„Ährlich?“

„Ach Jungs! Stellt Euch nicht so an, ich komm‘ auch aus Stuttgart!“

„Ährlich? Du bisch au a Schwoab?“

„I kennd‘ au andersch schwätze, na wirded’ser vlleichd märgge.“

„Haha, i glaub’s ned! A Stuargarder!“

„Ja, is‘ ja gut jetzt! Aber ihr wollt sicher zu diesem Stripclub?“

„Ha glaar! Naggiche Weiber, was sonschd?“

Ach, mir wären da noch ein paar Adressen eingefallen, bei denen ich auch noch was verdient hätte. Aber ich bin da ja nett und lasse den Kunden ihre Wünsche. 😉

Die kürzeste Route!

Ja, die kürzeste Route muss ich als Taxifahrer fahren, so lange vom Fahrgast nichts anderes gewünscht ist. Und ihr hört mich über wenig enthusiastischer plaudern als meine Versuche, das auch zu tun. Auf der anderen Seite schneiden wir uns damit natürlich ins eigene Fleisch. Umsatzbasiert bezahlt zu sein bedeutet eben auch, dass jeder Meter mehr potenziell leicht verdientes Geld ist. Nicht umsonst gehören zu den hartnäckigsten Problemen im Taxigewerbe die Kollegen, die halbe Stadtrundfahrten machen, bis sie endlich am eigentlich viel direkter zu erreichenden Ziel angelangen.

Das Gegenstück dazu liefern natürlich die Kunden, die eine ganz eigene Vorstellung von kurzen Wegen haben, meist ungefähr wie folgt:

„Da fahr ich immer, das ist ganz sicher der beste Weg!“

Dass nachts, ohne Berufs- oder irgendeinen Verkehr, der kürzeste Weg in der Regel immer der Beste ist, wollen viele nicht wissen.

Zu dieser Kategorie gehörte die junge Frau sicher nicht, die ich vom Kater Holzig nach Hause in die Kienitzer Straße in Neukölln bringen sollte. Aber nachdem ich pflichtbewusst erwähnte, dass die allerkürzeste Route durch die Adalbertstraße gesperrt ist, machte sie es sich zur Aufgabe, mir ihren Weg näher zu bringen. Um ehrlich zu sein: Ich hab mich lediglich durch angedeutete Bisse ins Lenkrad immer mehr in den WTF-Modus reingesteigert. Viele wissen es wahrscheinlich schon aus meinen Beiträgen, die anderen können es anhand einer Karte (s. unten) in Windeseile nachvollziehen: Für alles, was nördlich der Oranienstraße und zumindest mal östlich der Lindenstraße liegt, ist die direkt parallel zur Adalbert- verlaufende Mariannenstraße eine super Ausweichlösung, wenn man grob gen Hermannplatz will. Meine Kundin hatte dezent andere Pläne:


Größere Kartenansicht

Aus der Tour, die mit Ach und Krach für einen Zehner machbar gewesen wäre, hat sie eine Odyssee durch Kopfsteinpflastergassen gemacht, bei der am Ende 14,40 € auf der Uhr standen. Ich bin mir keiner Schuld bewusst, sie war sich darüber im Klaren, dass es länger ist und hat den Weg freiwillig gewählt. Also passt das schon. Die Kollegen aus der Tagschicht kennen solche Fahrten wahrscheinlich zu Hauf und planen sowas des Verkehrs wegen auch mal von sich aus. Mir als Nachtfahrer zieht es bei sowas immer fast die Schuhe aus.

Aber am Ende ist es doch so: Wenn die Kunden zufrieden sind und wie hier noch 1,60 € Trinkgeld drauf legen, dann hat man wohl nix falsch gemacht. Und der nächste schweigsamere Genosse fährt dann wieder für einen Zehner, versprochen. 🙂

Coolness? Check!

Woran es am Ende genau gelegen hat, weiß ich nicht. Vielleicht war es wirklich die Sperrung der Straße der Pariser Kommune auf der Karl-Marx-Allee. Jedenfalls hab ich den wild durcheinandergackernden Spaniern nicht zu viel versprochen.

Sie sind mir aufgeregt ins Auto gesprungen und haben mich gefragt, ob ich wüsste, wo das Klinikum am Friedrichshain wäre. Da waren sie nun wirklich nicht an der falschen Adresse. Das ein oder andere Mal hab ich ja schon Leute dort zur Rettungsstelle gebracht, prominent erwähnt seien hier vielleicht der Zombie und der Mann, der aussah wie Donald Rumsfeld. Wobei letzterer dann ja doch nicht wollte.

