Von "Irgendwoher"

Es ist eine verständliche Sache, dass Angestellte der Amüsierbetriebe in Berlin desöfteren bei Taxifahrern aufschlagen, um Werbung zu machen. Ich denke, es ist ein offenes Geheimnis, dass wir recht gut entlohnt werden, sollte ein Gast auf unsere Empfehlung ein Etablissement wählen.

Am Ostbahnhof tauchen also auch gelegentlich Damen und Herren des horizontalen Gewerbes auf, um die Flyer unters fahrende Volk zu bringen. Dazu die kurze Info, wieviel Geld uns erwartet, wenn wir Kunden abliefern und das war’s.

Befremdlich ist es, wenn dann plötzlich der Satz fällt:

„Sie kenne ich doch von irgendwoher…“

Und glaubt mir, es liegt nicht daran, dass Ozie mitliest, wenn ich sage, ich habe bisher erst einmal ein Bordell betreten. Das war schon in meiner Eigenschaft als Taxifahrer und eher eine peinliche Geschichte, weil der Gast dort Stammgast war, was er natürlich in seinem volltrunkenen Zustand während der Fahrt nicht mehr herausgebracht hat. Aber gut…

„Irgendwoher“ kannte sie mich also. Die Geschichte würde den meisten wahrscheinlich links ins Ohr rein und rechts wieder raus gehen, aber ich bin eigentlich jedes Mal überrascht.

Ich sehe einfach nicht sehr durchschnittlich aus. Schon Größe und Gewicht schließen 99% der Bevölkerung als Doppelgänger aus, und es bedarf keiner von Ohr zu Ohr reichenden Narbe um mir zu attestieren, dass ich kein Durchschnittsgesicht habe.

Es lässt mich zwar nicht an meiner Individualität zweifeln, wenn man mich verwechselt, aber es kommt einfach zu selten vor. Genau genommen zwei Mal in den letzten 10 Jahren. Und da zählt die Dame oben schon dazu.

Das andere Mal war aber zugegeben noch ein wenig verwirrender, da mich damals eine Dame vor einem Stuttgarter Supermarkt ansprach und mir fortwährend versuchte einzureden, ich sei doch der Typ von einer Kölner Sauna. Dass beide Ereignisse Frauen als Protagonisten hatten und ich bei beiden den Eindruck hatte, sie wären überzeugt davon, mich schonmal unbekleidet gesehen zu haben, macht die Sache nicht weniger verstörend.

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6 Kommentare bis “Von "Irgendwoher"”

  1. Ozie sagt:

    Ich schlage vor, dass du ab jetzt nur noch unbekleidet aus dem Haus gehst um derartige Verwechslungen zu vermeiden… 🙂

  2. Sash sagt:

    @Ozie:
    Ich will die Idee nicht mal kommentieren… 🙂

  3. Klaus sagt:

    @Ozie
    Und dann wäre er absolut unververwechselbar?
    Macht mich neugierig. 🙂
    Aber im Ernst, am Sonntag habe ich am Ostbahnhof einen Taxifahrer gesehen, den musste ich erst mal mit deiner Selbstbeschreibung vergleichen. Ich habe dann beschlossen, dass er keine 2 Meter groß ist.

  4. Nihilistin sagt:

    Wenn das so weitergeht, muss ich mich nun DOCH ENDLICH MAL am Ostbahnhof auf die Lauer legen und den Herrn Sash persönlich in Augenschein nehmen. Um dann vermutlich festzustellen, dass wir uns von meinem ersten Stuttgart-Besuch im Jahre 1990 kennen. Absolut bekleidet, hoffe ich 🙂 Als ich feststellen musste, dass es in Stuttgart eine Sperrstunde gibt (dieser Begriff war ja in Berlin, selbst in Ostberlin, unbekannt).

  5. Sash sagt:

    @Klaus:
    Ich finde es nicht gut, in welche Richtung sich die Diskussion entwickelt.

    🙂 🙂 🙂

  6. Sash sagt:

    @Nihilistin:
    Also 1990 dürfte bei mir ein erfolgreiches Grundschuljahr gewesen sein. Soweit ich mich erinnere, sind die ohne erwähnenswerte Ereignisse in unbekleidetem Zustand abgelaufen…
    Und was die Sperrstunde betrifft: Da stehe ich auf der Gewinnerseite. Was meinst du, was ich für Augen gemacht hab, als ich erfahren hab, dass es Gegenden gibt, in denen es das NICHT gibt.
    Aber was beschwere ich mich? In meiner Stammkneipe habe ich auch schon hinter zugezogenen Vorhängen Dart gespielt 😉

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