Die Sache mit den Zielen…

Das Schönste und Schlimmste (je nachdem) am Taxigewerbe ist die Unberechenbarkeit. Mal läuft es, mal nicht. Ein Kollege von mir ist beispielsweise letzte Woche zweimal binnen zwei Tagen nach Cottbus gefahren. Noch dazu für gar nicht schlechte 210 €. Ich hab in jetzt bald zweieinhalb Jahren noch keine Tour über 100 € gehabt… so ist es eben.

Da aber unser Gehalt vom Umsatz abhängt, hat wahrscheinlich jeder Fahrer da draussen ein gewisses Ziel vor Augen, wenn er sich ins Auto setzt. Wie hoch das ist, das hängt natürlich vom Fahrer, vom Tag und wenn es dann eng wird auch mal von der Laune ab. Manche sehen einfach zu, dass sie einen oder zwei Hunnis einfahren, manche haben einen anderen Tagesschnitt vor Augen, manche variieren ihn sogar, um ein Monatsziel zu erreichen. Und ja, es gibt auch Fahrer, die einfach ihre Stunden runterrocken und am Ende mal durchzählen. Ein bisschen versuche ich das gerade auch so zu halten, weil ich am Umsatz letztlich ja nichts drehen kann.

Aber irgendwie ist es dann ja doch schön, wenn „der obligatorische Hunni“ oder was auch immer endlich in der Kasse ist.

Und so stand ich neulich da, und hab gehofft, dass ich jetzt mit der letzten Tour wenigstens den oben genannten erreiche. 10,70 € mussten es noch sein. Ich bekomme eine Tour und denke, dass das passen könnte. Nebenher mal das Navi angeschmissen, und siehe da:

„Yes, das werden 11 €!“

Einfach so fürs gute Gefühl. Aber Kunden können auch fies sein:

„Ach, lassen sie uns hier an der Ampel raus, wir laufen den Rest.“

„Alles klar, sehr gerne doch. Das sind dann 10,40 €.“

Argh!
Aber andererseits hätte ich mich sonst wahrscheinlich nicht so sehr über die Kurzstrecke gefreut, die ich auf dem Rückweg noch bekommen habe 🙂

Wie lange muss man als Taxifahrer arbeiten? (1)

Diese Frage bekomme ich (selten in den Kommentaren, öfter per Mail) immer wieder, gerade von P-Schein-Aspiranten, gestellt. Bisher konnte ich mich noch nie dazu durchringen, die einzig klare Antwort darauf zu geben:

„Bis zur Rente, und am Besten noch ein Bisschen länger…“

Nein, die Frage bezieht sich natürlich auf die tägliche, wöchentliche, monatliche Arbeitszeit. Ich verstehe die Frage schon sehr gut, denn falls man irgendwoher den Verdienst zu kennen glaubt, ist die nächstwichtige Frage bei einer Lohnarbeit natürlich, wie lange man dafür arbeiten muss.

Nun ist das Taxigewerbe aber leider – zumindest hier in Berlin – sehr arbeitnehmerfreundlich im Bezug auf die Rechte. Da nämlich so gut wie jedes Unternehmen Fahrer sucht, sollte sich immer auch eines finden lassen, das die gewünschten Arbeitszeiten zulässt. Aber da das alles ja noch nicht viel bedeutet, will ich mal eine kleine wöchentliche Serie starten über mich und ein paar Kollegen und unsere Arbeitszeiten. „Kollegen“ ist hier aber nicht so zu verstehen, dass sie alle beim selben Arbeitgeber beschäftigt sind. Das wird man auch merken. Aber ich erzähle hier gerne ewig lange von mir, und dabei bin ich ja nur ein minimaler Ausschnitt aus dem Gewerbe, noch dazu mit einem alles andere als durchschnittlichen Profil. Im Laufe der jetzt fast zweieinhalb Jahre habe ich einige Kollegen kennengelernt und mich mit ihnen natürlich auch über den Job unterhalten. Gefühlt bin ich dabei vom einen Extrem bis zum anderen allen möglichen interessanten Menschen begegnet. Um also mal einen Blick über den Tellerrand zu gewähren, werde ich ab jetzt ein paar Wochen lang Freitags – wenn „normale“ Menschen dem Wochenende entgegenfiebern, etwas über einen Taxifahrer und seine Arbeitszeit schreiben.

Zur ersten Ausgabe fange ich natürlich mit mir selbst an.

