600 €

Den Vogel abgeschossen hat neulich eine Kundin bei einem Kollegen. Während der fahrt bedauerte sie ausdauernd und nicht zu stoppen den „armen Taxifahrer“. Und wie toll sie es fände, dass er den Job „für die 600 €“ machen würde – wo man doch mit Hartz4 quasi schon mehr bekommt…

Mein Kollege – im Übrigen einer, dessen Umsätze bei den meisten anderen Fahrern für feuchte Augen sorgen würden – war mit der Zeit ein wenig genervt, sich ständig anzuhören, wie scheiße sein Leben ist, ohne dass er dazu irgendwas sagen konnte. Die Tour endete mit einer runden Summe auf der Uhr, und trotz allen Mitleids bezahlte die Kundin passend. Daraufhin hat der Kollege alles auf eine Karte gesetzt und – dreist – gejammert:

„Och jee, und ich muss mir morgen noch was zu essen kaufen…“

Gab einen Fünfer Trinkgeld…

Ist natürlich eine fragwürdige Geschichte, aber den ersten Preis in Kundenbeeinflussung im Taxi hat diesen Monat eindeutig der besagte Kollege inne 🙂

Wie zu Hause…

Nach einem halben Jahr Taxifahren kommt man irgendwann an den Punkt, an dem man glaubt, es könne einen nichts mehr verwundern, was Kunden tun. Ärgern oder erfreuen vielleicht, aber nicht mehr verwundern. Aber dann kommt es doch wieder anders. Eine Kleinigkeit:

Steigt eine Truppe gut gelaunter Mädels bei mir ins Auto, und noch bevor sie ein Fahrtziel nennen, wird erst einmal ein Blümchen bei mir vor dem Navi drappiert. Soll ja gemütlich sein, nicht wahr?

Erst schmücken, dann fahren! Quelle: Sash

Erst schmücken, dann fahren! Quelle: Sash

Fand ich niedlich, muss ich schon zugeben…

Drooooogen…

Ja, man ist als Taxifahrer schon manches Mal ein wenig aufgeschmissen der Kundschaft wegen. Die einen haben zu viele Drogen konsumiert, die anderen zu wenig. Das richtige Mittelmaß kommt allerdings auch manchmal vor – immerhin!

Was ich jetzt erzählen möchte, ist schon eine Weile her. Das hat auch Gründe – aber über die schweige ich mich besser aus…

Ich bin eines Tages eine der großen Zufahrtsstraßen langgefahren und war ziemlich erstaunt, dass ich ausgerechnet dort noch Winker angetroffen habe. Gut, sie wollten nur eine Kurzstrecke, aber besser ein paar Euro als gar keine…
Es handelte sich um ein Pärchen aus Obermacker und selbstbewusster junger Frau, was als solches zwar nicht in meinen Kopf gehen will, aber vielleicht zumindest als One-Night-Stand eine Daseinsberechtigung hat. Die recht kurze Fahrt war also geprägt durch eine lebhafte Diskussion, die aber wenigstens nicht unangenehm wurde. Erstaunlicherweise.

Als es am Ziel ans Bezahlen ging, war ich sehr erfreut, dass er sich dazu überreden konnte, mir sein komplettes Kleingeld zu überlassen. Und glücklicherweise war das sogar mehr, als die Kurzstrecke kostete. Statt den tarifgemäßen 3,50 € habe ich satte 5,50 € erhalten. Dazu eine seiner Hosentasche entfleuchte braune Masse.

Nun war ich zunächst zwar ein wenig angeekelt, da ich bei diesem Dorfproleten eher geschmolzene Schokolade oder gar Exkremente im Verdacht hatte, aber eine kurze Geruchsprobe bestätigte mir dann, dass es sich um Shit handelte. Haschisch – für die unkundigen Leser!

