Andersrum…

Ich bin ja grundsätzlich davon überzeugt, dass es ein besseres Geschäftsmodell ist, als Taxifahrer die Kunden auszurauben als andersrum. Das ist eigentlich offensichtlich, und auch nicht so neu, dass ich damit ernsthaft unlautere Kollegen auf eine dumme Idee bringen würde.

Aber im Ernst: Meine Fahrgäste sind gut bei mir aufgehoben! Diese hypothetische Überlegung hat nur letzte Nacht durch einen Fahrgast neue Nahrung erhalten.

Ich hab ihn von Friedrichshain in den Wedding gebracht, alleine und mitten in der Nacht. Er hat ein Cello dabei gehabt, und das haben wir ja auch dank umgeklappter Sitze locker transportiert bekommen. Beim Aussteigen bin ich dann gleich zur Seitentür und hab angeboten, den Koffer des Instrumentes festzuhalten, damit es beim Kofferraumöffnen nicht vielleicht rausrutscht (es lag der Sitze wegen leicht abschüssig nach hinten geneigt).

„Das wäre wahrscheinlich nicht so gut, wenn es rausfällt, oder?“

„Oh mein Gott! Nein! Das darf nicht rausfallen. Das kostet so viel wie drei Autos!“

„Wie drei Autos?“

„Naja, so 100.000 € halt…“

Ich glaube, das war der wertvollste Koffer, den ich jemals in der Hand hatte…

Vorschneller Kollege

Ach, Winker sind nach wie vor die Würze des Taxifahrens. Unerwartete Einnahmen sind immer die schönsten, und wenn es einen dann auch noch ziemlich weit außerhalb trifft, dann freut mich das natürlich doppelt.

Das Problem war nur: Mein Winker stand am Adlergestell. Entgegen meiner Fahrtrichtung. Zum Wenden musste ich also noch ein Stückchen fahren, und das mache ich ungern. Nicht, dass ich nicht für einen Kunden ein paar Meter in Kauf nehmen würde. Um Gottes Willen! Natürlich tue ich das! Aber solche Versuche enden regelmäßig damit, dass man in den absurdesten Situationen ziemlich stressig wendet, ggf. hier und da eine Verkehrsregel missachtet, von allen Autofahrern der näheren Umgebung für bekloppt gehalten wird und der Kunde letztlich bei einem Kollegen einsteigt, der in dem Moment zufällig näher ans Geschehen herangerückt ist, während man selbst gefühlt mit der ganzen Welt im Clinch liegt.

Mir aber kam zumindest kein Kollege entgegen, und so versuchte ich mein Glück.

Der Kunde war nicht nur erfreut, mich zu sehen, sondern versicherte mir auch hoch und heilig, er wäre selbstverständlich nicht in ein anderes Taxi gestiegen, und er danke mir sehr fürs Wenden. Ich hab ihm geglaubt – aber wer hätte das nicht erzählt im Auto mit einem unrasierten 2-Meter-Typen als Fahrer 😉

Die Fahrt an sich war relativ unspektakulär, etwa 4 Kilometer bis nach Altglienicke. Bevor wir am Ziel angekommen sind, hat er mich darauf vorbereitet, dass es nun aber in eine sehr ländlich anmutende Gegend gehen würde.

Das hat mich jetzt bei der Adresse weder überrascht, noch hab ich sonst verstanden, weswegen er mich unbedingt darauf hinweisen wollte.

Kurz vor dem Ziel ist er dann mit der Story rausgerückt, und die kann ich einfach nicht für mich behalten:

Vor einiger Zeit hat seine Frau sich ebenfalls mit dem Taxi heimbringen lassen und hat den Fahrer in diesen doch recht unbekannten Weg gelotst. Der Fahrer hat sich wohl ein bisschen von der gruseligen Atmosphäre anstecken lassen, und diesen einsamen Fleck Erde für einen optimalen Schauplatz eines Überfalles gehalten, sodass er bei der Bitte, das Fahrzeug zu stoppen, erst einmal Alarm ausgelöst hat um Hilfe anzufordern.

Genauere Details hat mir mein Fahrgast nicht genannt, aber ich nehme an, dass das nicht gerade das witzigste Fahrtende für beide Parteien war. So sehr ich den Kollegen nach Inaugenschaunahme des Ortes verstehen kann: Ein bisschen kindische Schadenfreude bleibt dann doch, sorry 🙂

Und im Gegensatz zu einem tatsächlichen Überfall darf man hier doch schmunzeln, oder?

