Juhu! Rekord!

Oder so ähnlich…

Ich bin in aller Regel und abgesehen von den ersten fünf Minuten des jeweiligen Tages ein recht fröhlicher Mensch. Das in Kombination mit meiner Gelassenheit führt dann dazu, dass ich mich bei der Arbeit nicht so schnell echauffiere.

Klar, hier mal ein paar Idioten im Auto, da mal wenig Umsatz… bisher hat immer ein Blogeintrag gereicht, um wieder runterzukommen. Am vergangenen Montag hat sich das zwar nicht geändert, aber die Tendenz ging doch recht stark in Richtung Galgenhumor.

Mit viel Anlauf, das heißt mit ziemlich schlechten Zeitpunkten zum Anstellen an der Halte und ungünstigen Fahrtwegen, habe ich den schlechtesten Stundenumsatz ever eingefahren. Nach fast genau 5 Stunden im – oder besser ums – Auto hab ich entnervt die Flucht ergriffen und versucht zu akzeptieren, dass ich bis dato nur 2 Touren gefahren habe.

Noch dazu waren es 2 schön kurze Touren, sodass ich einen Gesamtumsatz von 14,60 € zu verbuchen hatte. Plus 1,40 € Trinkgeld immerhin.

Jammern in Zahlen:

Stundenumsatz: 3,04 €

Stunden-Bruttolohn: 1,37 €

Trinkgeld pro Stunde: 0,29 €

Ungefähres Netto pro Stunde: 1,50 €

Autsch! 🙁

Wartezeiten

Eine der größten Verständigungsschwierigkeiten im Taxigewerbe ist die Wartezeit. Ob bezahlt oder unbezahlt sei dahingestellt. Denn viele Kunden verstehen weder, wieso sie für die 5 Minuten vor der Türe warten 2 € zahlen sollen (wo ich doch gemütlich Pause machen und eine Zigarette rauchen kann), noch weswegen sie 3,20 € beim Einstieg zahlen, was im Extremfall bei einer kurzen Fahrt nach 2 Stunden Wartezeit nur ein bisschen meinen totalen Ruin verhindert.

Aber bleiben wir bei der bezahlten Wartezeit. Es ist so, dass wir, werden wir zu einem Kunden via Funk auf eine bestimmte Uhrzeit bestellt, berechtigt sind, zu dieser Uhrzeit das Taxameter anzuschalten. Wenn wir vor Ort sind. Wenn der Kunde es nicht ist, ist das ja sein Problem. Die Fahrer handhaben das durchaus unterschiedlich, aber man kann sich ja vorstellen, wie es sich in der Bilanz eines Fahrers am Samstagabend macht, wenn er eine halbe Stunde blöd rumsteht, nur weil jemandem eingefallen ist, dass er zu der Bordeauxfarbenen Hose kein Hemd in Pfirsich tragen will.

Neulich bin ich Abends an einer Kneipe rangewunken worden, und der Mann teilte mir mit:

„Warte mal kurz, es kommt noch jemand mit!“

Alles klar, kein Problem!

„Könnten wir vielleicht hier in die Straße, also könntest du wenden?“

Klar. Hab ich kurz gemacht, hab an der anderen Seite der Straßenecke gewartet und mich gefreut, dass ich an diesem miesen Tag einen Winker hatte. Drei oder vier Minuten stand ich da so rum und hab nebenbei den Mann beobachtet, wie er immer mal wieder die Tür zur Kneipe aufgestoßen hat, um etwas hineinzurufen.

Irgendwann hab ich dann nachgefragt:

„Dauert noch etwas?“

Durchaus freundlich, nicht angepisst. Hätte mich einfach interessiert! Ich hätte ja noch aussteigen können, eine Zigarette rauchen. Das nimmt man an einem nicht so guten Tag für eine Tour doch gerne mal in Kauf. An jeder Halte wäre ich länger gestanden, keine Frage. Und was war die Antwort? Er machte mit der Hand eine Wischbewegung, die mich zum Weiterfahren animieren sollte und raunzte einfach:

„Tschüss!“

Das war in dieser Nacht sicher kein Weltuntergang. Ich bin weitergefahren und gut war. Aber ich hätte genauso gut auch vorher bereits das Taxameter anstellen und mich nun mit ihm um 5 € streiten können. Dass das vielleicht der Arbeitsleistung nicht angemessen wäre – ok! Natürlich ist der Tarif eher dafür gemacht, dass man mit einem Taxi auch fährt! Aber woher kommt dieser Glaube, wir stehen überall Gewehr bei Fuß und treiben uns zum Spaß in der Stadt rum?

Glaubt mir, ich mag meinen Job ja wirklich verdammt arg. Aber auch ich mache ihn zum Geldverdienen und wäre ansonsten lieber zu Hause…

Der Kilometerschnitt

Da eine private Mail-Konversation auch diese Frage aufwarf, möchte ich hier einen kurzen informativen Text schreiben. Manche Taxifahrer haben ihn auswendig im Kopf, andere scheren sich einen Scheißdreck darum: Der Kilometerschnitt. Wie wichtig ist er wirklich und worüber reden wir überhaupt?

