Und nun…

finde ich, dass wir mal diskutieren sollten, was im Taxigewerbe notwendig (bzw. sinnvoll) ist, und was nicht.

Hammer-Kiste ;) Quelle: Sash

Hammer-Kiste 😉 Quelle: Sash

Im Übrigen finde ich an der Sache eines wirklich geil: Sie machen Werbung mit unseren Preisen: „Hummer fahren zum Taxipreis“ steht in der hinteren Seitenscheibe.

Wieder ein Überfall

Ja, zwischenrein einmal mehr die traurige Meldung, dass es abermals einen Überfall auf einen Berliner Taxifahrer gab. Der Kollege ist dabei zwar offensichtlich wenigstens renitent gewesen, hat aber letztlich doch einiges verloren. Verdammte Kacke!

Alles Gute an ihn!

Kleines Facebook-Missgeschick…

Die Facebook-Gruppe der GNIT-Leser wächst weiterhin. Schön! Noch sind es knapp über 50 Leute, die sich da angesammelt haben – aber wir sind alle gespannt, wie viele es noch werden.
Nun hab ich gerade eine Anfrage von einem Philipp […] versehentlich ignoriert und weiss nicht, wie ich ihn dennoch hinzufügen kann (bin ja selbst eher Facebook-Noob).

Zum einen würde ich mich natürlich freuen, wenn Philipp es noch einmal versucht, zum anderen kann ich den nachfolgenden Leuten – ich hoffe ja, es kommen noch ein paar – nur anraten, es nochmal zu versuchen, falls zwei Tage lang keine Antwort kommt. Die Gruppe ist öffentlich, und wenn die Anfrage unbeantwortet bleibt, dann liegt das wohl daran, dass ich daneben geklickt habe… 🙁

Also: Neuer Versuch!

😀

Plazenta-Preise

Marius hat mir via Kontaktformular (schon vor zwei Tagen, sorry!) folgende Frage zukommen lassen:

Moin Sash,

mich interessiert, wie die Reinigung nach einer Geburt im Taxi gehandhabt und auch bezahlt wird. Würde mich da gern über die ein oder andere Geschichte, vielleicht auch von Kollegen, freuen – mal was anderes als Kotzgeschichten. 😉

Ich gebe es zu: Ich bin überfragt!

Grundsätzlich ist es natürlich eine ähnliche Verunreinigung, ob man hier allerdings vom juristisch gebotenen Vorsatz oder einer Fahrlässigkeit ausgehen kann, weiss ich nicht. Also falls ein Kollege sowas schon mal gehabt hat – oder ein Anwalt so einen Fall schon mal hatte, dann würde mich das persönlich auch interessieren. Ich hatte bisher erst einmal die klassische „Dringend, es kommt gleich!“-Fahrt, und die ging (glücklicherweise) so aus, dass wir das Krankenhaus noch rechtzeitig erreicht haben.

Ich bin Taxifahrer

Was für eine Weisheit, das sollten ein paar Leser schon bemerkt haben 😉

Ich habe inzwischen angefangen, Bücher von Taxifahrern zu sammeln, weil es interessant ist, zu sehen, wie unterschiedlich die Menschen in diesem Gewerbe über ihre Erlebnisse erzählen. Gut, dazu bräuchte ich nicht zwingend Bücher lesen. Wir sind inzwischen im Jahr 2011 angekommen, wir haben das Internet und etliche Kollegen von mir bloggen inzwischen. Aber es gab auch andere Zeiten.

Ein besonderes Schmuckstück hat Ozie mir zu meinem Geburtstag organisiert, ein Buch, das sich wohl nicht mehr so einfach im Handel finden lässt:

Wilhelm Schuster: Ich bin Taxifahrer

Der Titel klingt schon so unmöglich, und der Untertitel

Vierzig Jahre hinterm Steuer
Erlebnisse aus erster Hand

irritiert auch ein wenig. Aber – und damit kommen wir zum Thema – das ist eigentlich gar nicht so verwunderlich, denn das Buch wurde 1972 herausgegeben. Da liefen die Uhren noch anders. Und ich meine nicht nur die Taxameter!

Man merkt dem Buch das Alter an allen Ecken und Enden an. Der damals sicher seltene Schreibstil mit allerlei Dialekt und Umgangssprache wirkt inzwischen etwas hölzern, die Sensation, ein Buch übers Taxifahren zu schreiben, will einen kaum mehr hinter dem Ofen vorholen, aber besonders wichtig ist: Es spielt in einer Zeit, in der Taxifahren erkennbar anders war als heute.

