Geduld und so…

Sollte irgendwann einmal irgendwer auf die Idee kommen, mich einsperren zu wollen, weil ich ein grundschlechter Mensch bin – dann nehmt bitte folgenden Beitrag als Gegenbeispiel:

Die Schicht lief – für Samstags – scheiße! Anders kann man es nicht sagen. Die Fahrten tröpfelten nur rein, und wenn dann waren es kurze Strecken. Vom Ostbahnhof ging es nach Friedrichshain, vom Matrix nach Kreuzberg und die Winker wollten Kurzstrecken. Zumindest meistens…

Ich kann also nicht leugnen, dass ich positiv überrascht war, als vor dem Matrix ein junges Mädel – laut eigenem Bekunden 7 Jahre jünger als ich – mich fragte, ob ich sie zur Geschichtsträchtiger-Name-Str. fahren möchte. Also nach Köpenick. Wow! Mit der Tour könnte ich immerhin noch vor übermorgen Abend das finanzielle Ziel erreichen, dass ich mir für etwa drei Stunden vorher vorgenommen hatte!

„Na sehr gerne doch! Steigen sie ein!“

Kurzum: Sie war ziemlich betrunken. Das war eine witzige Geschichte an und für sich. Wir scherzten darüber, dass ins Auto kotzen nicht so toll wäre, dass es fragwürdig ist, wenn man sich mit 20 alt fühlt, und auch darüber, dass sie ihrem Mann versprochen hat, nicht betrunken heimzukommen. Rundum eine Tour, wie man sie sich eigentlich jeden Abend wünscht. OK, das Ziel lag weit außerhalb, was ordentlich Leerkilometer bedeutet – aber besser mal irgendein Umsatz als keiner!

Drei von dreizehn Kilometern ging das gut…

Dann vernahm ich vom Beifahrersitz aus Würgegeräusche, und das ist einfach ein ungutes Zeichen. Da kann man eine Einstellung zum Saufen haben, wie man will – das ist kein gutes Zeichen. Nein nein nein…

Wenn man sich eines als Taxifahrer angewöhnt, dann ist es schnelles rationales Handeln. Vom ersten Würgen ihrerseits sind keine fünf Sekunden vergangen, bis ich durch Beaugapfelung meiner Kundin realisiert habe, dass es ernst ist, die Verkehrssituation einschätzen konnte, eine Parkbucht mit ausreichenden Ausmaßen gefunden, den Blinker gesetzt (!) und das Auto aus 50 km/h sanft zum Stehen gebracht habe. Danach habe ich mit einer erschreckenden Lässigkeit ihre Türe geöffnet, und während sie dabei war, sich die letzten drei Drinks noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen, bin ich ausgestiegen und habe im Kofferraum die Küchenrolle um ein paar Blatt gekürzt.

Ich hab ihr die Tücher zum Abwischen gegeben und mich selbst augenblicklich daran gemacht, die Türschweller (welche leicht in Mitleidenschaft gezogen wurden) zu reinigen. Das Ganze natürlich nicht ohne tröstende Worte, dem Angebot, kurz Luft zu schnappen etc. pp. All die Freundlichkeiten, die meiner Meinung nach im Preis inbegriffen sind. Im Übrigen nicht nur bei jungen Mädels, sondern auch bei alten Kerlen.

Soweit, so gut! Das Auto hatte wirklich so gut wie nichts abbekommen – vor allem nicht innen – und so konnten wir nach einer Rückversicherung meinerseits die Weiterreise antreten.

Warum aber schreibe ich von Geduld? Soo schlimm ist das doch nicht…

Das stimmt.

Man bewertet das ganze allerdings ein wenig anders, wenn es einem in den folgenden 15 Minuten noch fünfmal so ergeht. Der Alkohol hat bei ihr inzwischen voll durchgeschlagen, so dass sie niemals auch nur einen Ton sagen konnte, bevor ich mich einmal mehr glücklich schätzen konnte, lange Arme zu haben, und somit auch die Beifahrertür vom Fahrersitz aus öffnen zu können. Einmal hat sie das selbst versucht, was aber nicht weniger anstrengend war, da es ohne jede Vorwarnung bei Tempo 50 passierte.

