Mal was ganz seltenes im Taxigewerbe: Frauen. Unter den Fahrkräften mit irgendwas weit unter 5% deutlich unterrepräsentiert, sind Frauen in Form von Kundinnen oft besonders auf eine sichere Heimfahrt und damit ein Taxi angewiesen. Aus anderen Gegenden kenne ich Sondertarife oder Bezuschussungsangebote und da dachte ich, ich frage doch einfach mal nach. Und die Antworten waren besonders beeindruckend.
In vielen anderen Bundesländern existieren Taxiregelungen, die darauf ausgelegt sind, Frauen ein sicheres Heimkommen zu erleichtern. Haben Sie diesbezüglich Projekte in Planung?
CDU:
Projekte wie ein Frauentaxi oder ähnliches sind derzeit in Berlin nicht geplant.
Unser Anspruch ist es aber, dass sich jeder sicher durch die Stadt bewegen kann. Deshalb setzen wir uns unter anderem für einen weiteren Stellenaufwuchs bei der Polizei und für Videoüberwachung an kriminalitätsbelasteten Orten ein, um die Sicherheit in Berlin zu erhöhen.
FDP:
Dazu haben wir bisher keine konkreten Initiativen geplant.
SPD:
[Keine Antwort]
Die LINKE:
Taxiregelungen zur Verbesserung der Sicherheit von Frauen auf dem nächtlichen Heimweg finden vor allem in Flächenländern und kleineren Städten Anwendung, in denen der Nahverkehr in den Abendstunden deutlich ausgedünnt ist. Für Berlin gibt es eine Endhaltestellenregelung zum Ruf eines Kurzstreckentaxis für alle. Das halten wir derzeit für ausreichend.
AfD:
Wir sorgen mit geschlossenen Grenzen und harten Strafen für Sicherheit. Solche Projekte benötigen wir daher nicht.
Die PARTEI:
Wenn es der Taxiwirtschaft hilft, wovon wir ausgehen, ist das ein guter Ansatz. Nebenbei kommen Frauen sicher nach hause.
Nix geplant, gar keine Meinung und natürlich die obergruselige Law-Order-AND-Racism-Antwort der AfD. Da weiss ich wenigstens, weswegen ich das überhaupt gefragt habe. -.-
Was aber am überraschendsten war, war die von der LINKEN erwähnte „Endhaltestellenregelung zum Ruf eines Kurzstreckentaxis“. Denn ich habe weder bisher was davon gehört – was schon mal schlecht ist, wenn es potenziell Teil meines Berufes sein soll – noch irgendwo im Netz einen Hinweis auf dieses vermeintliche Angebot gefunden. Gut, ich bin Nicht-Funker, ich kriege nicht alle Kooperationen mit. Aber wenn mir zuliebe; und sicher vielen Frauen da draußen auch; jemand von der LINKEN da mal einen Link (beabsichtigter Wortwitz, soweit treibt mich die Serie hier schon!) senden könnte, wäre das nett.
Die Antworten der AfD lesen sich wie ausgedacht.
Aber sollte das ernst gemeint sein, dann wissen wir ja, wie ernst sie die Sicherheit doitscher Frauen wirklich nehmen… #nicht
@Stefan:
Ich kann Dir versichern, alle Antworten von allen Parteien sind (im Übrigen inkl. Rechtschreibfehlern) unverändert und darüber hinaus auch vollständig so wiedergegeben, wie sie mir zugesandt worden sind.
Das hatte ich befürchtet. bzw. was ich noch mehr befürchte, dass die Deppen trotzdem massiv gewählt werden (bei uns aktuell 15% bei der Kommunalwahl am vergangenen Sonntag *schauder*)
@Stefan:
Ja, komplett verhindern lassen wird sich das wohl nicht. 🙁
Zum Thema Taxi und BVG hab ich das hier gefunden: http://www.taxi-berlin.de/news/neue-kooperation-von-taxi-berlin-und-bvg/
Die Endhaltestellen-Regelung kenne ich aus Köln, wo der Fahrgast im Bus dem Fahrer Bescheid sagt, und dieser über Funk ein Taxi zur Endhaltestelle ordert, das dann bei Ankunft des Busses dort schon wartet. Sollte man also mal bei der BVG anfragen ob es sowas für Berlin gibt.
