Bank-Quickie

Aus der Reihe „Touren, wie ich sie liebe“:

Ich fahre ans Matrix ran. Ich will mich als fünfte oder sechste Taxe dort anstellen. Bevor ich das kann, kommt mir ein reichlich angetrunkener Kerl entgegen und bietet mir einen Zehner an, wenn ich ihn zur Sparkasse bringe. Ich hab ihm erklärt, dass der Weg mit dem Auto länger ist als zu Fuß, aber dass wir niemals auf 10 € kommen würden. Wir haben uns darauf geeinigt, das Taxameter zu befragen.

Ich hab ihn also kurz über die Warschauer Brücke gefahren (Der U-Bahnhof war zu und der Automat am Schlesischen Tor ist nicht wirklich besser situiert) und hab ihn an der Ecke Revaler in die Sparkasse entlassen. Davor hat er mir brav seinen Ausweis („Kannst auch noch mein Handy und mein…“) hinterlassen, und keine 6 Minuten nach Beginn der Aktion stand ich dann am Matrix, vielleicht einen Platz weiter hinten, dafür um 7,20 € Umsatz und 2,80 € Trinkgeld reicher.

Ach ja, den zufriedenen Kunden habe ich ganz vergessen 😉

Kein Geld, kein Taxi…

Gestern hatte ich gleich zwei kuriose Begegnungen mit Leuten, die sich offenbar kein Taxi leisten können. Das ist ja nicht selten, Taxifahren ist nunmal teuer. Die beiden gestern waren allerdings schon originell.

Der erste war ein Junge, vielleicht 14 bis 16 Jahre alt. Er hat sich gar nicht erst damit aufgehalten, mich und meinen Kollegen – wir standen am Ostbahnhof und haben uns unterhalten – irgendwas zu fragen. Er stürmte wütend an uns vorbei und lamentierte dabei in weinerlichem Tonfall:

„Ihr bringt mich nicht nach Hause! Soviel Geld hab ich nicht!“

Äh, ok!? Dann eben nicht…

Der zweite war gleich mit einem Freund am Start. Zwei Touris am Matrix. Sie nannten mir in wirklich unverständlichem Kauderwelsch eine Haltestelle, zu der sie wollten. In der Nähe des „Haustbannos“ sollte sie sein.

„You mean Hauptbahnhof?“

„Yeah, exactly!“

„OK, and what’s the name of the station? I didn’t understand you?“

„Oh, Hautbanno is ok! How much?“

Ich hab ihnen dann gesagt, dass ich es so genau nicht einschätzen könnte, wahrscheinlich irgendwas um die 18 €. Daraufhin haben sie völlig gelassen, ohne den Versuch zu handeln und kein bisschen verärgert verkündet:

„Uh, 18 €. We don’t have so much money. We walk!“

Und dann haben sie sich umgedreht und sind losgelaufen.

Viel Spaß, kann ich da nur sagen…

"Ich geb dir mal die hier…"

Als ich es gestern mit einem Kollegen darüber hatte, Leute an der Bank abzusetzen, hatte er durchaus interessantes zu berichten. Ich denke, jeder Taxifahrer lässt sich ein Pfand aushändigen, bevor er jemanden irgendwo rauslässt. Der Ärger, eine Fehlfahrt verbuchen zu müssen, ist einfach groß – und es ist wirklich nur selten, dass Kunden das unverständlich finden. Bei mir selbst haben bisher eigentlich die Fälle überwogen, in denen Kunden mir auf Nachfrage dann nicht nur ihren Personalausweis, sondern gleich noch Portemonnaie, Handy, den ganzen Rucksack oder gleich ihre Freunde dagelassen haben.

Mein Kollege jedenfalls erzählte mir davon, wie er einen eher zwielichtigen Typen bei einer Bank abgeladen hat, und ihn bat, doch den Ausweis, Geld oder irgendwas anderes wertvolles im Auto zu lassen. Daraufhin zückt der Kerl eine Knarre und meint ungerührt:

„Ich geb dir mal die hier…“

Dann hat er die Pistole auf den Beifahrersitz gelegt und ist zur Bank gestiefelt. Mein Kollege konnte zwar nicht sagen, ob es sich um eine wirklich scharfe Waffe oder „nur“ eine Gaspistole gehandelt hat, meinte aber, er sei durchaus irritiert und verunsichert gewesen.

„Stell dir vor, da wären jetzt die Bullen gekommen…“

Ich glaube, das sind so Momente, in denen man sich dann endgültig sicher ist, dass es utopisch ist, darauf zu hoffen, dass es irgendwelches Kundenverhalten gibt, das der Fantasie entspringt. Es gibt einfach ALLES!