(Sie hat es nicht geschafft, aber in dem Moment fand ich es scheiße, dass ich die Türen nicht auch für innensitzende Leute verriegeln kann…)

Wie ging die Geschichte aus?

Ich hab sie nach einem gefühlten Jahrhundert Fahrt bei einem Taxameterstand von 25,30 € in die ihr sicher erstaunlich schwankend erscheinende Realität entlassen. Dabei habe ich ihr das Rückgeld centgenau zurückgegeben, und nicht einmal einen Ton gesagt, als eine 2-Euro-Münze in den Tiefen meines Autos verschwand, wo selbst ich sie bisher nicht bergen konnte (ich hab ihr eine neue gegeben). Trotz der null Cent Trinkgeld habe ich ihr eine gute Nacht gewünscht und mich einfach so auf den 10 km langen Rückweg in die City gemacht…

Ein ernstliches Danke habe ich nicht bekommen. OK, das lag – und das ist der Grund, weswegen mich das nur bedingt ärgert – wahrscheinlich daran, dass ihr die Geschichte ziemlich peinlich war. Vielleicht hilft es ja fürs nächste Mal – vorausgesetzt, sie kann sich an was erinnern…

Seltsamer Freitag

So, so langsam wird es eine absurde Serie. Das war nun der dritte Tag in Folge, an dem ich zwischen 135,90 € und 136,50 € eingefahren hab. Bei Arbeitszeiten zwischen 8,75 und 11,00 Stunden wohlbemerkt. Gestern war aber sowohl der Verlauf, als auch die Kundschaft teilweise erwähnenswert.

Begonnen hat alles mit einer Kurzstrecke noch vor dem Aufschlagen am Ostbahnhof. Ein Punk, der zu spät zur Arbeit kam – ein zeitloser Klassiker, wenn man die Uhrzeit (20 Uhr etwa) beachtet. Fast noch besser war die Kommunikation zum Ende:

„Sorry wegen Trinkgeld, aber ich brauch die Einsfünfzich. Ich hoffe, die anderen geben reichlich!“

Die nächsten vier Stunden waren geprägt von enormer Lethargie. Ich hab bis 0 Uhr zwar 5 Fahrten zusammengekriegt – aber mit 29,90 € Umsatz kann man das als völligen Fehlschlag werten. Insbesondere für einen Freitag.

Einsamer Höhepunkt war eine von mehreren kurzen Strecken so um die 6 €, als eine Frau meinte:

„Ich hoffe, ich habe das noch klein. Sonst hab ich das nur sehr groß.“

„Wie groß denn?“

„Naja, es ist grün…“

Ich bin wirklich kein Spielverderber beim Wechselgeld – aber nach der dritten Fahrt kann wohl kaum ein Fahrer auf einen Hunderter rausgeben – schon gar nicht, ohne danach selbst Pause zum Wechseln einzulegen. Aber gut, sie hatte es noch klein, und bei fast 2 € Trinkgeld will ich mich mal nicht beschweren…

Ach so, dann waren da noch die zwei Leute, die in die xy-Straße „zum beleuchteten Hauseingang“ wollten. Sie waren nicht so nervig, wie sich das anhört, aber: Kann mir mal jemand verraten, wie ich mit dieser Beschreibung in einer ca. 700 m langen Straße voller beleuchteter Straßencafés noch vor der Dämmerung bei tiefstehender Sonne einen erleuchteten Hauseingang hätte finden sollen – der zudem (Trommelwirbel!) UNBELEUCHTET war? Ist Taxifahren soo langweilig, dass man es mit einer Schnitzeljagd kombinieren muss?