Über mein Leben wisst ihr schon einiges. Dank der unregelmäßigen Schlafgewohnheiten meiner besseren Hälfte habe ich schon viele Versuche hinter mir, mal so und mal so zu arbeiten. Zwei Dinge standen dabei natürlich immer fest:

1. Nachts

2. Nicht zu viel

Ja, ich liebe meine Arbeit wirklich, und ich habe einen sehr sehr sehr liberalen Chef. Beziehungsweise gleich zwei davon. Auf die Nachtschicht bin ich zwar gerade mehr oder minder festgenagelt, aber das durchaus freiwillig. Ich will ums Verrecken nicht bei normalem Verkehr durch Berlin schleichen müssen und ich mag meine oftmals verpeilte Kundschaft sehr.

Ich habe in den mehr als zwei Jahren einfach festgestellt, dass ich es schlicht nicht schaffe, mal eben 60 Stunden die Woche runterzureissen. Mir kommen oft (in meinen Augen) wichtige Dinge dazwischen, und so wie ich es jetzt betreibe, kostet mich auch das Schreiben und das Arbeiten an meinen Pages einige Zeit. Geld verdiene ich zwar nach wie vor fast nur im Taxi, aber auf mehr als 36 bis 40 Stunden hab ich es längerfristig pro Woche nie geschafft. Derzeit bin ich fest entschlossen, diese Zeit beizubehalten, und zumindest die 36 Stunden pro Woche runterzurocken – allerdings verteilt auf nur 4 Tage. Derzeit bin ich also nur von Mittwoch bis Samstag unterwegs, dafür von etwa 19 bis 4 Uhr unter der Woche, am Wochenende sind eigentlich nach wie vor 12 Stunden (19 bis 7 Uhr) geplant. Die Ausfälle in Form wichtiger Pausen und anderer Beschäftigungen ergeben dann die normale Arbeitszeit.

Aber das ist seit 2 Monaten so. Ich hab schon eine Menge anderer Modelle probiert und ich hoffe jedes Mal wieder, dass jetzt das Richtige gefunden ist 😉

„Der totale Taxi-GAU“

Es ist in diesen Tagen vielleicht nicht unbedingt angebracht, wegen solcher Kleinigkeiten wie dem Taxifahren von einem GAU zu sprechen, aber das ist die Wortwahl meiner Kundin. Die stand da, ich war noch gar nicht richtig losgefahren, am Straßenrand, konnte ihre aufgewickelten langen Dreads kaum bändigen (was sie mir im Übrigen sympathisch gemacht hat) und winkte. Einfach so. An einem miesen Mittwoch.

Im Übrigen sei angemerkt, dass ein GAU ja immerhin ein Ereignis ist, mit dem zu rechnen und das zu beherrschen ist. Da wird ja derzeit in der Berichterstattung um Japan auch viel Schindluder getrieben mit den Worten GAU und Super-GAU. Aber das nur nebenbei. In dem Fall hilft nämlich schon Wikipedia.

Bei meiner Kundin war es schon von der Sache her harmloser, denn bei allem Mist, den ich mit meinen Kollegen manchmal verzapfe: Mit havarierten Kernkraftwerken kann wahrscheinlich keiner von uns mithalten.

Was also war der Taxi-GAU?

Sie stieg bei mir ein, telefonierend, und fragte gleich:

„Du bist aber nicht bestellt, oder?“

„Nein…“

Daraufhin wandte sie sich dem Gesprächspartner zu und meinte:

„Nein, ist nicht das bestellte Taxi. Gut, ok. Dankeschön.“

Da bin ich ja erstmal hellhörig geworden. Fahrtenklau geht schließlich gar nicht, und auch wenn es verdammt schön ist, ein paar hundert Meter nach Schichtbeginn einen Winker zu haben: So kollegial, die Fahrt abzulehnen, muss man sein.

Also erzählte sie kurz, dass sie wie immer erst auf die Straße gegangen ist, weil dort ständig Taxen fahren würden. War auch eine große Hauptstraße. Natürlich kamen just jetzt keine Kollegen vorbei. Daraufhin hat sie einen Wagen bestellt.
Genau nachdem sie dies getan hat, tauchten zwei Kollegen auf. Jetzt kommt dann der Teil, weswegen ich sie so schätze:

„Da hab ich natürlich nicht gewunken. Ich hab Freunde, die selber Taxi fahren. Die haben mich erzogen, da artig zu sein!“

Und danach passierte – die Kollegen erahnen es bereits – nichts mehr. Das bestellte Taxi kam nicht. Ich weiss nun nicht genau, wie lange sie gewartet hat – allerdings hatte sie beim Einstieg in mein Auto just die Funkzentrale am Telefon, die die Fahrt abgeschrieben hat und nur kurz nachgefragt haben wollte, ob ich vielleicht der bestellte Fahrer bin. War also sicher nicht nur eine Minute her, dass sie bestellt hat.

