Der Weitsicht-Sonderpreis

… geht diesen Monat an einen Kollegen. Nicht einen der hellsten, dafür einen der lautesten.

Wir kamen am Stand ins Gespräch, ich nur eher so mittelfreiwillig. Am Ende waren wir beim Thema Mindestlohn, das so langsam wirklich bedrohlich auf die Taxibranche zurollt. Dass Firmen deswegen pleite gehen könnten und das Angebot sinkt, war für ihn keine Option. Nein, die Tarife müssen erhöht werden!

„Äh, um 30%?“

„Nee, aber so ungefähr 20 vielleicht.“

„Aber dann reicht das ja gar nicht aus …“

„Mir egal, bis dahin will ich mich eh selbständig gemacht haben.“

-.-

8 Kommentare bis “Der Weitsicht-Sonderpreis”

  1. Hartmut sagt:

    Erinnert mich an einen Mitbewerber aus meinen Computerschrauberzeiten: „Ich leg zwar bei jeder Kiste 20DM drauf, aber die Masse bringts!“

  2. Carom sagt:

    Bedeutet „selbständig machen“ hier eventuell, dem Unternehmer die Plünnen hinzuschmeißen und stattdessen sich und den privaten PKW bei UBER anzumelden? So bekäme die Äußerung einen Sinn.

  3. ednong sagt:

    Äh Moment – wenn man dann selbstständig ist, braucht man weniger als den Mindestlohn? Kann er mir das erklären, ich finde das Modell interessant.

  4. Tim sagt:

    @Ednong: Selbstständige sind ja nicht verpflichtet sich selber den Mindestlohn zu zahlen. Wenn der Taxler sechs Nächte (̩à 10h) arbeitet wäre der Mindestlohn bei über 2000€ im Monat…

  5. ednong sagt:

    @Tim
    Gut, er muß sich nicht den Mindestlohn zahlen. Aber wie bitte zahlt der dann seine Minimalkosten (oder auch Fixkosten genannt)? Und wovon lebt er dann?

    Ich empfinde ja schon den angestrebten Mindestlohn von 8,50 E bei heutigen Verhältnissen als zu gering.

  6. Sash sagt:

    @Hartmut:
    DAS ist unternehmerisches Denken! Chapeau! 😉

    @Carom:
    Nee, die gibt auch so Sinn, weil Selbständige Alleinfahrer ja tatsächlich von den negativen Auswirkungen des Mindestlohns nichts abkriegen.

    @ednong:
    Naja, das ist in der Tat das Paradoxe: er hätte dann den Vorteil, den Mindestlohn nicht einfahren zu müssen. Und den Nachteil weniger zu verdienen als ein Angestellter.
    Die Frage, wie er seine Kosten deckt, ist zwar irgendwie verständlich, aber so lebt das ganze Gewerbe seit Jahren. Wir verdienen ja alle weniger als 8,50 € die Stunde. (Also im Durchschnitt. Ausnahmen gibt’s natürlich immer.)

  7. Uwe sagt:

    Die Idee ist ja nicht grundsätzlich verkehrt: Wenn der Mindestlohn kommt und die Firmen den bei den derzeitigen Umsätzen nicht zahlen können, müssen sie dicht machen. Ergo: Deutlich weniger Taxen auf den Straßen. Da könnte sich die Selbständigkeit auch wieder für den Taxler lohnen und er hätte auch mehr als den gesetzlichen Mindestlohn. Das kann ich jetzt aber nur für Berlin sagen, wie es in anderen Städten oder Gemeinden aussieht weiß ich nicht.

    Wenn man dagegen den Tarif um 20-30% anhebt, damit man Mindestlohn zahlen kann, dann wird der Schuß wohl eher nach hinten losgehen. Dann fahren noch weniger mit der Taxe und der Umsatz wird sich kaum oder gar nicht erhöhen. Wir werden lediglich noch länger dumm rumstehen.

  8. Taxi 123 sagt:

    20 % werden nicht ausreichen, alle Berechnungen gehen derzeit von 25 – 30% aus. Das Problem bleibt aber weiterhin, das Taxifahren nun mal kein Stundenbasierter Job ist, sondern ein Umsatzbasierter. D.h. wenn ein Fahrer sich 8h am Flughafen Tegel bereitstellt, muß er 68 € brutto bekommen – auch wenn der Umsatz vermutlich nahe 0 ist. 😉 Bei mir in der Provinz werden gerade alle Vorbereitungen für die Beantragung eines neuen Tarifs getroffen, trotzdem gehen wir davon aus, daß ca. 40% aller Taxen nicht mehr existieren werden.

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