Mir ist zudem zu Ende des Kalendertages richtig schlecht geworden, sodass ich mich zu einer Stunde Pause genötigt sah. Um ziemlich genau 1.00 Uhr bin ich in Marzahn dann gestartet.

Um 2.00 Uhr hatte ich dann schon 75 € in der Tasche. 45 € in einer Stunde – meine bisher zweitbeste Stunde überhaupt, seit ich den Job mache.

Geschuldet war der hohe Verdienst natürlich nicht einer kleinen Tour, sondern vor allem den beiden längeren, die ich hatte. So habe ich eine Gruppe von der Warschauer über Biesdorf bis nach Marzahn gefahren, und dann ist mit hundert Meter weiter ein Typ aufgefallen, der mich herangewunken hat.

„Färs mbs Lxnnerplz?“

Das ist kein Tippfehler!

„Alexanderplatz? Aber sehr gerne doch!“

Der Typ hatte ordentlich einen im Tee, aber das war nicht das Verwunderliche. Das Verwunderliche war, dass ich mir sicher bin, dass er auch nüchtern so spricht. Er beherrschte die hohe Kunst, einen Satz nicht nur schnell auszusprechen und dabei zu nuscheln – sondern zum Ausgleich auch noch alle fürs Verständnis wichtigen Silben zu verschlucken. Er hat mich 15 bis 20 Minuten vollgelabert, und ich habe vielleicht ein Viertel verstanden. Gut, ich weiss, dass er gerne trinkt, schwul ist – richtig versaut sogar – und aus einer anderen Stadt kommt. Noch dazu so allerlei belangloses Zeug. Was der in der Schwulenkneipe, in die er noch wollte, noch angestellt hat, will ich besser nicht wissen…

Dann noch ein netter Australier, mit dem die Lösungsfindung, in welchem baxpax-Hostel er abgestiegen ist, gute 5 Minuten in Anspruch nahm. Er vergesse schonmal gelegentlich, wo er untergekommen ist – in London hat er ein Hotel mal nicht mehr gefunden… naja. Ich hab ihn am richtigen Hostel abgesetzt, hatte ein echt nettes Gespräch und hab von ihm mit 3,40 € das höchste Trinkgeld bekommen – von einem Touristen in meinem Alter! Das ist fett!

Ab da war wieder Land’s End. Ich hatte eigentlich gehofft, wenigstens bis 4 Uhr den obligatorischen Hunni (der fürs Wochenende echt mal gar nix ist) voll zu kriegen. Nix da. Um 5.30 Uhr stand ich seit über einer Stunde vor dem Matrix rum und hab mich mit ein paar Jugendlichen ausgetauscht, die der Meinung waren, ich müsste die 10 km bis zu ihrem Heimatplaneten doch auch für 15 € fahren. Schließlich seien sie auf mich angewiesen, und alle meine Kollegen würden das ja auch machen. Bezeichnenderweise hat kein Kollege in der Schlange diese Ansicht geteilt. So sind die drei nach einigem Gefeilsche mit hochgezogenen Nasen von dannen gezogen und waren sichtlich stolz darauf, dass sie nicht auf uns angewiesen sind. Natürlich hat sie irgendein Kollege um die nächste Ecke mitgenommen – aber das soll mir mal egal sein.

Ich hab dann – ein wenig hatte ich ja drauf gehofft – ein zweites Mal eine Bedienstete vom Club gefahren, die mit ihrer halben Fernreise immerhin noch 25 € in meine Kasse gespült hat. Trinkgeld gibt sie zwar wenig, aber immerhin hatte ich mal wieder ein paar Euro Umsatz.

