Unpassendste Tour (oder so)

Meine Stunden waren gezählt. Der Tag war voller Arbeit, das Müdigkeitskonto trotz Coffees voll. Und es waren auch nur noch 10 €, die mich vom absolut perfekten und eher nur scherzeshalber anvisierten Optimalziel trennten. Ich kreuzte auf dem Heimweg noch einmal den Boxhagener Kiez, da könnte ja immer was kommen. Und so war es. Winker, hallo, wo soll’s hingehen? (Vielleicht ja in die Nähe meines Zuhauses?)

„Erst einmal zur Yorckstraße …“

Damn! Runde 7 km in die falsche Richtung!

„dann müssen wir an einem McDonald’s halten …“

Ui. Kein Plan, wo einer in der Nähe liegt. Und 10 Minuten extra sind das locker …

„und am Ende müssen wir nach Siemensstadt.“

Juhu! Ganze 20 km (wenn’s reicht!) von der Heimat entfernt!

Auf der anderen Seite muss man halt mal anmerken, dass man selten 30€-Touren so auf dem Silbertablett serviert bekommt. Und nette und unproblematische Kundschaft war’s noch dazu. 🙂

„Bringt’s das?“

Das wurde ich heute Nacht gefragt.

„Leute hin- und herfahren, bringt’s das eigentlich?“

Tja, puh …

Das ist vermutlich die Gretchenfrage für jeden arbeitenden Menschen – die meisten kriegen sie halt nur selten gestellt, oft nur zum Berufseintritt. Bringt’s das? Die Tatsache, dass nicht alle das während der Arbeit gefragt werden, lässt schon mal erahnen, dass viele andere das offenbar nicht so sehen. Und ja: „Leute hin- und herfahren“, da steckt ja schon im Detail das Problem.
Denn irgendwie durch die Gegend tuckern kann jeder mit Führerschein, zuallererst die Fragenden selbst. Und ob man das nun mit „den Leuten“, „den Paketen“ oder sogar einfach nur mit „den Autos“ macht … irgendwie ist das schon fragwürdig. Denn wer ist nicht von seinen eigenen Fahrten zur Arbeit z.B. oft genervt? DAS den ganzen Tag? Himmel hilf!

Andererseits: Schon mal ein Päckchen bei den Nachbarn abgegeben? Oder einen Brief geschrieben, einen Umzug gemacht oder eine Steuererklärung? Und? Auch schon mal drüber nachgedacht, das Vollzeit zu machen? Und darüber nachgedacht, warum andere Leute das machen?

Man kann Taxifahren als Scheißjob sehen, sicher. Das ist es sicher auch für viele und es ist nicht einmal etwas daran auszusetzen. Ich als Taxifahrer bin ja geradezu auf Leute angewiesen, die ungern selbst Auto fahren. Wenn wir alle die gleichen Vorlieben hätten, wäre die Berufsauswahl wahrscheinlich auf ziemlich wenige Jobs beschränkt und die Zahl der schon erfundenen Roboter wesentlich größer.

Und noch wichtiger: Alle, die wir uns mit bestimmten Dingen nur teilweise befassen, haben keine Ahnung, wie sehr sich die entsprechende Arbeit verändert, wenn man sie beruflich macht. Denn meist kriegt man ja nicht nur Geld dafür, sondern man entwickelt auch eine andere Sicht auf die Dinge, setzt neue Schwerpunkte, erweitert sein Wissen und seine Fähigkeiten und gibt dem Ganzen eine neue Richtung.