@Ralf E:
Das hatte ich auch gesehen. Aber das Entscheidende wäre ja die Frage einer Vergünstigung (wie z.B. Kurzstreckentarif o.ä.) und darüber verlieren weder die Zentralen, noch die BVG irgendwelche Worte.
Also Videokameras überall mit jeweils einem Polizeisten am Bildschirm und Grenzmauern, dann kann nichts mehr passieren. Hooray.
Ich hab Kopfschmerzen und die Wand eine Delle.
Wie blöd ist das denn?
Nach Auskunft der Linken müsste das ja über Kurzstreckentarif laufen. Mehr als das von der BVg hab ich auch nicht gefunden. Aber immerhin gibt es das. Besser als Nichts.
Sinnvoll wäre natürlich eine wie von dir angesprochene Regelung.
@Roichi:
Ich hab ja im Vorfeld lange überlegt, ob ich das mache: Der AfD hier eine Plattform zu bieten. Aber als ich die Mail angeschaut hab, war für mich endgültig klar: OK, das ist so schlecht, das kannste auch nicht verheimlichen. Das ist – wenn man nicht schon ganz weggetreten ist – einfach nur Selbstdemontage.
Sag ich doch. Das Risiko der Blamage. Ok, ich gebe zu, deine Anfrage kam vielleicht überraschend, aber hey, es ist Wahlkampf, also ist Engagement gefragt. Außerdem hattest du angekündigt, dass du die Antworten veröffentlichen würdest. Aber vielleicht hat die AfD sich gedacht „Blogleser wählen uns eh nicht“.
Da können jetzt aber alle von deutschen Staatsangehörigen misshandelte, vergewaltigte und belästigte Frauen erleichtert aufatmen – das ist in Wirklichkeit gar nicht passiert, weil nur Ausländer Übeltäter sein können.
Bei einem so simplen Weltbild auf Amöbenniveau wundert es mich ja, dass sich AfD-Anhänger überhaupt in der Lage sind, morgens das Bett zu verlassen.
Ich halte mir die Augen zu – und du siehst mich nicht (mehr)!
Manche Politiker scheinen über dieses Stadium nicht hinweggekommen sein …
@Ralf E
Früher (~20 Jahre her?) gab es in den Bussen so Aufkleber, auf denen genau das erklärt wurde: Der Fahrer kann einem nachts (nach 22? 23? Uhr) ein Taxi zum Sondertarif zu einer beliebigen Haltestelle rufen. Irgendwas war noch mit ner Meterbeschränkung. Entweder, die nächste Haltestelle musste 1-2 km entfernt liegen oder der Fußweg nach Hause ´musste mindestens x Meter betragen.
Die Sticker sind inzwischen verschwunden, ob der Deal noch existiert weiß ich nicht
@Falcon:
*sign*
@ednong:
Tja. Das ist halt dieses alternative Denken.
@Ana:
Kenne ich aus Stuttgart auch so. Da hat dann die SSB 5 Mark des Taxipreises übernommen. An sowas dachte ich bei der Frage, hab aber nach – zugegeben: kurzer – Recherche wirklich nix finden können.
Was sind denn Frauentaxen? Taxen mit weiblichen Fahrern und nur für Frauen?
Und mal eine weitere, polemische Frage: Passiert in Deutschland auf Heimwegen wirklich so viel Gefährliches? Gibt’s da Zahlen für?
@Mich ha:
Frauentaxen sind solche, die von Frauen mit Männerfrisuren in Männerkleidung in Frauenwerkstätten gewartet und gepflegt werden. Sie können auch von Männern mit Langhaarfrisuren gefahren werden.
Aber sind das dann nicht Hippitaxen?
Leider hat die humorbemühte Antwort der Alternativdussel die Wortschöpfung des Abends überlagert: Stellenaufwuchs bei der Polizei (CDU). Wie lange es wohl dauern wird, bis die kleinen Stellen ausgewachsen sind?
@Mic ha
Da braucht es wenig Polemik bei dem Thema…
In den 80ern waren Frauentaxis in vielen Unistädten ein diskutiertes Thema, sollten sie doch gewährleisten, dass solo unterwegs seiende Frauen abends sicher in die City und zurück oder zumindest auf dem letzten Stück Weg von Haltestelle bis nach Hause kommen konnten. Heiß zum Teil deshalb diskutiert, weil radikale Positionen darin ejne Bevorzugung qua Geachlecht sahen.