Ich hab sie also mitgenommen. Mir sind im Umfeld auf Anhieb drei Taxihalten bekannt, von wo aus die Anfahrt niemals über 2 Minuten dauern kann, also nehme ich an, dass ein freier Kollege auf der Straße die Tour angenommen hat, und dabei – soll ja angeblich gelegentlich passieren – eine „etwas optimistische“ Zeit genannt hat, in der er es dann nicht geschafft hat. Die Halten selbst sind in diesem Fall sicher nicht direkt angesprochen worden, weil es sich um einen „Handy-Auftrag“ gehandelt hat.

Kurze Erklärung für die Unwissenden: Die Funkzentrale (im Falle vom Sprachfunk – für den Datenfunk kann das gerne ein Kollege in den Kommentaren erklären. Aro?) gibt den Auftrag normalerweise zunächst an den nächsten Taxistand weiter. Dort dürfen sich dann die Kollegen melden, die dort stehen. Derjenige, der an vorderster Position steht, bekommt den Auftrag. Meldet sich dort keiner, wird der Auftrag an den zweitnächsten Stand weitergegeben – hier dann das selbe Procedere.
Sollte dies erfolglos sein (Keine Taxen am Stand, bzw. kein Fahrer meldet sich) ODER es ist ein „Handy-Auftrag“ (also die Person steht schon an der Straße) kann sich theoretisch jeder Taxifahrer auf den Auftrag melden. Dabei muss er angeben, wie schnell er da sein kann. Auch hier erhält der „Nächste“ den Zuschlag. Wenn ein Fahrer sich meldet und seine Fahrtdauer zum Ort des Kunden nennt, dürfen sich nur noch Kollegen melden, die mindestens 3 Minuten schneller dort sind. Mit anderen Worten, wahrscheinlich ist die häufigst genannte Minutenzahl im Funk 3.
Denn wenn ein Kollege funkt

„Taxe xyz in 3“

dann bekommt er den Zuschlag. Also ist es – obwohl die Funkzentrale durchaus Sperren für mehrmalige Verstöße verhängt – natürlich beliebt, sich näher an die Kunden heranzulügen, denn ansonsten besteht ja die Gefahr, dass man den Auftrag an einen Kollegen in der Nähe verliert. Das Ganze geht dann nicht nur zu Last der betrogenen Kollegen, sondern natürlich auch des Kunden. Denn der bekommt natürlich mitgeteilt, dass sein Taxi in 3 Minuten da ist, und wenn der Kollege dann 10 Minuten braucht, ist der Frust natürlich groß.

Mit anderen Worten: Wenn es – was wahrscheinlich ist – in dem Fall so war, dann war es schon ok, dass ich die Kundin eingesackt habe. Die Zentrale hat dem Kollegen dann mitgeteilt, dass die Kundin weg ist und ihn ggf. noch gerügt für seine unwahre Zeitangabe.

Die Tour war dann furchtbar nett. Ganze 18 € hat sie gebracht, und ich hab wirklich selten so lange und ausführlich mit jemandem im Taxi geredet. War echt schade, dass es keine richtige Ferntour war 🙂

So viel also zum GAU der Kundin: 2 mal Geduld bewiesen und dann doch das falsche Taxi (mit dem immerhin hoffentlich genau richtigen Fahrer 😉 ) bekommen.

Ich möchte an dieser Stelle aber auch noch was zu der Problematik mit den geklauten Fahrten sagen. Ich hab da als Nichtnutzer meines Funkgerätes natürlich eigentlich nie was mit zu tun. Höchstens mal – wie jetzt – auf der „Gewinnerseite“. Aber da es ein Ärgernis für viele Kollegen ist, kann es hier ja ruhig auch mal Thema sein.