Ich zum Beispiel habe eine schwer erklärbare Steuererklärungsphobie. Ach, Phobie! Es ist purer ungefilterter Hass! Ich weiß nicht einmal sicher, woher er kommt. Am unfreiwilligen Zahlen liegt es kaum, denn zum einen finde ich Steuern grundsätzlich eine gute Idee, zum anderen zahle ich sie kaum dank meines geringen Einkommens. Steuerberater kommen mir gefühlt vor wie die größten Vollpfosten der Menschheit, weil sie sich das zum Beruf gemacht haben. Aber wie würde ich das Ganze wohl sehen, wenn ich dafür Geld bekommen, die Materie wirklich kennen würde und zudem Kunden haben, denen ich mit meiner Arbeit helfe? Und vielleicht gibt es Steuerberater, die einen Zahlenfetisch haben oder dergleichen, und in jedem einzelnen Auftrag voll aufgehen. Will ich es anzweifeln, wo ich inzwischen eine ziemlich unnatürliche Freude an kürzesten Verbindungen zwischen A und B entwickelt habe?

Zudem sind Kunden für mich auch immer Geschichten, Erfahrungen, Erlebnisse. Als ob ich meine Arbeit über gefahrene Strecken definieren würde!

Für mich selbst ist Taxifahren wohl ein Job, „der’s bringt“. Und für die anderen?

Also meine Kundschaft ist meist froh gewesen, dass ich mit dem Auto da war. Ob ich als der etwa 15.000ste Taxifahrer in Berlin wichtig bin, darf zwar bezweifelt werden, aber in jedem einzelnen Fall hilft meine Arbeit anderen Menschen. Also existiert da sogar ein gewisser gesellschaftlicher Nutzen. Wie viel mehr braucht es noch?

Ja, Leute hin- und herfahren bringt’s. Für mich und die meisten Kollegen – und für die Kunden auch. Und das ist ok, auch wenn wir nicht reich sind und für uns keine Nobelpreise anfallen. Geld scheffeln und Forschung betreiben sind aber ohnehin auch so Sachen, bei denen alle immer fragen, ob’s das bringt. Oder? 🙂

(Gute) Wünsche

Trotz zweitägiger Sendepause sei hier erst einmal allen versichert: Ich bin wohlbehalten von der Weihnachtsfeier heimgekehrt. Und das wie immer zufrieden und zumindest dieses Mal mit wenig Lust, betrunken noch irgendwas lustiges zu bloggen, für das ich mich am Morgen danach rituell ohrfeigen muss. Immerhin …

Nein, im Ernst: Es war wie immer gut – obwohl ich dieses Mal tatsächlich öfter am Kicker verloren habe. Aber nur im Doppel, das möchte ich mal anmerken … 😉

Wie immer eine lustige Mischung aus neuen und alten Kollegen – und natürlich auch aus netten und „Man sagt halt hallo“-Mitarbeitern. Wie das halt so ist. Das Ende des Ganzen war gewohnt spät, aber immerhin hab ich’s noch mit der Bahn nach Hause geschafft. Ich hatte also einen netten Abend und alles ist ok. Auch wenn Christian bei einem Gespräch am folgenden Nachmittag ganz vorsichtig ein „Naaaa?“ ins Telefon geflüstert hat, ging es mir erstaunlich schnell wieder recht gut. 🙂

Und da sind wir beim Thema: Gut.

Überwiegend verlaufen die Taxifahrten hierzulande gut. Vielleicht nicht perfekt, aber gut. Und wie sieht das dann aus? Wie verabschiedet Ihr euch vom Taxifahrer oder der Taxifahrerin, was wünscht Ihr ihm oder ihr?

Ich frage das vor allem, weil mich mal interessiert, ob Leser eines Taxiblogs da anders sind als meine Kundschaft. (Deswegen auch die Antwortmöglichkeiten, die erfahrungsgemäß und erkennbar eher von Taxifahrern benutzt werden)

Was wünscht Ihr dem Taxifahrer, der Euch nachts gut heimgebracht hat?

View Results

Wird geladen ... Wird geladen ...