Heute ist es oft ein „von Frauen für Frauen“-Zusatzservice, mit dem auch ich mir abends öfters zusätzliche Kundschaft generiere. Ob man es nun sehen will oder nicht, vielen Frauen ist der Gedanke, dass sie am Ende eines Abends im aufreizenden Partyoutfit (das seine Berechtigung hat) im alkoholisierten Zustand leichte Beute eines Taxlers werden könnten, unangenehm. Und solange es Kollegen gibt, die Frauen angraben im Taxi oder es nicht einsehen wollen, dass eine Frau lieber eine kurze Strecke von 800m fährt als durch den dunklen Park zu Fuß abzukürzen, macht das Angebot Sinn.
Danke dir für die Antwort. Ich als Mann kann das nicht nachvollziehen, wie es ist, von Besoffenen aus der Gruppe heraus oder von Taxlern dumm angemacht zu werden und wie man sich dabei fühlt. Ich denke, dass Übergriffigkeit auf den Straßen hier im Alltag ein hauptsächlich männliches Problem ist.
Aber was ich mit dem „gibt es Zahlen dafür“ meinte, war, ob es gut ist, einem subjektiven Angstgefühl konsequent nachzugehen, da mir da ungute Dinge wie Kameraüberwachung, mehr Polizei und Ähnliches in den Sinn kommen, für die ein subjektives Gefühlt oftmals als Legitimation herhalten muss. Und ich mich frage, ob es da in Deutschland wirklich derart Probleme gibt, die den Nachhauseweg gefährlich werden lassen.
Vielleicht hast du da Erfahrungswerte.
@Mic ha:
Das Gute an einer Idee wie Frauentaxis ist es ja, dass man ohne den ganzen Law-and-Order-Mist auskommen kann, gerade wenn die Gefahr eher gefühlt ist. Und gerade bei so Sachen wie sexueller Belästigung o.ä. ist ja z.B. das Problem mit Zahlen auch die Dunkelziffer. Ja, die Vergewaltigungen „in der dunklen Gasse“ sind sicher nicht häufig. Wenn ich mir aber die Leute nachts auf der Straße anschaue, dann kann ich mir gut vorstellen, dass einzelne Frauen auf dem Weg vom Bahnsteig bis zum Taxistand kaum unter drei saublöden Anmachsprüchen und Nachfragen wegkommen, die natürlich aus Gründen nie irgendwo in einer Statistik landen, für die einzelne aber sehr wohl ein präsentes Problem sind, auch wenn’s am Ende vielleicht so gut wie nie zu Handgreiflichkeiten kommt. Deswegen würde ich ohne Daten sagen, dass ich eigentlich glaube, dass man hier sicher überwiegend gut heimkommt, dass es sich aber sicher für Frauen, die alleine unterwegs sind, ganz anders anfühlt.
Ganz generell ist dieses Thema ein Beispiel dafür, wie unterschiedliche Bereiche miteinander verzahnt sind.
Ob man nun in einer Großstadt wie Berlin ein subventioniertes Frauentaxi braucht, lasse ich mal dahingestellt, ich wäre da eher skeptisch. Wie die Linken bemerkten, auf dem flachen Land mag das sinnvoll sein, um Frauenmobilität zu erleichtern. Ich denke, dieses Spezialproblem lässt sich mit gMv lösen.