Nach einmal „halblegalem Wenden“ auf der Landsberger Allee habe ich dann noch einen Winker aufgesammelt, der wie schon die Herrschaften aus der xy-Str. auf Rätsel stand:

„Halensee bitte!“

„Wo in Halensee möchten sie denn hin?“

„Ganz oben.“

„Welche Straße denn?“

„Joachim-Friedrich-Str.“

„OK, wo denn da genau? Hausnummer? Oder welche Ecke? Am Ku’damm?“

„Ku’damm ist gut! Halensee halt. Ganz hinten. Johann-Sigismund-Str.“

„Johann-Sigismund-Str.?“

„Ja genau, da muss ich hin!“

„Wo denn da genau?“

„Ja, Ecke Ku’damm ist ok…“

Naja, ich bin ja nur Taxifahrer – es wäre ja auch zu absurd, mir gleich mitzuteilen, wo man hin will…  Ich hab dann um Punkt 7 Uhr heute Morgen Feierabend gemacht und war dementsprechend platt – aber alles in allem hat es dennoch Spaß gemacht. Ergebnis war zwar nicht so toll, aber auch nicht so, dass ich befürchte, nächsten Monat am Hungertuch zu nagen. Der Monat beginnt eigentlich ordentlich…

Wir können gerne die Polizei holen…

Das ist ja nun ein Satz, der wirklich nicht ohne einen gewissen Widerwillen aus meinem Mund kommt. Ich habe ihn heute Nacht dennoch ausgesprochen, weil ein Fahrgast mich runde dreieinhalb Kilometer damit genervt hat, dass das Taxameter zu schnell zählt, und die Cops das doch mal festhalten sollten.

Die Fahrt führte von der Möckernbrücke bis zur Herrmanstr./Selchower Str. und kostete letzten Endes 11,00 €. Das sind zugegeben ein paar Cent zu viel, weil ich über die Möckernstr. nach Süden bin und es ganz ehrlich verpeilt habe, dass ich schon in die Obentraut oder die Wartenburger hätte abbiegen können – und nicht erst in die Yorckstr.

Laut Navi waren das fast exakt 5 km, und das dürfte dann doch ziemlich genau dem Berliner Taxitarif entsprechen. Der wäre für 5km nämlich 3 € + 5 x 1,58 € = 10,90 €.

Aber das war offenbar zu viel. Gute zwei Minuten der ohnehin nicht sehr langen Fahrt hat sie es dann für nötig erachtet, mir jedes Mal Meldung zu erstatten, wenn der Preis um 10 Cent steigt. Grundsätzlich mag ich den Gedanken, wie das Geld in meine Tasche plätschert zwar ganz gerne – aber in der Situation hätte ich gut darauf verzichten können.

Ich hab ihr die Wahl gelassen, auf ein anderes Taxi zu warten, die Cops zu holen oder sich damit abzufinden, dass Taxifahren nunmal teuer ist. Nur etwas freundlicher. Sie hat es vorgezogen, weiterzufahren. Dafür bin ich offenbar dann doch gut genug.

Wirklich absurd war übrigens die Einstiegsfrage ins Thema:

„Was ist das? Bist du Türke? Oder Deutscher?“

Ich hab das nämlich anfangs eher für eine nette Frage gehalten, da sie selbst offensichtlich türkischer Abstammung war. Die Erläuterung auf meine ehrliche Antwort („Nein, ich bin Deutscher.“) hin fand ich dann ernsthaft überraschend:

„Und warum geht Uhr dann so schnell?“

Also dass in unserem Gewerbe viel beschissen wird, weiss ich. Vom Hörensagen nur, aber das ist ja leider ein offenes Geheimnis. Ist aber schön zu wissen, dass es manche Fahrgäste auch wissen, und das offenbar ok finden, solange es die eigenen Landsleute sind… manchmal wähne ich mich irgendwie schon im falschen Film.

Naja, ich hab sie abgesetzt und ein bisschen zerknirscht hat sie gemeint, sie gibt mir mein Geld schon. Nach der Fahrt habe ich an der Stelle mit allem gerechnet. Dass ich die Cops selber rufen muss, weil sie nicht zahlt – oder dass sie abhaut. Und für den Fall, dass irgendjemand auf mich wartet, hab ich auch den Motor nicht ausgemacht. Sie hat natürlich mit einem (von vielen) Fünfzigern gezahlt – und es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, ich hätte nicht geschaut, ob er falsch ist. Wenigstens war sie konsequent und hat kein Trinkgeld gegeben.