Nun bin ich bei dieser Droge wirklich zwiegespalten:

Ich selbst kann sie nicht zu mir nehmen, da die Abbauprodukte sich nahezu ewig nachweisen lassen. Dennoch habe ich einen gewisse Respekt vor diesem Rauschmittel, da es zumindest mal ungefährlicher als Alkohol ist, und auch ich in meiner Jugend einige nette Stunden unter dessen Einfluss erleben durfte.
Viel schlimmer aber ist natürlich: Ich als Taxifahrer darf natürlich unter keinen Umständen mit Drogen erwischt werden. Mein Schein wäre hinüber, und damit mein derzeitiges Leben! Aber (geschätzte) 2 Gramm Hasch wegschmeißen?

Das habe ich nicht übers Herz gebracht…

Ich bin also wirklich noch zwei Touren gefahren mit einem dicken Krümel illegaler Betäubungsmittel im Gepäck. Danach habe ich sie weitergegeben an eine vertrauenswürdige Person, die sie dann „vernichtet“ hat. Soll im übrigen recht potent gewesen sein, das Zeug… 😉

Ich möchte hier noch einmal darauf hinweisen, dass kein Text dieses Blogs einen Anspruch darauf erhebt, wahrheitsgetreu wiedergegeben worden zu sein! Alle hier getroffenen Aussagen können frei erfunden sein und sind in keinster Weise verwertbar für irgendwelche rechtlichen Belange!

Simply the Best (11)

Hier noch einmal Sashs eigene Rekorde beim Taxifahren. Der / die Neue(n) sind fett gedruckt.

Geld:

  • Höchster Umsatz pro Schicht: 241,70 €
  • Höchster Umsatz pro Tour (ohne Trinkgeld): 55,00 €
  • Höchstes Trinkgeld pro Tour: 40,60 €
  • Originellstes Trinkgeld: 4,90 € + 2 Flaschen Prosecco
  • Höchstes Trinkgeld pro Schicht: 62,10 €
  • Höchste Einnahmen pro Tour (inkl. Trinkgeld): 65,00 €
  • Höchste Einnahmen durch Zuschläge pro Schicht: 14,50 €

Touren:

  • Die meisten Touren pro Schicht: 24

Strecke:

  • Die längste Strecke pro Schicht: 262,3 km
  • Die kürzeste Strecke pro Tour: ca. 300 m
  • Die längste Strecke pro Tour: ca. 52,0 km

Zeit:

  • Die längste Schicht (Pausen nicht eingerechnet): 11:45 Std.
  • Die längste Standzeit: 3:30 Std.
  • Die längste Wartezeit mit laufender Uhr (eine Tour): 0:25 Stunden

Die spinnen, die Briten!

OK, im letzten Eintrag habe ich bereits auf die beste Tour des Abends angespielt. Hier kommt sie also…

Es begann mehr als nur üblich. Ich stand am Matrix fünfzehn Minuten an und aus dem ewigen sich langsam drehenden Karussell der möglichen Kunden blieb bei mir ausgerechnet ein etwas fertig wirkender Engländer stehen, der seinen Slang wahrscheinlich in einem pakistanischen Untergrund-Viertel der englischen Hauptstadt gepflegt hat. Es hat gut eine Minute gedauert, bis mir klar war, dass er wirklich nur ins Generator wollte, und nicht etwa wissen, wie teuer es wird, oder einige andere Dinge.

Na gut! 27 € Umsatz wollte ich noch machen – das sind schon mal knapp 10. Steigen sie ein!

Die Tour verlief nach einer kurzen Sprachlosigkeit ausgesprochen heiter, und so erfuhr ich dann, dass er nur zwei Tage in Berlin ist, und das vor allem den Grund hat, dass er davon ausgegangen ist, dass Berlin Scheiße ist. Und jetzt – immerhin nach einem Besuch im Matrix! – war er der Meinung, dass das eine so geile Stadt ist, dass er auf jeden Fall wiederkommen will irgendwann. Dann aber mit Freundin und vielleicht sogar mit Übernachtung in einem richtigen Hotel. Seine Begeisterung kannte kaum Grenzen, und mir als überzeugtem Zugezogenen gefiel das. Irgendwie schade, dass die Tour so kurz war.