Ortskunde für Coole

Gehen zwei Jugendliche am Ostbahnhof an den Taxen vorbei. Brüllt der eine in sein Handy:

„Ey nee, bisch grad Potsdamer Platz!“

Komik, die wahrscheinlich nur Taxler verstehen…

Die GFPZ sind wieder da.

Die GFPZ – die gönnerhaften Festpreiszahler – haben mich mal wieder überrascht. Heute kurz vor Feierabend. Ich stand morgens um 7 Uhr am Ostbahnhof. „Eine Tour noch, dann hab ich (hoffentlich) die 200 voll, und dann ab nach Hause!“ So lassen sich meine Gedanken während dieser halben Stunde gut zusammenfassen.

Nachdem ich etwa 5 Minuten verantwortungsbewusst die erste Position am Stand gehütet habe, kamen drei junge Männer an. Der eine fragte mich dann:

„Wie sieht’s aus? Nimmste uns für 30 € mit? Nach Lichtenrade?“

„Ähm, ganz im Ernst: Wir werden da unter 30 € hinkommen…“

„Ja, aber wir haben ja alle unterschiedliche Adressen… aber nahe beieinander!“

„Kann ich mal eine der Adressen ins Navi eingeben, da unten kenne ich mich eh nicht so gut aus…“

„Klar, das ist die…“

So, nun habe ich also kurzerhand eine Adresse ins Navi geprügelt, und das spuckte mir dann eine Route mit 12 km Länge aus. Das sind nach aktuellem Tarif um die 22 €. Also hab ich gesagt:

„Das reicht locker mit 30 – wird deutlich weniger!“

„Weisste was, ich geb dir einfach 30, und dann ist gut…“

Ich hab mich in diesem Fall – böses Vergehen, ich weiss – darauf eingelassen. Was sollte passieren? Ich hab ihnen gesagt, dass es nach Tarif weniger ist – ich hab das einfach mal als Tour mit gutem Trinkgeld laufen lassen. Mein Gott, Lichtenrade liegt eh quasi hinter der Stadtgrenze. So gut wie zumindest…

Die Tour war auch ok – wenngleich ich mich frage, ob die Definition von „nahe beieinander“ irgendeinem australischen Heimatfilm entsprungen war. Denn es kamen tatsächlich noch ein paar Kilometer dazu. Es waren am Ende knapp 18 km, und zwischendrin hatte ich tatsächlich schon überlegt, was ich jetzt machen soll, weil ich ja einerseits schon gerne noch ein paar Cent Trinkgeld hätte, andererseits meinen Chef auch nicht übers Ohr hauen wollte. Da kam mir allerdings mein einer Fahrgast (der, der auch gefragt hat) dazwischen, indem er mir als er ausstieg (als zweiter) den Zehner in die Hand drückte, den ich ihm vorher gegen 40 € rausgegeben hatte. Dazu sagte er dann:

„Und hier, das ist noch für… für die lange Fahrt!“

Mal im Ernst: Die Jungs waren keine Unsympathen. Nicht das Klientel, mit dem ich gerne privat einen Trinken gehen würde, aber soweit in Ordnung. Aber kann mir irgendwer die Logik hinter diesem Verhalten erklären? Erst sagen, man möchte für 30 € heim. Wenn der Fahrer dann sagt, dass es billiger wird, zugeben, dass es vielleicht doch nicht passt. Und dann zum Schluss ein Trinkgeld geben, das jenseits von Gut und Böse ist.

Hey, das war eine krönende Abschlusstour für eine gute Schicht, aber warum geht das nicht einfacher?

Urlaub!

Nee, keine Sorge, ich mach nicht schon wieder eine Woche frei 🙂

Mein Tagfahrer aber! Das heisst, ich hab jetzt das Auto ab heute Nacht rund eine Woche die ganze Zeit zur Verfügung. Gut, man könnte jetzt jubeln, dass ich nun noch länger fahren könnte – aber das werde ich so oder so nicht machen. Vielleicht mal abends ein Stündchen früher los, aber… warum sollte ich irgendwie mehr als 12 Stunden arbeiten wollen…

Naja, de facto spart mir das eine Menge Zeit, denn der Weg zur Arbeit ist somit ja schon Arbeit. Quasi. Komisches Gewerbe, nicht wahr?

