Gegen die MyTaxi-„Fairmittlungsgebühr“?

Es raschelt mal wieder laut im Blätterwald des Taxigewerbes. Der Grund ist recht einfach: Die Anbieter der App MyTaxi ändern ihr Preismodell. Bislang verlangten sie eine Pauschale von 79 Cent pro vermittelter Tour, zukünftig sollen die Fahrer selbst einen Prozentsatz angeben können. Ursprünglich 3 bis 30%, inzwischen scheint MyTaxi auf 3 bis 15% zurückgerudert zu sein. Wie viel ein Fahrer abzugeben bereit ist, soll Einfluss auf die Vergabe von Fahrten haben.

So weit, so ui. Der Aufschrei der Branche ist groß. „Abzocke!“ wird gerufen, die „Geldgeilheit“ des Unternehmens wird kritisiert und es wird vorausgesagt, dass das letztlich in einem Preiskampf der Taxifahrer enden wird und die Kunden benachteiligt werden, weil sie nicht mehr das nächste Taxi bekommen, sondern den Fahrer, der am meisten zahlt. Selbst eine Petition wurde gestartet, um MyTaxi zum Einlenken zu bewegen, sprich: es so zu lassen wie bisher.

Klingt soweit ganz logisch, oder?

Um ehrlich zu sein: Finde ich nicht.

Sicher, es ist eine große Änderung, die MyTaxi da plant – und außerdem glaube ich, dass sie das nicht sonderlich clever angegangen haben. Diese Panikwelle und dieser Aktionismus, der jetzt durch die Branche geht und den man bei anderen wichtigen Themen vermisst, ist aus meiner Sicht aber auch ziemlich bekloppt.

Fangen wir mit dem Offensichtlichen an: Ja, MyTaxi will Geld verdienen. Ich bin selbst ein großer Freund von sozialem Engagement, aber MyTaxi war auch als es zur Einführung von all jenen gelobt wurde, die es jetzt kritisieren, kommerziell ausgerichtet. Sie verdienen ihr Geld, indem sie Taxifahrten vermitteln, ebenso wie das andere auch tun. Im Übrigen auch unsere Funkzentralen. Natürlich ist das kapitalistisch. Wie unser Verhalten und das unserer Chefs auch. Also ich fahre auch Taxi, um Geld zu verdienen. Ihr nicht?

Zockt MyTaxi uns ab? Ich würde sagen: Nein. Es ist ein neuer Anbieter von Vermittlungen, der jetzt seine Preise ändert. Abgesehen davon, dass diese neuen Preise hier und da gar nicht höher sein werden, kann man als Fahrer heute wie morgen entscheiden, ob einem dieser Dienst das wert ist. Und, mit Verlaub: Wer jetzt rumflennt, weil sie ja so eine große Marktmacht haben, der soll sich mal an die Zeit vor 3 Jahren erinnern. Da hatten die Funkzentralen viel mehr Marktmacht, nämlich quasi ein Monopol (in manchen Städten nicht nur quasi). Und bei denen war die Entscheidung, sie zu nutzen oder nicht viel komplizierter. Inklusive teurer Geräteeinbauten und all dem Schmu, der klaglos hingenommen wurde.

Zu guter Letzt aber der wirklich fast schon lustige Punkt: Das „Gegeneinander ausspielen“ der Taxifahrer, das bislang quasi das Hauptargument ist: „Wenn man nur so Aufträge bekommt, müssen ja alle auf 15% stellen!“ und noch besser: „Das ist ja ein Nachteil für den Kunden, wenn er nicht das nächste Taxi kriegt!“

Mal ganz ehrlich, liebe geschätzte Kollegenschaft: Auf welchem Planeten seid Ihr bisher Taxi gefahren?

Daran, dass wir uns selbst ausbeuten, ist jetzt MyTaxi schuld? Das ist interessant. Ein Euro mehr an eine Fahrtvermittlung ist jetzt ein riesiges Problem – aber an 10 Stunden Arbeitszeit nochmal zwei ranhängen, weil man den Umsatz noch braucht, den sonst der Kollege der nächsten Schicht gemacht hätte, ist normal? Ein teureres Auto kaufen, um mehr oder bessere Fahrten zu bekommen, ist normal – bei MyTaxi 2% mehr zu zahlen nicht? Sich bei der Funkzentrale anzumelden, die mehr Fahrten im eigenen Gebiet anbietet, ist normal – bei einer App mehr zu zahlen, um mehr Aufträge zu bekommen nicht?

Ich weiß nicht, wo Ihr diese Fairness und Gleichheit, die Euch MyTaxi jetzt angeblich nimmt, bislang hattet. Natürlich versuchen wir unsere Konkurrenz zueinander in zivile Bahnen zu lenken, aber wir fechten diesen Kampf seit Jahr und Tag mit Geld aus. Oft verdeckt in Form von Arbeitszeit und Funk- oder Unternehmenszugehörigkeit, dennoch läuft es darauf hinaus.

Und die Kunden, die „jetzt nicht mehr das nächste Taxi kriegen“?

Das ist genau der selbe Selbstbetrug! Rufe ich mir nachts beim Innungsfunk ein Taxi, kommt wahrscheinlich ein Kollege aus, sagen wir mal Lichtenberg, hergefahren. Vom Bärchenfunk aber steht einer nur 300 Meter entfernt am Eastgate. Der wird ebenso total unfair übergangen, weil er bei der „falschen“ Zentrale ist. Und das passiert zigtausendfach täglich. Auch sprechen die Funkzentralen zuerst die Taxistände an, selbst wenn gerade drei freie Taxen vor meinem Haus hin- und herfahren. Beim Digitalfunk wiederum entscheidet die Anwesenheitszeit im Sektor und keineswegs die wirkliche Nähe zum Kunden über die Vermittlung einer Fahrt. Außerhalb Berlins ist das noch viel auffälliger: Vielerorts vermitteln die Unternehmen jeweils ihre eigenen Taxen, da interessiert es kein Schwein, dass die Konkurrenz direkt ums Eck steht und der eigene Fahrer noch eine halbe Stunde braucht, weil er derzeit noch eine andere Tour fährt. Das ist nicht immer schön, aber sicher nicht der Untergang des Abendlandes, wenn es seit 50 Jahren funktioniert.

Ich will damit nicht sagen, dass ich es schön fände, wenn aus all dem eine Preiserhöhung bei MyTaxi resultieren sollte. Und da kann man meinetwegen dagegen sein, wir brauchen schließlich alle unsere Kohle. Aber dann doch mit stichhaltigen Argumenten.

Überhaupt: Preiserhöhung! Habt Ihr mal ausgerechnet, was das neue Modell für die unliebsamen 5€-Touren bedeutet? Stimmt, die sind automatisch immer billiger als bislang. Und wo bitte ist es unfair, dass z.B. ein Fahrer, der auf eine Anbindung an eine Funkzentrale verzichtet und (finanziell gesehen) enger mit MyTaxi kooperiert, mehr abgibt als ein Fahrer, der mit Doppelfunk im Auto für ein zwei zusätzliche Fahrten im Monat nur noch 3% entbehren will? Und entspricht es nicht tatsächlich viel mehr der Lebensrealität von uns Taxifahrern, dass uns eine Fahrt Montag nachts in Hellersdorf viel mehr wert ist als eine an Silvester um 2 Uhr in Mitte?
In Gegenden, in denen das Taxigewerbe noch nicht so komplett an die Wand gefahren ist wie in Berlin, ist es zudem sehr wahrscheinlich, dass sich die Prozente, die für MyTaxi gezahlt werden, je nach Auftragslage einpendeln werden und damit tatsächlich fairer werden als pauschale 79 Cent.

Gegenargumente gegen oben gesagtes vermisse ich bei all den Boykottaufrufen und Heulereien gerade.

Disclaimer: Gelegentlich nutze ich MyTaxi auch und Google blendet manchmal zufällig MyTaxi-Werbung oben in der Seitenleiste ein. Mehr hab ich mit dem Unternehmen nicht am Hut.

71 Kommentare bis “Gegen die MyTaxi-„Fairmittlungsgebühr“?”

  1. SaltyCat sagt:

    Das sind die selben Leute wie die, die in „meiner“ Branche nicht verstehen, dass man mit 4000 € Umsatz für 5.000 km mehr Geld verdient hat als mit 8000€ für 20.000 km … (selbst ohne die Unfallschäden durch Sekundenschlaf mitzurechnen …)

    Es gab eine Zeit, es war so ca. 2008, da hat die DPAG hier in Hamburg ihren Subunternehmern nur noch 27 cent / Lastkilometer bezahlt. Nicht, weil sie nicht bereit waren mehr zu zahlen, sondern weil jede Tourenausschreibung von fast 40 cent Ausgangspreis so weit runtergeboten wurde … Und wenn dann einer von diesen Mathegenies pleite ging, standen drei neue da. (Obs heute besser ist, weiss ich mangels verbliebenen Kontakten nicht)

  2. Sash sagt:

    @SaltyCat:
    Ich muss ehrlich gestehen, dass mir der Zusammenhang gerade nicht ganz klar wird.

  3. ThorstenV sagt:

    @Sash SaltyCat spricht generell von Selbstausbeutung durch Unterbieten (beim Preis) oder Überbieten (beim Service) der Konkurrenz, wofür Du ja einige Beispiele bringst (Zeit dranhängen bis zur Erschöpfung). Kapitalismus ist die Fortsetzung des Faschismus mit anderen (unauffälligeren) Mitteln.

  4. Sash sagt:

    @ThorstenV:
    Da lässt sich bloß irgendwie schwer rauslesen, was das jetzt im Bezug auf ein geändertes Preismodell eines Auftragsvermittlers bedeuten soll. 🙂

  5. Sven-Erik sagt:

    Nächste Woche mache ich Urlaub in der Türkei. Auf den türkischen Basaren, kann ich mich dann schon mal daran gewöhnen. Nichts anderes wird die Vermittlung dann werden.

  6. Andy sagt:

    Und die Kunden, die “jetzt nicht mehr das nächste Taxi kriegen”?

    Das Tolle an MyTaxi war doch das man sich die Karre selber aussuchen könnte. Also nach Fahrerbewertung, Modelldes Taxis oder sympathischen Namen. Ich hab nie das nnächste Taxi gewählt wenn ich per MyTaxi bestellt hab. Das dauerte zwar länger,aber ddafür konnte ich länger zu Hause bleiben, denn ich hab ja gesehen wann rr bei mir die Strasse hochkommt. Beim Telefonietaxi heisst es fünf bis zehn Minuten und wann man Glück hat. Wartete man nur ein Kippenlange im Dunkeln / Regen / etc…

  7. Arno.nyhm sagt:

    @andy. Wie ging das denn dass man bei mytaxi auswählen kann? Ich bekomme ne vermittlung angezeigt und die ist (fast) schon unterwegs.

  8. Sash sagt:

    @Sven-Erik:
    Die bloße Anzahl der Argumente überzeugt mich enorm …

    @Andy:
    Ich denke nicht, dass sich das ändern wird, oder?
    Ich muss aber gestehen, dass ich von der Kunden-App keine Ahnung habe.

  9. elder taxidriver sagt:

    ‚Der Kunde muss den Preis nicht mögen‘. ( In diesem Fall: Der Taxifahrer)

    Diesen Satz hatte ich aus dem Wirtschaftsteil einer Zeitung aufgeschnappt und nicht vergessen. Der zugehörige Artikel
    von Georg Giersberg lässt sich leicht finden.

  10. Aro sagt:

    Interessante Betrachtungen. Was ich mich frage: Woher will myTaxi eigentlich wissen, wieviel Umsatz eine Tour eingebracht hat, um daraus die Gebühr zu errechnen? Sicher können Sie eine Strecke ausrechnen, durch die Abholadresse und wo man die Fahrt beendet – aber damit sind noch nicht die verschiedenen Kriterien berücksichtigt, die den Preis beeinflussen.

  11. Sash sagt:

    @elder taxidriver:
    Radikal ausgedrückt, aber nicht falsch, so lange es ein optionales Programm ist.

    @Aro:
    In erster Linie wird es um die Fahrten gehen, die über ihr eigenes Bezahlsystem abgewickelt werden. Bei den anderen Touren weiß ich das aber auch nicht, muss ich zugeben.

  12. elder taxidriver sagt:

    ‚Die Suche nach dem vollkommenen und fairen Preis ist eine derart komplizierte und zeitraubende Lebensaufgabe, dass man getrost behaupten könnte, dass allein das der Grund für unsere Existenz ist‘.

    Nilton Bonder

  13. Sash sagt:

    @elder taxidriver:
    😀

  14. Jens sagt:

    Gegenargumente:

    „Panikwelle und Aktionismus“
    sind m.E. angebracht, wenn ein bis dato zuverlässiger Geschäftspartner aus heiterem Himmel sein Preismodell ändert und dies obendrein erst mit einer überaus kurzfristigen Kündigung ALLER Verträge mitteilt.

    „Daran, dass wir uns selbst ausbeuten, ist jetzt MyTaxi schuld?“
    Eindeutig ja! Es hätte wahrscheinlich nicht annähernd soviel Widerstand gegeben wenn einfach nur der pauschale Preis erhöht worden wäre. Durch die Umstellung auf ein Bieter-System wird ganz klar auf die Unvernunft bzw. die Dummheit einiger Taxifahrer gesetzt. Der Gewinner dabei ist NUR myTaxi.

    „Ich weiß nicht, wo Ihr diese Fairness und Gleichheit, die Euch MyTaxi jetzt angeblich nimmt, bislang hattet.“
    Fairness und Gleichheit gab es bisher bei der Auftragsvergabe durch mT immer. Hier ging es ausschliesslich um Entfernungs- und Kundenbewertungskriterien. Das geht jetzt verloren, weil das neue System weitere Kriterien einbezieht und teilweise anonym (soll heissen: Für den einzelnen Fahrer nicht nachvollziehbar) arbeitet. Wer sagt mir, das die von mT vorgeschlagene Provision (welche sich aus dem Durchschnitt der abgegebenen Gebote errechnen soll) wirklich stimmt und ich den Auftrag wegen einem vermeintlich höherem Gebot nicht bekomme? Bei der aktuellen Vergabemethode weiss ich, das es nicht vom Geld abhängt!

    „Und die Kunden, die “jetzt nicht mehr das nächste Taxi kriegen”?“
    Selbstbetrug? Nein, denn den Kunden ist es nach wie vor überlassen wo sie ein Taxi bestellen. Aber wenn ein Kunde bis jetzt mit einer überaus schnellen und unkomplizierten Vermittlung zufrieden war (wie die meisten mT Kunden es wohl sind) und sich nun eine Verschlechterung nicht nur bei den Anfahrtzeiten ergibt, wird der Kunde sich wahrscheinlich nach Alternativen umsehen und somit die Auftragslage bei mT verschlechtern.
    Ein Taxifahrer der bei einer bestimmten Zentrale fährt, wird nicht unfair übergangen nur weil der Kunde sich für diese und nicht für die andere Zentrale entschieden hat. Der Taxifahrer hat sich schliesslich auch, unter welchen Umständen auch immer, für diese und nicht die andere Zentrale entschieden.

    „Überhaupt: Preiserhöhung! Habt Ihr mal ausgerechnet, was das neue Modell für die unliebsamen 5€-Touren bedeutet?“ Ja, habe ich. Zum einen ist eine 5,-€ Tour, egal bei welcher Vermittlung, sehr selten. Zum anderen liegt der durchschnittliche mT-Umsatz pro Tour bei mir um die 16,-€. Um es nicht mit einer Mehrbelastung (ggü. den jetzigen 0,79€) bei der Vermittlungsprovision zu tun zu bekommen, dürfte ich nicht mehr als 5% bieten. Ob ich dann aber noch die entsprechende Anzahl Touren vermittelt bekomme ist mehr als fraglich. Mein Anteil mT-Touren vom Gesamtumsatz lag im letzten Jahr etwa bei 33%.

    „Und entspricht es nicht tatsächlich viel mehr der Lebensrealität von uns Taxifahrern, dass uns eine Fahrt Montag nachts in Hellersdorf viel mehr wert ist als eine an Silvester um 2 Uhr in Mitte?“
    Zum Teil schon. Aber würden ALLE Kunden an Silvester mehr für eine Taxifahrt bezahlen? Sicherlich nicht. Genauso wenig möchte der Taxifahrer/Unternehmer „Montag nachts in Hellersdorf“ weniger verdienen, nur weil jemand der Meinung ist, man könnte doch glücklich sein überhaupt eine Tour zu bekommen. Das grenzt fast schon an Erpressung.
    Und nichts anderes hat myTaxi hier vor!

  15. Daniel sagt:

    Darf man fragen wer die Gebühr trägt? Dein Chef, du, oder beide anteilig?

  16. Thomas sagt:

    @aro @sash Der Fahrpreis jeder einzelne Tour von my Taxi + Trinkgeld soll vom Fahrer via Handy übermittelt werden. Also nicht nur die Touren mit dem eigenen Bezahlsystem. My Taxi sagt, das der Fahrer dann keine Quittung mehr schreiben muss und die Kunden ihre Quittungen per E-Mail erhalten. So hab ich es verstanden!?
    @ Sash
    Wer sagt dann das du die Tour mit 3% mehr die du angibst überhaupt erhältst!!! Der nächste Kollege bietet schon 6% usw. Wie viele Fahrer dürfen denn gleichzeitig mit bieten? Woher weist du das es nur ne 5 € Tour wird. Steht das Fahrziel gleich mit dabei? ( Mir ist es egal !)
    Mein Chef zahlt die Funkgebühren! Also spiele ich mit dem Geld vom mein Chef! Da ich ja jede Tour bekommen will,ist ja mein Geld, setzt ich den Regler auf 15% und mein Chef hat die Arschkarte!!! Du bekommst ne Tour von der Andreas Str zum SXF sind ca 35 € mit Trinkgeld selbst bei 10% sind das 3,50 € für my Taxi!!!! Wer zahlt denn bei dir in der Firma die Funkgebühren? Du selber oder dein Chef? Also für jemanden der sich ab und zu darüber beschwert (siehe Mindeslohn), das wir zu wenig Geld verdienen, finde ich deine Aussage zu diesem Thema sehr interessant! Wenn ich dich hier richtig verstanden habe, sollen sich mal alle nicht gleich so aufregen, weil myTaxi ja noch mehr vom großen Kuchen (der immer kleiner wird) ab haben will?? Sorry aber bin ich die Wohlfahrt für große Unternehmen? Für Start Ups die von Mercedes Benz und der Telekom unterstützt werden!
    Mfg Thomas

  17. Knut sagt:

    Mit dieser Einstellung zum Taxigeschäft bist du der prototypische FDP-Wähler Sash. Das meine ich ganz wertneutral.

  18. koma sagt:

    –Achtung Mathe–

    wenn ich jetzt mal meine Durchschnittstour annehme, (die liegt bei etwa 13€ und ich fahre ein Großraumtaxi),
    dann sind die 3% – 15% also 0,39€ – 1,95€.

    sollte die Gebühr nun Gaussverteilt sein (das mit der Glockenkurve), ergibt sich eine mittlere Gebühr von 9%, also 1,17€.

    Das alleine würde schon eine Verteuerung um ca 67% ergeben gegenüber den 0,79€ pauschal bisher.

    Nun ist eine Verteilung von (Prozent-)Geboten, bei der es darum geht den Zuschlag zu erhalten mit Sicherheit nicht Gaussverteilt, sondern eher nach oben verschoben (also die Glocke) und somit auch der Durchschnittswert höher.

    Und wer jetzt meint, Solidarität unter Taxifahrern würde existieren, dem kann ich nur sagen: Stehen an einem Taxistandplatz X Fahrer, die eine Fahrt, die 50€ kostet, für 40€ angeboten bekommen, sagen X-1 Fahrer NEIN, aber eben leider doch einer JA (bei kürzeren Fahrten sinkt natürlich die Dumpingquote)

    Mir jedenfalls waren selbst die 79ct schon viel zu viel.
    Was nun kommt…….

  19. koma sagt:

    Ok, hab schon wieder mal nen Fehler reingebracht, was die Prozente angeht, 1,17€ statt 0,79€ sind natürlich nicht 67%, sondern NUR 48% mehr:-(

  20. Fastdäne sagt:

    Moin, moin,
    ich betrachte das jetzt mal als nicht mehr aktiver Kutscher: zum einen wird sicher nicht jeder Auftrag „meistbietend versteigert“ sondern es wird eher eine grundsätzliche Anmeldeeinstellung geben, in der die Vermittlungsprozente angeboten werden.
    Für mich erscheint der Aufwand für eine Vermittlung eigentlich immer gleich zu sein, egal ob der Auftrag nun 20 Euro bringt oder nur für 6,20 um zwei Ecken geht. Warum also unterschiedliche Gebühren?
    Und ja, auch mich erinnert das an Ausschreibungen an Subunternehmer, wo der billigste den Auftrag bekommt. Das erlebt ihr doch auch immer wieder bei den Ausschreibungen der Krankenkassen usw. Da fahren nachher wirklich irgenwelche Verzweifelten unter den eigentlich entstehenden Kosten.
    Gruß Frank

  21. JJ Preston sagt:

    Ganz einfach, liebe Taxler, denen MyTaxi nicht passt: Nutzt es nicht!
    Wie, dann geht Euch Umsatz verloren? Na, sowas aber auch…

    Wenn’s Euch nicht passt – gebt selbst eine Taxi-App in Auftrag! Softwareprogrammierer für Android, iOS und Windows Phone gibt’s ja nun genug, oder bringt’s Euch selbst bei – die Wartezeiten sind ja lang genug… die App selbst würde ich auf 10.000 bis 20.000 € Entwicklungskosten für Android, Windows Phone und iOS schätzen (etwas mehr bei zusätzlicher Sprachsteuerung für Sehbehinderte), dazu eine Host-Anwendung für Fahrer, die die GPS-Position des Taxis für die Vermittlung überträgt (8.000 bis 12.000 €), oben drauf kommen dann monatlich Serverkosten, Netzwerkanbindung mit Ausfallsicherheit, Personalkosten für die Abrechnung aller angebundenen Fahrer und für die Steuern, ggf. Provisionen an die App-Stores pro heruntergeladene App (bei Microsoft, Apple und Google jeweils 30% vom Kaufpreis, bei Blackberry dürfte es kaum anders sein), hin und wieder Updatekosten für die App, damit sie ggf. auch auf den neuesten Betriebssystemversionen laufen und neue Funktionen implementieren…

    Mag jeder selbst überlegen, welcher Betrag sich da als Kostenpunkt pro Fahrt rechnet – und ob man mit 79 Cent pro Tour auskommt, um damit Gewinn zu erwirtschaften.
    Meine Vermutung: Nein.