Am Generator angekommen drückte ich auf Kasse und die Uhr zeigte wie gewohnt 9,40 € an. Er drückte mir einen Schein in die Hand und wollte aussteigen. Ich wollte ihn schon einstecken, als mir etwas aufgefallen ist:

„Hey, wait wait wait! This aren’t 10 Euro!“

Und seine (fucking) Antwort war:

„I know! It’s fine! Have a nice Night!“

Also hab ich den Fuffi eingesteckt…

Fuck it, fuck it, fuck it! 40,60 € Trinkgeld bei DER Standard-Tour mit DEM Standard-Touri schlechthin! Ich hab die letzten Wochen echt einen guten Lauf, scheint mir…

Und wie üblich: Ich zocke nach wie vor keine Besoffenen ab! Der Typ war natürlich angetrunken, aber in bester Verfassung und er wusste genau, was er tat! Glaubt mir, ich bewahre die Leute gerne vor Dummheiten – aber mehr als sie darauf hinweisen muss ich nun auch nicht!

Touren zur Unzeit (1)

An der Spandauer Str. Richtung Osten:

Sashs Gedanken: „Mein Soll hab ich erreicht. Puh, endlich! 6 Uhr haben wir es bereits, jetzt ab zur Tanke an der Holzmarkt um das Auto klarzumachen und dann: Feierabend! Wochenende! Huch, da winkt ein Kunde! Naja, den einen noch… vielleicht geht’s ja zum Ostbahnhof oder so…“

Kunde: „Neu-Westend? Steubenplatz?“

Sash: „Na klar, steig ein…“

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Kunden können Schweine sein…

Ich ärgere mich nicht oft über Kunden. Im Schnitt vielleicht einmal pro Monat – und das sind damit unter 0,5 %. Die rötesten Tücher meiner Wenigkeit sind Unlogik, Unfairness und selbstverschuldete Blödheit. Manchmal sind es dann aber doch nur Kleinigkeiten, die mich ein wenig echauffieren.

Heute habe ich ein paar Kunden nach Stralau gefahren und direkt an der Elsenbrücke winkten ein paar Gestalten. Gut, ich war besetzt – also bin ich weiter. Diesmal hatte ich allerdings Glück:

Ich kam aus Stralau zurück, und gegenüber standen sie noch. Sie winkten ein anderes Taxi heran, der Fahrer jedoch übersah sie, wollte sie nicht sehen – was auch immer! Sie sahen mich und winkten mir über die Kreuzung zu. Ich stand an der roten Ampel und winkte zurück als Zeichen, dass ich sie gesehen habe, und zu ihnen kommen werde. Daraufhin stellten sie das Winken ein und für einen kleinen Moment im Raum-Zeitgefüge einer Berliner Wochenend-Nacht waren alle Beteiligte eines kleinen geschlossenen Taxi-Kunden-Systems zufrieden.

Naja, und fünf Sekunden später kam ein Kollege, sie begannen wieder zu winken, er hielt an und lud sie ein…

Ich möchte das jetzt nicht künstlich aufbauschen – zumal ich mit der Nacht sehr zufrieden bin und mir diese Tour die beste Tour verhindert hätte – aber ich muss doch mal alle potenziellen Taxi-Kunden (also eigentlich alle Menschen) fragen, ob es nicht ein bisschen dreist ist, wenn Kunden die Fahrer als austauschbare „Ware“ ansehen und zugleich aber wünschen, von selbigen als Individuen wahrgenommen zu werden und nicht – etwa wegen zu kurzer Touren oder dergleichen – abgelehnt werden wollen?

Ich meine, es ist das gute Recht eines jeden, sein Taxi frei zu wählen – aber fies war es schon. So! *mecker*