Druff

„Bisse druff?“

„Äh, wie bitte?“

„Hasse wat jenomm‘?“

„Nein!?“

„Na jut, ick gloob Dir mal!“

„Das ist nett.“

„Dann bring mir mal nach Weissensee.“

„Gerne.“

„Aber druff bisse nich?“

„Nein!“

„Ah, jut. Weil, weil, ick bin ja sons‘ nich so, aba ick, also heute, heute bin ick mal richtig druff. Verstehste, ja?“

„?“

„Alles OK, Digger, will nur keenen, der so druff is wie ick, Digger!“

„Nur keine Sorge.“

„Na dann wer’n wa beste Freunde, Digger! Obwohl, jetz‘ mal im Ernst: Bisse druff?“

Leute, ich hab echt nix gegen Drogen. Habt Spaß, feiert, lasst die Sau raus! Aber glaubt mir bitte, dass ich keiner von Euch bin, ok?
😉

„Früher hätt’s dit nich‘ jejeben …“

Kaum eingestiegen, beäugte er fachmännisch den Kilometerzähler meines Autos:

„Oh, ok, hätte nicht gedacht, dass ein Opel überhaupt so lange hält …“

„Das? Das ist nix. Die letzten beiden hab ich über 400.000 gebracht.“

„Sind wohl praktisch, wa?“

„Sicher: Geringe Kosten, geringer Verbrauch, günstiger Service, bis zu sechs Leute … haben halt auch ihre Vorteile.“

„Verstehe, da bleibt mehr unterm Strich. Egal, früher hätte es das trotzdem nicht gegeben!“

Mag sein. Früher hätte Dich ein Taxifahrer vermutlich aber auch aus dem Auto geschmissen, wenn Du außer zu meckern nix zu sagen gehabt hättest. Hab ich natürlich nicht gesagt, lustigerweise gerade, weil wir heute nicht mehr „früher“ haben.

Das Problem mit „Früher“ ist halt, dass jeder es sich zurechtbiegen kann, wie er will. Da war vielleicht mehr Lametta, andererseits war das Wort Dienstleistung noch kaum erfunden – und der dazugehörige Gedanke wurde noch mit Worten gebrandmarkt, die man heute insgesamt aus der Sprache zu drängen bemüht ist.

Und, wie ich gerne völlig emotionslos anfüge:

„Wer so schwer unter dem Auto leidet, das ich tagtäglich fahre, der soll sich halt die Minute gedulden und auf einen Mercedes warten. Oder drei oder fünfzehn. Oder extra einen Mercedes bestellen oder oder oder. Ich bin mit meinem Job beschäftigt genug, ich hab wirklich kein Interesse daran, mir künftig auch noch auszumalen, in welchen Vierteln ich Leuten damit auf den Fuß treten könnte, dass ich schneller vor Ort bin als jemand, der ein anderes Auto fährt.“

So spannend wie möglich …

„Wow, die Ampel bei rot erwischen, muss man erst einmal schaffen.“

„Aber echt. Ich wusste gar nicht, dass es die gibt …“

„Und ein Fußgänger auf dem Zebrastreifen. Für die Kürze der Fahrt wird das ja geradezu spannend heute …“

„Sie sagen es. Wir sollen die wohl ganz explizit genießen.“

Und obwohl es wirklich nur vom Ostbahnhof zum Boxi ging, war ich da schon zufrieden: Wenigstens kein hektischer Stresser auf so einer Fahrt! Doch dann:

„Boah, Fuck, Fuck, Fuck! Wo kommt’n das jetzt her!?“

„Was ist denn?“

„Nasenbluten! Richtig übel, Fuck, Fuck, Fuck!“

Ich konnte nicht anders:

„Na, DAS ist jetzt schon ein bisschen übertrieben von Ihnen … brauchen Sie ein Taschentuch?“

„Haben Sie denn eines?“

„Na klar. Sie können auch zwei oder drei haben.“

Als wir 50 Sekunden später am Ziel ankamen, sah der Typ wirklich aus, wie ein aus einem Splatterfilm entlaufener Statist. Aber gut, langweilig erschien mir die Fahrt dieses Mal wirklich nicht, auch wenn ich sie von der Strecke genau so schon mindestens hundertmal gemacht habe. 😉

Immer diese Entscheidungen …

„An der nächsten Ampel können Sie links fahren.“

Ihr Begleiter indes sah betrunken und verträumt einem anderen Taxi nach, das geradeaus fuhr:

„Hihi, guck ma! Da, der da: Verfolg denn mal!“

Ich hab kundgetan, dass mich im Zweifelsfall lieber für die etwas nüchternere Wegansage entscheiden würde – woraufhin sie jedoch gleich einwarf:

„Ach, wenn ich zu Hause bin … Ihr dürft ruhig den anderen Wagen verfolgen.“

Und dann sah mich der zweite mit Hundeblick an:

„Woll’n wa?“

Am Ende ist er dann doch mit zu ihr. Aus Pflichtgefühl, sagte er. Aufpassen, dass sie sicher heimkommt.

Is‘ klar. 😉

Volltreffer

Ich hab den gestrigen Abend doch nicht auf der Straße verbracht. So oft ist mein Bruder nicht zu Besuch und wir haben den Abend lieber mit ein wenig Zocken zu Hause verbracht. Nachdem alle außer mir im Bett waren, wollte ich dann trotzdem das Auto schonmal holen. Nicht wirklich zum Arbeiten, sondern um schon mal alles für heute Abend herzurichten, mir heute die Anfahrt zur Firma zu ersparen, sowas halt.

Und naja, für den unwahrscheinlichen Fall, dass noch jemand winken sollte, hatte ich natürlich vor, diese Tour dann auch noch zu machen.

Es gab tatsächlich Winker. Nur eine Tour. Dafür aber auch gleich ein armenischer Kunstmaler, der von Karlshorst nach Siemensstadt wollte und sich mit mir während der Fahrt für schlappe 40 € über Jazz und das Leben in Ostdeutschland unterhalten wollte. Etwas schräg, durchaus, aber weit besser als alles, was auch nur entfernt in die Nähe meiner Vorstellungskraft geraten konnte.

Taxikunden in Berlin, ein Beispiel

Was man so allabendlich via Funk reinkriegt …

Wenn er trotzdem bezahlen würde, würde er kaum auffallen. Quelle: Sash

Wenn er trotzdem bezahlen würde, würde er kaum auffallen. Quelle: Sash

Tatsächlich ging kurz zuvor noch eine weitere Warnung raus, in der gesagt wurde, dass er kein Wort spricht, aber auch nicht mehr aussteigen will. Was halt so passiert …

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Weihnachtsfeiersaison \o/

Da ist sie wieder: Die fünfte Jahreszeit für Nachtschichttaxler!

Dieses Mal eingeleitet von zwei reichlich prallen Gesellen in Kreuzberg, die sich just nach besagter Feier darüber unterhalten haben, dass sie nun aber mal echt bald kündigen würden. Der eine war sich sogar sehr sicher, es bereits heute zu tun. 0.o

Da bleibt dann wirklich nur anerkennende Gratulation zum Betriebsklima. Oder so.