    Kleiner Tipp noch: Die Kunden können bei Euren Tarifen auch eher nicht mitreden und müssen auch das zahlen, was Ihr – als Monopolist für Start-zu-Ende-Verbindungen – als Preis aufruft. Und das sogar noch, ohne den genauen Preis vorher zu kennen. Stellt Euch vor, sämtliche Würstchenbräter würden nur noch ungefähre Preise auf ihre Tafeln schreiben und dann nach dem Braten nach Gewicht abrechnen, und Ihr müsstet es nehmen, ohne vorher zu wissen, ob die Currywurst nun 2,50 oder 3,50 € kostet…

  22. koma sagt:

    @JJ
    da haste das Pferd aber von der falschen Seite aufgezäumt.
    Nicht die Kosten die ich investieren muss rechtfertigen den Preis, sondern der Ertrag für den Nutzer.
    Der Nutzer(in dem Fall der Taxifahrer) kann halt einfach nicht mehr bezahlen, nur weil die Vermittlung durch einen Dienst aufgrund der Kosten unterbezahlt wäre.

    Mit 100.000$ Maschinen Goldsuchen, bei 1.000$ Ertrag war bestimmt im wilden Westen schon nicht erträglich.

    Soll heissen, wenn mir ein Vermittler horrende Preise für eine Vermittlung abknöpft, kann ich auf die Vermittlung auch gleich verzichten.

  23. JJ Preston sagt:

    @koma
    Natürlich könnten sie auf die App verzichten – aber warum dann der Aufschrei? Doch nur aus dem Grund, dass sie wissen, dass ihnen dadurch Umsätze verloren gehen würden, würden sie drauf verzichten. Sie wollen also eine App, die ihnen Umsätze bringt, aber sie darf nur 79 Cent pro Tour kosten und am liebsten sogar weniger.

    Aber wer sagt, dass MyTaxi mit 79 Cent Gebühr pro Tour seine laufenden Kosten inkl. laufende Kredite bezahlen kann? Ich kenne kaum ein Start-up, dessen Dienste nicht am Anfang defizitär bepreist sind, um sich am Markt zu etablieren. Die Kosten, die der Anbieter am Anfang hatte, habe ich gerade grob skizziert, denn das sind die Kosten, die die Taxler hätten, würden sie selbst eine App und die dahinterliegende Infrastruktur betreiben, und es kann jeder selbst rechnen, welche Variante am besten wäre: MyTaxi, eine eigene App oder gar keine App. Und meine Behauptung: MyTaxi ist auch mit dem neuen Preismodell noch lohnender als der Verzicht darauf. Schließlich können die auch nix dafür, dass das Angebot an Taxis die Nachfrage übersteigt und den Taxlern durch Standzeiten Geld verloren geht – im Gegenteil, deren App soll das ja eigentlich verkürzen.

    Wenn zu viele Taxler zu wenig Gewinne generieren, müssen sie halt schrumpfen oder schlimmstenfalls pleite gehen. Wenn MyTaxi kein Preismodell findet, das die Balance zwischen eigenen Kosten nebst Gewinnerwartungen und den Erträgen der Taxifahrer erreicht, dann geht auch MyTaxi pleite. So what? Das ist halt Marktwirtschaft! Da braucht sich keiner aufregen – das ist das Geschäftsrisiko…

  24. Aro sagt:

    Übrigens reden wir hier imm er über die falsche Zahl. Die Vermittlungsgebühr bisher ist 0,94 EUR, die 79 Cent sind netto.

  25. Jens sagt:

    @JJ Preston
    Na du bist ja wohl ein ganz Schlauer!?
    Hättest mal langsamer lesen sollen, dann wäre dir auch nicht entgangen, dass es hier um das PreisMODELL und nicht um die Höhe des Preises geht. Mit einer Preisanpassung wären die meisten von uns mT-Fahrern/Unternehmern vielleicht eher einverstanden.
    Im übrigen geht meine Vermutung wegen dieser ganzen Geschichte hier in die Richtung, dass die Investoren ihre Renditeerwartungen nicht erfüllt sehen und nun Druck machen.
    Die Geister die ich rief…., oder wenn man zu schnell zu viel will.

  26. Sash sagt:

    @Jens:
    Danke für die sachliche Auflistung!
    – Die kurzfristige Mitteilung würde ich unter „nicht so clever angestellt“ fallen lassen. Kommunikationsmäßig hat MyTaxi da wirklich nicht gerade sinnvoll gehandelt. Aber die Verträge mussten sie bei der Änderung kündigen. Ein „Stimmen Sie zu oder Sie fliegen!“ wäre wahrscheinlich nicht viel besser angekommen.
    – Wenn man es als pauschale Preiserhöhung sieht (es gehen doch alle davon aus, dass es „jetzt eh 15% werden“), was ist dann?
    – Auch bei MyTaxi wurde bisher nicht nur nach Entfernung vermittelt. Es war das Kriterium, nachdem die erste Anfrage gesendet wird. Daran ändert sich aber laut MyTaxi auch nichts.
    – Eine Verschlechterung bei der Anfahrtszeit ist für MyTaxi genauso kontraproduktiv wie für die Fahrer. Und wenn Kunden von MyTaxi abwandern, werden sie einen der anderen Wege nutzen, ein Taxi zu bestellen. Was die Preisstruktur von MyTaxi irrelevanter macht. Und ebenso wie wir frei bei der Wahl der Zentrale sind, sind wir es doch auch bei MyTaxi, oder?
    – Abgesehen davon, dass nach der bisherigen Aussage von MyTaxi nicht einmal unbedingt zu erwarten ist, dass sich arg viel an der Vergabe ändert (siehe deren offenen Brief): Es geht also am Ende doch nur konkret um die Erhöhung des Preises und die Frage, ob sich das lohnt. Die Frage kann man sicher negativ beantworten, hat aber nicht viel mit all der Apokalypse zu tun, die jetzt hochbeschworen wird. Ein Vermittler erhöht die Preise. Schade, ja, da sage ich auch nichts dagegen, dass man das nicht gut findet.
    – Erpressung liest sich natürlich dramatisch. Hat aber immer noch den Schwachpunkt, dass diese Emotionalisierung einer simplen Angebots-und-Nachfrage-Situation es eigentlich ist, die die Sache schwer macht. Wenn uns die Fahrten den Preis nicht wert sind, dann halt nicht. Der Druck entsteht eigentlich nur durch die Panik unter uns.

    @Daniel:
    Mein Chef. Er kann zudem auch die Preisspanne festlegen. Hab aber gehört, es soll in anderen Unternehmen durchaus auch anders sein.

    @Thomas:
    Natürlich sehe ich nicht, was für eine Tour es wird. Umso mehr spricht doch aber dafür, eine prozentuale Bezahlung anzubieten. Im Übrigen kann dein Chef bei MyTaxi die Spanne festlegen, die Du eingeben kannst. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass er auf Dauer recht wenig davon hält, wenn jemand immer den Vollbetrag rausballert.
    Und hey: Ich hab nix dagegen, dass wir sagen, eine Preiserhöhung machen wir nicht mit. Das ist doch völlig in Ordnung und bei dauerhaft 15% sehe ich auch keinen Spielraum. Aber deswegen würde ich auch den Regler nicht auf 15% stellen.

    @Knut:
    FDP-Wähler kann wertneutral sein? 😉
    Im Ernst: Ich bin kein Vertreter der Ansicht, das würde der Markt alles regeln. Aber MyTaxi ist nicht der Senat oder irgendein fieser Chef, sondern ein Anbieter, dem all die Kritiker hier seit Jahren freudig hinterherrennen, weil er ihnen angenehm Touren vermittelt.

    @koma:
    Ich werde mir auch stark überlegen, was mir eine Fahrt wert ist. Auf der anderen Seite: 3%, Stammkunden sichern, fertig.

    @Fastdäne:
    Das ist auch keine freie Versteigerung: Wenn 2 Taxen mit der gewünschten Ausstattung gleich weit entfernt sind, erhält derjenige die Anfrage früher, der mehr bietet. Das ist im Grunde alles.
    Der Einwand mit dem Aufwand der Vermittlungen ist richtig und das ist natürlich der Punkt: Ja, MyTaxi möchte gerne an den Gewinnen beteiligt werden. Da darf man dagegen sein und ich will das nicht schönreden oder so. Am Ende bleibt immer die Frage, ob es uns das wert ist.

    @JJ Preston:
    Ja, Du hast aber auch ganz gewaltig einen an der Waffel!
    Dass unsere Tarife staatlich festgelegt sind, weil wir keine privaten Anbieter, sondern öffentliche Verkehrsmittel sind, ist zwar eine der Schwierigkeiten für uns, mit Problemen wie z.B. der Bezahlung von MyTaxi umzugehen. Uns das vorzuwerfen, ist so widerlicher Scheißdreck, der nur beweist, dass Du vielleicht Ahnung von Apps, von sonst allerdings nicht viel hast.
    In einem Punkt hast Du allerdings recht: Unsere schlechte Lage hat nix mit MyTaxi zu tun, sondern ist haus-, bzw. senatsgemacht.

  27. SaltyCat sagt:

    @ Sash: sorry, wäre ich noch etwas wacher gewesen, hätte ich den entsprechenden Teil mitzitiert :/ ThorstenV hat schon zum Teil erkannt, worum es geht, allerdings ging es mir zumindest mit meinem ersten Satz explizit um die von dir aufgeworfene Frage, warum sich über steigende Preise beschwert wird, wenn doch ein grosser Teil der (Ostbahnhof-)Kurztouren in Wirklichkeit weniger Vermittlungsgebühr kosten wird 😉

  28. Sash sagt:

    @SaltyCat:
    Ah! OK. 🙂

  29. Thomas sagt:

    @ JJ Preston
    Du fährst nicht viel Taxi oder? Nur mal so zu Info! Die aktuellen Preise pro km müssen in jeden Taxi an dem rechten hinteren Fenster kleben! Laut Taxi Ordnung! Im Internet gibt es die Fahrpreise für jede Stadt oder Dorf+ Fahrpreisberechner! Oder du fragst den Taxifahrer ,was das ungefähr Kosten wird. Der wird bzw muss das so ungefähr wissen. Die Kunden können also nicht mitreden bei unseren Preisen? Kannst du das bei der Bahn, BVG oder Car 2 go bzw Drive Now? Was für ein Aufschrei würde es geben, wenn die letzten beiden ihre Wagen nur noch an die Kunden vermitteln, die den besten Preis zahlen! Die Bahn und BVG erhöhen sich ihre Preise jedes Jahr ! Kannst du da mitreden? Nicht wir Berliner Taxifahrer regeln die Preise, sondern der Berliner Senat! Was denkst du denn wer früher oder später auch mehr zahlen muss??
    Jens hat recht!! Es geht nicht nur um die Erhöhung.Es geht um die Art und Weise!! Alles wird teurer! Das my Taxi Geld verdienen muss ist uns auch klar! Aber der Ton macht die Musik! Mfg Thomas

  30. Daniel sagt:

    Was mich noch interessieren würde: Was ist denn mit den Alternativen?
    Wenn ich mal im Appstore suche finde ich unter anderem noch BetterTaxi, Taxi.de, Taxi.eu, Taxi Deutschland und für Berliner Taxi Berlin.
    Wieso weichen die Fahrer nicht auf einen der Alternativanbieter aus? Wird ja wohl einer ein Preismodell haben das passender ist.
    Letztendlich entscheiden doch die Fahrer ob das neue Preismodell bestand haben wird. Der Protest hat doch schon genutzt – die Obergrenze wurde von 30% auf 15% reduziert. Wenn die Fahrer konsequent genug sind, wird es da schnell wieder eine Rückkehr zum alten Modell geben.