Kurzer wichtiger Einschub: Eventuelle Zahlen sind allesamt auf Berlin und mich bezogen! Sie können selbstverständlich woanders abweichen!

Der Kilometerschnitt ist eine nicht unwichtige Angabe im Taxigewerbe. Das kann man so sagen. Jeder Unternehmer muss in irgendeiner Art und Weise seine Einnahmen und Kosten planen. Der Kilometerschnitt ist schlicht die Kennziffer, wie viel Umsatz pro gefahrenem Kilometer realisiert wird. Da die Kosten eines Autos sich (zumindest grob)  sowohl bezüglich Abnutzung und Reparaturkosten, als auch bezüglich des Spritverbrauchs auf den gefahrenen Kilometer runterrechnen lassen, ist er also eine recht brauchbare Größe, um zu ermitteln, ob sich eine Taxe lohnt. Insbesondere, wenn sich wie bei mir die Lohnkosten auch nach dem Umsatz alleine berechnen, wird er zum entscheidenden Kriterium.

Das heißt aber nicht, dass er bei den Fahrern allgegenwärtig sein muss. Selbstfahrende Unternehmer (also Selbstständige) werden ihn mehr oder minder im Kopf haben. Angestellten kann er meist egal sein, weil Angestellte weder Auto, noch Reparaturen und Sprit zahlen, und ihr Einkommen meist nicht davon abhängt, wie viele Kilometer sie für ihren Umsatz brauchen. Zumindest, wenn sie wie ich ausschließlich nach Umsatz bezahlt werden.

Bei Torsten hingegen hab ich in den FAQ gelesen, dass der Kilometerschnitt bisweilen sogar als Lohnberechnungsgrundlage dienen kann, indem der Chef beispielsweise pro gefahrenen Kilometer 60 Cent verlangt und der Rest dem Fahrer gehört. Ist aber offenbar inzwischen eher unüblich. Und das ist kein Wunder, schließlich fallen die einzelnen Schichten bisweilen sehr unterschiedlich aus. Während ich am Wochenende gelegentlich mal 220 € bei nur 150 bis 160 km einfahre, kann es an einem schlechten Montag schon mal sein, dass bei 150 km nur 100 € im Geldbeutel landen, und selbst wenn sich das wieder ausgleichen sollte, muss man sich mal die Frustration vorstellen, nachdem man 10 Stunden umsonst arbeiten war…

Mir wurde zu Beginn meines Arbeitsverhältnisses eher nebenbei gesagt, dass sich die Einnahmen etwa bei einem Euro pro Kilometer einpendeln sollten. Das ist zwar von einem meiner Chefs beinahe schon widerrufen worden („das schafft eh kein Nachtfahrer…“), aber irgendwie ist es schon aufgrund des einfachen Zahlenverhältnisses irgendwie im Hinterkopf. Und wie ich schon meinen Kunden oft sagte:

„Was soll es mir bringen, wenn mein Chef pleite geht?“

Kurzum: Die gefahrenen Kilometer landen in meiner Abrechnungstabelle neben den Euros, und so weiss ich auch immer, ob ich halbwegs im Schnitt liege. Das tue ich im Übrigen durchaus, denn trotz einiger ausschweifender Privatfahrten (die meine Chefs erlauben) liege ich dieses Jahr bisher bei einem Schnitt von rund 1,04 Kilometern pro eingenommenem Euro.

Im Alltag als Fahrer ist er natürlich nur eine Zahl von vielen, und sein Verhalten richtet man nur bedingt daran aus. Die Zeiten, da man in Berlin die ganze Nacht gefahren ist und nur Winker aufgenommen hat, sind zwar vorbei – aber auch meine Chefs haben gesagt, dass ich im Zweifelsfalle lieber Umsatz bei einem schlechten Schnitt einfahre als keinen Umsatz bei einem guten.

Der witzige Nebeneffekt der Bedeutung des Kilometerschnittes ist der, dass sich für meinen Chef und mich unterschiedliche Touren am meisten rechnen. Natürlich ist jeder Umsatz besser als keiner, aber rein betriebswirtschaftlich müsste mein Chef auf kurze Touren stehen. Durch den durchaus sogar bundesweit betrachtet saftigen Startpreis von 3,20 € in Berlin, und die übliche Verteuerung der ersten Kilometer sind kleine Touren vom Schnitt her lohnender. Wenn wir davon ausgehen, dass ich nach einer Tour zur selben Halte zurückfahre, dann ergibt sich für eine 1km-Tour ein Schnitt von 2,40€/km, bei einer 40km-Tour aber nur einer von etwa 0,66€/km. Keine Frage, dass mir die 53 € dennoch lieber wären als die 4,80 € 🙂

Wozu sich der Kilometerschnitt allerdings prima anbietet, ist das Vertreiben sturer Festpreisforderer. Wenn man schon ehrlich (und in dem Fall blöd) wie ich sagt, dass man keine Sitzkontakte hat, dann kann man immer noch ausweichen und darauf verweisen, dass der Chef das aber wegen den Kilometern merken würde. Muss ja niemand wissen, dass ich bei uns im Betrieb wahrscheinlich der einzige bin, der den Schnitt gelegentlich anspricht 😉

Ja, er lebt noch!

