ihn mehr als nur deutlich verwarnt:

„Hey! Nix dagegen, dass du hier Bier trinkst! Aber VORSICHT! Das Auto bleibt gefälligst sauber, sonst wird’s teuer!“

Als Antwort dienen sollte ein etwa zweiminütiger Monolog seinerseits, der zum Inhalt hatte, dass er Gustav heißt und als Gustav selbstverständlich auch saubermacht, was er beschmutzt. Außerdem sei das auch mit dem Geld kein Problem, denn er hätte Arbeit, weder Frau noch Kind, einfach nur „Kohle ohne Ende“. Dabei hantierte er mit seiner Bierflasche immer so, als ob er mir ernstlich zeigen müsste, wie es aussehen würde, würde er sie ausschütten. Ein bisschen geschwitzt hab ich bei der Darbietung durchaus. Aber er hat sein Versprechen gehalten.

Kurz vor dem Ziel musste er mir zeigen, wo es jetzt genau zu seiner Firma geht. Als wir an der Ampel standen, hätten es folgende Worte getan:

„Hier gleich hinter der Kreuzung die erste Einfahrt rechts!“

Gesagt hat er ungefähr folgendes:

„Fahrsdu fahrsdu gerade, immer gerade. Nicht hier rechts, erst nachher. Dann rechts, dann ist meine Firma!“

Das kann man so auslegen wie er, muss man aber nicht. Kurzum: Es hat 3 Anläufe gebraucht, bis wir die Einfahrt getroffen haben. Auf dem Gelände selbst gab es das gleiche Spielchen nochmal, aber ich hab das genossen. Ich hatte meinen Blogeintrag in der Tasche, alles ok. Am Ende einer solchen Tour muss man – insbesondere als Gustav! – natürlich eine Zigarette rauchen. Deswegen muss der Taxifahrer auch eine rauchen. Irgendwie logisch. Fand er zumindest.

Immerhin ist er dazu ausgestiegen. Damit wäre eigentlich alles erledigt gewesen. Ach gut, das Zahlen…

Das stellte ihn – wie er ja gesagt hatte – vor keine sonderliche Herausforderung. Er drückte mir einfach seinen Geldbeutel in die Hand, der mit grob geschätzten 500 € durchaus ausreichend ausgestattet war, um die 14€-Tour zu begleichen. Ich hab ihn dann gezwungen, hinzusehen was ich mir rausnehme, denn bei seiner Aufmerksamkeitsspanne hätte es keines Meisterdiebes bedurft, mal eben die Hälfte der Kohle zu entwenden.

Da mein Fahrgast langsam aber auch die Kontrolle über die Sprache verlor, gab es nicht einmal weiteres Trinkgeld. Stattdessen rutschte er neben der offenen Beifahrertür plötzlich weg, stürzte kopfüber und ohne sich abzustützen ins Wageninnere. Statt aber bequem auf dem Beifahrersitz zu langen, knallte er mit dem Kopf gegen das Amaturenbrett, um am Ende mit dem Gesicht zwischen selbigem und der Türe eingeklemmt liegen zu bleiben. Wer will, kann das gerne versuchen: Es gibt keine bequeme Position, in der man das hinkriegt. Im Grunde weiß ich nicht einmal, wie er einem Genickbruch entgehen konnte…

Also hab ich ihn rausgefischt und nebenbei auch sein offenes Bier, dass er bei der Aktion in den Wagen geschmissen hat.

Aber ebenso wie ihm sein Kopf nicht abgefallen war, stand das Bier nun, leicht an den Türschweller angelehnt, sicher im Wagen und ist nicht ausgelaufen. Mehr Glück kann man kaum haben. Er sah ein, dass es nun besser wäre, zu gehen. Ich selbst wollte ohnehin einen Abflug machen. Als ich gerade einsteigen wollte, drang ein fürchterlicher Lärm an mein Ohr, aus genau der Ecke, um die er inzwischen verschwunden war.

„Was ist los, biste hingefallen?“

„Jaaaaa!“

„Ist was passiert?“

„Nee, aber besoffen wie Bombe!“

Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung 🙂