Ok, wer lässt sich schon gerne in Generalverdacht nehmen, er wolle Kundinnen etwas Böses. Hierzu ein Beispiel, wie persönliche Einstellung, Missverständnisse, Gedankenlosigkeit eine negative Reaktion bewirkten. Zwei Mädels, etwa 18, stiegen mit dem Jubelruf „Geil, eine Fahrerin“ in einer Samstagnacht bei mir ein. Leicht alkoholisiert berichteten sie mir, dass sie sowas echt vermissen (s. Anteil am Fahrpersonal). Unlängst seien sie mit einem mir durchaus bekannten Kollegen (der sich für Gottes Geschenk an die Damenwelt hält, s. persönliche Einstellung) die etwa 12 km nach Hause gefahren. Ein Scherz gab den anderen, es wurde etwas geflirtet, bis der Kollege auf freier Strecke erklärte, er müsse gerade mal für kleine Taxifahrer hinter den Busch. Also fuhr er an einer Bedarfshaltestelle rechts ran, stoppte den Taxameter und verschwand. Subjektiv dauerte es etwas länger, wie die Mädels erzählten. So lange, bis die beiden sich etwas Sorgen machten, angesichts der vorherigen Unterhaltung, ob da nun mehr als ein Mann wieder aus dem Gebüsch auftauchen würde. (s. subjektives Unsicherheitsempfinden). Der Kollege kam natürlich allein zurück, die Fahrt setzte sich fort ohne Probleme. Die beiden Kundinnen waren aber in mehr als einer Hinsicht ernüchtert. Und entschlossen, nach Möglichkeit nur noch mit Fahrerinnen nach Hause zu fahren, obwohl sie selber einsahen, dass alles nur ein MIssverständnis ihrerseits war. Wobei sie dachten, es gäbe aus gutem Grunde nachts gar kein weibliches Fahrpersonal.
Ich hab seitdem zwei recht treue Stammkundinnen und mein Chef freut sich natürlich und sieht sich in seiner Entscheidung, mich zu beschäftigen, bestätigt.
Würden nun mehr Unternehmer Frauen einstellen, wäre die Servicemöglichkeit keine Besonderheit mehr. Mehr Kundinnen hätten mehr Wahlfreiheit. Allerdings gibt es ja nicht nur wenig Frauen im Gewerbe und auch wenig Bewerbungen, es ist ja auch im Denkansatz ein eher männerorientiertes Berufsbild. Wie ich aus persönlicher Erfahrung sagen kann, tun sich auch manche, zum Glück nicht viele, Unternehmer und Fahrer mit Migrantenhintergrund schwerer mit Kolleginnen.
Es bedarf auf breiter Fläche wohl nicht unbedingt politischen Gestaltungswillens, um das zu ändern, nur gesunden Menschenverstands. Bei unserer Funkzentrale gibt es die Möglichkeit, sofern im Dienst anwesend, eine Fahrerin zu bestellen. Mit dem Risiko auf mehr Wartezeit, aber für denselben Tarif. Dass diese Möglichkeit für männliche Kunden zumindest nachts nicht besteht, mag man als Diskriminierung ansehen, ok.
Natürlich ist das alles kein Drama, das die Welt untergehen lässt und es gibt sicher wichtigere Probleme in unserem Gewerbe, aber bedenklich mag es schon erscheinen, wenn junge Frauen so ein Unsicherheitsgefühl kriegen aus so nichtigem Anlass.
Mal wieder ein langer Post, sorry.
@MS Taxi:
Als ich den Textblock sah, dachte ich och-nee-muss-das-sein-?
War aber ein Vorurteil, weil ich jetzt denke: L e s e n s w e r t .
@MsTaxi:
Da ist sicher was dran. Allerdings kann ja eine entsprechende politische Rahmenbedingung wie z.B. „ein Frauentaxi soll angeboten werden“ dazu führen, dass Unternehmer eher Frauen einstellen, um an den Touren mitzuverdienen z.B.
Aber ich will auch ehrlich sagen: Ich weiß es nicht und ich kann nur hoffen, dass sich da andere auch mehr Gedanken drüber machen.
Hättest mal fragen sollen ob es nicht wünschenswert wäre eine 50% Quote für Frauen unter den Fahrern zu forcieren. Das hätte bestimmt interessantes rhetorisches Rumgeeier erzeugt…
In Kiel kann man sich tags wie nachts ein Taxi zu jeder Bushaltestelle bestellen, das ist dann auch schon da, wenn man ankommt. Das ist ja auch gerade für ältere Leute wichtig. Und nachts wartet ja auch niemand gern alleine an einer Haltestelle auf ein Taxi.
Frauentaxen gab es zumindest früher (jetzt weiß ich es tatsächlich einfach nicht) auch, das finde ich schon ein gutes Angebot. Es gibt sicherlich viele Frauen, denen es lieber ist, von einer Frau gefahren zu werden, gerade nachts im Partyoutfit, Kilometer durch den Wald wenn man abgelegen wohnt.
Beide Angebote werden in den Bussen beworben.
@Andy:
Oh ja! 😀
@Jen:
Wie man sieht: Ich hab nicht ohne Grund gefragt.