Die Ausnahmen (die es meistens gibt)

Insgesamt war die Fahrt stressig. Erst sollte es zum Alex gehen, dann aber zu einem Lokal. Und ja, das kannte ich nicht. Was für ein Vergehen in einer 900km²-Stadt! Darüber hinaus wechselte stets die Mehrheitsmeinung, ob ich nun zum Alex oder zum Lokal fahren sollte. Mach dies, mach das, und warum zur Hölle haste eigentlich keine Ahnung, Du bist schließlich Taxifahrer!?

Ih, bäh!

Dabei gab’s nicht mal ein Problem: Sie konnten mir vom Alex aus ohne Probleme den Weg zeigen und der am Ende aufgelaufene Umweg, weil ich ganz zu Beginn wegen der anderen Zielangabe in die falsche Richtung gestartet war, blieb im 1€-Bereich. Trotzdem war ich am Ende froh, die Bande loszuwerden, manchmal fühlt sich so ein Zehner ja auch äußerst hart verdient an.

Aber ja, ein Zehner! Stellt Euch das mal vor! Schließlich hat der letzte Taxifahrer sie – von wo auch immer und mit welchen Angaben auch immer – doch für kaum 9 € ans Ziel gebracht!!!einself!

(Mal abgesehen davon, dass wir auch noch einen Umweg gemacht haben, weil einer der vier sich vorher ins Hotel hat bringen lassen.)

Entsprechend spannend war es beim Bezahlen: „Ich zahl nicht mehr als zwei Euro!“, „Ich hab eh kein Geld mehr“, „Wo ist jetzt mein Fünfer hin?“ … *nerv*

Aber nachdem sich der Fahrpreis (inkl. ca. 2% Trinkgeld) endlich zusammengefunden hatte, reichte mir eine junge Dame noch ein Zwei-Euro-Stück. Fast schon ein bisschen konspirativ. Und sie begründete das folgendermaßen:

„I …, I like you, really! I wish you would come with us to the bar.“

Da wäre ich ja fast schwach geworden. Glücklicherweise war ihr das mindestens genauso peinlich und sie hat das Weite gesucht.

PS:
Zugegeben: So offensichtlich ist es selten. Aber bei fast allen Idiotengruppen findet sich irgendwer, der sachlichen Argumenten zugänglich ist, das Verhalten der Kumpels doof findet oder sonstwie zumindest einem Seitenwechsel nahesteht. Die ausfindig zu machen entschärft viele Problemtouren, nur mal so als Tipp für die Kollegen!

2 Kommentare bis “Die Ausnahmen (die es meistens gibt)”

  1. Cliff McLane sagt:

    „bei fast allen Idiotengruppen findet sich irgendwer, der sachlichen Argumenten zugänglich ist,“

    So wahr, so wahr …

    Sash, wenn du mal die Nase voll vom Taxifahren hast, dann werd‘ doch auch Sozialarbeiter. Mir fällt es manchmal schwer aus zehn Idiotennasen die eine Nase rauszufinden, mit der man reden kann, und die die Gruppe zusammenhält und auf Vordermann bringt; aber wenn du die mal hast, dann läuft’s. Die Gruppe wird dann zwar kleiner, weil die fünf Hauptidioten auf Nimmerwiedersehen verschwinden, aber vier bleiben. Und damit lässt sich arbeiten.

  2. Sash sagt:

    @Cliff McLane:
    Ich danke Dir für die wiederholt vorgetragene Einladung in diesen Bereich. 🙂
    Aber so schnell werde ich die Seite vermutlich nicht wechseln, meine Lust auf diese Arbeit hält sich dann doch in Grenzen gerade. Außerdem vermute ich: Wenn ich mal keine Lust mehr auf Taxifahren hab, dann am ehesten wegen der Verdienst- oder der Menschen-Geschichte. Und das sieht bei Euch ja auch nicht wirklich besser aus …

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