Berlin hat de facto noch 2 Funkzentralen. Die eine davon ist zwar auch wieder ein Zusammenschluss von mehreren, aber sie ist unter all diesen Nummern erreichbar. Abgesehen von der verurteilenswerten schamlosen Abzocker-Mentalität so mancher Kollegen scheint mir indes tatsächlich auch der Auftritt der Zentralen ein Problem zu sein. Gerade die zusammengewürfelte Große wirbt auf ihrer Seite beispielsweise mit „4100 Taxen in Berlin und Umland“. Und die andere hat natürlich auch den Hinweis darauf, dass das Taxi bei einem Anruf dort schnell vor Ort ist. Verständlich natürlich.

Was meines Erachtens nach ein wenig zu kurz kommt, ist der Hinweis darauf, dass diese ganzen Taxen, die für die schnelle Bestellung den Funk nutzen, ja keineswegs beliebig austauschbar sind. Im Gegensatz zu vielen kleineren Städten sind die Funkzentralen nämlich keineswegs mit den Unternehmen identisch. Während sich die Taxen also ca. 2500 (?) zu 4100 auf die Funkzentralen verteilen, gibt es in Berlin rund 7000 Taxen in 5000 Unternehmen.
Klar, die Funkzentralen weisen die Kunden darauf hin, dass sie nur in das eine bestellte Taxi einsteigen sollen – aber für viele gelegentliche Kunden ist es Jacke wie Hose, welches Taxi gerade kommt. Mir sind auch schon Leute eingestiegen und haben mal eben locker gesagt, ich solle doch kurz der Zentrale Bescheid sagen, sie würden jetzt mit mir fahren.

Anstatt klarzustellen, dass jeder einzelne Fahrer da draussen seine Arbeit zum Wohle der Kunden macht und durchaus mal irgendwo 2 Stunden auf diese eine Tour wartet, wird als Hauptkriterium die Schnelligkeit festgelegt. Die ist zweifelsohne wichtig in unserem Gewerbe und unterscheidet uns maßgeblich von den anderen öffentlichen Verkehrsmitteln – aber sie ist nicht alles!

Denn, ja: Auch ein Taxi braucht eine gewisse Zeit, um von A nach B zu kommen. Und das Gewerbe ist trotz offenbar nur zwei Zentralen sehr diversifiziert. Es bringt Kollege U. nichts, wenn Kollege T. jetzt die Fahrt macht. Im Gegenteil: Unter Umständen hat ihn das 3 Stunden Zeit gekostet, die er nicht bezahlt bekommt.

Sicher, im Grunde könnten es die Kunden auch einfach durch Nachdenken herausfinden. Ich persönlich finde aber, dass es ihnen bisweilen auch schwer gemacht wird…

Blabla

So, das Wochenende neigt sich dem Ende zu. Ich bin kurz vor dem Einschlafen, und heute Abend geht es wieder raus auf die Piste. Wenn ich Glück habe, ist mein Tagfahrer ja meinem genialen Einfall gefolgt, die quietschenden Bremsen und den Lärm im Radkasten mal diagnostizieren und abstellen zu lassen.

Entgegen meiner Hoffnungen werde ich mit dem Auto nämlich noch ein bisschen umherfahren müssen, auch wenn meine Chefs gerade in größerem Stil neue Autos kaufen. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass das nicht einmal Großraumwagen sind, will ich auch nicht grundlos meckern.
Die Kiste hat jetzt etwa 275.000 Kilometer runter, und laut Aussage meines Brötchengebers ist geplant, sie außer Dienst zu stellen, wenn sie zwischen 300.000 und 400.000 km den ersten größeren Schaden hat. Und da selbst wir die Kiste nur auf 5.000 bis 7.000 Kilometer monatlich bringen, wird das wohl eher gegen Ende des Jahres was. Wenn sich nicht irgend ein netter Amokfahrer quasi aufdrängt, mir einen neuen fahrbaren Untersatz zu bezahlen. Vorgeschädigt durch den Unfall mit Fahrerflucht ist die Kiste ja noch…

Was die Kunden angeht, hatte ich in letzer Zeit wirklich Glück.
Einmal hatte ich zwar eine Dauertelefoniererin im Auto, die sich aber zuletzt doch noch einen Funken Sympathie ergattert hat, als sie sich sehr nett und mit gutem Trinkgeld verabschiedet hat.
Bevor das jemand falsch versteht: Ich hab gar nichts gegen das Telefonieren bei mir im Taxi, aber wenn es dann wirklich ohne ein „Hallo“ abläuft, finde ich das schon etwas unverschämt. Unterhaltsam muss ein Fahrgast ja nicht sein, aber ein Wort mehr als „Landsberger 115“ könnte es dann ja doch sein…