Naja, war seit langem mal wieder eine eklige Fahrt – kommt halt auch vor…

Was ich vergessen habe…

Ich wollte doch eigentlich schon zum Wochenbeginn diese knifflige Frage auflösen. Sechs richtige Antworten gab es: Der Kollege hat den Fahrgast abgelehnt, weil dieser vorhatte, seine Tasche (mit Notebook und Geld darin) gerne bei sich behalten wollte – auf der Rückbank.

Als Anmerkung auch hier wieder einmal: Ich weiss nicht, ob der Kollege vielleicht traumatisiert ist von einem Unfall, wo lose Gepäckstücke eine Rolle gespielt haben. Kann natürlich sein. Oder jemandem ist in seinem Auto mal was in einer Tasche ausgelaufen… es mag also Gründe geben, es abzulehnen, eine Tasche auf die Rückbank zu packen. Aber das geht auch in höflich!

Taxi-Dialoge (7)

Fahrgast: „Wie spät ist es jetzt? Eins?“

Sash: „Ja, 0:56 Uhr ganz genau genommen.“

Fahrgast: „Puh, da bin ich ja so gut wie geschieden…“

Diese Scheiss…

Fahrradfahrer! So könnte ich den Artikel übertiteln, wenn ich daran interessiert wäre, Zwietracht zu säen. Bin ich aber nicht!

Ich will nicht leugnen, dass mir in meinem Beruf Fahrradfahrer oftmals auf die Nerven gehen. Aber das ist zu kurz gegriffen! Denn ebenso wenig, wie ich als Taxifahrer unter „die Taxifahrer“ subsummiert werden möchte, nur weil Kollegen mal wieder Privatrennen fahren oder sich assig verhalten, so wenig werden das die meisten Führer von unmotorisierten Zweirädern wollen.

Insofern möchte ich klarstellen, dass ich Fahrradfahrer nicht grundsätzlich als dämlich einstufe, sie hasse oder ihnen die Pest an den Arsch wünsche. Manche allerdings legen es echt darauf an.

Ich bin kein aggressiver Autofahrer. Ich habe seit ich Taxi fahre (immerhin inzwischen ein halbes Jahr) meine Hupe noch nicht einmal verwendet. Na gut, ich bin mal versehentlich draufgekommen. Ich reagiere zu 99% sehr sehr gelassen, wenn irgendwer eine gefährliche Situation im Straßenverkehr verursacht. Ich mache selbst gelegentlich Fehler – und davon gehe ich zuallererst auch bei anderen aus. Sowas kommt vor, und so lange nichts passiert, ist doch alles in Ordnung!

Ob statistisch gesehen mehr Radfahrer oder Autofahrer sich danebenbenehmen, weiss ich ebenfalls nicht. Ich denke eigentlich, dass die Autofahrer beim Misachten der Verkehrsregeln vorne liegen – wie viele Vergehen davon allerdings geringfügige Geschwindigkeitsübertretungen einnehmen, ist vielleicht die andere Frage.

Was mich stets nervt, das sind die vorsätzlichen Vergehen. Ich bin zwar ein kritischer Mensch im Bezug auf Gesetze und Rechtssprechung – aber bei den wenigsten Regelungen lassen sich so konkret Sicherheitsgewinne benennen wie bei der StVO. Ich kann allen kritischen Lesern garantieren: Wenn sich die Menschen im Verkehr benehmen würden wie meine Wenigkeit, dann bräuchten wir 90% der Regeln nicht. Ist mir ehrlich gesagt egal, ob ihr das glaubt – aber ich schreibe das nicht, um mich zu profilieren. Nur zur Erklärung. Ja, ich habe in meinem Leben auch im Verkehr schon Scheisse gebaut. Ich bin schon besoffen Auto gefahren und ich bin schon gerast. Ich habe schon einmal das Rotlicht misachtet und habe schon Leuten die Vorfahrt genommen. Ich bin kein Engel. Und ich bin sehr froh, dass ich damals nicht erwischt worden bin, und mir damit heute vergönnt ist, den geilsten Job der Welt zu machen.

