Taxifahrer und Krankenhäuser

So, ich werde in den nächsten Stunden ein wenig schlafen und anschließend als Taxikunde ein wenig durch Marzahn torkeln. Das hat nichts mit gestörtem Tag-Nacht-Rhythmus und Drogenmissbrauch zu tun, auch wenn’s mir besser gefallen würde als die Zahn-OP unter Narkose, um die es eigentlich geht. Aber gut, während ich auch ohne Prügelei mal „dicke Fresse“ ausprobiere, dürft ihr natürlich auch alle mal fremdlesen.

Eine kleine nette Taxifahrt aus der Kundensicht hat Nessy niedergeschrieben. Und auch dort geht’s zum Krankenhaus. Gefällt mir. 🙂

Wenn ihr sowas findet, könnt ihr mir gerne eine Mail schicken. Ich freue mich immer über Texte aus dem Taxi und ich verlinke sie gerne. Diesen hab ich wie so vieles über Maximilian Buddenbohm gefunden.

Noch ’ne Baustelle …

Ich hab hier über Rassismus geschrieben, kurz davor war mehr nebenbei in den Kommentaren auch Sexismus ein Thema – eines, das jetzt durch die #Aufschrei-Debatte immerhin auch in den Massenmedien breitgetreten wird.  Was aus all den Missständen in unserer Gesellschaft wird, ist nicht abzusehen. Noch nicht einmal, wie sich die Debatte entwickeln wird. Es kommen ja immer und immer wieder aus allen Löchern die Leute gekrochen, die „War halt schon immer so“ für ein brauchbares Argument halten.

Die nächste brachliegende Baustelle, Homophobie, hat Aro in einem sehr lesenswerten Text aufgerissen. Wie meine Fahrt mit Aguso ist es nur eine kleine Taxigeschichte, eine kleine, fast schon private Story – und dennoch Spiegelbild einer Gesellschaft, die sich zwar inzwischen hier und da redlich müht, Gleichberechtigung zu schaffen, in der es aber dann doch wieder in allen möglichen Nischen daran mangelt. Und wenn es „nur“ die Familie ist.

Mich bewegt diese Geschichte, denn im Gegensatz zu den ganzen „Kritikern“ führt mir das doch immer wieder vor Augen, dass ich völlig unverständlicherweise Glück gehabt habe – einfach, weil ich zufällig ein interesse für Frauen entwickelt habe. Die Vorstellung, dass meine Umwelt – noch dazu Respekts- und Vertrauenspersonen – mir das auszureden versucht hätten, die geht ganz ehrlich nicht einmal ansatzweise in meinen Kopf!

Und trotzdem passiert das zigtausendfach. Hier und heute. Und Aro hat einen von ihnen getroffen. Naja, nicht nur getroffen 😉

Und eine geniale Taxigeschichte ist es noch dazu.

Glück mit kurzen Touren (3)

Nein, reingelegt! 🙂

Noch eine kurze Tour kann ich gerade gar nicht vorweisen. Zumindest keine erwähnenswerte vom Stand aus. Aber ich würde mich freuen, von Euch (sowohl von Kollegen als auch Kunden) zu hören, was ihr zum leider öfter vorkommenden Ablehnen dieser Fahrten sagt. Also ganz ehrlich, auch wenn es vielleicht nicht meiner Meinung entspricht. Dass da nicht alle meiner Meinung sind, weiß ich schon selbst … 😉

Tut mir den kleinen Gefallen und stimmt drüben im Taxihaus-Berlin ab:

Taxihaus-Berlin – Das mit den kurzen Fahrten …

Aguso aus Freiburg

„Entschuldigung, wie weit isses denn etwa bis zum Kottbusser Damm?“

„So ungefähr drei Kilometer, Pi mal Daumen acht Euro mit’m Taxi.“

„Echt? O Prima. Ich würd‘ dann noch aufrauchen und wenn bis dahin keiner kommt, fahr ich mit Dir. In Ordnung?“

„Sicher doch!“

Er hat dann noch aufgeraucht, zwei Minuten später saß er schon auf dem Beifahrersitz. Ein netter junger Mann, gepflegter Bart, Kurzhaarfrisur, lässige Freizeitklamotten und eine mir nicht näher bekannte Form von Mütze auf dem Kopf. Die Strecke war nicht lang, man sollte meinen, arg weit über Smalltalk komme man dabei nicht raus. Besuch in Berlin, Freunde, Berlin ist echt schön, mal was ganz anderes und hey: Du kommst doch auch aus Süddeutschland, oder?