Ich muss jetzt noch ein wenig andere Dinge erledigen, aber ab Donnerstag geht es wieder auf die Straße. Und ich freu mich drauf! 😀

Ein Danke nach Oldenburg

Gestern sind über alle Kanäle Infos zu einem Fall in Oldenburg eingetrudelt und ich wollte das auch an die „Nur“-Leserschaft weitergeben. Während ich mich auf die Weihnachtsfeier im Betrieb freue und mit meinen Chefs bestens auskomme, wird in Oldenburg ein Taxifahrer entlassen. Gut, das mag vorkommen – und ist derzeit wegen des bevorstehenden Mindestlohns sogar recht häufig. Was die dortige Geschichte aber so unglaublich macht, ist der Grund.

Besagter Kollege hat eine gewalttätige Auseinandersetzung zweier Männer gesehen und eingegriffen. Er konnte den einen Typen verjagen, der dem anderen, am Boden liegenden, gegen den Kopf trat. Anschließend kümmerte er sich um Hilfe, nahm sogar kurzzeitig noch die Verfolgung des Täters auf. Ein erstklassiges Beispiel für Zivilcourage, ein Helfer in der Not? Sicher. Das zumindest scheint laut diesem Bericht auch die Meinung der Polizei zu sein. Vielleicht hat er gar ein Leben gerettet, obwohl er hätte vorbeifahren können. Solche Leute wünscht man sich, wenn man selbst mal in Bedrängnis gerät!

Sein Chef hingegen sah das ganz anders. Der Kollege war so mit Hilfe und am Ende mit der Zeugenaussage beschäftigt, dass er – irgendwie nachvollziehbar – keine Fahrtaufträge mehr annahm. Das reichte dem Chef – zumindest vorerst – für eine Kündigung. Und besagter Kollege ist nicht etwa erst nach drei Tagen wieder aufgetaucht und hat die Story als Entschuldigung gebracht. Nein, nachdem der Chef offenbar binnen kürzester Zeit einfach das Auto von einem anderen Fahrer abholen ließ, kam der mutige Kollege mit Begleitung der Polizei ins Büro, welche ihn über alle Maßen für seinen Einsatz lobte – und entsprechend überrascht war, dass dem Helden gekündigt wurde.

Nun ist in anderen Städten und auf dem Land das Taxigeschäft anders als in Berlin. Da organisieren die Betriebe selbst die Fahrtvermittlung und die Unternehmen kämpfen gegenseitig um Kunden. Das ist eine andere Situation als hier. Und natürlich ist eine ungenehmigte „Pause“ da was anderes und die Fahrer stehen mehr in der Pflicht. Schön und gut. Aber der junge Taxifahrer dort hat vermutlich ein Leben gerettet, ein Verbrechen verhindert und getan, was viel zu wenige Menschen da draußen tun: Ungeachtet eigener Gefährdung einen Menschen beschützt. Es gibt keine – aber auch gar keine – Begründung, warum sowas mit einem Jobverlust bestraft werden darf. Und wenn es ein paar tausend Euro gekostet haben sollte (was hier sicher nicht der Fall war).

Sollte die Geschichte sich wirklich so zugetragen haben, dann möchte ich meinem Oldenburger Kollegen jedenfalls ein dickes Danke dafür ausrichten, dass er so gehandelt hat wie er gehandelt hat. Und seinem Chef so ungefähr die Situation herbeiwünschen, die der durch den Fahrer Gerettete inne hatte. Jetzt mal aus dem Bauch raus formuliert – natürlich wünscht man selbst Arschlöchern sowas eigentlich nicht.

Innerlich würde ich jetzt bei einem Shitstorm gegen das Unternehmen jubeln – aber ich möchte dennoch davor warnen. Ja, dem Chef die Laune und das Geschäft zu verderben, würde jetzt Spaß machen. Vermutlich würde man mit so einer Aktion am Ende aber mehr den Fahrern – eventuell also auch diesem einen besonders guten – schaden. Also ruhig Blut da draußen, bitte! Keine Namen und Adressen posten, wir sind hier nicht bei bild.de!

Ich würde mich über Infos freuen, ich würde z.B. auch gerne mit dem Kollegn selbst sprechen, falls ihn jemand kennt. Aber wenn es um persönliche Daten geht, dann bitte nicht öffentlich!