Es kann so einfach sein…

Wenn es immer so laufen würde, bräuchten wir uns nicht dauernd Diskussionen in den Kommentaren über das Thema liefern:

Bereits kurz nach dem Start in die Schicht hat sie mich an der Warschauer Straße rausgewunken. Eine Kurzstrecke, kein sonderlich kompliziertes Ziel, und binnen Sekunden waren wir am Reden über dies und das. Eine nette Tour zum Schichtbeginn, könnte immer so laufen. Gut, sollten der Länge wegen dann immer so zwischen 30 und 50 Touren täglich sein 😉

Als wir ankamen, fragte sie mich:

„Sagen sie, könnten sie einen 50er wechseln?“

Irgendwas ist ja immer.

„Ja, könnte ich.“

„Also wenn es ihnen lieber wäre, dann würde ich kurz in die Bar wechseln gehen.“

„Es wäre mir tatsächlich lieber, es ist meine erste Fahrt. Aber nur, wenn es keine Umstände macht.“

„Kein Problem, ich lass ihnen meine Einkäufe als Pfand da!“

So, dieses Mal hatte ich Glück und musste nicht wechseln, das nächste Mal ist es vielleicht wieder ein Kunde. Es kann so einfach sein, wenn man mal ehrlich ist…

Dreckwetter!

Herbstliche Grüße (auch von meiner neuen Kamera) in die gemütlichen Stuben meiner Leserschaft! Freut euch, wenn ihr bei so einem Wetter Nachts nicht auf die Straße müsst:

Brrr! Herbst. Quelle: Sash
Brrr! Herbst. Quelle: Sash

Ist ja glücklicherweise nicht immer so 🙂

Italienische Schmetterlinge

Bella Italia! Ein Land, das mir persönlich völlig unbekannt ist, abgesehen von der meist miesen Wirtschaft, der korrupten Regierung und der Mafia aber sicher sehr lebenswert ist.

Im Berliner Taxigewerbe dienen Italiener meist als Vorzeigebeispiele für die Nicht-Trinkgeldgeber. Aber – o Wunder! – die Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel, und im Grunde muss man das gar nicht weiter breittreten.

Italiener jedenfalls waren es, die heute Nacht vor dem Matrix gleich zwei Taxen enterten. Der Kollege vor mir bekam 5 Fahrgäste, ich 4.

„Follow that Taxi!“

Ach, was liebe ich solche Ansagen 🙁

Aber in dem Moment kam der Kollege kruz rübergesprintet und meinte, wir fahren sie zum Cesar’s Palace – einem Bordell in Friedrichshain.

Na gut, warum nicht? Ich stelle es mir zwar für die entsprechenden Dienstleister dort ziemlich abenteuerlich vor, wenn 9 betrunkene Kerle da auf einmal auftauchen, aber wahrscheinlich ist da Kundschaft auch Kundschaft, wie bei uns.

Ich war heilfroh, dass der Kollege mich noch kurz aufgeklärt hat, denn wie nicht anders zu erwarten war, habe ich ihn an einer Ampel verloren. Das sollte aber noch nicht die Krönung des ganzen Weges sein, denn mein Beifahrer musste kurz raus, um sich sein Essen nochmal durch den Kopf gehen zu lassen. Das war aber überhaupt kein Problem, immerhin war er so gefasst, dass er einem Kumpel die Übersetzung ins Englische überlassen hat.

Das nächste Problem war, dass mein Kollege sich entschlossen hat, einen einfachen Weg zum Puff zu fahren, der nur einen kleinen Haken hat: Seit dem Wegfall einer Baustelle ist dort das Linksabbiegen wieder illegal. Ich vergesse das auch noch öfter mal bei der Tourenplanung, aber heute hatte ich keine Chance mehr zur Korrektur, als ich darauf kam, und nicht einmal die Chance, das Problem illegal zu umgehen, da vor mir an der Ampel ausgerechnet die Cops standen…

Das Rumrangieren, um die Sache in trockene Tücher zu bekommen, wurde aber nur bis zur näheren Erläuterung meinerseits mit Häme bedacht, es war also alles ok, als wir ankamen.

Alles? Naja.