Möglich, dass es sich bei den von mir so verfluchten Idioten auch ausschliesslich um Menschen in ihrer Selbstfindungsphase handelt. Aber es ist unwahrscheinlich.

Radfahrer sind im Vergleich zu anderen Verkehrsteilnehmern die verletzlichsten. Das gebietet natürlich bei den anderen zu besonderer Vorsicht. Diesem Grundsatz stimme ich uneingeschränkt zu, und ich tue mein bestes, um diesem Anspruch gerecht zu werden. Aber es ist unglaublich enervierend, ständig Radfahrer zu sehen, die ohne Licht unterwegs sind, achtlos über rote Ampeln fahren oder einen mal spontan rechts überholen, während man gerade anfährt. Zudem habe ich – bei allem Respekt – kein Verständnis dafür, dass manche unbedingt auf der Straße fahren müssen, während 20 cm entfernt ein Radweg existiert. Denn natürlich dürfen Radfahrer auf der Straße fahren und natürlich müssen sich Autofahrer darauf einstellen, dass auch langsamere Verkehrsteilnehmer unterwegs sind. Aber warum muss man auch noch künstliche Konfliktsituationen schaffen?
Was würde wohl passieren, wenn ich plötzlich der Meinung wäre, mein Taxi würde auf dem Gehsteig doch ebenso gut fahren?

Ich bin mit Sicherheit nicht einer von denen, der Radfahrer in Gefahr bringt – aber ich frage mich manches Mal, ob den Radlern selbst der Blick für die Gefahr völlig verloren geht. Und ob sie sich bewusst sind, dass sie damit – wie Autofahrer auch – nicht nur sich selbst gefährden. Wenn ich irgendwann eine radfahrende Nachteule ohne Licht übersehe und über den Haufen fahre, dann ist mein Auto im Arsch, mein Schein – und damit meine berufliche Zukunft  – dahin. Das ist nicht viel im Vergleich zur Lebensgefahr auf der anderen Seite, aber doch auch nicht zu verachten. Außerdem könnte das ein oder andere gewagte Ausweichmanöver meinerseits auch unter den motorisierten Verkehrsteilnehmern für Tote sorgen.

Mobilität ist was wunderbares, und ich als Autofahrer kenne natürlich auch die Faszination, die mitunter damit einhergeht. Ich kenne den Adrenalinkick vom schnellen Fahren, und ganz abgesehen davon habe auch ich es schon eilig gehabt, und war der Meinung, mein Anliegen sei jetzt nunmal wichtiger als der Rest der Welt. Aber eigentlich kann Verkehr so nicht funktionieren! Meistens klappt es, weil der überwiegende Teil der Fahrer durchaus wach ist und schnell reagieren kann, wenn mal was schief läuft. Ich selbst habe im Laufe der vergangenen 7 Jahre (so lange habe ich den Führerschein) mindestens 20 mal alleine durch mein Verhalten einen Unfall verhindert. Da waren harmlose Dinge dabei, aber auch Situationen, in denen die Wahrscheinlichkeit, dass jemand stirbt, enorm waren. Als Berufskraftfahrer bin ich mir dessen bewusst – so wie auch ein Bombenentschärfer weiss, was ein Fehler bedeuten kann. Nur: In meinem Umfeld sperrt niemand sicherheitshalber alle Unbeteiligten weg.

Deswegen, liebe Radfahrer:

Achtet bitte auch darauf, verkehrsgerecht zu fahren! Unfälle nur nach der Schuldlage zu bewerten, ist unsinnig! So wie ihr Rücksicht seitens der Autofahrer fordert, kann ich sie auch von euch fordern! Und da spielt es keine Rolle, ob man schon einmal von der „Gegenseite“ mies in Bedrängnis gebracht wurde. Im Verkehr gilt doch eigentlich – ebenso wie in der Gesellschaft an sich – dass man es nicht allen anderen mal zeigen muss, nur weil man selbst von einem einzelnen mal scheisse behandelt wurde. Wir wollen alle nur möglichst schnell und sicher ans Ziel kommen – Kämpfe können wir woanders ausfechten!

Aro hat übrigens vor einiger Zeit auch was dazu geschrieben.

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Wie ich den Ferrari versägt habe…

Als Taxifahrer steht man ja ständig unter Beobachtung. Leider meist eben nicht durch potenzielle Kunden – aber natürlich auch das. Dennoch beobachten noch einige andere Leute Taxen gesondert. Zum einen wurde mir ja bereits von der Polizei versichert, sie hätten auf uns ein besonderes Augenmerk gerichtet, zum anderen stellen wir für viele Verkehrsteilnehmer nicht nur Hassobjekt, sondern auch Leitfigur dar.

Ich bemerke wirklich oft auf den nachtleeren Straßen von Berlin, wie das ein oder andere Auto im Rückspiegel herangeschossen kommt, um dann hinter mir behutsam zu bremsen, und den Fahrstil fortan meiner Wenigkeit anzupassen.

„Oh, der Taxifahrer fährt sicher so langsam, weil hier ein Blitzer steht!“

Diese Gedanken scheinen einige Autofahrer da draussen umzutreiben, wenngleich es zumindest in meinem Fall eine Fehleinschätzung ist. Ich fahre nämlich nicht nur eines Blitzers wegen überwiegend regelkonform. Natürlich würde ich nachts gerne auch mal mit 80 über die Landsberger Allee brettern, anstatt mich an die 50, bzw. 60 km/h zu halten. Aber die eigentlich gesunde Mischung aus dem Wissen, dass ich selbst und auch andere nicht unfehlbar sind, sowie die Angst um die teuer erworbenen Fahrberechtigungen von denen meine berufliche Zukunft abhängt, hindern mich daran, es zu übertreiben.

Vorgestern hatte ich jedenfalls so einen Kandidaten in einem F355. Der kam hinter mir angeschossen und drosselte seine Geschwindigkeit auf dem Tegeler Weg bis auf meine 55 km/h (50 sind erlaubt). Er fuhr nicht hinter mir, sondern neben mir, und so habe ich mir erlaubt, zu testen, wie weit er mit seiner Kiste mitgehen würde. Bis 40 km/h ist er mit mir zusammen runtergegangen. Respekt! Das ist bei so einer Kiste wahrscheinlich erster Gang, oder?

Und dann habe ich ihn an der Ampel mit Vollgas abgezogen (natürlich nur bis etwa 50 km/h), und er hat sich nicht getraut, vorbeizuziehen 🙂 Erstaunlich, wie gut das bei manchen funktioniert… schade eigentlich, dass ich abbiegen musste, und er nicht. Ich würde gerne mal wissen, was passiert, wenn ich mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Nacht rase, und dann unvermittelt scharf abbremse. Jede Wette: Selbst der dämlichste Vollproll würde wohl mitbremsen.

Naja, eigentlich sollte ich froh sein, mit vorbildlichem Verhalten wenigstens für diverse Sekunden die Sicherheit auf den Straßen erhöhen zu können – aber mich erschreckt dann doch eher, was für ein Rudelverhalten Autofahrer an den Tag legen. Wie soll das denn laufen, wenn ich versehentlich in einen Fluß stürze? Wahrscheinlich so:

„Aus bisher ungeklärter Ursache sind gestern 28 Fahrzeuge in Berlin von der Fahrbahn abgekommen und in einen naheliegenden Fluß gestürzt…“