Der Feind des Taxifahrers ist die Langeweile

Zumindest in manchen Nächten kommt man nicht umhin, sich zu langweilen. In der einen Schicht mehr, in der anderen Schicht weniger. Aber wegen des berechtigten politischen Ziels, dass im Grunde immer ein Taxi verfügbar sein sollte, haben wir Leerlauf. Der ist manchmal gering, manchmal umfangreich und nervenaufreibend. Wir haben im Vergleich zu vielen anderen Berufsgruppen viel Leerlauf. Was also machen wir daraus?

Zunächst einmal: Jeder etwas anderes. Das sollte klar sein. Es gibt die Kollegen mit Fernseher im Auto, die GNTM sehen, andere pokern online, chatten mit Freunden, twittern oder lesen sogar Bücher.

Ich selbst mache, was mir gerade reinpasst, Abgesehen von den Laberrunden am Taxistand lese und schreibe ich, wie es mir gerade passt. Manchmal tue ich auch ganz explizit nichts, was auch mal ganz erholsam sein kann oder höre sogar Radio – allerdings eher keine Musik, aus Gründen.

Im Laufe des Monats hab ich mal wieder meiner gelegentlichen Lust auf Thriller gefröhnt und Tom Rob Smiths wunderbare „Trilogie“ über den russischen Agenten Leo Demidow gelesen: Kind 44, Kolyma und Agent 6. (Amazon-Partnerlinks)
Wie so ein junger Autor so fantastische Stories vor dem historischen Background der Stalin-Zeit schreiben kann, nötigt mir einiges an Respekt ab. Natürlich sind die Bücher kein Geheimtipp mehr, aber da man bei Thrillern am Klappentext in der Regel nicht den Hauch einer Chance hat zu erkennen, ob sie gut oder schlecht sind, wollte ich auch zwei Tage nach dem Tag des Buches (und des Bieres!) hier mal noch eine Empfehlung aussprechen. Und jedes der drei Bücher reicht definitiv für mehr als nur eine frustrierende Schicht mit viel Standzeit. 🙂

11 Kommentare bis “Der Feind des Taxifahrers ist die Langeweile”

  1. Edgar sagt:

    Na den Leerlauf Sasha , merke ich auch an meinem Taxifahrer , er kann alle Lieder im Radio mitsingen
    Ich habe an dich eine zugegeben blöde Frage: Was ist das optimale Trinkgeld für dich und was sind deine Berechnungsgrundlagen dafür?

  2. Kat sagt:

    Oh, diese Bücher liebe ich. Ich warte schon seit langem darauf, dass er noch etwas schreibt. Super Empfehlung. Ich habe auch eine für dich, auch wenn man zuerst denkt, das Buch ist nichts: Wolfram Fleischhauer, Drei Minuten mit der Wirklichkeit.

    Viele Grüße, Kat

  3. Cliff McLane sagt:

    @Sash, werde ich mir bei Gelegenheit antun (und deine Partnerlinks benutzen), danke für die Empfehlungen!

    > da man bei Thrillern am Klappentext in der Regel nicht den Hauch einer Chance hat zu erkennen, ob sie gut oder schlecht sind
    Da kann ich dir leider nur zustimmen.

    Eins meiner Lieblingsbücher ist vom Eschbach, „Der Letzte seiner Art“. Ich mag nicht alles vom Eschbach (eher sogar sehr wenig), aber das ist ein spannender Thriller mit Science-fiction-Elementen, den ich geradezu verschlungen habe. Ich würde gerne spoilern, aber beherrsche mich gerade.

  4. Cliff McLane sagt:

    P.S.: Auch sehr gut: „Das Kopernikus-Syndrom“ von Henri Loevenbruck. Man muss ein wenig frankophil sein, die Handlung spielt vollständig in Frankreich, aber ich fand die deutsche Übersetzung sehr gut, die hinkt und humpelt an keiner Stelle. Auch mit ein wenig SciFi-Elementen, aber ganz sparsam. (Du merkst schon, auf was ich wirklich stehe. Trekkie eben.)

    Ach, und falls du deinem Englisch mal etwas wirklich Gutes tun willst: Besorg dir „Stand on Zanzibar“ von dem legendären John Brunner. Das ist der Typ, der „Cyberpunk“ mitbegründet hat, ohne dass es das Wort schon gegeben hat. Ich muss dich aber warnen, selbst die Taschenbuchausgabe hat noch 550 Seiten, und man kann sich darin so dermaßen festlesen, dass sogar Sex und Nahrungsaufnahme zweitrangig werden.

  5. Sash sagt:

    @all:
    Danke für die Tipps, ich notiere sie mir die Tage mal.

    @Edgar:
    Naja, da bin ich natürlich insofern befangen, als höher immer besser ist. Der Durchschnitt liegt bei mir auf Dauer bei 9 – 12%, also grob 10. Entsprechend ist das dann schon so die Grenze, ab der ich’s gut finde, bzw. unter der ich denke „Hmm, naja, immerhin“. Andererseits ist es durchaus auch üblich, bei ganz kurzen Fahrten prozentual mehr zu geben, also bei 6,40 € nicht 7 €, sondern 7,50 oder 8. Das sind jedenfalls so die Beträge, mit denen man als Kunde vermutlich nie positiv oder negativ aus der Reihe fällt. Will heißen: Bei 10% Trinkgeld vielleicht besser nicht sagen „Na, da bin ich heute mal großzügig!“, selbst wenn’s so sein sollte. 😉
    Aber auch Dir geb ich zusätzlich noch die Antwort, die ich allen auf die Frage gebe: An den 10% kann man sich orientieren, gerne auch an „mindestens 1 €“ oder so. Besser fände ich jedoch, das wirklich auch vom Fahrer abhängig zu machen: Warum Trinkgeld für einen, der einen nur widerwillig mitnimmt oder meckert? Und warum nicht dann im Gegenzug dem nächsten netten sehr gute 15 oder 20% geben, die man sich beim anderen gespart hat? Trinkgeld ist für uns wichtig, aber trotzdem freiwillig. Viel zu viele denken immer nur an starre Regeln und dadurch kommen wir im Durchschnitt alle mehr oder minder gleich weg, was bei den Service-Unterschieden eigentlich schade ist.