Während man heute recht beiläufig erwähnt, dass es sich um eine Dienstleistung für Kunden handelt, liest man aus Schusters Buch regelmäßig heraus, wie sehr damals der Fahrer Herr im Auto war und Kunden gefälligst Ruhe zu geben hatten. Sehr schön zum Beispiel die Antwort auf einen Kunden, der ihm hinten am Stand ins Auto steigen wollte:

„Geht nich, Vadder. Hier läuft alles schön der Reihe nach.“

Die Geschichte beginnt mit einer Erinnerung an einen getöteten Kollegen, und man erfährt bereits, dass Schuster zum Zeitpunkt des Schreibens selbst nicht mehr fährt. Zu guter Letzt wird klar, dass er „zum Krüppel geschossen“ wurde, insgesamt eine tragische Rahmenhandlung. Eingebettet in diesen Rahmen findet man dann ein Potpourri der denkenswertesten Fahrten. Wie bei einer 40-jährigen Geschichte nicht anders zu erwarten, finden sich dabei eine Menge Kuriositäten. Diese werden meist schnell erzählt, ohne großen Pathos, ohne sich zu viel mit Details aufzuhalten. Das klingt in der Tat etwas dröge. Man nehme nur den eigentlichen Anfang:

Ich heiße Wilhelm Schuster, bin 60 Jahre alt und von Beruf Taxifahrer. Fast vierzig Jahre lang habe ich auf dem Bock gesessen, davon gut die Hälfte in eigener Regie, denn ich hatte etwas auf der hohen Kante, und als meine Frau Lisbeth ein kleines Erbteil ausgezahlt bekam, kaufte ich den ersten Wagen.

Nein, stilistisch reizt das Buch heute sicher niemanden. Was es aber durch den Inhalt wieder wett macht. Die Geschichten sind zu schön, um nicht erzählt zu werden, und besser, es ist so geschehen als gar nicht.

Schuster erzählt beispielsweise von einer bekannten Schauspielerin, die ihn am Stand auswählt, weil sie den Wagen – der nur ein geliehenes Auto war – so toll fand. Mit ihr machte er eine stundenlange Überlandfahrt, aß und trank Alkohol mit ihr, und alles endete damit, dass das tolle Auto den Geist aufgab, die Diva ihn beschuldigte sie töten zu wollen und er kein Geld bekam.

Geschichten dieser Art, zu bekloppt um sie sich auszudenken, machen das Buch letztlich dann doch zu einer unterhaltsamen Lektüre. So liest man gespannt, wie Schuster einen Prinzen bei sich zu Hause frühstücken lässt, einen gesuchten Gewalttäter auf dessen Wunsch zur Polizei fährt, eines Diebstahls beschuldigt wird oder sich selbst von einem Nackten das Taxi klauen lässt. Und das alles erstaunlich unaufgeregt, hier und da mit etwas Hamburger Mundart garniert.

Dazu kommt wie bereits angedeutet der Zeitaspekt. Die ganzen Geschichten spielen zu einer Zeit, in der die Taxen noch alle schwarz waren, das ein oder andere Mal greift Schuster sogar zurück in die Zeit des Nationalsozialismus. Die Schilderungen über seine Frau – wie sie beispielsweise seine Hose für einen Empfang mit dem Bundespräsidenten herrichtet – wirken aus heutiger Sicht total antiquiert, und ich war mehr als einmal dabei, den Autor ob mancher Einstellungen beherzt scheiße zu finden.
So wettert er gegen Ende, als einige junge Kollegen den Schützen aufgebracht haben, der ihn anschoss, dass er es immer noch nicht verstehen und gutheißen könne, wenn Männer mit langen Haaren herumliefen. Eine völlig fremde Welt, aus der das Buch für mich letztlich die Faszination gezogen hat, die es auf mich hatte.

Das Ende darf ich hierbei keinesfalls untergehen lassen. Denn Schuster beendet das Buch mit einer alten Geschichte, als er einen Jungen im Auto hatte, der wohl noch nie mit einem solchen zu tun hatte. Und gibt es ein besseres Ende für ein Buch, das von einem angeschossenen Taxifahrer geschrieben wurde, als dieses:

Dunnerkiel! Der Reedereiinspektor sah dem Buttje an, daß es ihm fast das Herz brach, nun aussteigen zu müssen. Er drückte mir zwei Reichsmark in die Hand und sagte:
„Fahren Sie ihn man dafür noch’n bißchen durch die Stadt.“
„Wo soll die Reise denn hingehn?“ fragte ich den Lütten.
„Bis da, wo Hamburg zu Ende ist!“ rief er.
„Fährt das Auto so weit?“
Es fuhr.
Barsch und Stör! Ja, ich würde wohl doch wieder Taxifahrer werden, wenn ich die Wahl hätte.

Wohl nicht.

Wilhelm Schuster: Ich bin Taxifahrer
1972 Lichtenberg Verlag, München
ISBN 3 7852 1132 5

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Selbstbeweihräucherung

Ist zeitlich ein diffiziles Timing mit diesem Artikel…

Aber irgendwann im Umfeld der letzten oder nächsten zwei Stunden hat gestern-nacht-im-taxi.de dann die 100.000 Besucher-Grenze (nach der Zählweise von blogcounter.de) überschritten. Nach nur 6 Monaten!

Überhaupt: 6 Monate. Ein halbes Jahr also. Ich weiss, ich schreibe gerade nicht viel auf meinem privaten Blog – aber mal ehrlich liebe Kritiker von damals: Ist es nicht auch hier halbwegs gemütlich geworden? Also ich finde, dass es gerade eigentlich super läuft. Und meine Zeit und Lust zu schreiben hat schon immer ein wenig geschwankt.

Ich bin ehrlich gesagt stolz. Ich hoffe, das nimmt mir niemand übel. Aber gut, eigentlich ist hier ja Platz für Taxi-Content. Und den schreibe ich jetzt mal besser…