Egal. Die Spanier zeigten jedenfalls auf den Krankenwagen, der sich gerade vor dem Yaam langsam in Bewegung zu setzen schien und anschließend fragte meine wuselige Gesellschaft mich, ob ich jenem Wagen hinterherfahren könne. Abgesehen davon, dass ich nicht im Windschatten eines Krankenwagens Kamikaze-Fahrten mache, schien mir die Richtung auch ungünstig zu sein. Wenn der Fahrer nämlich nicht vorhatte, gleich zu wenden, würden sie mindestens bis zur Warschauer Straße gen Osten fahren müssen, tatsächlich unnötig weit. Also hab ich alternativ auf die Andreasstraße gezielt und versprochen, wir würden als erste da sein. Man braucht ja auch Ziele im Berufsleben, nicht wahr? 😉

Ich denke, über die Tempo-30 Zonen schweigen wir einfach, ansonsten war ich nicht wirklich schneller als die Polizei erlaubt, sondern nur schneller als der RTW fährt.

An der Rettungsstelle sahen die vier, die um ihren Kumpel (Alkoholvergiftung oder irgendwas in der Art) bangten, sich nochmal ängstlicher um und fragten, ob ich wisse, wo der Wagen ankommen werde.

„Well, exactly here. And that’s why I have to go now.“

Ich hätte sagen können, was ich will. Die werden ihre letzte Urlaubsnacht hier eh nicht vergessen. Als ich aus dem Tor bin, kam gerade ein Rettungswagen reingefahren. Denke, das hat gut gepasst. 😉

Liebe Jungs vom vergangenen Wochenende!

Hier ein paar kleine Hinweise, wie das Taxifahren noch angenehmer wird:

1. Kurzstrecke ist kein Problem …

aber dann stellt Euch auf die Straßenseite, von der aus es unter zwei Kilometer sind. Und nicht auf die Seite, wo man ewig nicht wenden könnend in die falsche Richtung fährt.

2. Musikwünsche sind ebenfalls kein Problem …

aber es ist nicht möglich, auf drei Minuten Fahrtweg Rock, Elektro, Schlager und Radio Paradiso unter einen Hut zu bekommen.

3. Rauchen ist nicht erlaubt …

und das ist es seit 2007 in allen Taxen. Eine Nachfrage nimmt niemand übel und ich weiß auch, dass manche Fahrer da ja sagen. Nach dem fünften Nein braucht man aber kein sechstes Mal fragen.

4. Den Taxifahrer uncool zu nennen …

verbietet Euch keiner. Aber in Kombination mit

5. „Mach nach Kurzstrecke einfach die Uhr aus.“

sorgt das halt recht zuverlässig dafür, dass man als Taxifahrer leider leider (aber sowas von leider!) keine Ausnahme machen und die letzten 210 Meter noch fahren kann. (Die unter Beachtung von 1. sowieso nie angefallen wären)

Einfach merken und nochmal eine Spur glücklicher werden, ok?

Liebe Grüße,

Sash

Schwierigkeiten beim Bloggen

Wir hatten es bei der Tour schon:

Ein Blogeintrag über die Fahrt könnte schon daran scheitern, dass es zu viel gibt und ich nicht weiß, wo ich anfangen soll. Da die Nacht extrem bescheiden angefangen hat, war es nicht weiter schwer für einen meiner treuesten Twitterfollower (und nebenbei ehrenamtlich Generaldirektor oder sowas ähnliches für GNIT) @nachholer, mich just über jenes soziale Netzwerk zu kontaktieren. Ich hab die ganze Nacht schon rumgeheult, wie mies der Umsatz ist, da hat er sich (einmal mehr) spontan entschlossen, ein wenig auszuhelfen.

Kaum dass er mich nach Prenzl’berg bestellt hatte, bekam ich eine Winker-Tour in genau die richtige Richtung. BÄM! Das war mehr Action als in den ersten 4 Stunden zusammen.

Was mein werter Freund nicht erwähnt hatte, war, dass er eine Großraumfahrt mit sechs Leuten, darunter weitere Leser wie z.B. @gehirnstuermer, für mich hat, die zudem von Prenzlauer Berg über Friedrichshain und Neukölln bis nach Steglitz führen sollte.

Oder dass ich bei der Ankunft erst einmal auf eine Cola eingeladen werde …

Dass es eine 34€-Tour rausreißt, wenn ich in den 7 Stunden (!) zuvor noch nicht einmal in die Nähe des dreistelligen Bereichs gekommen bin, sollte klar sein. Dass es trotz allerlei Snickers-Streitigkeiten und Unklarheiten eine zudem verdammt nette Fahrt werden würde, ist bei einer bunt zusammengewürfelten Truppe leider immer noch nicht zwingend selbstverständlich.

Ich mag es, wenn ihr mich positiv überrascht. 🙂

Neben den oben genannten danke ich zudem @PjotrPetka, @Heart_Bea_t und @nikitabln. So wie mit Euch sollte es öfter laufen!

PS: Irgendwen hab ich wohl vergessen, sorry. Einen Überblick hab ich mir zwischen all dem Gelaber nicht schaffen können. Es war – wie eingangs erwähnt – irgendwie dann doch fast ein bisschen zu viel auf einmal, um locker aus dem Handgelenk zu bloggen. Was Ihr hoffentlich verstehen könnt. 😉

Gewohnheitsstrecken

Es hat zugegebenermaßen nicht viel Überzeugungsarbeit gekostet, meiner Kundin zu erklären, dass meine Route „geringfügig“ kürzer sein würde als die, die sie mir vorschlug. Denn das war ihr Vorschlag:


Größere Kartenansicht

Denn trotz Sperrung der Adalbertstraße ist der Weg über die Oberbaumbrücke eigentlich immer unsinnig.

Sie hat mir das im Übrigen nicht einmal ansatzweise übel genommen, obwohl Menschen ja gerne mal auf ihren Gewohnheiten beharren. Im Gegenteil: Sie hat sich gefreut, dass sie jetzt durch Zufall mal was neues gelernt hat. Sowas darf es ruhig öfter geben. 🙂

PS: Im Taxhihaus-Blog hab ich im Gegenzug von einer Fahrt heute Nacht geschrieben, die ich selbst verbockt habe. Aber gleichfalls mit gutem Ausgang. 😉

 

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Heimscheißer

Irgendwie erinnert mich die Überschrift an Flöten und Apfelkuchen. Das wird wahrscheinlich an meiner Sozialisation in den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts liegen … 😉

Ganz aus der Luft gegriffen sind Filmcharaktere ja meistens nicht, und so befand sich auch in meiner bunten Truppe, die ich von Treptow nach Prenzlauer Berg bringen sollte, einer, der – wie er erst nach einigen Nachfragen seiner Freunde zugab – eigentlich nur deswegen zu Hause einen Zwischenstopp einlegen wollte, weil er noch auf’s Klo wollte.

Das Gejohle unter den Mitreisenden war natürlich groß, o.g. Name steht nicht grundlos in der Überschrift.

Eine unschöne Angewohnheit, dieses Gelächter. Paruresis ist nämlich in der Tat eine Phobie, die ziemlich ernste Züge annehmen kann. Da darf man ruhig mal drüber nachdenken, bevor man darüber lacht, dass der Kollege auf dem Klo gerade keinen Tropfen rauskriegt!

Von den fünf geladenen Fahrgästen sind dann komischerweise gleich vier in der Wohnung in Friedrichshain verschwunden, während ich mich gefreut hab, dass ich eine bezahlte Kippenpause hatte. Der einzige verbleibende Mensch hat sich mit mir über dieses und jenes unterhalten, insbesondere darüber, ob einer von uns auch nur den Hauch einer Ahnung hätte, wo der Club wäre, den wir anpeilten. Eine grobe Richtung, sogar einen Straßennamen, hab ich genannt bekommen. Ein Club war mir da aber zugegebenermaßen unbekannt. Dem Fahrgast auch.

Aber er war ja nur kurz alleine. Die gut gelaunte Truppe purzelte reichlich unsortiert in mein Taxi zurück und wir konnten die Fahrt fortsetzen. Vom frisch Erleichterten selbst bekam ich dann die genauen Koordinaten und wir schafften es im Anschluss auch ohne weiteres, dort anzukommen. Ein bisschen irritierend war nur die Tatsache, dass sich alle in der Wohnung gewesenen über deren Schönheit und – insbesondere und ganz explizit erwähnt! – die der Toilette begeisterten.

Entweder hatte ich eine ganze Wagenladung von Paruresis Betroffener im Gepäck – oder die Toilette sucht in Sachen Geräumigkeit wirklich ihresgleichen. Ich werde es wohl nie erfahren …