  6. Edgar sagt:

    Na ja
    auf der Uhr stand 31,60
    ich gab 33 dann war ich ja noch gut

  7. Cliff McLane sagt:

    @Edgar, 31,60 ist so ’ne Gewissensfrage. Ich hätte vielleicht 34 gegeben, aber das hört sich dann schon wieder blöd an, weil, wenn du 34 gibst, warum nicht gleich 35? Ich gebe @Sash Recht, man muss das vom Fahrer abhängig machen. Ich habe einem alten Nörgler vom Treptower Park nach der Wrangelstraße in Kreuzberg auch mal den Fahrpreis auf den Cent gegeben, weil ich von einem Taxifahrer nicht hören will, dass er jetzt schon so lange rumgestanden hat und ich nur so eine kleine Strecke fahre. Was hätte ich denn tun sollen, ihm sagen, okay, fahren wir über Neukölln, damit’s länger wird?

    Ich wohne ja jetzt auf dem Land, und da sind Taxifahrten selten billiger als 20 Euro. Die Trinkgeldsache funktioniert hier so: Man rundet immer auf den nächsten Fünfer, und wenn’s knapp wird, geht man zwei Euro drüber. Bei 21,80 also z.B. 25; bei 24.90 dann eben 27. Großzügigkeit macht sich hier bezahlt, weil das alles Mietwagen sind und keine regulären Taxis, und du darfst raten, wer bei Volksfesten und ähnlichen Veranstaltungen zuerst gefahren wird.

    (Zur Erklärung: Ich habe kein eigenes Auto, darf aber einen Firmenwagen nutzen. Nur, bei Volksfesten und Ähnlichem benutze ich den nicht, weil Bier halt auch ziemlich lecker schmeckt.)

  8. Judi sagt:

    Edgar, als „noch gut“ würde ich 4,5% Trinkgeld nun nicht bezeichnen, sondern schon entweder als „ziemlich knauserig“ oder als Ergebnis einer eher miesen Fahr mit etwas unfreundlichem Fahrer. Selbst 34 € (= gut 8,5 %) wären noch unterdurchschnittlich gewesen 😉

  9. Edgar sagt:

    @ Judi
    Nicht glleich überall in die Prozente gehen :))))

    Sash sagt: gerne auch an “mindestens 1 €”

  10. Judi sagt:

    Naja – das mit dem 1 € kommt ja auf die Endsumme an, daher ist es mit Prozenten schon deutlich einfacher zu veranschaulichen was gut und was eher mäßig ist 😉
    Wenn man bei 5 € Endpreis 6 € gibt ist es großzügig, bei 11 € statt 10 € ist es „normal-gut“, je größerer aber der Endpreis wird desto „kleiner“ wird halt der eine Euro…
    Bei 19 € fände ich z..B 1 € so grade noch im Rahmen dessen, was nicht „peinlich“ ist (würde aber selbst mehr geben), auch wenns nur etwas mehr als 5 % sind, weils halt auf nen 20er gut passt..
    Bei einer Summe ü 30 € finde ich 1,40 € halt nicht mehr im Rahmen dessen, was ich mir – sowohl als Geberin als auch als Empfängerin – unter einem guten Trinkgeld vorstelle 😉

  11. Cliff McLane sagt:

    Wollte Sash hier nicht eigentlich Lesetipps haben?

    Ich habe da beim Bücherregalabstauben noch etwas gefunden: Ian Smith, „Der innere Zirkel“. Ich habe da mal wieder reingelesen und finde das Buch gar nicht mehr so unspannend wie ursprünglich mal, aber die Übersetzung immer noch genauso mies. Ich muss mir das mal im Original („The Blackbird Papers“) besorgen.

    Da habe ich mal wieder nicht aufgepasst und den Originaltitel nicht recherchiert, denn oft sieht man schon an der Art und Weise, wie der Titel verändert wurde, was man von der Übersetzung zu halten hat. Wie der Originaltitel aussagt, geht es in dem Buch um Vögel, speziell um welche in Nordamerika, Verschwörung, Umweltschutz, und vor allem gibt’s die erste Schießerei schon auf der zehnten Seite.

    Aber, wie gesagt, ich muss mir das unbedingt nochmal auf Englisch kaufen; das ist auf Deutsch bei Bastei-Lübbe erschienen, und ich weiß nicht, was für Übersetzer die da beschäftigen. Google Translate und drei Praktikanten? Kommt mir manchmal so vor. Bei deutschen Übersetzungen aus dem Amerikanischen aus diesem Verlag habe ich bisher noch keine guten Erfahrungen gemacht. (Der Name des Übersetzers ist in diesem Buch auch nicht angegeben.)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: