App-strakte Gedanken

Warum Sash keine Taxi-App nutzt

Ich nutze ja noch immer keine Taxi-App. Das hat verschiedenste Gründe. Ausprobieren wollte ich es durchaus mal, aber z.B. ist das mit meinem derzeitigen Handy nicht so optimal. Wenn ich da GPS aktiviere, ist das Ding in anderthalb Stunden leer, ich kriege es mit mäßiger Benutzung ohne den Spaß gerade mal so über die Schicht gerettet. All der Sermon mit Ladekabel und Befestigung im Auto ist auch nicht so leicht, da ich mir das Auto ja mit einem Kollegen teile und folglich alles wieder abmontieren muss. Ich hab mal eine Halterung probiert, aber die hält nicht vernünftig, das Kabel rutscht ständig aus dem Zigarettenanzünder. Eine ziemliche Fummelei, die ich erstmal vernünftig organisieren und dafür auch Anschaffungen tätigen müsste. MyTaxi möchte außerdem Fahrer und Auto mal kennenlernen. Und die schließen um 18 Uhr… ist also auch keine Sache, die ich mal eben schnell morgen Abend erledigen kann, da ich das Auto im Normalfall erst ab 19 Uhr habe.

Aber ich will ehrlich sein, es gibt auch noch andere Punkte: Zum Beispiel, dass ich als stummer Fahrer eigentlich recht glücklich bin. Wenn ich Taxi fahre, dann bin ich eigentlich genug beschäftigt. Bei Leerfahrten hab ich meine Musik auf Anschlag und das ist nicht einmal so eine Kleinigkeit. Denn zu Hause bin ich inzwischen ununterbrochen am Lesen und schreiben und komme kaum noch zum Musikhören! Wenn ich am Stand stehe, dann habe ich meist ein Buch dabei. Nebenher wollen Twitter und Facebook meine Aufmerksamkeit und obendrein treffe ich jede Menge Kollegen, mit denen ich gerne hier und da mal ein Wörtchen rede, mich austausche, etc.
Natürlich gibt es vereinzelte Tage, an denen ich froh um einen zusätzlichen Auftrag wäre. Aber ständiges Geplapper aus dem Funk und dauerndes Piepsen und Klingeln irgendwelcher Apps würden mir meinen Alltag mehr versauen, als es meine finanzielle Situation verbessern würde.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Jetzt am Wochenende hat es allerdings zufällig geklappt, dass einer meiner Twitter-Follower zur richtigen Zeit vom richtigen Ort aus angefragt hat, ob ich nicht mit ihm ein paar Kilometer in den Südosten fahren würde. Das war auf meiner Seite hektisch genug, denn endgültig klargemacht hatten wir die Fahrt, als ich in erster Position am Bahnhof stand und mir beinahe schon ein anderer Kunde ins Auto gekraxelt wäre. Aber es hat geklappt und es hat mich gefreut. Ey, erste Taxifahrt über Twitter bekommen! Könnte das in Deutschland bisher einmalig sein? Oder hat einer von den anderen Taxibloggern das auch schon gehabt?

Warum es trotzdem nur Ausnahmen sind

Nun ist es aber gar nicht so leicht, mich zu erreichen. Nicht nur wegen der eingeschränkten Arbeitszeiten, sondern auch wegen des Jobs an sich. Ich kann gerade am anderen Ende der Stadt sein oder sogar Kunden an Bord haben. Vielleicht kann ich nicht antworten, weil ich gerade fahre und/oder Tweetdeck mal wieder meint, neue Nachrichten nur nach dem Zufallsprinzip anzuzeigen. Man ist als Taxifahrer eben ständig auf Achse und nicht immer verfügbar. Deswegen gibt es ja auch die Apps und die Zentralen, die die Anfragen auf eine große Menge Taxen verteilen, wobei dann klar ist, dass irgendein Fahrer schon Zeit und Lust hat und auch sonst alles passt.

Einen einzelnen Fahrer immer überall und sofort zu bekommen, ist halt was anderes. Das ist aber auch genau das, was mir an dem Job so viel Spaß macht: Der Zufall, die Unsicherheit und zu guter Letzt die positiven Überraschungen.

Wir werden uns schon mal über den Weg laufen, wenn es passt. Versprochen!

Und hey: Folgt mir doch bei Facebook, Twitter oder auch Google+!
Ich schreib da zwar nicht so viel wie hier, aber ich mache es trotzdem fürs Publikum 🙂

20 Kommentare bis “App-strakte Gedanken”

  1. Philipp sagt:

    Leicht OT: Tweetcaster hat deutlich weniger Macken als Tweetdeck, lohnt sich als App auf jeden Fall für Android. 😉

  2. Und ich denke bei halbwegs frühzeitiger Planbarkeit gibt es immer noch die Vorbestellung per E-Mail. 😉

  3. Markus Hagge sagt:

    Zum Thema „Könnte das in Deutschland bisher einmalig sein?“: wir haben in Lübeck (mindestens) 2 twitternde Taxifahrer und bei beiden habe ich schon erfolgreich Fahrten per Twitter „geordert“ 😉

  4. elder taxidriver sagt:

    Moin Sash, Deine Taxiphilosophie ( Lebensphilosophie ?) ist originell und bewundernswert,

    vor allem haben wir, die g-n-i-t-Leser etwas davon. Aber Funkgequassel hören ist nicht mehr nötig.( Wurde auch Zeit )
    Mindestens bei einer der großen Taxi – ‚Funk‘ -Gesellschaften , geht die Datenübermittlung für die ‚Uffträge‘ stumm
    über die Bühne: Man liest es ab von einem kleinen Computer. Und Aussteigen oder ablehnen ist möglich.
    Die Funkgeräte sind demnächst nur noch im Museum für Technik und Verkehr zu seh’n.

  5. Sash sagt:

    @Philipp:
    Kann das auch Facebook? Oder – das wäre ja der Hammer! – vielleicht sogar G+?

    @Der Maskierte:
    Klar, das geht immer! 🙂

    @Markus Hagge:
    OK, wäre ja auch zu schön gewesen 🙂
    Wer außer @bikazi twittert denn noch?

    @elder taxidriver:
    Ich weiß, dass ich damit eine Ausnahme bin. Aber immerhin habe ich es damit geschafft, dass mich der Job bislang trotz allen negativen Aspekten kein bisschen nervt. Dass Datenfunk inzwischen am Überholen ist, ist richtig. Derzeit ist in meinem Wagen trotzdem noch Sprachfunk drin. Außerdem Innungsfunk – für mich als oft im Osten cruisenden Fahrer besonders dämlich…

  6. Sebastian sagt:

    Ich habe Torsten auch schonmal per Twitter „bestellt“ 🙂 Hat natürlich auch geklappt…

  7. Paul sagt:

    @Sash
    Innungsfunk heißt was genau? Vermittelt die Zentrale bei der dein Chef Mitglied ist eher im Westen der Stadt?

  8. Sash sagt:

    @Sebastian:
    Ja, Torsten hatte ja auch mehr Zeit… 😉

    @Paul:
    Ja, die Zentrale hat – vor allem aus geschichtlichen Gründen – noch deutlich mehr Kundschaft im Westen. Allerdings haben wir bei uns in der Firma je nach Auto verschiedensten Funk. Sprach- und Datenfunk von beiden Zentralen, bei Doppelfunk bin ich mir nicht sicher. Aber in meinem Auto ist eben noch der Innungs-Sprachfunk drinne.

  9. Markus Hagge sagt:

    Der zweite Twtterer ist @NachtschichtHL . Er ist allerdings „nur“ Teilzeitfahrer, sprich hat noch einen Hauptjob

  10. Marc sagt:

    Hallo,

    als kleiner Tip gegen Stromnot – ich nutze einen Akku von mipow.com. Ist zwar nur ein 500 mAh-Werbegeschenk gewesen, aber hat mir schon mehr als einmal ein paar weitere mobile Onlineminuten beschert. Im Shop bei denen gibt’s das mit 2200 mAh und hat einen Schwung voll Anschlüsse für diverse Geräte – iPhone, Samsung, Motorola.
    Das ganze ist nicht grösser als eine kleine Taschenlampe und hat einen festen Platz in meinen Taschen.

    Da das ganze keine Werbeveranstaltung sein soll, darfst du meinen Post natürlich auch depublizieren 😉

    gruss

  11. Aro sagt:

    Ohne Kabel macht mein THC-Handy auch nach 2 Stunden schlapp. Allerdings ist es nicht ganz richtig, dass Du ins das MyTaxi-Büro musst. Da muss der Unternehmer einmalig hin, die Fahrer können ihre kurze Schulung auch per Telefon machen.

  12. Sash sagt:

    @Markus Hagge:
    Danke! 🙂

    @Marc:
    Die Teile scheinen ja echt nicht schlecht zu sein. Mal sehen. GPS reizt mich abgesehen von der App-Geschichte auch so. Würde meinen Tweets öfter mal meinen Standpunkt anhängen…
    Aber zunächst mal steht so ein Teil auf dem Wunschzettel, eigener Kauf hängt ein bisschen vom Umsatz ab 😉
    Und sinnvolle und thematisch passende Werbung kann ja gerne dastehen. Das ist dann das, was Werbung ursprünglich mal sein sollte: Produktinformation. Das werte ich doch ein wenig anders als Spam.

    @Aro:
    OK, das wusste ich nicht. Mir haben sie damals am Telefon gesagt, ich solle mit Auto vorbeikommen.

  13. mm. sagt:

    Oha, Aro hat ein Handy aus Holland 😉

  14. Aro sagt:

    @ mm.
    Als ich das gekauft habe, hab ich wirklich aus Versehen THC gesagt. Der Verkäufer meinte: „Ach ja, wir sind ja hier m Wedding…“ 😀

  15. Keinfischkopp sagt:

    Hier ist noch ein twitternder Taxifahrer von der Küste: @keinfischkopp und treuer Leser von Deinem Blog. Gab auch schon die ein oder andere Tour per Tweet.

  16. Sebastian war auch nicht der einzige Fahrgast mit unüblichem Bestellwert. Da gab es auch noch andere per Twitter und auch welche per FB-Chat. Und natürlich per Mail.

  17. Sash sagt:

    @Torsten Bentrup:
    FB und Mail hatte ich auch schon ein paar. Aber Twitter war neu, deswegen wollte ich mal fragen …

  18. […] habe ich bei meinem GNIT-Artikel App-strakte Gedanken – wo es darum geht, weswegen ich keine Taxi-App nutze – einen Kommentar von einem […]

  19. Arno.Nyhm sagt:

    Der Nachteil bei twitter und co ist ja dass deine aktuelle Position nicht bekannt und dir daher keine Fahrten in der naehe zukommen was ja bei der taxiapp ja der fall ist.

  20. Sash sagt:

    @Arno.Nyhm:
    Das stimmt natürlich. Aber es ist ja nichts perfekt …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: