Ich halte mein Wechselgeld nach wie vor niedrig. Meist hab ich aber privat und gut versteckt noch ein paar Scheinchen extra dabei. Auch keine Unsumme, aber schnelle Aushilfe, wenn man mal nicht zum Wechseln kommt.
Hatte ich gestern nicht. Hab erst nicht dran gedacht – und als es mir eingefallen ist, hab ich’s verdrängt.
„Fährst ja so oder so nicht lange raus.“
Außerdem ist es nicht die erste Woche nach dem ersten oder fünfzehnten des Monats gewesen, die großen Scheine sollten also seltener sein als sonst. Und auch sonst klappt’s ja …
Erste Fahrt, 13,20 € und der Fahrgast gibt mir einen Hunderter. Nee, is‘ klar …
Ich hab ’nen Alibiblick in mein Portemonnaie geworfen, aber das hätte nie geklappt. Also ja: Vielleicht, wenn ich bis zu den 50-Cent-Stücken runtergegangen wäre. Der Kunde war nicht unbedingt begeistert, aber ihr kennt mich: Ich bin ja nett und freundlich und am Ende haben wir es ohne irgendwo kostenpflichtig zu wechseln geschafft. Er hat seine Freundin angerufen, die kam dann mit einem Fuffi runter. Super sieht anders aus – aber wichtig ist ja erst einmal, dass es klappt. Danach zwei kurze Winkertouren, bei denen die Fahrgäste vorher wussten, dass sie halbwegs passend zahlen können.
„Haha, seh‘ ich aus wie’n Typ, der Fuffziger bei sich hat?“,
meinte der eine sogar noch. Als ich an den Stand gefahren bin, hatte ich dann einen Haufen Münzen und genau einen Zwanziger und einen Fünfer im Geldbeutel. Gut, damit lässt sich schon einiges machen, aber mir ist das zu wenig. Also hab ich bei einem sehr netten Kollegen, mit dem ich noch nie gesprochen hatte, den braunen Schein kleingemacht.
Dann bekam ich eine Tour, die junge Dame lächelte am Ende und meinte:
„Ach, hoffentlich können Sie mir ein bisschen Geld kleinmachen …“
Und natürlich hatte ich keine Wahl, denn auch sie hatte nur noch Hunderter dabei und mir verblieb dann am Ende wieder genau ein einziger Fünfer. Da bin ich dann heimgefahren, ich war eh in der Nähe. Und ich hab aus all der diesen Monat bisher eingefahrenen Kohle nicht mehr genug Wechselgeld für die normale Portemonnaiebestückung zusammenbekommen. Von ein bisschen extra wollen wir gar nicht reden. Ganz großes Kino, dieser Abend.

Ich will ja gar nicht immer nur meckern übers Wechselgeld – aber selbst wenn man mal von der Überfallproblematik absieht: Wenn wir auf jede Fahrt 80 € rausgeben können sollen, dann müssen wir entweder ständig wechseln oder jede Schicht einen kompletten Monatslohn mit uns durch die Gegend fahren.
Und obwohl’s dort eher der Falschgeldproblematik geschuldet ist: auch der Tanke lässt man es durchgehen, dass sie keine Fünfhunderter nehmen – obwohl sie sicher etliche tausend Euro Umsatz pro Tag hat. Wie soll ein Taxifahrer mit einem Hunderter Umsatz ständig Hunnis annehmen können? Zumal wir ja auch beim Falschgeld noch schlechter kontrollieren können. Ich sehe den Kunden zuliebe selbstverständlich immer zu, dass es irgendwie geht – aber Hunderter sind einfach kein Geld fürs Taxi und ich müsste es nicht annehmen. Also nicht bei 10- oder 20-Euro-Fahrten. Und wenn’s nicht anders geht, dann doch bitte vorher fragen!