Ich freue mich jetzt erst einmal über mein Wochenende und darüber, dass ich solche Arbeitsverhältnisse bisher vermeiden konnte. Leider ist ja gerade beim Taxifahren keine Lösung, Kollegen aus anderen Städten ins eigene Unternehmen einzuladen. Sonst würde ich das natürlich tun.

Weihnachtsfeier! \o/

Wo ich die Tage immer mehr Kundschaft von Weihnachtsfeiern aufgabele, hätte ich fast schon die unserer Firma vergessen. OK, war nur Spaß, ich hab sie mir natürlich abgespeichert.

„Wie immer“ findet sie auch dieses Jahr am Montag – dem vermutlich einfach traditionell schlechtesten Tag im Taxigewerbe – statt. Und zwar am jetzt kommenden. Wie jedes Jahr freue ich mich, ein paar Kollegen zu treffen, die man übers Jahr selten gesehen hat, ebenso lassen mir aber die Aussicht auf Gänsebraten und Bier das Wasser im Munde zusammenlaufen.

Natürlich weiß ich wie immer nicht, wie es laufen wird. Wird Kollege A. im Vollrausch wieder absurde Geschichten erzählen und Kollege T. unterm Billardtisch die Nacht verbringen? Werde ich mit Ben um 3 Uhr zur Tanke wanken, um noch einen Kasten Desperados zu holen? Oder schlägt mich endlich mal irgendein neuer Kollege beim firmeneigenen Tischkicker?
Und welchem firmenfremden Kollegen werde ich Angst einjagen, wenn ich heimfahre?

Fragen über Fragen!

Alle davon werde ich sicher schon am Tag danach nicht mehr beantworten können. Aber ich bin guter Dinge, dass das Ganze eher ein Spaß als eine lästige Pflichtübung wird. Denn auch nach nunmehr über 6 Jahren gilt eines noch immer ausnahmslos:

Ich verlasse unseren Firmensitz stets besser gelaunt als ich ihn betreten hab. Und weder ich noch meine Chefs wollen daran was ändern.

Nur ein Beispiel

oder

warum ich das mit der Tarifbindung für eine gute Sache halte

Dass wir Taxifahrer uns im Pflichtfahrgebiet an die jeweiligen örtlichen Taxitarife halten müssen, ist immer wieder Grund für Ärger. Wie immer, wenn’s um Geld geht. Da haben wir einmal die Kunden, die natürlich gerne weniger zahlen wollen und auf der anderen Seite die Fahrer, die mehr verdienen wollen.

Aber wär’s so schlimm, wenn beide das bekämen, was sie wollen?

Grundsätzlich natürlich nicht. Preisfindungsprozesse bei Waren und Dienstleistungen sind abgesehen von einfachen Grundregeln komplex und natürlich kann der Taxitarif wie jeder andere Preis in bestimmten Fällen falsch im Sinne von „nicht optimal“ sein. Für mich hat eine Fahrt mit 6 pöbelnden Jugendlichen auch einen anderen Wert als eine mit einem netten Rentnerpärchen. Selbst wenn sie am Ende ähnlich lang dauern und laut Taxameter gleich viel kosten. Und für den durchgefrorenen Kunden an Silvester ist das Taxi für die 8 Kilometer Heimweg sicher auch mehr wert als Samstag Abends, wenn man sowieso noch zu dritt unterwegs ist und die Bahn alle 15 Minuten fährt.

Andererseits finde ich es auch schön, dass mich die Fahrkarte der BVG nicht ausgerechnet im Berufsverkehr mehr Geld kostet, weil der Platz da besonders knapp ist und man nunmal zur Arbeit muss …

Kommen wir nun zum aktuellen Beispiel. Das betraf zwar nicht das Pflichtfahrgebiet und ist damit keine illegale Abweichung vom Tarif gewesen – aber der angesprochene Kollege hat ganz gut gezeigt, wie absurd eine freie Preisverhandlung unter Umständen laufen kann.