    Was ich auch interessant finde, dass durch das neue Preismodell ja auch alle Routendaten an MyTaxi übermittelt wird. Daimler / Car2Go hängen ja bei MyTaxi mit drin. Und die Daten lassen sich doch sicher super verwenden, um optimale neue Car2Go Standorte zu finden – die ich durchaus mehr als Taxi als als Straßenbahn / Bus Konkurrenz sehe.

  31. Thomas sagt:

    @ Sash
    Aber machen wir uns nix vor! Für mich hat es myTaxi darauf angelegt, das die Fahrer sich pro Auftrag überbieten! Das das besser ist ?? Sorry momentan fällt mein Cent noch nicht 😉 Also bei dem Wettbewerb ,wird also der den Auftrag erhalten ,der das meiste bietet! Sind 15% !Du kennst doch das Gewerbe! Ist ja auch noch nicht geregelt wie viel Fahrer gleichzeitig mitbieten dürfen? Alle? Wie oft darf man denn sein Angebot überbieten? Fragen über Fragen! Wer zahlt denn eigentl. nun bei dir die Funkgebühren ? 😉

  32. Sash sagt:

    @Daniel:
    Ja, natürlich: es gibt Alternativen. MyTaxi wird halt viel genutzt, es bringt mehr Fahrten als die anderen Apps bisher. Die Routen müssten übrigens schon vorher an MyTaxi übermittelt worden sein. Zumindest ist GPS ja ständig aktiv gewesen, das ist bestimmt geloggt worden. Und Car2Go ist sicher einer von vielen Konkurrenten, aber eben auch nur für eine eng umrissene Zielgruppe. Unser großes Plus, nämlich der vorhandene Fahrer, macht doch einen großen Unterschied.

    @Thomas:
    Dass es MyTaxi freuen würde, wenn wir uns überbieten, ist schon klar. Aber dieses Basar-Gequatsche ist Bullshit. Nicht „jeder“ „darf mitbieten“ oder so. Das gilt nur für die Taxen, die ähnlich weit (laut MyTaxi sogar gleich weit) vom Kunden entfernt sind. Der ganze Heckmeck jetzt wird veranstaltet, weil jetzt eventuell ein anderer Fahrer 5 Sekunden Zeitvorsprung kriegt. Man wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch mit niedrigeren Geboten Fahrten kriegen. Zumal es auch nicht überall so heftig wie in Berlin-Kreuzberg z.B. ist, wo in einem Kilometer Umkreis im Durchschnitt 30 Taxen (mal grob geraten) unterwegs sind. Außerdem wählen viele Kunden Stammfahrer oder suchen sich aktiv welche aus. Auch das wird durch das Preismodell nicht geändert. Die Fahrten kriegt man jetzt alle günstiger, wenn man nicht ängstlich auf 15% hochstellt, weil man es psychisch nicht verkraftet, eventuell irgendwo mal bei einer Tour überboten zu werden.
    Und die Frage nach den Funkgebühren hab ich weiter oben Daniel schon beantwortet. Die zahlt bei uns mein Chef, als Angestellter bin ich also ohnehin davon abhängig, was er mir vorschreiben wird.

  33. Kraven sagt:

    >>Ja, natürlich: es gibt Alternativen. MyTaxi wird halt viel genutzt, es bringt mehr Fahrten als die anderen Apps bisher.

    Das aber vermutlich, weil man dort als Kunde am schnellsten Fahrten bekommt. Wenn jetzt alle Taxifahrer abwandern, finden die Kunden keine Taxen mehr und werden sich die anderen Anbieter ansehen und schon sind auch die Kunden bei dem für die Taxifahrer besten Anbieter. Es müssen halt nur genügend Taxifahrer mitmachen.

  34. Nietsgua Bokaj sagt:

    Dass MyTaxi die Heuschrecke des Taxigewerbes ist, habe ich schon vor drei Jahren gesagt. Dass eine solche Aktion nun kommt, war doch abzusehen. Wieso nun alle Kollegen so überrascht sind ob des kapitalistischen Gebahrens eines gewinnorientieren Unternehmens, kapiere ich nicht.

  35. Tom's Taxi sagt:

    Grundsätzlich hätte ich es jedoch für besser gehalten, wenn von vornherein ein fester Prozentsatz für die Vermittlung vorgegeben worden wäre, dann hätte das neue Modell keinen Auktionscharakter bzw. Bazar-Charakter.

    Problematisch ist jedoch die Übermittlung des Fahrpreises, da mT ehrlich gesagt meine Umsätze schon mal überhaupt nichts angeht. Das bisherige Preismodell war datenschutzrechtlich unproblematischer.

    Meiner Ansicht nach ist ein ein absoluter Trugschluß, daß man mit mT mehr Umsatz macht, da die Bestellung nur über einen anderen Kanal reinkommt. Exakt den gleichen Umsatz hätte ich auch gemacht, wenn der Auftrag über die Taxizentrale gekommen wäre.

    Und wenn das Geschäft läuft, brauche ich mT sowieso nicht. In schwachen Zeiten kommen auch über mT kaum Aufträge rein. Daher hatte sich das Thema mT nach einer Testphase für mich sowieso erledigt.

    Mich würde viel mehr interessieren, was eigentlich mit den gesammelten Daten so passiert: Umsätze, GPS-Tracking von Kunden und Fahrern, An- und Abmeldezeiten von Fahrern usw. Diese Daten verschwinden in einer BlackBox und keiner weiß, was damit gemacht wird…

  36. Jens sagt:

    @Sash:
    Du glaubst bis zuletzt an das Gute im Menschen ,oder?
    Zu deiner Vermutung: „Man wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch mit niedrigeren Geboten Fahrten kriegen.“ schau dir mal das hier an:
    https://fbcdn-photos-b-a.akamaihd.net/hphotos-ak-ash3/1524982_399645646838487_331416749_n.jpg
    Bemerkenswert ist der Tipp von mT. Noch Fragen?

    „Zumal es auch nicht überall so heftig wie in Berlin-Kreuzberg z.B. ist…“
    Ausser in den Randgebieten ist bei der mT-App Berlin nur als ein einziger schwarzer Klumpen von (meist) freien Fahrzeugen zu sehen.

    „Außerdem wählen viele Kunden Stammfahrer oder suchen sich aktiv welche aus“
    Als Stammfahrer werde ich nur bei Vorbestellungen oder wenn ich bei einem direkten Auftrag den Fahrgast in meinem Anfrageradius habe, bevorzugt angefragt. aktiv aussuchen geht m.K. nach nicht, man kann nur Kriterien wie z.B. 5-Sterne-Fahrer oder Zahlungsmöglichkeiten in die Suche mit einbeziehen.
    Ich fahre jetzt 2 Jahre mit mT. In dieser Zeit habe ich es selbst mit einer Bewertung von 4,89 nur auf 47 Stammkunden gebracht. Dadurch sind in dieser Zeit gerade mal 5 Touren zustande gekommen. Der Stammkundenanteil ist also zumindest hier in Berlin zu vernachlässigen.

    „Auch das wird durch das Preismodell nicht geändert.“
    Genau das ist ja das Problem! Bis auf die Stammkundenfunktion gibt es gravierende Änderungen!

    „Die Fahrten kriegt man jetzt alle günstiger, wenn man nicht ängstlich auf 15% hochstellt…“
    Das stimmt nicht! Rechenbeispiele gab es schon weiter oben. Selbst 3%-Fahrten werden ab einem Fahrpreis von etwa 25,00€ teurer.

    „Die (mT-Gebühren) zahlt bei uns mein Chef…“
    Ab 01.02.14 höchstwahrscheinlich nicht mehr. Es soll lt. Andreas keine weitere Zusammenarbeit zwischen unserer Firma und mT mehr geben. Wenn ich die Provision selbst bezahle (ich generiere mit mT immerhin etwa 30% des Gesamtumsatzes), wäre die Frage zu stellen, ob ich das bei der Steuer als Werbungskosten oder auch als Betrag für Arbeitsmittel abziehen kann.

  37. Sash sagt:

    @Jens:
    Natürlich glaube ich an das Gute im Menschen, ich bin schließlich Taxifahrer. 😉
    Zu dem Bild: Ja, das Prozentkriterium tritt nach der Entfernung an zweite Stelle. Dass MyTaxi so dämlich ist und auf die natürlich unschöne Tatsache verweist, dass damit das Qualitätskriterium in der Relevanz sinkt, das ist natürlich ein wahrhaft brillianter Schachzug. 😉
    In Berlin ist es natürlich schlimm. Daran ist aber nicht MyTaxi schuld. In anderen Städten (und vielleicht in den Randgebieten) könnte das Modell besser funktionieren.
    Bei der Sache mit der Auswahl seitens der Kunden hab ich mich bisher darauf verlassen, was Kunden mir gesagt haben. Ich hab die Kunden-App nicht installiert.
    Die Aussage, dass sich nichts ändert, muss ich nach derzeitigen Infos leider aufrecht erhalten, sorry. Zuerst wird nach Entfernung ermittelt und dann absteigend nach den anderen Kriterien. Auch wenn sich da die Prozente jetzt neu tummeln – sie stehen nicht ganz oben.
    Es stimmt: Natürlich kriegt man nicht alle Fahrten günstiger. Immerhin potenziell eher die kurzen. Aber da diskutieren wir jetzt wieder über den Faktor Preiserhöhung.
    Was die Regelungen mit der Firma angeht und eventuell steuerliche Sachen … das ist in der Tat ein interessantes Thema und da gibt es sicher noch einige Fallstricke. Aber das muss jetzt hier nicht erörtert werden, da geht’s auch um Interna, würde ich sagen.

  38. räusper sagt:

    Lieber Sash,

    die Argumente, die Du ins Feld führst mögen alle irgendwie Ihre Berechtigung haben, gehen aber meines Erachtens am Problem hier vorbei. Taxifahrer an sich sind immer auf sich allein gestellt und Solidarität wird eher klein als groß geschrieben. Dafür gibt es einfach zu viele, vor allem zuviele notleidende, denen das Gewerbe und seinem Befinden insgesamt auch gleichgültig ist. Da sind Argumente sich ein „besseres“ Auto zu kaufen, um mehr Fahrten zu bekommen, ganz automatisch im Repertoire. Die Kosten sind aber auch entsprechend höher, der Druck mehr einzunehmen dadurch ebenso. Das nennt sich Konkurrenzdruck und -kampf, schlicht Wettbewerb. Das gehört überall dazu. Ebenso gehört es dazu, dass bei mehreren Vermittlungsoptionen für den Fahrgast häufiger ein näher gelegenes Taxi „übergangen“ wird, weil es bei einem anderen Funk oder einer anderen App fährt. Das ist systembedingt und ein Manko des an sich begrüßenswerten Wettbewerbs. Dieses zu beheben, würde nur ein Monopol hinbekommen und das ist das deutlich größere Manko. Du hast sicher recht, dies in gewisser Form auch als nicht fair zu bezeichnen. Ich gehe davon aus, dass die meisten Kunden wissen, dass sie beim Anruf in der einen Zentrale oder beim Bestellen per App nicht immer das wirklich nächstgelegene Taxi bekommen, weil es mehrere Anbieter der Taxivermittlung gibt. Das nimmt ein Teil vermutlich bewußt in Kauf, der andere Rest wird es auch mehrheitlich gar nicht mitbekommen, wenn es so ist. Das Problem bei MyTaxi ist doch eher ein anderes. In erster Linie ist es ein absolutes Kommunikationsdesaster. Innerhalb von 22 Tagen einen Vertrag massenhaft zu kündigen und einen neuen vorzulegen, der diverse Fallstricke bietet, ist eben leider nicht fair.

    Ich zähle einzelne Punkte auf und versuche die zu erläutern, wo die Problematik liegt.

    Ein Auktionsmodell ist an sich eine gute Sache, um einen Gleichgewichtspreis zu finden, sprich den Schnittpunkt von Angebot und Nachfrage. Für ein Gut x wird unterschiedlich viel aus unterschiedlichen Motiven geboten und dieses eine Gut wird zum höchstmöglichen Preis verkauft (Ausschöpfung der maximalen Zahlungsbereitschaft). Für den Verkäufer das Optimum. Nun bedarf es aber einer gewissen Transparenz und die liefert MyTaxi meines Erachtens leider nicht. Ich kann weder sehen, wieviele Kollegen diesen durchschnittlich angezeigten Prozentsatz bilden und in welchem Umkreis. Orientiert es sich am eingestellten Auftragsradius oder einem fiktiven, willkürlich festgelegten Gebiet, womöglich für ganz Berlin? Zudem kann ich nicht erkennen, wieviele Aufträge denn in meinem eingestellten Gebiet tatsächlich vorhanden sind. Ohne diese zwei Kennzahlen kann ich de facto nur blind im Nebel herumstochern und eher zu hoch „bieten“ als zu niedrig. Sähe ich stattdessen, dass sich um durchschnitlich 5 Aufträge 30 Kollegen balgen oder um 10 Aufträge 5 Kollegen, könnte ich eine angemessene Gebühr einstellen, die für mich tragbar ist. So ist das aber leider nicht angedacht von MyTaxi. Als Angestellter wird man den Regler per se immer am Ende der Fahnenstange haben, solange der Chef diese Gebühr bezahlt. Als Unternehmer sprich Einzelfahrer werde ich eher darauf bedacht sein, auch hier evtl. noch zu sparen, um die durchschnittlich bisher gezahlte Gebühr von netto 0,79 Euro nicht übermäßig zu übertreffen. Jeder Unternehmer ist jetzt gezwungen und das ist an sich das Gute daran, für sich auszurechnen, wo liege ich denn betriebswirtschaftlich pro Fahrt und wieviel Prozent vom Ganzen kann ich denn für die Vermittlung einer Fahrt entbehren. Dabei entgeht im übrigen zahlreichen Kollegen, dass eine prozentuale Gebühr allemal sinnvoller ist als eine feste Bezugsgröße. 5% sind 5% von einer Summe X oder Y. 0,79 Euro eben prozentual gesehen nicht und fällt je nach Länge der Tour mal stärker, mal weniger stark ins Gewicht. Meine Befürchtung ist, und die teilweise indiskutablen Rechenkünste einiger Kollegen in diversen anderen Foren bestätigen dies leider, dass einige schlichtweg nicht rechnen können und daher für eher hohe Prozente fahren werden. Möglicherweise erledigt sich das Problem nach der ersten MyTaxi-Rechnung dann oder nach einigen Monaten. Bis dahin wirds wohl ein Auf und Ab sein, bei dem der einzelne nicht schwach werden sollte, über seine eigene auferlegte Maximalschwelle zu gehen, um betriebswirtschaftlich nicht auf dem Holzweg zu sein.

    Das insgesamt ist aber gar nicht mal mein Problem, weil ich weiß was ich maximal einstellen werde und wenn dann nichts kommt, kommt eben nichts über MyTaxi. Ich bin auch vorher ohne klargekommen und erst seit dem Sommer bei MyTaxi dabei. Insofern sehe ich diese Punkte relativ entspannt. Voraussetzung es kommt keine zusätzliche Grundgebühr. Dann werden die Karten neu gemischt und ich bin dann vermutlich raus.

    Mehr Sorgen mache ich mir aber über diverse andere Punkte in der AGB. Allen voran der Versuch uns vorzuschreiben, keine Quittungen mehr auszugeben. Diese werden dann von MyTaxi per e-Mail versendet. Mal davon abgesehen, dass es in der Praxis durchaus zu Abweichungen bei Besteller und Fahrgast kommt, ist es steuerrechtlich hoch brisant. Einem renitenten Fahrgast (und wir wissen alle das es solche Fahrgäste leider gibt), dem dieser AGB-Punkt in seiner Kunden-App durchgegangen ist und auf eine handgeschriebene Quittung pocht, wird entweder sich mit einer schlechten Bewertung am Fahrer „rächen“ oder vom Fahrer eine Quittung bekommen, damit eben keine negative Bewertung erfolgt. Dies wiederum zieht aber das Problem nach sich, für ein und diesselbe Fahrt zwei Quittungen ausgestellt zu haben und da auf der MyTaxi-Quittung meine Anschrift sowie die Konzessions- und Steuernummer womöglich vermerkt sein wird, ist das Ausstellen zweier Quittungen Beihilfe zur Steuerhinterziehung, da schließlich beide beim Finanzamt geltend gemacht werden können. Derlei Probleme binde ich mir ungern ans Bein. Zudem kassiert MyTaxi fleißig am Trinkgeld mit. Für die Vermittlung Geld kassieren zu wollen, ist legitim. Am Trinkgeld mitverdienen zu wollen, ist dreist. Das Trinkgeld bekommen wir für gute Leistung, guten Service oder aus irgendwelchen anderen Gründen. Weshalb sollte ich davon prozentual noch MyTaxi beglücken? Die Leistung erbringe ich für das Trinkgeld und nicht MyTaxi. Da der Kunde aber eine Quittung von MyTaxi bekommen soll und der Kunde natürlich auch das Trinkgeld auf seiner Quittung wiederfinden will, gibt es da einen eindeutigen Interessenkonflikt. Zudem behält sich MyTaxi vor, Umsätze zu schätzen und darauf Gebühren zu erheben. Der Gedanke der dahinter stehen wird, ist der der Vorbeugung von Betrug. GPS-Tracking oder die Quittungen zu kontrollieren sind im Verhältnis zu kompliziert um Betrug zu ahnden oder zu unterbinden. Denn was würde uns abhalten den „Fertig“-Button bereits kurz nach Fahrtantritt zu drücken und eben für diese 5,00 Euro die Gebühr zu berappen, wenn der Fahrgast deutlich weiter will? Hier kommt die Schätzung ins Spiel. MyTaxi weiß durch die vier Jahre seit sie am Markt sind ziemlich genau wieviel eine durchschnittliche Tour kostet, bundesweit und natürlich aufgeschlüsselt nach jeder einzelnen Stadt. Sollte jemand mit einer gewissen Quantität an Fahrten diesen Durchschnittswert signifikant unterschreiten, also sagen wir statt 12,00-13,00 Euro nur 6,00-8,00 Euro haben, wird man bei MyTaxi davon ausgehen, dass die Fahrten vorzeitig „abgebrochen“ worden sind und den Umsatz auf das Niveau schätzen, dass die anderen Kollegen haben. Rechtlich äußerst fragwürdig, weshalb dem Kollegen vermutlich eher eine Kündigung ins Haus steht. Sollte tatsächlich geschätzt werden, sehe ich schon einen Rechtsstreit am Horizont auf MyTaxi zukommen. Vermutlich wird man sich dann auf den einen oder anderen Fahrgast berufen, der zusätzlich noch die zu geringe Quittung monierte, aber insgesamt gesehen auf sehr wackeligen Füßen das Ganze.

    Das sich zudem MyTaxi vorbehält eine Grundgebühr zu erheben und die wird vermutlich kommen, wenn das Gebührenmodell so nicht funktioniert, ist obendrein kritisch zu beurteilen.

    Zudem vermute ich, dass MyTaxi massiv Daten sammelt und sammeln wird, um diese aufbereitet weiterzuverkaufen. Wann fährt wer, wie, womit, wielange, wohin und was macht er im Zweifel dort, kommt wann wieder zurück etc. Für Daimler (Investor von MyTaxi) mit ihrer Car2Go-Tochter sicher eine interessante Mobilitätsstudie und Ansatzpunkt für Standorte von Fahrzeugen zu ganz bestimmten Uhrzeiten etc.

    Unterm Strich sind für mich viele offene Fragen, diverse Punkte nahe am „No go“, vor allem die Quittungsnummer (übrigens ganz hervorragende Daten fürs Finanzamt). Bei Einführung einer Grundgebühr und der Schätzung von Umsätzen sicher der Zeitpunkt MyTaxi zu verlassen. Bei der Quittungsnummer hoffe ich noch auf Einsicht. Zur Zeit sieht es so aus, dass diverse Mehrwagenunternehmer in Berlin und vor allem in Hamburg mit einer jeweils dreistelligen Anzahl an Taxen sich gegen dieses Gebührenmodell ausgesprochen haben und zumindest in Hamburg das direkte Gespräch gesucht wird. Man wird abwarten müssen, was dabei herauskommt. Wenn es so bleibt, wie es ist, wird es vermutlich eher negative Folgen haben. Nicht unbedingt anfänglich, aber die Kunden werden wegbleiben, wenn tatsächlich alle die Kollegen den Vertrag ablehnen, die das jetzt vollmundig behaupten. Die Taxidichte wird bei MyTaxi abnehmen und die war außerhalb des S-Bahnrings ohnehin schon niedrig, während man in Mitte laut Display ohne die Straße betreten zu müssen vom Alexanderplatz bis zum Hauptbahnhof gekommen wäre, würde man nur über Taxen laufen. Muss der Kunden zu lange auf seinen Wagen warten, wird er schnell nach Alternativen suchen. Apps sind schnell gelöscht, andere sind inzwischen fast genauso gut oder gleich gut, die Zentralen sind sowieso immer eine Alternative.

    Zu guter Letzt muss ich Dir leider eine gewisse Naivität unterstellen, wenn Du das alles eher unkritisch siehst und das Pferd vom Fairnessfaktor aufzäumst und dies an Beispielen festmachst, die für eine so stark zersplitterte Branche ganz typisch sind.

  39. Bernd sagt:

    Ich bin während meines gesamten „Taxilebens“ nur in Dresden gefahren und wundere mich deshalb immer wieder, welcher „Vermittlungsurwald“ in vielen Städten so gewachsen ist. Wir haben in der gesamten Stadt etwas mehr als 500 Taxen und… – EINE Zentrale! Kann man eine Taxivermittlung besser lösen?
    NEIN, kann man nicht! Deshalb kann ich über die Probleme mit „Mytaxi“ nur lachen. Man versucht hier Probleme zu lösen, die man ohne diesen Anbieter gar nicht hätte.