Zudem kann ich ein paar Sachen im Auto liegen lassen, die ich sonst natürlich immer mitnehme. Sei es die Jacke, Trinken, Papierkram etc. Ist einfach eine angenehme Geschichte. Ach ja, falls wer noch an meiner Blödheit zweifeln sollte: Ich hab mir gestern eine Monatskarte gekauft… da hätte ich auch mal besser eine Woche mit warten sollen.

Aber gut, ich freue mich jedenfalls irgendwie schon auf den Feierabend morgen früh. Gut, wer tut das nicht? 😉

Falls ich in nächster Zeit ein bisschen weniger schreiben sollte, dann liegt das wahrscheinlich daran, dass ich mich mal wieder um ganz andere Dinge kümmere. Dazu aber wann anders mehr…

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Taxistreitereien

Klaus hat berichtet, dass Aro zusammengefasst hat, was gerade in Tegel so abgeht. Schön, und nun hab ich einen informativen Eintrag nur aus Links generiert 🙂

Nein, was ich noch dazu sagen wollte: Klaus hat auch dieses Video der Abendschau verlinkt.

Da zeigt sich wieder einmal, wie seltsam Berichterstattung sein kann. Sachlich falsch war an der Geschichte sicher nichts. Komisch nur, dass – sicher ohne allzu böse Kommentare – am Ende nur hängenbleibt, dass die Taxifahrer ein stänkerndes Völkchen sind, die Kollegen bedrohen und Angst davor haben, sich kontrollieren zu lassen. Was natürlich auch nur mies ist, weil es Schwarzarbeit erschwert.

Dass die nur einmal zu Beginn nebensächlich erwähnte „Servicegebühr“ von 50 Cent einer der Hauptgründe dafür ist, dass sich die Fahrer weigern, bei dem Spielchen mitzumachen, das wird nirgends erwähnt. Dann ist auch noch ein Auto mit einem Transparent („Nicht mit uns“) in der Heckscheibe zu sehen – anstelle einem der mehreren hundert Fahrzeuge mit dem gelben Aufkleber „Gegen Abzocke in TXL“. Und diese Gebühr – kann ich ja nur noch einmal erwähnen – betrifft ja nicht uns Fahrer. Wir sind nur die Deppen, die die Kohle im Namen des Flughafens eintreiben müssen. Dafür zahlen ja die Kunden. Und die Tatsache, dass sich die Fahrer gegen eine Preiserhöhung für die Kunden einsetzen, finde ich ein erwähnenswertes Detail.

Und ehrlich gesagt: Ich bin auch kein Freund von Kontrollen! Und das sicher nicht, weil mein Auto dreckig ist, oder ich zu schlecht Englisch kann. Ich wage nur zu bezweifeln, dass das irgendeinen Heini von einem privaten Sicherheitsdienst was angeht. Und die Geschichte mit der Schwarzarbeit: Es ist ja schön, dass die schwarzen Schafe unseres Gewerbes nun keine Touris mehr am Flughafen einladen dürfen. Damit ist das Problem ja erledigt. Das ist doch dieselbe bekloppte Annahme, wie die dass die Drogenproblematik gelöst wird, indem man in der Fußgängerzone Kameras aufstellt. Man sieht das Problem nicht mehr, alles super!

Ganz ehrlich, ich bin noch auf nichts hin kontrolliert worden in dem halben Jahr jetzt. Ich könnte das auch schwarz machen, könnte die Kunden abzocken etc. Da ich schon aufgrund des nicht vorhandenen Kreditkartenlesers (und der nicht vorhandenen Geduld, wie der Taxiblogger so schön geschrieben hat) nicht in Tegel lade, tangiert mich das von den konkreten Geschehnissen her sowieso eher peripher.

Aber ich bin natürlich nur dagegen, weil es um mein Geld geht und ich Angst vor Schwarzarbeitskontrollen habe. Oder so… ich bin gespannt, wie das weitergeht.

Dass die Kontrolleure derzeit auch Taxen ohne den nötigen Transponder reinlassen, hat ja auch nichts mit überschäumender Menschenliebe zu tun, sondern wahrscheinlich eher damit, dass es bisher zu wenige Taxen mit diesem netten Gerät gibt. Und nach wie vor ist Tegel als ein Flughafen mit beschissener Verkehrsanbindung einfach auf viele Taxen angewiesen.

Naja, in zwei Jahren wird Tegel dicht gemacht, also kann man – trotz Dementi – eigentlich davon ausgehen, dass sie eher versuchen, das System probeweise einzuführen, um dann bei der Fertigstellung des BBI schon zu wissen, ob es eine gewisse Akzeptanz bei den Kunden (die Fahrer werden nicht gefragt, merkt man ja gerade) für so etwas gibt. Nur so als Vermutung…