Äh, … nein?

Blöde Geschichte im Grunde: Ich hatte die Uhr schon im Anrollen auf den Treptower Park ausgemacht und die Uhr schaltete nach einigen Metern auf „frei“. In dem Moment fällt der reichlich angedüdelten Kundin ein, dass ich ja eigentlich doch noch bis kurz über die Brücke fahren könnte. Was nun? Uhr nochmal neu starten würde gleich nochmal 3,40 € kosten, völlig unnötigerweise. Und mir wurde eh schon zugesichert, dass ich einen Zehner bekommen würde. Für 8,20 €.

Für mich dann trotz allen Regelverstößen völlig klar: Fahr‘ ich sie halt noch über die Brücke. War ja so gesehen nicht ihr Fehler.

Das läuft auch ganz gut, die Ampeln sind sowieso noch grün und kurz vor der wilden Renate schmeiße ich sie dann endgültig raus und stecke den Zehner ein.

„Das ist jetzt aber total nett von Dir!“

„Ach, schon ok.“

„Nein, jetzt komm‘ ich mir blöd vor …“

„Du hast fast 2 € Trinkgeld gegeben! Ist in Ordnung.“

„Nee, echt nicht! Komm‘, Du trinkst jetzt einen Sekt mit mir!“

Nichts gegen liebe Einladungen, aber Leute …! Wo kommt denn bitte die Idee her, Taxifahrern zur Belohnung Alkohol andrehen zu wollen? Und während ich am Sonntagmorgen noch überlegte, ob sowas einen Blogeintrag wert sei, kam Axel an den Ostbahnhof rangefahren und erzählte mir brühwarm, dass ein angetrunkener Fahrgast ihn fast schon zwingen wollte, einen Cocktail leerzutrinken, weil er im offenen Becher nicht transportabel, aber doch „soo teuer“ war.

Lasst das bitte nicht einreissen, ok? Wir sind auf Arbeit – und da ist Geld immer noch das bessere Mittel, sich zu bedanken. 😉

Ein Bier geht seinen Weg …

„Hey Sascha!“

Ach, immer wieder schön, wenn man nachts an einer Tanke irgendwo am Arsch der Welt einen Kollegen aus der Firma trifft!

„Sascha, trinkste Bier?“

„Äh, ja. Schon.“

„Dann warte mal kurz …“

Es ist hoffentlich klar, dass wir Taxifahrer auch nicht nachts an einer unbeobachteten Tanke einen picheln während der Schicht. Mir war schon klar, was der Kollege meinte, denn natürlich ging es um „Fundsachen“ im weitesten Sinne. Und ja, jemand hat bei ihm eine Flasche Bier verges … ähm, also: „Bier“ vergessen.

„Ist das dein Ernst!?“

„Sascha, sei ruhig! Besseres hab ich halt nicht!“

Sprach’s und drückte mir eine Flasche Sterni in die Hand.

Ja nun. Man ist ja nicht unhöflich. Ich dachte an den halben Kasten, den ich mir am Montag holen würde und daran, dass ein Sterni als sechstes ja irgendwie vielleicht … aber … wäh!

Schnitt.

Nach der Schicht stand ich dann so in Schöneweide am Bahnhof. Da tauchte ein Flaschensammler auf, der mir schon am Vortag aufgefallen war. Man kann es ja mal versuchen, mein Geschmack ist ja nicht die Messlatte!

„Entschuldigen Sie, sie sammeln Flaschen?“

„Äh, ja?“

„Nehmen Sie auch volle?“

„…“

„Ist keine Verarsche! Hab sie gefunden und ich trinke kein Sternburg …“

Ich selbst war mit dem Verlauf der Schicht ja schon zufrieden. Aber die Freude morgens am Bahnsteig – wegen einer kleinen Flasche mit einem Verkaufspreis von vielleicht 50 Cent – das sollte ich öfter mal machen.

Was halt so passiert …

Ich stand mit einem Kollegen friedlich rauchend und schon seit viel zu langer Zeit am Ostbahnhof. Der Kollege musste einer Vorbestellung wegen bald weg, ich hoffte immer noch auf Kundschaft. Plötzlich hielt ein weiteres Taxi neben uns, eine E-Klasse älteren Baujahres. Die Scheibe der Beifahrertür surrte herunter und ich beugte mich zum Fenster herab. Ich erwartete, dass der Kollege nach einer Adresse in der Nähe fragt oder so. Zunächst sehe ich in die Augen einer lethargischen Kundin direkt an jenem Fenster. 30 Jahre vielleicht, klein und zierlich. Dann der Taxifahrer. Sicher schon 60, korpulent, mit Pollunder und einer Brille, die ungefähr seit 1965 nicht mehr in Mode sein konnte.

„Kollege …“

begann er das Gespräch:

„…ich weiß nicht mehr weiter. Ich fahre sie hier schon die ganze Zeit rum. Mal hierhin, mal dorthin und ich hab keine Ahnung, wo das Ganze enden soll. Geld hat sie nicht, aber inzwischen sind schon …“

Ich warf einen Blick aufs Taxameter und sah selbst die stolze Summe von 35,00 €. Ich musste an meine letzte Fehlfahrt denken, das war ja zufälligerweise auch eine Frau diesen Alters. Dank meiner Gesichtsblindheit hätte ich nicht einmal ausschließen können, dass es genau selbige war. Der Kollege war sichtlich verzweifelt und bat uns, doch wenigstens die Stellung zu halten, er würde jetzt die Polizei rufen. Auf Bitten meines Gesprächspartners (der ja gleich los musste) fuhr der offensichtlich geprellte Kollege vor mir an den Stand. Seine Kundin hatte zwar kurz eingeworfen, dass sie ja Geld holen könnten, aber Fluchttendenzen zeigte sie nicht. Leider auch keinen Anflug von Ideen, wo man ohne EC-Karte Geld holen könnte.

Nachdem es Zeit für die Vorbestellung war, ist der andere Kollege abgezischt und ich stand auf Position 1 und vor mir das seltsame Paar aus gleichgültiger Trulla und geprelltem Taxifahrer. Die Cops waren bald vor Ort und das Geschehen verlagerte sich schnell auf den Gehweg, wo die Beamten der Frau offenbar die ein oder andere unangenehme Frage stellten.

Was immer daraus auch werden sollte … viel konnte es nicht sein. Ich hab bei meinem oben verlinkten Superfang nicht ohne Grund auf die Kawallerie verzichtet, weil es den Aufwand oft nicht wert ist. So sehr es einen auch ärgert.

Dann kam Kundschaft. Fünf junge Leute. Sie gingen auf den Kollegen zu, der sie offenbar willkommen hieß, woraufhin sie einstiegen. Ich will ehrlich sein: In dem Moment hab ich mir gedacht:

„Was bist Du eigentlich für ein Kollegenschwein? Dass Du dich nach der Schlappe für eine Tour begeistern kannst, verstehe ich ja. Aber Du bist nicht erster an der Halte, das bin ich. Und ich warte hier seit verschissenen anderthalb Stunden!“

Zu meinem Glück war der Kollege aber auch nicht so skrupellos, vor den Augen der immer noch mit der Dame diskutierenden Ordnungshüter fünf Leute in seinen Daimler zu quetschen. Also kamen zwei davon zu mir. Gut, sie hätten eigentlich alle reingepasst, aber niemand hat danach gefragt. Ich bin gerne hilfsbereiter Dienstleister, aber für 1,50 € Zuschlag rede ich mir nicht ungeplant den Mund fusselig. Überhaupt wollte ich nach der ewigen Wartezeit vor allem weg von der Halte und wenn zwei junge Kerle das wollen, dann mache ich das halt.

So fuhr ich also dem Kollegen hinterher. Problemlos. Denn die Zieladresse in der Oranienburger war klar und der Kollege fuhr den kürzesten Weg. Gut, umsatzmäßig hat mich die Tour von 10,20 € auch nicht mehr retten können, aber das grandiose Finale war dann das Bezahlen:

„I have ten, do you have twenty?“

fragte einer der beiden den anderen. Na gut, sah es eben nicht nach Trinkgeld aus. Obwohl die Summe dafür prädestiniert schien. Dann folgte das übliche bedeutungsschwangere Klimpern des durchforsteten Portemonnaies und mir wurden ein paar Münzen in die Hand gedrückt. Nicht etwa 20 Cent in Rotgeld, sondern sage und schreibe 6 €.

Ich hab mich die ganze Zeit gefragt, ob ich aus dem Verlauf des Abends irgendein Fazit ziehen könnte, aber mir ist echt keines eingefallen …

„Ween is vorbej, iis vorbej!“

Die folgende Geschichte hat mir ein Kollege erzählt. Eine gleichermaßen beängstigende und doch auch irgendwie lustige Geschichte. Wie das Zitat in der Überschrift manchen bestimmt schon hat vermuten lassen: besagter Kollege spricht deutsch nur mit starkem Akzent. Wenigstens dieses Zitat musste ich lassen, den Rest des Textes schreibe ich in meiner Sprache runter, aber aus seiner Sicht. Das kann ich besser und es spielt eigentlich auch keine Rolle. Aber das Zitat war gesprochen so toll. Wie der Kollege an sich übrigens auch. Ich freue mich immer, wenn ich ihn am Stand sehe, weil er öfter mal interessante Dinge erzählt. Außerdem haben wir uns kennengelernt, als ich damals an Silvester mit dem Auto (quasi) liegengeblieben bin und er mich heimeskortiert hat, ohne mein Geld für die Fahrt anzunehmen. An Silvester! Aber eigentlich bräuchte ich seine Gutmütigkeit hier nicht so schmalzig einführen, man kann sie recht gut erahnen, wenn man die Geschichte liest … 😉

Ich hatte neulich wieder Stress mit Fahrgästen. Unglaublich! Ich hatte ein Pärchen eingeladen. Er schon sehr betrunken, hat nicht einmal mehr sein Hemd richtig angehabt. Seine Frau schien noch ganz in Ordnung zu sein. Die Fahrt ging in [ein Dorf vor Berlin], viel über die grüne Wiese. Ich hab noch nachgefragt, ob ich wirklich den kürzesten Weg nehmen soll oder doch lieber über die Hauptstraßen.

Als wir ein paar Minuten im Auto saßen, merkte ich schon: o je, die Frau ist betrunkener als ich dachte! Und auf einmal beschimpft sie mich, dass ich falsch fahren würde. Ich hab ihr dann gezeigt, welchen Weg ich fahre und sie war fast dabei, wieder ruhig zu werden, als ihr Mann – vielleicht weil wir uns vorne „gestritten haben“ – auch anfing, auszuticken. Er rüttelte an meiner Kopfstütze und verlangte, dass ich anhalte und schlug nach mir.

Ich hielt an, renne zur hinteren Tür, um den Spinner rauszulassen, da tritt er mir erst einmal die Tür entgegen. Er ist nicht sonderlich stark gewesen und betrunken war er auch, aber ich wollte ja wirklich nur, dass er endlich aussteigt – und da erwischt mich dann auch noch ein Faustschlag von ihm. Ich will ihn zu Boden schmeißen, einfach damit ich wegfahren kann, aber er zieht an meiner Jacke und während er fällt, zieht er sie mir dabei über den Kopf und hält mich weiter fest, so dass ich auf ihn drauffalle.

Da liegen wir dann. Mein Fahrgast im Schnee und ich auf ihm drauf. Aber ich kann nicht weg, weil er weiterhin die Jacke festhält und ich mit meinen Händen quasi da drin gefesselt bin.

Dann springt mir plötzlich seine Frau auf den Rücken und will – genau wie ich eigentlich! – dass ich ihren Mann loslasse. Das war natürlich eine total beschissene Situation, aber ein bisschen lustig fand ich’s dann trotzdem, weil es so absurd war. Irgendwann hab ich meine Arme dann aus der Jacke ziehen können und die Frau abschütteln. Die beiden sind dann weg und ich hab die Polizei gerufen.

Da wir aber schon ein paar hundert Meter in Brandenburg waren, musste ich ganze 40 Minuten warten, bis zwei Streifenwagen aus irgendeinem Dorf weit weg Zeit hatten. Eigentlich wär’s mir egal gewesen, ich hab die vor allem geholt, damit nicht meine Fahrgäste auf die blöde Idee kommen, mich zuerst zu beschuldigen, sie angegriffen zu haben oder so. Du hast Recht, das Geld für die Fahrt will ich natürlich schon auch haben, aber eigentlich rege ich mich da gerade gar nicht mehr drüber auf. Ich kenne die ja. Ich hab ja ihre Adresse und ich hab sie gestern sogar auf der Straße vorbeilaufen sehen. Aber was soll ich machen? Bei uns sagt man: Wenn eine Schlägerei vorbei ist, ist sie vorbei! Rache oder sowas ist Scheiße, ich warte jetzt mal ab.

So hat sich das Ganze angeblich zugetragen. Ein bisschen ungenau geschildert ist es zum einen von mir, zum anderen weiß ich auch nicht, ob das alles so stimmt. Natürlich nicht. Also falls jemand das auch mitgekriegt hat: Das ist natürlich kein objektives und wörtlich zu lesendes Protokoll.

Und ebenso wie ich es gut finde, wie locker der Kollege das sieht, muss ich doch auch anmerken, dass es schon scheiße ist, dass einem solche Torfköpfe das Leben schwer machen, während man versucht, sie für vielleicht 6 € Einkommen sicher nach Hause zu bringen. Und natürlich hat mein geschätzter Kollege das auch nicht einfach so mal in der Mittagspause weggesteckt, sondern anschließend Feierabend gemacht und sich am folgenden Tag freigenommen, bevor er wieder arbeiten gegangen ist. Ob er das je ersetzt bekommt? Ich vermute mal eher nicht. 🙁

Umgekehrt geht’s auch!

Dadurch, dass Taxifahren so eine Allerweltsdienstleistung ist, kommt es natürlich nicht nur vor, dass ich mal im Auto eines Kollegen lande, sondern umgekehrt auch mal Kollegen bei mir. Und auch erstaunlich viele „Kollegen“. Ich hab in den Anfangstagen dieses Blogs schon mal den Verdacht geäußert, dass es ein weit verbreitetes Hobby in Berlin sein muss, Taxifahrern vorzulügen, selbst Taxifahrer zu sein. Was einem da aufgetischt wird. Von „Was soll am Uhrausmachen illegal sein?“ bis „Ick vadien‘ inne Taxe ja meene dreifünf netto!“ hab ich alles schon gehört. Von den lustigen Routenvorschlägen ganz zu schweigen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich gucke vielleicht manchmal etwas kritisch, wenn wie neulich drei Leute einsteigen und mich mit „N’Abend, Kollege!“ begrüßen.

„Kollege?“

„Ja sicher. Ick kenn Dir ja ooch, steh hier manchmal mit mein‘ Mercedes.“

Um ehrlich zu sein, hab ich ihn nicht erkannt. Aber das muss nix heißen, so schlecht, wie ich mir Gesichter merken kann. In dem Fall hat es nämlich trotzdem gestimmt. Obwohl schon Januar war, war ihre Firmenfeier-Ausrede plausibel; ich hab ihr Unternehmen gekannt und sie hatten eindeutig Ahnung vom Job und kannten sich in der Stadt aus. Und das ist einfach eine tolle Combo. Mal ganz abgesehen davon, dass sie nicht die kürzeste Strecke haben wollten und ohnehin schon eine dieser im Januar herbeigesehnten längeren Touren mit zwei Haltepunkten zu bieten hatten:


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Essen (und trinken)

BÄM!

Da hab ich mich das ganze Wochenende mit übermäßig doofen Essen/essen-Witzen zurückgehalten, jetzt muss halt die erste Überschrift nach meinem Ausflug dafür herhalten. 😉

Ein bisschen eine Twitter-Reise war es, wenn man so will. Mit @nachholer für zwei Tage zu @Livsglaedjen und das alles zum Anlass von und mit Besuch bei der Geburtstagsfeier von @Lifthrael. Die eindeutig längste Fahrt auf dem Beifahrersitz hab ich dann so gesehen nicht im Taxi verbracht, sondern im BMW, der wider Erwarten doch nicht so ganz Optimalmaße für reisende Sashs geboten hat. Aber ich will die Fahrt nicht schlechtreden, unser Trip in den Pott war von der ersten bis zur letzten Minute unterhaltsam und weigert sich, ausführlich beschrieben zu werden. Wie eigentlich das ganze Wochenende.

Deswegen ist das hier ja auch ein Taxiblog; und da muss ich ja glücklicherweise nicht alles fein säuberlich aufrollen, was ein gepflegtes Feierwochenende so mit sich bringt. Es reicht, wenn ich mich an der Beschreibung der Taxifahrt verlustiere, und die kann ich schildern, wie wohl die meisten Kunden eine Fahrt mit mir:

Keine Ahnung, wie ich ins Taxi gekommen bin, aber der Fahrer war nett. Ich kann mich überwiegend an die Frisur erinnern und daran, eben daran, dass er nett war. Ich glaube, einmal hat er mir eine Frage zum Taxifahren in Berlin gestellt, die ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eloquenter beantwortet habe, als ich mir jetzt im Nachhinein ausmalen könnte. 6,90 € hat die Tour gekostet, einen Zehner war sie mir wert und „zu Hause“ gab’s noch Bier.

Oder, um’s verständlicher auszudrücken: Es ist schon gut, dass ich normalerweise über Taxifahrten schreibe, bei denen ich mich vorher nicht wie an diesem Wochenende zu Tequila überreden lasse. 😉

Einen lieben Gruß an alle (auch die hier nicht genannten) in Essen, die den Ausflug so spaßig haben sein lassen!

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Moderne Technik

Weil viele das immer so als Kampf sehen, möchte ich gleich vorweg kurz anmerken, dass ich wirklich nichts an Mercedes-Taxen auszusetzen habe. Ich denke nach wie vor, dass es für fast jedes Auto entsprechende Kundschaft gibt – und zudem ist die Wahl des Fahrzeugs eine der entscheidenden unternehmerischen Freiheiten im Taxigewerbe, die selbstverständlich genutzt werden. Meine Chefs sind bislang von Opel überzeugt und ich mag mein Kistchen auch. Mal mehr, mal weniger. Wie das halt so ist. Nun aber zur Geschichte:

Es pisste. Also regnete. Und zwar so richtig. Eigentlich hätte mich meine Nikotinsucht bereits nach draußen getrieben, aber da war es eklig. Ich stand auf der zweiten Rücke am Ostbahnhof, lange sollte es also nicht mehr dauern. Dann ertönte plötzlich ein Hupkonzert sondersgleichen. Schnell merkte ich, dass es tatsächlich die Kollegen am Stand waren. Warum aber nur?
Umgehend sehe ich: Gegenüber wollte einer von uns Fahrern eben mit offener Heckklappe losfahren. Na, da ist es doch toll, dass die Kollegen reagiert haben!
Besagter Kollege fährt ein T-Modell der aktuellen E-Klasse. Feine Kiste, kann ich zumindest als Taxi-Kunde sagen. Eines der Features, das mein Auto nicht hat, ist die automatische Heckklappe. Man muss sie nicht mehr herunterdrücken und zuschlagen, sondern drückt auf einen Knopf und sie schließt automatisch. Edle Sache; vor allem, da der Knopf innen an der Klappe liegt – da erspart man sich verdreckte Finger.
Nun aber war offenbar genau das das Problem. Verdreckte Finger hätte sich der Kollege sicher gerne geholt, denn er hatte bereits Fahrgäste an Bord und nur die offene Klappe hinderte ihn am Fahren. Aber die wollte nicht schließen. Er drückte auf den Knopf, die Klappe senkte sich, schloß, sprang wieder auf. Nochmal drücken, schließen, wieder auf. Dann kontrollierte er, ob Gepäck im Weg ist, drückte, wartete, guckte dumm.

Vor mir stand ein Kollege mit dem selben Modell. Vielleicht auch aus der selben Firma. Er sprintet schnell rüber und begibt sich mit dem Kollegen auf Fehlersuche. Manchmal klappt das mit der Solidarität am Taxistand dann ja doch noch.

Es zogen ungelogen fünf Minuten ins Land, während derer sich die Heckklappe dutzende Male öffnete, schloß und wieder öffnete. Einen Anhaltspunkt bei der Fehlersuche schienen die Kollegen nicht zu haben. Irgendwann bin ich dann auch raus, allerdings in mehr dekorativer Funktion. Ich kannte das Auto ja wirklich nicht. Aber unter dem Vordach eine rauchen und gucken, was passiert, konnte ich ja schon auch. Und ich war nicht alleine. Zwei weitere Kollegen mischten sich ins Geschehen ein und ich stellte mir die Gedanken der Fahrgäste vor. Da kommt man an, will mit dem Taxi schnell ins Hotel und ehe man sich’s versieht, stehen fünf Taxifahrer um einen herum und machen die Heckklappe auf und zu. Skurrile Situation.

Am Ende war die Lösung wohl denkbar einfach und fast am anderen Ende des Autos zu suchen: Ein Knopf zum Öffnen der Heckklappe befindet sich wohl auch irgendwo beim Fahrer vorne und genau jener war blockiert und öffnete die Luke stets erneut, sobald sie geschlossen war. Blöde Sache und ja, das kann man mal übersehen. Mich hat’s für den Kollegen gefreut, dass die Fahrgäste das offenbar einfach nur lustig fanden und nicht genervt ausgestiegen und zu einem anderen gegangen sind.

Ein bisschen war mir natürlich nach Lästern über die moderne Technik zumute. Dann aber musste ich an die wesentlich dämlichere Macke meines kleinen Opels denken: Wenn die Zentralverriegelung spinnt, lässt sich der Tankdeckel nicht mehr öffnen

So haben wir wohl alle mal Grund, uns über die Technik zu beklagen. 😉