Naja, ich hoffe mal, von der nächsten Schicht gibt es irgendwa spannendes zu berichten. Sonst muss ich ja wirklich ganz tief in meinem kleinen Büchlein blättern 😉

Plazenta-Preise

Marius hat mir via Kontaktformular (schon vor zwei Tagen, sorry!) folgende Frage zukommen lassen:

Moin Sash,

mich interessiert, wie die Reinigung nach einer Geburt im Taxi gehandhabt und auch bezahlt wird. Würde mich da gern über die ein oder andere Geschichte, vielleicht auch von Kollegen, freuen – mal was anderes als Kotzgeschichten. 😉

Ich gebe es zu: Ich bin überfragt!

Grundsätzlich ist es natürlich eine ähnliche Verunreinigung, ob man hier allerdings vom juristisch gebotenen Vorsatz oder einer Fahrlässigkeit ausgehen kann, weiss ich nicht. Also falls ein Kollege sowas schon mal gehabt hat – oder ein Anwalt so einen Fall schon mal hatte, dann würde mich das persönlich auch interessieren. Ich hatte bisher erst einmal die klassische „Dringend, es kommt gleich!“-Fahrt, und die ging (glücklicherweise) so aus, dass wir das Krankenhaus noch rechtzeitig erreicht haben.

Sitze kaputt…

Ich mag den Kollegen Yusuf eigentlich sehr gerne. Er ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass es beileibe nicht „die Ausländer“ sind, die so schlimm sind als Taxifahrer. Die unschönen Negativbeispiele kenne ich natürlich – was man sich da unter Kollegen oder zwischen Fahrgast und Taxifahrer alles erzählt… – aber das sind Verallgemeinerungen. Natürlich gibt es diese „Du zeigen, ich fahren!“-Beispiele. Aber Kundenservice und Freundlichkeit hängen nun einmal nicht ursächlich mit der Nationalität zusammen.

Yusuf ist noch nicht lange im Geschäft, 3 Monate jetzt etwa. Natürlich verwendet er (wie ich im übrigen auch) sein Navi desöfteren, aber er macht seinen Job, soweit ich das anhand von Gesprächen bewerten kann, gut. Zwei Monate hat es nur bei ihm gedauert, bis er der Saga vom grenzenlosen Umsatz abgeschworen hat, und inzwischen sieht er die schlechten Tage wesentlich gelassener als ich es am Anfang konnte.

Aber er hat sich im Rahmen dessen eine ganz eigene Unart mitangeeignet, die unter den Großraumfahrern in Berlin schon seit einiger Zeit grassiert: Das Nicht-Großraum-Fahrer-Sein.

In Berlin sind ja eine Menge Taxifahrer mit ähnlichen Autos unterwegs wie ich. Gerade Opel Zafira und VW Touran werden von einigen Firmen wegen der zusätzlichen Sitze gerne genommen. Und das kann ich verstehen. Wir fahren normale, kleine PKW mit entsprechendem Spritverbrauch und unauffälligem Äußeren. Die Autos werden am Stand nicht per se verschmäht, was einigen Busfahrern durchaus passiert, weil die Mär vom Großraumtarif in Berlin nicht totzukriegen ist.

Dabei macht es die Berliner Taxitarifordnung den Fahrgästen wirklich nicht schwer:

Es gibt nur einen Tarif!

Das Sonderphänomen Kurzstrecke ist so eingeschränkt, dass es den normalen Kunden nicht betrifft, beziehungsweise es ist am Stand, wo man sich die Autos aussuchen kann, sowieso unwichtig. Alles weitere wird in Berlin mit Zuschlägen geregelt. Das ist auch ganz praktisch, denn Zuschläge werden auf dem Taxameter gesondert ausgegeben, und so kann man nachfragen, für was man gerade extra bezahlt. Wir haben keinen Großraumtarif, keinen Nachttarif und keine Mondscheinpauschale. Taxen kosten nicht mehr, wenn Weihnachten ist und das Taxameter zählt nicht schneller, wenn Weltspartag ist.

Da die Großraumtaxenbesitzer ihren zweifelsohne vorhandenen Mehraufwand (Anschaffungskosten, Verbrauch, Reinigung, Zeitaufwand etc.) natürlich dennoch vergütet haben wollen – und Großraumtaxen werden eben manchmal gebraucht – werden hier in Berlin 1,50 € Zuschlag für jede zusätzliche Person verlangt, die über 4 Fahrgäste hinaus zusteigt.