Der Rest der Truppe (mein Kollege war schon weg) meinte gleich, dass sie in einen anderen Laden wollen. Weniger Barbetrieb, einfach nur Puff, bla Keks. Ein zweites Taxi wurde mal schnell angehalten, und so hab ich kurz mit dem Kollegen beraten, und er schlug das Butterfly vor.
Ich hätte auch einen näheren Laden gewusst, aber ich hab dem Kollegen bezüglich Barbetrieb mal geglaubt. Ein bisschen absurd, wenn man bedenkt, dass das Butterfly sich seiner Shows auf der Leuchtreklame rühmt. Immerhin hatte ich nun fünf Leute im Auto…

So langsam hat sich abgezeichnet, dass das eine durchaus ansprechende Tour werden könnte. Da würde der Kollege von der Halte am Matrix nicht mithalten können, der sich gerade stolz wie Bolle eine 12€-Tour gesichert hatte.
Es ging um den Kartoffelsack auf dem Beifahrersitz, der nach mancher Meinung nicht mal mehr taxitauglich war, ganz sicher aber nicht mehr paarungswillig.

Ob ich ihn zu seinem Hostel fahren könne, wenn ich den Rest abgesetzt habe?

„Of course!“

Natürlich ist einem als Fahrer nicht wohl dabei, wenn man einen Kotzer transportiert, aber der Kerl war in bester Verfassung und vor allem: Er konnte sich artikulieren bevor es zu spät war!

„Which Hostel do you mean?“

„Well, this is the card. I don’t have the address.“

Sehr schön! Meiningers! Fallen mir spontan 4 Hostels ein.

Naja, so ein Drama war es dann nicht, einer der Kumpels aus der anderen Taxe hatte die Adresse, und damit war mir ja auch klar, um welches es geht. Eine gemütliche Pause am Butterfly kam dennoch zusammen, da mein Beifahrer nochmal eine Stange Essen ins Eck stellen musste. Seine Kumpels haben ihn professionell unterstützt, und währenddessen hat mir der Chef der Runde einen Fuffi in die Hand gedrückt und mir gesagt, ich solle seinem Kumpel dann einfach den Rest zurück geben.

Kein Thema. Zugegeben: Die Hoffnung, der Kotzprofi lässt mich den Rest behalten, lag für einen Moment in der Luft, aber das würden immer noch über 20 € sein. Also nee!

Die „Sorgen“ waren allerdings unbegründet. Nicht nur, dass er selbst darauf kam, nachzufragen. Nein, ein offenbar telefonisch vor die Türe beorderter Freund wachte darüber, dass ich die korrekte Summe ausbezahle. Immerhin kamen mit all der Wartezeit und dem Zuschlag für die übergangsweise mitreisende Nummer 5 letztlich 28,90 € zusammen.

Aber sie haben es geschafft, den Vorurteilen gerecht zu werden: Nicht mal auf 29 € haben sie aufgerundet 😉

Orientierungssinn

Orientierungssinn ist mir bislang nicht als sonderlich nützlich beim Taxifahren aufgefallen. Grundsätzlich ist es zwar in fremden Gefilden angenehm zu wissen, in welche Himmelsrichtung man sich gerade bewegt, bei einer Tour allerdings wäre es vermessen, nach dem Trial-and-Error-Prinzip zu arbeiten. Da sucht man mittels Stadtplan oder Navi lieber gleich die richtige Straße, die nicht kurz vor dem Ziel noch einen Bogen macht, den man nicht erwartet.

Aber schaden kann es natürlich nicht, sich ein wenig im Raum orientieren zu können.

Ein Kunde, den ich dank einiger Straßensperrungen auf einem etwas kruden (aber inzwischen einstudierten) Umweg zur Friedrichstraße gebracht habe, beteuerte, einen so schlechten Orientierungssinn zu haben, dass er diesen Job garantiert nicht machen könne.

„Das Haus da zum Beispiel!“

meinte er und deutete auf das Springer-Hochhaus, das drei Blocks von seinem Wohnort entfernt liegt.

„Das Haus kann ich von meinem Balkon aus sehen. Aber wenn ich vor der Haustüre stehe, weiß ich nicht, wie ich da hinkomme…“

Also wenn es nach mir geht, könnte er immer ein Taxi nehmen 🙂

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Wenn man einmal heim möchte…

Auch wenn es viele Kollegen tatsächlich nicht glauben wollen: Morgens am Wochenende ist der Ostbahnhof eine verdammt gute Halte. Wenn ich mich Sonntag früh für meine letzte Samstagstour anstelle, bin ich schon oft mit Fahrten nach Spandau, Lichtenrade, Hellersdorf, meist aber zum Flughafen Schönefeld „überrascht“ worden.