So, die mehr oder minder als Entwarnung einzustufende Meldung ereilte mich vor wenigen Minuten: Das Auto lebt noch, bzw. wieder! Den heutigen Tag hat es in der Werkstatt verbringen dürfen, und anscheinend sind jetzt die Düsen gereinigt, ersetzt, was auch immer – und ich kann heute noch auf Piste.

Prima!

Nicht, dass ich nicht eigentlich Montags nicht mehr arbeiten wollte und insgesamt nicht gerade die beste Schicht erwartet werden kann… aber besser jetzt als nie. Meiner nicht zu unterschätzenden Faulheit fröhne ich dann morgen wieder, indem ich ganz geplant frei mache.

Jetzt werde ich also mein Kistchen frisch vom Opeldealer abholen, was zwar räumlich näher bei mir ist als der übliche Abstellplatz, mich aber wahrscheinlich mehr Zeit kosten wird, um hinzugelangen. Es sei denn, ich krall mir unterwegs ein Taxi für ’ne Kurzstrecke 😉

Und zum Thema Kartenzahlung…

Falls da draussen tatsächlich jemand hier liest, nicht aber im law blog, verlinke ich noch mal kurz, was Udo Vetter dort gestern geschrieben hat:

Taxifahrer müssen keine Karten akzeptieren

Bei der Kartenzahlung kann man geteilter Meinung sein. Was ich mich jedoch frage: Was für zwei Menschen müssen an einem Flughafen am Taxistand aneinandergeraten, damit diese Frage vor Gericht landet? Peinlich, ehrlich!

Nachtrag:

Peter hat mir noch einen Link dazu gesendet.

Immer wieder lustig…

Nun bin ich zwar Taxifahrer, noch dazu einer aus dem Internet, aber gelegentlich gibt es mich ja auch im realen Leben. Meine Freundin kann das mit am Besten bewerten.

Da wir einen gemeinsamen Haushalt führen, bzw. ihm mit gemeinschaftlicher Hingabe gelegentlich Grenzen des Zerfallsprozesses aufzeigen, kommt es schon mal vor, dass trotz erheblichen Mangels an Trauscheinen selbst während eines Bank-Gesprächs der Name des Anderen fällt. So sah sich meine geschäftstüchtigere Hälfte seitens ihres Beraters mit der Frage konfrontiert, welcher Arbeit ich, Sash, nachgehe.

Sie antwortete der Abwechslung halber just auf diese Frage wahrheitsgemäß mit:

„Der fährt Nachts Taxi.“

Die nächste Frage des Bankberaters meiner besseren Hälfte wird auch mir immer wieder in eben jenem Auto gestellt, und deswegen findet sich der Eintrag auch hier wieder und nicht im privaten Blog nebenan:

„Und was macht er tagsüber?“

Dass Nachtarbeit noch immer so wenig erforscht ist, hätte ich mir vor zwei Jahren nie träumen lassen. Das wirkliche Dilemma an der wahrheitsgemäßen Beantwortung der Frage („Schlafen.“) ist, dass einem bisweilen nicht geglaubt wird. So wich die Skepsis jenes Beraters auch erst, als meine Freundin ihn mit der Gegenfrage konfrontierte, was er denn Nachts tue.

Mir ist bewusst, dass Alltagsbewältigungsmodelle existieren, die Taxifahren zu später Stunde als Nebenerwerb möglich machen, über diesen Punkt ist man jedenfalls im Taxi stets weit raus, wenn die Frage nach der mittäglichen Lebenssituation kommt.

Also nochmal zum Mitschreiben: Wer die ganze Nacht arbeitet, schläft tagsüber! Mir ist kein Konzept bekannt, das auf Dauer ähnlich effizient funktioniert.

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Böse Nachtarbeit!

Mein Chef hat mich gerade angerufen, und mir auferlegt, mich zu entscheiden, zu welchem Termin ich einem verkehrspsychologisches Gespräch beiwohnen könne. Die Alternativen waren ungefähr: 3 Stunden früher aufstehen als normal oder an dem Tag gar nicht schlafen 🙁

Jetzt ist es Ende des Monats an einem Nachmittag um 15 Uhr. Brr!

Vielleicht ein fairer Ausgleich dafür, dass ich für meine Arbeit grundsätzlich Nachtzuschläge erhalte? Naja, wenn ich Glück habe, ist es wenigstens Dunkel, wenn das vorbei ist…