Er stand am Ostbahnhof und unterhielt sich mit einem anderen Taxifahrer, der beim Funk eine Vorbestellung erwischt hatte. Es stellte sich raus, dass es wirklich um eine gute Tour ging, nämlich eine bis nach Cottbus. Der wartende Fahrer schien schon sehr glücklich darüber zu sein, aber besagter Kollege redete ihm ins Gewissen:

„Du musst unbedingt mit denen reden. Sag denen, dass Du die Uhr hin und zurück anlassen musst. Da ist Spielraum, da kannst Du immer mehr rausholen als ausgemacht. Ich bin einmal für 500 € nach Cottbus gefahren, das lohnt sich, glaub mir!“

500 €. Das kann natürlich die übliche Angeberei unter Kollegen gewesen sein, aber selbst wenn es übertrieben war: An die 180 €, die ich vor geraumer Zeit mit gutem Gewissen für diese Tour genommen hab, scheint der Kollege wirklich nicht gedacht zu haben.

Das für sich ist ja wie gesagt nicht unbedingt dramatisch. Obwohl es mir in den Fingern juckt zu schreiben, dass eine bessere Bezahlung von uns Taxifahrern zwar Not tut, 500 € aber zumindest gefühlt die Grenze zum Wucher überschreiten. Wirklich bescheuert wurde es, als in diesem Moment drei junge Männer auf mich zutraten, da ich nicht ins Gespräch involviert war und mir ein „Angebot“ machten:

„Hey Digger, wir ham’n Deal für Dich: Wir geben dir 60 € und Du bringst uns nach Fürstenwalde. OK?“

„Hmm. Nö. Das ist zu wenig.“

Die Irritation der Jungs dauerte nur kurz, denn der Kollege von eben bedeutete ihnen umgehend, bei ihm einzusteigen. Er mache das schon.

Mich hat das nur bedingt gestört. Es war Samstag und ich hab in den drei Stunden, die mich die Fahrt gekostet hätte, eher so um die 80 € Umsatz gemacht. Bei einem Drittel der Kilometer und sicher mindestens dem Doppelten an Trinkgeld. 60 € waren schlicht zu wenig.

Ich glaube, ich bin halbwegs vernünftig bei der Preisermittlung, wenn ich sie ins Umland mal selbst bestimmen kann. Ich versuche darauf zu achten, dass sich der Deal für mich und meine Firma zumindest halbwegs lohnt, mache darüber hinaus aber auch möglichst niedrige Preise für die Kunden. Da kommen dann für Cottbus eben 180 € und für Fürstenwalde 100, oder ausnahmsweise auch mal 80 € raus. Und natürlich akzeptieren das manche Kunden, manche auch nicht. Den freien Markt beschwörend hat der Kollege zweifelsohne mehr rausgeholt. Er hat irgendwem 500 € für Cottbus aus dem Rücken geleiert und im Gegenzug die Jungs für 60 € nach Fürstenwalde mitgenommen. Kann man gut finden, hat ja jeder bekommen, was er will.

Auf der anderen Seite hat der Kollege jetzt zwei nicht sonderlich gute Kunden hinterlassen:

Der eine greift vermutlich nächstes Mal auf einen Hubschrauber zurück. Ich hab auf die Schnelle keine Preise gefunden, aber ich könnte mir vorstellen, dass man es mit ein wenig Glück schafft, 500 € für diese Strecke zu unterbieten. Wenn nicht, bleibt das Taxi als absurd teuer im Gedächtnis – was es im Vergleich zur Bahn auch mit mir gewesen wäre, nur halt wenigstens um die Hälfte günstiger. Auf jeden Fall aber ist das jetzt als total unberechenbar abgespeichert.

Und die drei Jungs werden in den nächsten Jahren nicht vom Glauben abfallen, dass 60 € nach Fürstenwalde für uns lohnend genug sind und alle anderen sie nur abzocken wollen. Cottbus wäre zu dem Tarif übrigens mit 120 bis 140 € erreichbar.

Und was außerhalb des Pflichtfahrgebietes legal möglich ist, trifft stellenweise eben auch für innerhalb zu. Natürlich könnte ich die ein oder andere Fahrt deutlich günstiger machen. Andere müsste ich dann halt teurer machen, denn mit den bisherigen Tarifen komme ich etwa auf Mindestlohnniveau, das abzusenken ist also keine Option. Ich könnte am Wochenende in der City Rabatte anbieten, das Pech mit teureren Fahrten hätten halt die Leute, die in den Randbezirken wohnen. Oder zur falschen Uhrzeit fahren müssen. Wenn ich mir die zugehörigen Szenarien ausmale, gewinne ich jedenfalls nicht den Eindruck, dass eine freie Preisgestaltung am Ende z.B. sozial schwache Menschen besserstellen würde und damit insgesamt fairer wäre. Denn ebenso wie die Kunden hätten auch wir Taxifahrer mehr Einfluss auf die Preise – und ein Wegfall der Beförderungspflicht würde damit zudem wohl auch einhergehen, denn was soll sonst passieren, wenn man handelt, sich aber nicht einigen kann?

Nicht alle Taxitarife sind super hierzulande. Ob für Fahrer oder Kunden. Und selbst für die besten Tarife gibt es natürlich irgendwelche Fahrten, für die selbst sie unsinnig sind. Die einen Tarife schwächeln dank politischer Interessen, die anderen dank ungenauer Datenlage. Irgendwas ist immer, wenn man sowas festlegt. Grundsätzlich halte ich die Idee aber für richtig.
Und – das darf man nicht vergessen – sie betrifft „nur“ Taxis, die öffentlichen Verkehrsmittel. Unserer Konkurrenz wird diese Preisbindung nicht auferlegt, auch wenn Spinner wie die Gesellen von Uber z.B. das bisweilen implizieren. Dass andere Fahrdienstanbieter meist nicht oder nur wenig günstiger sind, liegt schlicht an der Wirtschaftlichkeit und hat mit der Tarifbindung überhaupt nix zu tun.

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

Abonniert doch den RSS-Feed von GNIT. Mehr von Sash gibt es außerdem bei Facebook und bei Twitter.

Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Ortskunde bei Fahrgästen

Zwei Touren heute:

Tour 1: Ostbahnhof bis S-Bahnhof Hohenschönhausen.

„Bitte bring mich da irgendwie hin, ich wohn‘ erst seit kurzem in Berlin, da in Hohenschönhausen – und ich hab keinen Plan, wie ich da hinkomme und wo ich hier überhaupt bin.“

Tour 2: S-Bahnhof Hohenschönhausen bis Osloer Straße im Wedding.

„Wenn wir da sind, kann ich dir zeigen, wo ich genau hin will, aber ich hab keine Ahnung, wo ich gerade bin und in welche Richtung ich muss!“

Ich hab an meiner Ortskunde zweifelsohne noch ein paar Jahre oder Jahrzehnte zu feilen. Unter den Taxifahrern steche ich sicher nicht heraus, da will ich nicht angeben oder irgendwelche Lügen erzählen. Ich hab mich neulich erst wieder verfahren und demütig die Uhr ausgemacht, als ich es gemerkt hab – aber auch ohne das würde ich mich nicht einreihen wollen in die Riege von Vollidioten, die sich selbst Unfehlbarkeit attestieren. Aber gegenüber den Fahrgästen merkt man dann doch sehr schnell, was man mit dem Lernen auf die Ortskundeprüfung tatsächlich für eine Qualifikation erworben hat. Das jetzt – mit so bekannten Zielen – ist da sogar ein schlechtes Beispiel, aber es war so auffällig bei zwei direkt aufeinander folgenden Touren.