Da mein Tagfahrer das Auto aber auch irgendwann haben will, verlege ich die letzte Tour somit meist eher auf 6:15 bis 6:30 Uhr statt später. Wenn man es überhaupt mal vernünftig einschätzen kann, wann man Kunden hat…

Aber manchmal will auch ich nach einer langen Nacht nur noch heim. Da fehlen vielleicht noch 5 € auf die 200 oder ich hoffe, noch ein bisschen den Kilometerschnitt drücken zu können mit einer Tour grob in Richtung des Abstellplatzes. Das Ablehnen einer langen Fahrt zu dieser Uhrzeit ist alles andere als problematisch, da die Kollegen, die sich um die Uhrzeit am Bahnhof tummeln, meist schon die Tagfahrer sind, sprich: eben mit der Schicht angefangen haben. Da hat niemand was gegen einen 30€-Stich zu Beginn einzuwenden, und meist frage ich sie auch vorher, ob es für sie ok wäre.
Die Fahrgäste haben ebenso meist Verständnis, also läuft das eigentlich ganz gut.

Und so stand ich neulich da, es war ziemlich genau 6 Uhr. Ich hatte überlegt, direkt von der Tanke aus zum Abstellplatz zu fahren, aber irgendwie kam der Ehrgeiz dann doch mal durch. Darf nach 29 Jahren Faulheit ja auch mal passieren.

Es wurde das bekloppteste Schichtende ever.

Zunächst wartete ich 10 Minuten, bis ich erster war. Dann kam eine Kundin. Sie wollte wohin? Richtig: Flughafen Schönefeld. Mein Ziel hingegen war die Storkower Str., und eine Tour über 15 € wollte ich in gar keinem Fall annehmen. Vielleicht, wenn es über die Landsberger Allee gehen sollte, da wäre der Rückweg nachher schnell. Aber lieber so um die 10 €. Richtung Westen vielleicht 8. Meinetwegen gerne eine kurze Tour wie den ganzen Abend davor. So 6,50 € und richtige Richtung?

Die Kundin hatte Verständnis, der Kollege hat sich mächtig gefreut, ich hab weiter gewartet. Die Zeit verrann ziemlich langsam.

15 weitere Minuten später tauchte dann ein Kunde am Horizont auf. Na also! Wo soll es hingehen?

„Ach, ich müsste ganz dringend zum Flughafen Sch…“

„Dann steigen sie doch bitte zu meinem Kollegen ins Auto, ich bin schon 10 Stunden unterwegs und möchte gerne nur noch eine kurze Tour fahren.“

Kollege glücklich. Fahrgast glücklich. Sash müde. weiter warten!

Etwa 10 Minuten nach dieser Anfrage betrat ein weiterer Kunde das Spielfeld. Er wollte wohin? Richtig! Zum Flughafen Schönefeld!

Inzwischen wäre ich mit der ersten Flughafen-Tour längst auf dem Rückweg gewesen und mit 30 € mehr Umsatz auf direkterem Wege in die Heimat. Aber ich bin tapfer weiter rumgestanden und hab die Hoffnung nicht aufgegeben, dass keiner der Kollegen weiter hinten mitbekommen hat, was für eine erbärmliche Gestalt ich in diesem Moment war.

Die nächste Tour hab ich angenommen. Sie war zwar mit 16 € eigentlich zu lang, sie führte mitten ins Herz von Schöneberg, also straight nach Südwesten, was genau entgegen meiner Richtung lag – aber ich wollte es gar nicht mehr mitkriegen, wie mich der nächste Kunde dann wahrscheinlich wegen einer Ferntour nach Leipzig gefragt hätte oder so…
Ich hab das Auto dann mit ein paar Minuten Verspätung abgestellt, was glücklicherweise kein Thema ist, da mein Tagfahrer am Sonntag immer spät anfängt. An diesem Tag hab ich ihn tatsächlich mal getroffen am Auto, und er meinte zu mir:

„Kiek ma, bist ja noch unterwegs. Ha, siehste ooch ma Sonntags de Sonne uffjehn!“

Hätte ich drauf verzichten können…

Ich glaube, nächstes Mal fahre ich einfach „heim“. Irgendwann ist es schließlich mal gut!