  40. räusper sagt:

    Nachtrag:

    die Paymentgebühr für MyTaxi-Payment-Fahrten sollen dann übrigens wegfallen. Betrifft mich zwar nicht, aber das noch als Nachbemerkung. Wer allerdings glaubt, dies sei jetzt ein Vorteil, sollte auch hier die AGB lesen. Der Unternehmer erklärt sich nämlich vorweg bereit seine Payment-Forderung gegenüber dem Kunden an MyTaxi abzutreten und MyTaxi zahlt ihm diesen Betrag als Gutschrift dann aus. Klingt erstmal ok. Nur, die Fahrt wird mit 7% besteuert, die Gutschrift, der steuerrechtliche keine Taxifahrt de facto zugrunde liegt, wird mit 19% besteuert (muss allerdings einwenden, dass ich dies noch nicht durch einen Steuerberater gegenprüfen ließ – ist also meine persönliche steuerrechtliche Auffassung). Das heißt, MyTaxi streicht die Differenz aus den unterschiedlichen Steuersätzen ein. Kann 19% Vorsteuer aus der Rechnung gegenüber dem Taxifahrer geltend machen und führt selbst nur 7% ab. Der Taxifahrer darf 19% Umsatzsteuer ans Finanzamt abführen, statt 7% wie bisher. Wie gesagt, ohne Gewähr. Fair?

  41. Sash sagt:

    @räusper:
    Erst einmal danke für den langen Eintrag.
    Zum ersten: Selbstverständlich ist das ein Kommunikationsdesaster von MyTaxi. Und ich mache hier auch keine Werbung für das Modell, ich finde nur, es hat positive und negative Aspekte. Und – meines Erachtens nach noch schlimmer – als Negativaspekte werden vor allem Dinge genannt, die eigentlich Probleme des Gewerbes sind.
    An der Fairness aufgeknüpft hab ich es deswegen, weil eben die Kritik bislang auch ziemlich bescheuert in diese Kerbe schlägt. Sieh dich doch auf der Seite der Petition um.
    Insofern finde ich deine Kritik im Gegenzug absolut angemessen: Das mit den Quittungen z:b. wird eine schwierige Sache und das Mitverdienen am Trinkgeld geht keineswegs in Ordnung. Wobei die Geschichte mit dem Trinkgeld auf der Quittung ja auch wieder so ein Alltagsproblem ist.
    Mit dem Datensammeln hast Du ebenfalls recht, wobei das auch eine vom Preismodell unabhängige Geschichte ist und wie Du richtig erwähnt hast, bereits jetzt zumindest fragwürdig ist.

    @Bernd:
    Ähm ja … das wird lustig bei Euch, wenn mal irgendwer neue Ideen hat, ich seh schon.

  42. Seb sagt:

    Ich kann die vielen Argumente der Taxifahrer, die sich wohl etwas hinter’s Licht geführt vorkommen, schon verstehen.
    Denn eines ist klar: Nach den Berechnungen die myTaxi angestellt hat wird das Unternehmen mit dem neuen Modell natürlich mehr Umsatz generieren. Ist ja klar, denn sonst hätten sie es nicht eingeführt.
    Was ich etwas schade finde ist, dass das Unternehmen (sowie Investoren) als blutsaugende Kapitalisten dargestellt werden, die sich auf Kosten der Taxifahrer die Taschen noch voller schütten wollen.

    Fakt ist aber, dass myTaxi meines Wissens nach momentan immer noch komplett investorenfinanziert ist. Hat man vor 3 Jahren noch geglaubt das Fixpreismodell wäre angemessen um irgendwann den Sprung über die Gewinnschwelle zu schaffen, so sieht das mittlerweile anders aus. Das Auktionsmodell ist für mein Verständnis eher aus der Anspannung geboren, ein langfristig tragfähiges Geschäftsmodell auf die Beine zu stellen. Und das mit Sicherheit auch um die Investoren zu bedienen. Auch hieran sehe ich nichts falsches. Als Investor ist es doch ein ganz natürliches Bedürfnis früher oder später sein eingesetztes Kapital (im günstigen Fall plus Rendite) gerne wieder zu sehen. Wenn ich jemandem privat Geld gebe werde ich früher oder später auch den Anspruch erheben mein Geld wieder zu sehen. Ich finde das hat nichts mit Gier zu tun.

    Was das Auktionsmodell an sich angeht kann man sich schon darüber streiten ob das nun die optimale Lösung ist oder ob man besser den Fixpreis erhöhen hätte sollen. Ich weiß nicht wie die Verteilung der Fahrpreise aussieht aber bei einem neuen Fixpreis von 1,10 (mal angenommen) und Durchschnittsfahrpreis von 12 Euro wären das immerhin 8,5% was genau in der Spannbreite des 3%-15% Modells liegt. Wenn nun mehr Fahrten unter 12 Euro anstatt über 12 Euro liegen (aber das weiß ich nicht), dann wird der Fixpreis immer unangenehmer für den Taxifahrer. Mit weiteren Erhöhungen verschlimmert sich dieses Problem. Insofern finde ich das Auktionsmodell, zumindest was die Anpassbarkeit angeht, gar nicht so verkehrt. Steigt oder fällt der durchschnittliche Fahrpreis bzw. die Verteilung der Fahrpreise (warum auch immer sie das tun), so wandert der Marktpreis mit. Im freien Marktmodell eine prima Sache.
    Das hat natürlich auch eine hässliche Seite, da der Markt sehr brutal sein kann und gerade in einem so stark gesättigten Markt wie diesem es gerne zu Dumpings kommen kann bzw. kommt wie von vielen (richtigerweise) befürchtet wird. Ich frage mich ob der Markt sich wie im Lehrbuchmodell klären wird, manche Taxifahrer ausscheiden aufgrund von zu teuren Preisen und sich der Markt dadurch reguliert und zu fairen, angemessenen Preisen findet. Das weiß leider niemand so genau. Aber eines zeigt diese ganze Diskussion ja, nämlich dass der gesamte Taximarkt vollkommen überhitzt ist und ein ziemliches Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage besteht.

    Um nochmal auf myT zurückzukommen, irgendwie muss das Unternehmen reagieren, denn auch sie müssen überleben. Das aktuelle Fixpreismodell scheint langfristig nicht tragbar zu sein. Und wenn das Unternehmen pleite geht und der Service eingestellt wird ist irgendwo auch niemandem geholfen.

  43. Sash sagt:

    @Seb:
    Ich denke auch, dass es erwartbar war, dass ein Startup-Unternehmen irgendwann in den ersten Jahren die Konditionen ändert.
    Die Schwierigkeit ist aber natürlich, dass es derzeit tatsächlich auf einen Bankrott der Taxifahrer rauslaufen würde, wenn standardmäßig einfach mal 15% Provision für Touren gezahlt werden müssten. So hoch ist schlicht und ergreifend die Gewinnspanne nur in Ausnahmefällen. Da kann man als Taxifahrer natürlich von bösem Willen ausgehen. Vor allem: bis vor ein paar Tagen waren ja tatsächlich bis zu 30% im Gespräch. Da muss man natürlich sagen: Wenn jemand sich um den Preis von 30% seine Touren holt, geht er pleite. Das hätte MyTaxi sich vorher ausrechnen können, es ist schon dreist, diesen Fall mit einzukalkulieren. Kurios war, dass sich die Kritik meist explizit nicht gegen eine Preiserhöhung gerichtet hat. Deswegen hab ich obigen Artikel ja vor allem geschrieben.
    Denn wie Du schreibst: Der Vorteil einer frei regelbaren prozentualen Beteiligung ist vor allem die Anpassungsfähigkeit. Wenn im Gewerbe – oder sogar nur unter den MyTaxi-Fahrern – eine Entspannungssituation eintritt (was jetzt z.B. passieren könnte, weil viele aus Wut kündigen), dann könnte dabei tatsächlich eine faire Situation entstehen.

  44. Liz K. sagt:

    Wäre es nicht besser gewesen, dass my Taxi allgemein nur vom Fahrpreis eine bestimmte Prozentanzahl berechnen würde? Das würde dann heißen: von kurzen Fahrten nicht so viel an Gebühren bezahlen und von längeren Fahrten eben etwas mehr.

  45. JJ Preston sagt:

    @Sash
    Nein, so war das nicht gemeint, schon gar nicht als Vorwurf. Der Punkt ist: Der Fahrgast als zahlender Nutzer Eures Produktes kann Euch nicht in die Preise reinreden. Er muss das bezahlen, was es kostet, gemäß Tarif, der von der Branche beantragt und soweit genehmigt wurde. Oder sich ein anderes Verkehrsmittel suchen, das ihn meistens eben nicht in der gleichen Zeit von Punkt A nach Punkt B bringt, sondern von Punkt C, der in der Nähe von Punkt A ist, nach Punkt D in der Nähe von Punkt B. Soweit wohl unstrittig.

    Warum aber meinen dann die Taxler – mit einer Petition auch noch – in die Preisgestaltung bzw. das Preismodell eines anderen Unternehmens, dessen Produktes Nutzer sie sind, reinreden zu können? So, wie der zu Befördernde vor der Wahl steht, entweder ein – im Vergleich zu Bus und Bahn – teureres Taxi zu nehmen oder in Bus und Bahn Zeit zu verbummeln und die Wege zwischen den Anschlusspunkten zu laufen, steht Ihr vor der Wahl, entweder MyTaxi zu nutzen oder eben auch nicht.

    Ich würde auch am liebsten täglich mit dem Taxi zur Arbeit und wieder zurück fahren. Aber ich kann mir 62 Euro am Tag schlichtweg nicht leisten. Jammere ich deswegen? Werde ich deshalb um den Spaß des Vom-Taxi-Gefahrenwerdens betrogen? Bezeichne ich die Taxitarife deshalb als Abzocke?

    Eben nicht! Ihr versucht mit Euren Einnahmen über die Runden zu kommen, MyTaxi mit ihren, und wer sich das nicht leisten kann, muss es halt lassen. Aber wer MyTaxi Abzocke unterstellt, behauptet ja, dass sie mit den 79 Cent netto auskommen müssten. Ich sage: Die Behauptung stimmt nicht. That’s all.

  46. Ria sagt:

    Eigentlich ist die Sache nicht so kompliziert. Man kann sich fragen, ob durch myTaxi oder andere Vermittler mehr Umsatz im Taxigewerbe generiert wird. Wenn ja, ob die Steigerung die Kosten der Vermittlung übertrifft.
    Das bezweifle ich. Der Kuchen wird dadurch nicht größer, es gibt halt nur einen (neuen) Esser am Tisch, der ein größeres Stück möchte.
    Wer gibt also was ab? Ich fürchte, letztendlich die Fahrer. Wer Kosten abwälzen kann, wälzt ab. Vielleicht verhungert der eine andere Vermittler, das wäre ‚Marktbereinigung‘. Ist es aber auch, wenn Taxiunternehmen aufgeben. Oder Fahrer sich einen anderen Job suchen. Oder aufstocken müssen.
    MyTaxi macht das Gewerbe nicht schlechter, als es schon ist, aber auch nicht besser. Helfen könnte nur Solidarität zwischen den Fahrern und den Unternehmen. Dann könnte man Forderungen an den Senat stellen, gar streiken. Kann ich mir bei solchen Freibeutern nur schwer vorstellen. Aber wer weiß?

