Ein kurzes Bier und keine Gebärmutter

„C’mon! Only a short beer!“

Mit einer gewissen Sympathie bewaffnet, gestalten sich Einladungen während der Arbeit zu einer fast schon regelmäßigen Geschichte. Das kurze Bier wurde mir angeboten von zwei Iren, die fast die ganze Fahrt über nicht locker lassen wollten, um mir im Courtyard by Marriot Hotel noch einen Drink zu spendieren. Meine Einwände bezüglich Alkohol und Autofahren wollten sie nicht gelten lassen und kommentierten das mit einem erschreckend selbstverständlichen

„You have to try it. We always do so!“

Letztlich bin ich natürlich nicht mitgekommen, und neben der Tatsache, dass ich mich am Samstagmorgen um 3 Uhr ungern vom Arbeiten abhalten lasse, lag der Grund auch in einigen nur leiste geflüsterten Anzüglichkeiten, die mir klar machten, dass es beileibe nicht um ein Bier ging.

Runde 24 Stunden später war es dann noch ein wenig offensichtlicher, wenn auch in beängstigendem Maße hilfloser:

„Wenn ich jetzt keine Gebärmutter und keine Brüste hätte, was müsste ich sagen, damit du noch mit hochkommst zum feiern?“

Ich bin ziemlich überzeugt davon, dass der junge Kerl da einiges durcheinander gebracht hat, als er sich überlegt hat, wie er einen Hetero mit Argumenten zu sich nach Hause bringen könnte, da er – so ungenau ich ihn auch in Augenschein genommen habe – mit ziemlicher Sicherheit tatsächlich keine der oben genannten biologischen Merkmale aufwies.

Manchmal ist es schon hart, aber bei solchen Angeboten ist es ziemlich aussichtslos, meine Anwesenheit außerhalb des Autos zu bekommen.

Mein Chef hat zwar zu Beginn meines Arbeitsverhältnisses bereits gesagt, dass Taxifahren als Job den unglaublichen Vorteil bietet, Menschen kennenzulernen, und umgehend – während der Arbeit quasi – noch mit ihnen ausgehen, bzw. einkehren zu können… aber so lange die Angebote sich auf Drogen und Sex beschränken, hat man als vergebener und zumindest zeitweilig arbeitswilliger Fahrer nicht so sonderlich viel davon.

Außer was zu bloggen 😉

Nicht beförderungswürdig?

Hinterster Nachrückeplatz am Ostbahnhof. Sash rückt ein paar Plätze auf, als ein junger Mann ans Fenster klopft:

„Entschuldigen sie die Störung… ich wollte fragen, ob sie uns eventuell zur Koepi mitnehmen würden?“

Kurze Fahrt, keine 800 Meter. Mache ich ja trotzdem – gerade, wenn ich erst ein paar Minuten gestanden bin – aber für jugendliche Punks eine seltsame Anfrage.

„Wissen sie, wir haben einen Gehbehinderten dabei. Der kann die Strecke nicht laufen.“

Na also, da haben wir den Grund.

„Kein anderes Taxi wollte uns mitnehmen.“

Kollegenschweine!

„Der ist echt ein netter Kerl. Und viel getrunken hat er auch nicht.“

Reichlich angeschlagen hat der Typ zwar gewirkt, aber absolut im Rahmen. Zottelige Dread-Mähne, schiefer Blick aber heilfroh und überglücklich, zur Punkrock-Party zu kommen. Einen ebenso netten und im übrigen trotz mehr oder minder auffälligem Äußeren sehr kultivierten Mitfahrer haben wir auch gleich noch mitgenommen. Helfen brauchte ich weder beim Ein-, noch beim Ausstieg und entgegen der vielleicht bei meinen dünnhäutigen „Kollegen“ vorhandenen Bedenken war es auch nicht so, dass die Jungs in irgendeiner Weise unangenehm gerochen haben oder sonstwie aufgefallen wären.

Naja, Moment… doch: Sie haben mir in der Schicht das höchste Trinkgeld gegeben!

Ich weiss gar nicht, warum ich hier schreibe, dass die Punks, die ich mitgenommen habe, nicht gestunken haben. Das ist eigentlich zu schlecht und ich finde es erbärmlich, dass ich sowas auch noch erwähnen muss. Aber wovor haben die feinen Herren Mittelschicht-Chauffeure denn bitte Angst gehabt? Zu kurze Strecke nach 5 Minuten Warten? Die Jungs waren durch die Bank weg nett, höflich und haben zu erkennen gegeben, dass sie wissen, dass es für uns nicht sonderlich toll ist, so eine kurze Strecke zu fahren. Ohne dass sie das müssten haben sie einen trifftigen Grund für ihren Beförderungswunsch angegeben, und zu guter Letzt in Form eines recht guten Trinkgeldes auch noch zusätzlich für die wie auch immer gearteten Unannehmlichkeiten entschädigt.

Alles, was offensichtlich daran gehindert hat, sie mitzunehmen, war entweder ihre Einstellung oder ihr Aussehen. Ey, wo leben wir eigentlich?