„Erwischt.“

„Cool, woher genau?“

„Stuttgart, direkt.“

„A Stuargarder! Ich komm aus Freiburg, war aber oft in Stuttgart zum Feiern!“

Und noch einmal vier, fünf Sätze über Berlin, Stuttgart, die Unterschiede – dann wurde er schnell nachdenklicher:

„Berlin is‘ schon geil. Alles größer, bessere Clubs … ich war gern in Stuttgart, aber hier kann ich wenigstens mal wirklich weggehen, ohne mir’n Kopf zu machen. Ich weiß nicht, wie Dir das ging, aber bei mir – schau mich an! – war’s immer erstmal nervig!“

Ich hab mich in den letzten 15 Jahren verbogen und verhaspelt, um diese Scheiße irgendwie verständlich auf den Punkt zu bringen und hab’s dabei nur selten über genervte Reaktionen meiner Gegenüber gebracht. Jetzt saß er hier neben mir, im Taxi in Berlin, und regte sich als Betroffener über den Alltagsrassismus auf. Aguso – mit diesem Namen stellte er sich zum Ende der Fahrt hin vor – war, auch Nachts unschwer zu erkennen, von schwarzer Hautfarbe. Und:

„Jedes Mal, wenn ich in Stuttgart weggegangen bin, obwohl nee – nicht übertreiben! – aber drei von vier Mal, ha’m se uns angehalten und kontrolliert, gefilzt. Das ganze Programm. Und hier: nie!“

Ich hab ihm zu verstehen gegeben, dass ich das durchaus auch kenne. Wobei ich damals natürlich den Vorteil hatte, mir meine langen Haare zusammenbinden zu können und die Antifa-Buttons von der Jacke nehmen. Dann ein Hemd angezogen und schon war ich als perfekter Deutscher niemals in der Verlegenheit, meine Taschen entleeren und zusehen zu müssen, wie sich bewaffnete Uniformierte darüber lustig machten, was ich an Lesestoff dabei hatte oder welche Kondommarke. Aguso sprach, im Übrigen ruhig und gelassen, nicht aggressiv, allenfalls frustriert, weiter:

„Ich war ja auch mal in Köln. Da is‘ schon eher wie hier. Hab da auch Leute kennengelernt, aus Eritrea. Als die das gehört ha’m, meinten die, wir wär’n ja paranoid, so’n Quatsch, alles Bullshit, sowas gibt’s doch gar nich‘ hier! Und dann waren die zu Besuch und ich – des is‘ jetzt echt scheiße, das so zu sagen – ich fand das richtig lustig, dass uns die Bullen gleich am ersten Abend gefickt haben. So richtig. Total unverschämt. Die ha’m uns so hart rangenommen, die Kölner Mädels ha’m angefangen zu flennen …“

Es ist kein Geheimnis, dass ich nicht deswegen nach Berlin bin. Ich bin nicht in Berlin, weil ich Stuttgart hasse. Im Gegenteil, ich finde es heute sehr sehr schön, gewissermaßen zwei Heimatstädte zu haben und ich hätte kaum meine Hochzeit in Stuttgart gefeiert, wenn es mich da uneingeschränkt wegziehen würde. Auf der anderen Seite liegt mir das ja durchaus auch reale schwäbisch-spießige Weltbild so fern, dass ich mich wohl selbst mit Wolfgang Thierse im Taxi recht gut unterhalten könnte (andere Meinungsverschiedenheiten natürlich nicht ausgeschlossen).

Von außen, als Unbeteiligter, ist man irgendwie immer gezwungen, konstruiert und aufgesetzt zu wirken. So lange man nicht selbst betroffen ist, wirkt man immer irgendwie unglaubwürdig und muss sich nicht minder konstruierte Gegenargumente anhören. Sicher, Aguso ist nicht der erste, den ich kennenlerne und ich habe selbst schon ein von der Polizei durchsuchtes Zimmer auf meiner Liste zu verzeichnen. Aber ein ums andere Mal macht das ein wenig fassungslos. Die erste Verkehrskontrolle nach 10 Jahren Führerschein ist lustig, klar. Und bei der ersten „unabhängigen Personenkontrolle“ wundert man sich allenfalls. Und ja, das für sich ist kein großes Thema.

Aber irgendwann steht man da und pfrimelt aus seinem Geldbeutel die Adressen von Kumpels, weil es die Cops nichts angeht, mit wem man zu tun hat. Da steht man in der U-Bahn, greift sich in die Tasche und denkt sich:

„Scheiße, ich hab mein Taschenmesser noch einstecken. Hoffentlich machen die da keinen Stress wegen!“

Die berühmte „Schere im Kopf“ wirkt sich plötzlich nicht „nur“ auf Kunst und Kultur, sondern aufs Alltagsleben aus. Und das wegen der Hautfarbe? Man sollte meinen, wir Menschen wären langsam mal darüber hinweg.

Aguso z.B. war wahrscheinlich das Musterbeispiel für Integration. Akzentfreies Deutsch, besser noch: leicht schwäbischer Dialekt! Lässig, aber ordentlich, Student, Maschinenbau (Fachkräftemangel, anyone?), ein sympathischer Mensch mit einem Lächeln bei jedem noch so traurigen Satz, am Stuttgarter Hauptbahnhof, etwa sechs Stunden vor unserem Treffen das letzte Mal kontrolliert,

„nur so normal, Ausweis zeigen halt.“

Unser Innenminister fordert derzeit mal wieder neue Anti-Terror-Gesetze, z.B. wegen gewaltbereiter Salafisten. Aguso wird sich künftig wahrscheinlich auch noch Gedanken darüber machen, ob sein Bart weit genug gestutzt ist. Ich hielt nach nur viel zu wenigen Minuten mit 7,80 € auf der Uhr, die wie selbstverständlich mit einem Zehner ohne Rückgeld beglichen werden. Noch ganz im Thema, verabschiedeten wir uns mit gequältem Lächeln voneinander.

„Wie heißt Du nochmal?“

„Sascha.“

„Sascha. Ich bin Aguso. Cool! Meine erste Bekanntschaft dieses Mal in Berlin. Und: a Schwoab!“

Und dann ist er feiern gegangen, vermutlich ungestört. Ich nehme an, seine Taschen hat er vorher dennoch überprüft. Sicher ist sicher.

Mutiger Kollege

Ich hatte mich gestern schon gewundert, was am Ostbahnhof wieder los ist. Eine Stunde vor Mitternacht brach ein Höllengewitter von Polizeisirenen von überall her über die Gegend herein und als ich mit einem Kunden die Halte verließ, sah ich an der Koppenstraße einen Kollegen quer auf der Straße stehen, umringt von drei Polizeiwagen. Dazu kamen dann noch etliche weitere, ein wirklicher Grund zum Anhalten bot sich nicht. Niedlich zu erwähnen wäre noch der Cop, der sich verfahren und mich auf der Schillingbrücke in Richtung Kreuzberg überholt hat – um dann an deren Ende pflichtschuldigst zu wenden und den Kollegen hinterher zu eilen, die ihm auch dort entgegen kamen.

Was da los war, hat mich in Anbetracht der Taxibeteiligung durchaus interessiert, meine nächsten Fahrtziele allerdings waren Kreuzberg, Kleinmachnow und Rudow. Und danach hatte ich das Tara auch wieder vergessen. Aber auch für solche Fälle hab ich ja die Polizeipressemeldungen abonniert. Und siehe da:

Taxifahrer hält Räuber fest

Im Übrigen keinen Taxiräuber. Der Kollege hat einen Raubüberfall beobachtet und den vermeintlichen Täter mit dem Taxi verfolgt und die Polizei verständigt. Der Kollege hat von der gestrigen Schicht sicher noch mehr zu erzählen als ich …

Sind Taxen politisch aus der Mode?

Zu den Irrungen und Wirrungen bei der Modemesse Panorama derletzt habe ich mich auf der Seite meiner Chefs ausgelassen. Ist nicht uninteressant, was sich da neben dem gelegentlich auflodernden Streit um den neuen Flughafen jenseits der Öffentlichkeit in den letzten Wochen abgespielt hat. Und ein wenig zynisch ebenso.

Hier geht’s lang: Aus der Mode: Taxen?

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Zweitarbeitsplatz

Keine Sorge: was das Taxifahren angeht, bleibe ich meiner Firma treu! Und auch sonst gibt es nichts neues. Ich hab bloß ausnahmsweise mal ein aufgeräumtes Zimmer und hatte deswegen mal wieder die Chance, ein Foto bei mir zu machen. Glaubt mir, es ist sehr schwer, solche Zeitpunkte abzupassen …

Meinen ersten Arbeitsplatz, den mit Airbag und gesetzlicher Krankenversicherung, kennt ihr ja: die 1925. Von dort aus schreibe ich ja aber nicht. Falls es also jemanden interessiert, wo man mich normalerweise vorfindet, sollte man zum auserwählten Personenkreis gehören, der meine Wohnung betreten darf:

Beispielhafter Lebensraum eines gemeinen Sashs, Quelle: ebendieser

Alles unspektakulär, ich hab immer noch nicht zu einem einheitlichen Style gefunden. Für Tipps von Innenarchitekten bin ich dementsprechen natürlich immer dankbar … 😉