  47. Sash sagt:

    @Liz K.:
    Ja, das wäre in der Tat um einiges besser gewesen. Vor allem hätten sie dann jetzt nicht so einen Ärger. 🙂

    @JJ Preston:
    Na, so formuliert klingt es doch gleich ganz anders. In diesem Sinne auch ein Sorry von mir fürs rüde Angehen. Natürlich hast Du Recht. Ironischerweise ist das mit den Tarifen natürlich auch unser Problem: Dass wir keine beliebigen Gebühren zahlen können, weil unser Verdienst durch die Tarife gedeckelt ist.
    Ich denke auch: Die Preisgestaltung eines Drittanbieters und so ein Bohei?
    Man hätte damit rechnen können, dass ein junges Startup teils gravierende Änderungen am Geschäftsmodell vornimmt. Was, das muss man MyTaxi mal zu Gute halten, ja auch des öfteren in massivem Ausbau von Funktionen u.ä. passiert ist.
    Dramatisch ist das Ganze natürlich vor allem, weil wir nach jedem Strohhalm greifen und MyTaxi geradezu überrannt worden ist von Taxifahrern. Und jetzt macht das bei manchen halt einen guten Teil des Umsatzes aus.

    @Ria:
    Ich glaube nicht, dass da viel passiert. Ob der Umsatz durch MyTaxi größer geworden ist, lässt sich wahrscheinlich nicht mehr ermitteln. Wenn, dann war’s vermutlich nicht viel. Inzwischen haben sie halt etwas mehr macht, weil ein Teil des Umsatzes über MyTaxi läuft und den da wieder wegzuholen, wird schwer.

  48. SaltyCat sagt:

    interessanter Punkt von Ria … Gibt es eigentlich eine (zumindest ungefähre) Erkenntnis, ob durch die Einführung der digitalen Beauftragung via MyTaxi der „Kuchen“ grösser geworden ist, weil (überspitzt gesagt) jetzt auch die telefonscheuen Nerds ein Taxi bestellen können, oder hat sich das nur umgeschichtet, so dass Ria’s Rechenansatz zutrifft und der potentielle Umsatz (vor Gebühren) mit und ohne MyTaxi insgesamt identisch ist?

  49. SaltyCat sagt:

    ups, da haben wir uns wohl leicht überschnitten 🙂

  50. Sash sagt:

    @SaltyCat:
    Ich hab keine Zahlen dazu und ich bezweifele, dass sich aus Gesamtumsatzzahlen selbst im Falle einer Steigerung MyTaxi als Grund dafür rauslesen lässt. Das muss nicht heißen, dass es keine Steigerung gab. Aber im Grunde wären das rein akademische Fragen, denn inzwischen läuft eben ein Teil des Umsatzes über sie. Selbst wenn der Rest immer noch so hoch wäre wie zuvor, ist es bei uns halt dennoch zu wenig …

  51. Sash sagt:

    @SaltyCat:
    Da, schon wieder! 😀

  52. Joern sagt:

    interessante Debatte hier!

    Ein paar Anmerkungen zu den hier erwähnten Steuerthemen:

    a) natürlich kann man als Fahrer die MyTaxi-Provision (so man sie denn selbst bezahlt hat) als Werbungskosten steuermindernd geltend machen.

    b) der von „räusper“ erwähnte Steuervorteil zugunsten von MyTaxi stimmt nicht. Die Haupt-Leistung ist immer noch eine mit 7% zu besteuernde Taxifahrt, egal, wer das wem in welcher Reihenfolge berechnet. Also hat auch bei der Abtretung an MyTaxi die Gutschrift an den Fahrer/Unternehmer 7% Steuer, alles andere wäre falsch.

    Es könnte höchstens für MyTaxi ein Steuervorteil bei der Vermittlungsprovision entstehen. Bisher war das eine Provision = 19%. Jetzt wird es evtl. zu einer Nebenleistung, die steuerlich der Hauptleistung (=Taxifahrt = 7%) folgt. Ob sie das so machen können, und für welche Partei das ein Vorteil wäre, kann ich nicht beurteilen (dazu kenne ich zu wenig Vertragsdetails).

  53. Frank sagt:

    Einfach nur schade denn so kann es sein dass ein spitzen Produkt was MyTaxi zweifellos ist, kaputt gemacht Wird weil jemand den Hals nicht voll genug bekommen kann und mir kann einer erzählen was er will my taxi verdient richtig gut jetzt schon.Interessant ist auch die Frage wie es den Kunden gefällt das ihre Fahrt punktgenau gespeichert wird, ich persönlich würde das nicht so toll finden big Brother is watching you.
    ich hoffe dass my taxi sich das ganze nochmal überlegt denn so wie es momentan ist macht es richtig Spaß und ist fair für alle Seiten.

  54. Michael Klein sagt:

    Mich als Nutzer der App, stört einfach die dreiste Frechheit das MyTaxi uns Nutzer Belügt in dem sie behaupten das alles gleich bleibt, denn das stimmt nicht, durch das Auktions basierte Fahrten vermitteln werden die Anfahrtswege schnell weiter als bis jetzt, das heißt wir müssen länger auf die Taxis warten und der Fahrer ist noch mehr angepisst wenn es keine 40 Euro fahrt quer durch komplett Berlin ist sondern nur ne 16 Euro fahrt zur Arbeit oder so.

  55. Bernd sagt:

    @Sash
    Du befürchtest wahrscheinlich Chaos bei uns, wenn uns einer mit absolut frischen Ideen aus unserer schrebergartengleichen Glückseligkeit reißt. 🙂
    Dazu möchte ich nur anmerken, daß viele der hochgerühmten „Ideen“ noch auf Platon oder seine Zeitgenossen zurückzuführen sind, wobei dann historisch-wirtschaftlich weniger bewanderte Mitbürger an etwas vollkommen Neues glauben. Ich frage mich im Moment, warum es bei uns keine wirklich relevanten Rangeleien im Taxigeschäft gibt.
    Liegt das vielleicht daran, daß wir in unserem Schrebergarten die Probleme gar nicht mitbekommen oder haben wir wirklich keine?! Ich weiß es nicht.
    Weißt du´s?

  56. Joern sagt:

    @Frank: „mir kann einer erzählen was er will my taxi verdient richtig gut jetzt schon“: Woher weisst Du das? Gibt es Zahlen, wie viele Fahrten von MyTaxi jeden Tag vermittelt wird? MyTaxi hat nach eigenen Angaben 150 Mitarbeiter weltwelt … nehmen wir mal die Hälfte als feste Mitarbeiter an (so viele findet man alleine bei Xing), ein bisschen Technik-Kosten und Mieten usw. sind das locker 3 Mio. Euro, die letztes Jahr ausgegeben wurden – also 4,3 Mio Fahrten im Jahr, damit man seine Kosten deckt … das ist eine ganze Menge. (Und nochmal die gleiche Anzahl Fahrten wäre nötig, um die Verluste aus den Vorjahren wieder wegzufahren). Ich kann nicht beurteilen, ob MyTaxi jetzt schon „richtig gut“ verdient … kannst Du es?

    @Michael Klein: Deine Kritik kann ich als MyTaxi-Fahrgast nicht unterschreiben. Ja, es könnte sein, dass die Anfahrt länger wird. Meine Erfahrung bisher mit MyTaxi ist, dass entweder ohnehin Taxis ohne Ende in einem brauchbaren Umkreis um mich herum standen, oder dass ich ohnehin weit weg war und mehrere Minuten warten musste. Beides sehe ich nicht sonderlich gefährdet durch das neue Preismodell.

    Positiv finde ich die Quittungsfunktion und die Zahlungsmöglichkeit per App (die durch das neue Preismodell ja selbstverständlicher geworden ist). Als Geschäftsreisender bin ich froh über alles, was ich direkt mit meiner Firmenkreditkarte bezahlen und vor allem, wo ich keine Quittung aufbewahren muss. Wenn das zukünftig verbreiteter wird, finde ich das gut.

    Das Risiko, was ich sehe, ist: Wenn das neue Preismodell zu unfair ist (das kann ich nicht beurteilen, dafür kenne ich zu wenig Taxi-Hintergründe), dann werden weniger Taxifahrer MyTaxi nutzen. Das wird aber sehr schnell gehen – entweder rudert MyTaxi dann zurück. Oder die App verliert ihren

  57. Micha sagt:

    Reiz.

  58. Sash sagt:

    @Michael Klein:
    Dir ist schon aufgefallen, dass die Taxis zuerst nach der Entfernung ausgewählt werden, oder?

    @Bernd:
    Woher soll ich bitte wissen, wie es bei Euch läuft? Da traue ich Dir schon zu, dass Du das selber weißt. 🙂
    Aber hey, hier in Berlin vermittelt eine Zentrale gerade wieder einen Großteil der Fahrten, Tendenz steigend. Dennoch ist MyTaxi eingeschlagen wie eine Bombe und hat aus dem Stand weg einen ähnlich großen Fahrerstamm gehabt. Und die Kunden kamen auch schnell nach. Siehe Jens oben, der gute 30% seines Umsatzes so macht.
    Ich hab die Zentralen hier überwiegend als mauernde „Dit war schon immer so, dit bleibt immer so“-Sager mitbekommen. Ist vielleicht übertrieben, aber die sind von der App-Geschichte einfach überrannt worden und sind meines Wissens nach auch ziemlich am Rudern. Da ist es in meinen Augen naiv zu sagen, dass „sowas“ bei Euch nicht passieren kann.

  59. Michael Klein sagt:

    @Sash
    Ja werden sie, Beispiel, man bestellt nach dem neuen MyTaxis System ein Taxi, also werden alle taxis im näheren Umfeld (ca 5km) genommen und die die weiter entfernt sind außen vor gelassen, dann wird geschaut ob einer der Fahrer in dem näheren Umfeld in der Stammfahrer liste ist, wenn nicht geht das bieten los, wenn 50meter vom Besteller ein Taxi ist, aber nur 3% bietet und der Taxifahrer in 5km Entfernung 15% bietet bekommt zuerst der weit entfernte Fahrer die fahrt angeboten, und genau das ist im Gegensatz zum alten System. Beim alten System wäre der 50meter entfernte Fahrer zuerst angefragt worden. sollte sich in der näheren Umgebung kein freies taxi befinden oder die fahrt nicht angenommen werden wird die nächste Entfernungsstufe erst angefragt bis 7km, danach bis 10km usw.

    Also Sash, ist dir aufgefallen was der Nachteil ist?

  60. Joern sagt:

    @Michael Klein: „wenn 50meter vom Besteller ein Taxi ist, aber nur 3% bietet und der Taxifahrer in 5km Entfernung 15% bietet bekommt zuerst der weit entfernte Fahrer die fahrt angebote“

    WEISST Du, dass das so ist? Oder ist das nur eine Vermutung? Wenn wirklich jetzt Taxifahrer in >15 Minuten Entfernung den Zuschlag bekommen, wird MyTaxi für mich als Anwender den Reiz verlieren. Aber das ist doch reine Spekulation, keiner hier weiß doch wirklich, wie der Schlüssel zwischen „Provision vs. Entfernung“ ist, oder?

  61. Sash sagt:

    @Michael Klein:
    Mich würde das selbe interessieren, was Joern fragt. Denn das geht in der Tat nicht aus den bisher von MyTaxi veröffentlichten Statements hervor. Man muss MyTaxi nicht alles glauben, aber noch gibt es ja nix anderes an Infos.

