Die Nebenwirkungen des Jobs

Lustigerweise hat mich diese Woche erst ein ebenfalls Taxi fahrender Leser angequatscht und gestanden, bei Besoffenen nicht so „vorbildlich“ zu sein wie ich. Wie die meisten Kollegen also lehnt er öfter ab als ich … was natürlich ok ist. Auch Gummiparagraphen sind von der Sache her soweit ausnutzbar, wie sie es hergeben.

Mein „Glück“ ereilte mich nur wenige Stunden später in Form eines Rudels besoffener Engländer. Natürlich hab ich mich über die Tour an sich gefreut, aber dass sie zu viert auf die Rückbank kraxelten, fand ich dann nicht so toll. Zumal ich immer noch einen Zafira fahre und es da ja Optionen gibt. So gesehen wäre alles ok gewesen – wenn sie auch nur einmal im Ansatz hätten erkennen lassen, dass sie mir zuhören.

Als ich gesagt habe, dass vier Leute auf der Bank nicht gehen, wollten sie ein anderes Taxi nehmen. Als ich erklärt habe, dass ich Zusatzsitze hätte, wollten zwei wegen so einer Lappalie nicht von der Rückbank aufstehen (obwohl ich die Sitze sonst nicht ausklappen kann), und mit erstaunlicher Penetranz hat einer das dann als Aufforderung verstanden, sich in den Kofferraum zu setzen, hat dies getan und fortan mit seinen Kumpels geredet und mir gar nicht mehr zugehört.

Na, fantastisch!

Ich hab meine Lautstärke und Ausdrucksweise von einem netten „Would you please leave, I have additional seats, please give me that minute …“ steigern müssen zu einem keineswegs alltäglichen und gebrüllten „IF YOU FUCKING PRICK WON’T MOVE, I’LL KICK YOU OUT AND I WILL NEVER TRANSPORT YOU, YOU ASSHOLE!“

Aber: Alles eine Frage des Umgangstones. Er schien das als nette Bitte aufzufassen und hat ohne Anflug von Missmut getan, was ich gesagt habe. Ein Teil des Geheimnisses ist ja auch, zu wissen, bei wem man sich sowas erlauben kann …

Als ich sie letztendlich sortiert im Auto hatte, ging es eigentlich. Ja, es war etwas laut, einer hat mit seiner Gelfrisur die Scheiben verschmiert und am Ende hab ich noch ein Grablicht (WTF? 0.o) im Auto gefunden. Auf der anderen Seite standen 22,90 € Umsatz plus ein Fünfer Großraumzuschlag plus ein Trinkgeld von 2,10 € und zudem ein verlorenes Zwei-Euro-Stück.

Ich hab ja nicht gesagt, dass es immer einfach ist …

9 Kommentare bis “Die Nebenwirkungen des Jobs”

  1. Phil sagt:

    Jetzt lese ich deinen gebrüllten Satz und sehe dein Foto rechts … und das will nicht so recht zusammen passen 😉

    Gibt Menschen, bei denen ist anbrüllen anscheinend normaler Umgangston.

  2. Oni sagt:

    Geld „verlieren“ ist bei manchen Briten wohl übliche Trinkgeldform, das kam bei Torsten in Paderborn ja öfter vor.

  3. K. aus A. sagt:

    Das Grablicht könnten sie vom Friedhof geklaut haben. Würde erklären, warum die Deko auf dem Grab meiner 2 Kinder immer Beine bekommt oder zerstört wird. Besoffene Arschmaden, soso.

    Zum Rest… tja… was soll man sagen…? Hm, die Hirnzellen, die bei einer Sauftour normalerweise draufgehen, muss man erstmal haben?

    LG
    Katja

  4. MsTaxi sagt:

    @Phil

    Wahrscheinlich alles eine Frage von Perspektive, Uhrzeit und Promillegehalt…

    Wenn ich mir vorstelle, ich hocke besoffen bei Nacht in einem Kofferraum, es ist ziemlich dunkel, eine übergroße, breite, nur unklar erkennbare Gestalt donnert mich lauthals mir diesem Satz an, da hätte ich doch Respekt und würde aussteigen.

    Und wenn das Ganze sich an der hellerleuchteten Halte abgespielt hat, muss ich mir nu ’ne andere Erklärung ausdenken. 🙂

  5. Pawlow sagt:

    Ich würde auch lieber ein Busenwunder durch die Gegend fahren, anstatt der Vögel.

  6. Roichi sagt:

    @ Pawlow

    Besser eine Opernsängerin oder Radiosprecherin. Da hast du wenigstens noch was von.
    Rübergucken beim Fahren ist ja eher schlecht möglich, aber eine angenehme Stimme geht.

  7. hrururur sagt:

    @Phil:

    Obwohl ich ähnlich …präsent bin wie Sash in Höhe und Breite, traut man mir regelmäßig nicht zu, DASS ich echt laut werden kann und schon gar nicht WIE laut. Und Fluchen eh nicht. Letztens war ich bei uns im ziemlich unübersichtlichen Lager, bin über irgendwas gestolpert, hatte eh einen Scheisstag und hab mir beim Abfangen auch noch echt wehgetan. Ich dachte ich wäre alleine im Lager. Ich habe also dezent laut(wirklich!) vor mich hingeflucht. Kam meine Chefin um irgendeine Ecke und guckte total entsetzt „Frau Hrururur!!! Ich wusste gar nicht, dass Sie SO fluchen können!!!“

    Richtig laut und RICHTIG fluchen musste ich bei der Arbeit nur früher im Supermarkt manchmal. Gibt einfach Idioten, die verstehen nix anderes. Aber ich bin ja Reiterin und im Moment ist es seeeehr matschig und die dumme Schubkarre bleibt laufend stecken. Und da es dunkel ist, wenn ich es endlich zum Stall schaffe, bin ich meist alleine. Das übt fluchen…

  8. Josch sagt:

    Eben!
    Was nutzt das, wenn man dann mit Latte in dem Karton rumsitzt…

  9. Sash sagt:

    @Phil:
    Ich bin ja auch nicht per se ein lauter oder aggressiver Mensch. Ich glaube aber, wenn ich mal sauer werde, ist das auch eindrücklich für die meisten. 😉

    @Oni:
    Das hab ich auch noch in Erinnerung. Aber im Fußraum der hintersten Sitzreihe … da kannste nicht von ausgehen, dass es gefunden wird …

    @MsTaxi:
    Nee nee, war schon halbwegs dunkel.

    @Pawlow:
    Und inwiefern schließt das eine das andere aus? Ich bin ja auch hetero und mag attraktive Frauen, aber nur mal so: Die hier http://gestern-nacht-im-taxi.de/wordpress/2015/08/17/grenzen-der-contenance/ waren allesamt ziemlich hübsch, aber um die nicht nochmal zu bekommen, würde ich sogar noch einen sechsten besoffenen Engländer mit einpacken. Ich bin hormonell auch leicht zu beeindrucken, aber alles machen Brüste dann halt auch nicht wett …

    @Roichi:
    Ist vermutlich die bessere Wahl! 🙂

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