Und da wird ein Auto wie der Zafira interessant: Während wir also „normale“ PKW fahren, können wir eben doch hier und da mal 1,50 oder gar 3,00 € Zuschlag kassieren. Für einen Mückenschiss an Spritkosten und einmal Sitze ausklappen. Super!

Zugegeben: Die Sitze sind eng. Aber meine Kundschaft – die Clubgänger in den frühen Morgenstunden – ist da nicht wählerisch.

Und nun – da kommen wir langsam wieder zum Anfang der Geschichte zurück – gibt es aber einen Haufen Fahrer, die diese Möglichkeit nicht (mehr) nutzen wollen. So auch Yusuf.

Das Dumme ist: Die tun das nicht ohne Grund. Größere Gruppen sind potenziell natürlich auch anstrengender. Wer sich mal mit vier betrunkenen Jugendlichen über den Taxipreis gestritten hat, legt wahrlich keinen Wert darauf, mit sechsen davon auch noch über zusätzliche Zuschläge zu diskutieren. Desweiteren ist ganz hinten der denkbar schlechteste Platz, wenn einer kotzen muss. Da kommt keiner ohne Hilfe und mal eben schnell aus dem Auto. Außerdem bekommt man von den Leuten kaum was mit als Fahrer. Neben den Diebstählen von irgendwo hinten gelagerten Dingen kommen auch immer wieder ziemlich sinnlose Vandalismusschäden zusammen. Einem Kollegen wurde mal tatsächlich eine Flasche Motoröl ins Auto gekippt!

Ja, und so sieht sich manche Gruppe von 5 oder 6 Leuten inzwischen an den Taxiständen um und findet kein Großraumtaxi – wenngleich ein paar davon rumstehen. Vor ein paar Tagen stand ich dann am Ostbahnhof im Gespräch mit Yusuf und Manfred. Beides wirklich nette Kollegen – ihr wärt froh, wenn ihr sie als Fahrer erwischen würdet. Dann kam eine Truppe von 5 Leuten an und sondierte gekonnt deren Autos (die ersten in der Reihe) als Großraumwagen. Sie fragten an, ob 5 Leute in Ordnung wären. Yusuf wandte sich an Manfred:

„Du nehmen? Weisstu, isse meine Sitze kaputt.“

„Wat kiekste mir an? Ick nehm keene Fünfe.“

Also, was blieb? Klar… 😉

„Na kommt mit! Mein Auto steht da drüben. Aber ich muss noch kurz den Sitz ausklappen!“

Dann folgte der pädagogische Teil. Zunächst hab ich natürlich meinen Fahrgästen – wie euch auch – versucht, klarzumachen, weswegen die eigentlich netten Kollegen keine Großgruppen mehr mitnehmen. Die beiden hatten übrigens tatsächlich jeweils schon dreistellige Summen Verlust gemacht, weil ihnen Zeug geklaut und beschädigt wurde.
Dann hab ich das natürlich mit der Bitte verknüpft, mir keinen Grund zu geben, in Zukunft auch so zu handeln.

Das haben sie natürlich auch nicht. Ihre Fahrt hat etwa 15 € gekostet – plus den Zuschlag eben. Darauf gab es dann noch generöse 3,50 € Trinkgeld für meinen netten Service, der eigentlich hauptsächlich aus der Selbstverständlichkeit bestand, sie mitzunehmen.

Anschließend hab ich natürlich die beiden Kollegen wieder aufgesucht, um ihnen den Fünfer Mehreinnahmen genüsslich unter die Nase zu reiben und ihnen dafür zu danken. Und hey, eigentlich sollte ich mich nicht beschweren: So eine Fahrt kriegt man dann doch eher selten als 13. in der Schlange 😀

Ist schon ein komisches Gewerbe, ganz ehrlich…

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Vorsicht, eklig!

Für alle fantasielosen Leser (ja, ich kümmere mich selbstverständlich auch um die Minderheiten!) wollte ich hier nochmal ein kleines Foto vom „Unglück am frühen Samstagmorgen anbringen:

Happy Hochwürging! Quelle: Sash

Happy Hochwürging! Quelle: Sash

Lasst euch nicht den Tag verderben. Ich hab es auch nicht getan 🙂