  62. […] sehen jedoch nicht alle so. Mein lieber Kollege Sash postete auf seinem Blog Gestern Nacht im Taxi einen Artikel zum Thema, der eine interessante Diskussion zur Folge hatte, weil Sash die Maßnahme von myTaxi eher positiv […]

  63. marvin sagt:

    Schon die bisherigen Entgelte sind absurd hoch für eine vollautomatische Auftragsverteilung ohne jeglichen Service, den herkömmliche Taxizentralen Kunden oder Fahrern bieten. 15% vom Umsatz sind etwa die Hälfte dessen, was ein angestellter Taxifahrer vom Umsatz erhält. Geringverdienende Taxifahrer gegeneinander auszuspielen, indem man die Kunden versteigert ist „new economy Kapitalismus“ in seiner widerwärtigsten Erscheinungsform. Als versteigerter Kunde würde ich mir überlegen, ob ein solches Unternehmen nach Belieben speichern darf, wann ich zu welchem Preis wohin gefahren bin. Im besten Fall werden solche Daten nur für unerwünschte Werbung verwandt oder verkauft. Den schlechteren Fall kann sich jeder analog zu seinem Lebensstil ausschmücken.

  64. Joern sagt:

    marvin, das ist doch unsachlich. Es werden keine Kunden versteigert, und warum eine Vermittlung einer Taxifahrt automatisch „im besten Fall“ in unerwünschter Werbung enden soll, weisst wahrscheinlich nicht mal Du selbst.

    „Absurd hoch“ damit zu argumentieren, dass mytaxi eine vollautomatische Auftragsverteilung macht, ist nicht fair. Der Laden hat ein paar Millionen investiert (den Verlust der Vorjahre kann jeder im Jahresabschluss nachgucken, habe ich vor zwei Wochen im Zusammenhang mit dieser Debatte hier mal getan) um eine App zu entwickeln, Werbung zu machen und Fahrer und Kunden zu gewinnen. Und 15% vom Umsatz ist in vielen Branchen eine übliche Provision, warum nicht auch bei Taxifahrern?

    Was für ein Service ist das denn, den die herkömmlichen Taxizentralen den Kunden bieten (übrigens zu einem Preis für die Fahrer bzw. Unternehmer, der sicherlich weit über dem liegt, was die meisten an mytaxi bezahlen)? Wenn ich nicht gerade komplizierte Sonderwünsche habe, bestelle ich mein Taxi doch lieber in 10 Sekunden per App und kann gucken, wo der Fahrer gerade ist, als in einer Taxizentrale anzurufen, teilweise >1 Minute Wartemusik zu hören, ggf. noch auf die Suche nach Straßennamen gehen muss, damit ich dann „ja kommt gleich“ als einzige Rückmeldung bekomme.

    Ich will mytaxi nicht in den Himmel loben, aber ganz ehrlich: Wer als Fahrer die neuen Preise scheiße findet, soll halt verzichten. Vielleicht findest Du ja jemand anderen, der Dir für 50ct Provision (alles andere wäre ja absurd hoch) Kunden sucht, und zwar in Deiner Nähe und wenn Du gerade frei bist 🙂 Manche geben Geld aus, um Kunden zu bekommen (sei es für mytaxi, eine Zentrale, für Werbung, eine einfache Telefonnummer, für Provisionen an Hotelrezeptionen etc), aber es zwingt dich ja keiner.

  65. marvin sagt:

    Jörn, Du verwechselst offenbar gerade, unsachlich mit „nicht Deiner Meinung entsprechend“. Natürlich kostet die Entwicklung und vor allem die europaweite Akquise der Fahrer einen Haufen Geld. Ist der Markt aber erst – wie geplant – europaweit zu einem gewissen Teil durchdrungen, sprudeln die Einnahmen. Der automatisierte technische Vorgang des Zusammenschaltens von Kunde und Fahrer kostet kaum etwas. Diese Leistung ist nicht im Entferntesten mit der einer Taxizentrale zu vergleichen. Es wird von mytaxi mithilfe solventer Kapitalgeber ein unkompliziert zu verarbeitender Teil der Kundschaft des Gewerbes abgeschöpft und diesem kostenpflichtig wieder zugeführt. Ohne jegliche Verbindlichkeit oder Transparenz.

    Eine lauter arbeitende Taxizentrale muss darauf achten, ob das Auftragsangebot die Existenz der angeschlossenen Betriebe sichert. Mytaxi schüttet an alle aus, die die App heruntergeladen haben und den Provisionsregler hoch genug gezogen haben. Die 15% sind fast die Hälfte des Fahrernettolohns und deutlich mehr als die Kraftstoffkosten. Dabei geht der Wert von Aufträgen, die ohne jegliche Verbindlichkeit kleckerweise eingehen, gegen null. Dass Du die schlechtestmögliche Taxizentrale als Maßstab nimmst, rechtfertigt nicht das Verhalten von mytaxi. Und der Tipp, dass man einfach auf mytaxi verzichten soll, ist natürlich angesichts der mithilfe von Daimler und der Telekom angestrebten Marktführerschaft scheinheilig.

    Mytaxi verfügt über ein vollständiges Bewegungsprofil von Fahrern und Fahrgästen, verknüpft mit Abrechnungs-, Kreditkarten- und umfangreichen Kommunikationsdaten. Demnächst erweitert um die bar bezahlten Fahrpreise. Das unproblematisch zu finden, zeugt von einer gewissen Naivität. Ich persönlich würde einer Firma mit solch einem Geschäftsgebaren nicht vertrauen.

    Kleiner Tipp von mir: Es gibt unter http://www.taxiforum.de und http://www.taxi-magazin.de einige Informationsquellen zum Thema. Da kannst Du sogar mitdiskutieren, wenn Du sachlich bleibst.

  66. Joern sagt:

    Hallo Marvin … nein ich verwechsle das nicht. Nur etwas generell als absurd zu bezeichnen und das mit „Kunden versteigern“ zu argumentieren, fand ich dann doch etwas wenig 🙂

    Natürlich kostet der KONKRETE Vorgang der Vermittlung im Endeffekt nichts mehr. Umgekehrt zahlt man aber als Kunde (Fahrer) ja auch keine Aufschaltgebühr oder eine regelmäßige Grundgebühr, obwohl Aufbau und Unterhalt eine ganze Menge kosten.

    Du schreibst, es werden Kunden abgeschöpft und kostenpflichtig wieder zugeführt. Ist das so? Die Vermittlungen, die sich von der Taxizentrale (die auch nicht gratis arbeitet) auf MyTaxi verschoben haben, die haben doch nur den Vermittler gewechselt. Wenn morgen eine bessere (womit auch immer) Telefon-Zentrale antreten und die Kunden abwerben würde, oder wenn die bestehenden Zentralen den App-Markt nicht verschlafen/unterschätzt hätten, wäre das Ergebnis doch die gleiche. Die Winker werden weiterhin winken. Und ich z.B. fahre öfter Taxi, seit dem es komfortabler geworden ist (ich kann vorher gucken, ob ein Fahrer in der Nähe ist und kann bis zum Eintreffen des Fahrzeugs warten).

    Übrigens, kleine Zwischenfrage: Ist eine MyTaxi-Bestellung nicht eigentlich eine Bestellung, die je nach Tarif Zuschlag kostet? D.h. kommt das nicht dem Fahrer u.U. zugute? Plus den Kartenzahlungs-Zuschlag ohne in eigene Kartenleser investieren zu müssen – ist das nicht auch u.U. ein Vorteil für den Fahrer, wenn sich das mal durchsetzt?

    Du schreibst, dass eine lauter arbeitende Taxizentrale auf das Auftragsangebot der Betriebe zu achten. Das tut sie aber auch nicht aus Nettigkeit oder im Interesse der Kunden, sondern meistens wohl daher, dass die hier geschützten Betriebe ja auch Miteigentümer bei genossenschaftlichen Zentralen sind. Aber was bietet eine Taxizentrale denn bei einer 08/15-Bestellung dem app-interessierten Kunden als Vorteil? Selbst wenn ich keine Warteschleife habe, dauert die Vermittlung länger als bei der App, und während ich bei MyTaxi „meinen“ Fahrer sofort anrufen kann, können die Zentralen oft nicht mal mehr per Funk mit dem Fahrer Rücksprache halten.

    Und nicht vergessen: Die Zentrale arbeitet für Euch auch nicht gratis, die kostet Mitgliedsgebühren, Du brauchst Technik im Auto, und oftmals kostet der Vermittlung ja auch pro Fahrt. Rechte es mal komplett zusammen – ist MyTaxi wirklich unverschämt teuer? Ist nicht das „Du hast keinerlei Grundkosten, sondern zahlst nur bei Bedarf“-Konzept an anderer Stelle vielleicht sogar fairer?

    Was das Bewegungsprofil angeht: Ja natürlich sind das sensible Daten. Natürlich sind solche Daten Kapital bei jeder Art von Online-Unternehmen, weil man nur darüber sein Produkt weiterentwickeln und oben am Markt halten kann. Nur so funktionieren viele Apps. Meine Bedenken bei einem deutschen Unternehmen sind deutlich geringer als wenn irgend ein soziales Netzwerk die gleichen über mich trackt. Aber ist es nicht einfach nur unqualifizierte Panikmache, zu behaupten, da käme „im besten Fall unerwünschte Werbung“?

    Diskutieren kann man sicherlich a) die Vergütung der Taxifahrer selbst (Niedriglöhne sind immer scheiße, aber das sind sie auch ohne MyTaxi, oder?) und b) die Frage, wer die Kosten trägt. Bei der Funkzentrale gehen Gerätewartung, Monatsgebühren und vermutlich auch Vermittlungsprovision nicht vom Fahrereinkommen runter – warum also (oftmals) bei MyTaxi?

  67. Jens sagt:

    Hallo Joern, hier geht es nicht um teuer. mT hat sein Gebührenmodell radikal verändert und nötigt die Fahrer/Unternehmer dem zuzustimmen. Das ist das Hauptproblem! Die ablehnende Haltung vieler beruht auf dem neuen Vermittlungsmodell und nicht auf den sicherlich höheren Gebühren.

  68. Joern sagt:

    @Jens: In dem Punkt absolut einverstanden. Dagegen habe ich auch nicht gegen-argumentiert.

  69. […] So dürfte es in den nächsten Jahren spannend sein, wie sich die Taxi Branche weiter entwickelt und anpassen muss – gerade auch in den unterschiedlichen Ländern und deren Regulierungswillen. Ob das Surge Pricing von “Uber” fair oder unsozial ist, kann man sicherlich so einfach nicht beantworten. Aber ich weiss noch genau als vor einigen Monaten in Hamburg alle S-Bahnen nicht mehr fuhren und ich froh gewesen wäre zeitnah ein Taxi zu bekommen – auch wenn der Preis doppelt so hoch gewesen wäre. Wer mehr über “Uber” und dem “Surge Pricing” erfahren möchte, sollte bei der entsprechenden Planet Money Folge reinhören. Und wer sich die Gedanken von einem Taxifahrer zur MyTaxi Preiserhöhung anschauen will, findet einen guten Bericht bei “Gestern nacht im Taxi“. […]

  70. […] Fahrtvermittlung per App – sei es mit taxi.eu durch die traditionellen Zentralen oder mit z.B. MyTaxi als neuem Anbieter – längst einen großen Raum einnimmt. Aber “das Internet” ist ja […]

  71. memolican sagt:

    Solange es Fahrer gibt die die weit unterpreis fahren somit ihre Karten verteilen. Oder bei Ausschreibung extra Touren verschenken. Wenn so Fahrten under dem Nagel gerissen werden, brauchen wir auch kein Taxameter. Um eine Chance meinem Umsatz zu erhalten muss ich jede möglichkeit nutzen. Wenn alles fair Wäre zwischen Zentrale Taxifahrer Ämter. Versicherungen und Fahrgäste bräuchte ich keine Apps.

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