Müde…

Als Nachtfahrer hat man natürlich immer ein bisschen mit seinem Biorhythmus zu kämpfen. Ich bin ja inzwischen seit 3 Jahren nachts unterwegs und bis auf wenige Ausnahmen auch sonst nachtaktiv. Aber selbst wenn ich um 18 Uhr erst aufstehe, werde ich zwischen 1 und 4 Uhr morgens müde. Im Normalfall ist das die Art Müdigkeit, die mit einem Kaffee wieder zu beheben ist – deswegen führe ich auch immer Koffein-Tabletten bei mir – aber in manchen (inzwischen sehr seltenen) Fällen geht einfach nix mehr.

Im Normalfall achte ich da sehr gut drauf, aber derletzt ist es sogar mir passiert, dass ich während einer Tour plötzlich am großen Stern Richtung Wedding gefahren bin anstelle Richtung Charlottenburg. Mal abgesehen davon, dass das hochnotpeinlich ist, sollte man wissen, wann Schluss ist. Scheiß auf Wochenendumsätze und alles!

Viele Kollegen halten sich irgendwie für besonders hart und schlafen dann am Stand so lange, bis auch der letzte Kollege aus der Reihe statt zu hupen vorbeifährt. Das kann es echt nicht sein!

Ich jedenfalls hab nach der Tour (die auch wirklich nur noch ein paar Minuten gedauert hat) Feierabend gemacht. Zufrieden war ich da zwar nicht wirklich, aber besser so als im Krankenhaus aufzuwachen. Schlimm genug, dass ich noch ein ganzes Stück zurückfahren musste. Ich hoffe, dass ihr das auch so haltet. Ich bin zwar noch recht jung und die Million hab ich wohl noch nicht voll. Aber ich hab einige hunderttausend Kilometer im Auto hinter mich gebracht. Viele davon nachts oder nach unzureichendem Schlaf und ich muss echt sagen, dass ich hier und da enormes Glück hatte, dass nichts passiert ist. Mich nerven die Verkehrspsychologen auch, wenn sie anfangen, die Auswirkungen von Müdigkeit mit Alkohol zu vergleichen, aber sie haben einfach verdammt recht!

Ich hab mich auch mehr als einmal hinreissen lassen zum üblichen „geht jetzt aber nicht anders“, aber ich hoffe, dass ich das in Zukunft nicht mehr tue. Im Taxi jedenfalls hab ich damit eigentlich lange abgeschlossen, besagte Müdigkeit oben hat mich echt binnen Minuten übermannt und überrascht. Aber mal ehrlich: 2 Stunden länger, 50 € Umsatz… das sind bescheuerte 25 €. Für die riskiere ich sicher nicht mehr mein Leben…

21 Kommentare bis “Müde…”

  1. Quacki sagt:

    Na ja, was soll man sagen: Das ist die richtige Haltung, weiter so ^^

  2. Antara sagt:

    Ja übermüdet fährt man wie besoffen.
    Da sollte man lieber nix riskierten.

  3. Marcus sagt:

    Naja, ich kann mir nicht vorstellen das die dauerhafte Einnahme von Koffein bzw. Koffeintabletten sonderlich Gesund für deinen Körper ist.
    Da gibt es bestimmt auch Alternativen z.b. am Stand, ein paar Kniebeugen zu machen, sich einfach mal zu Strecken oder sich beim nächsten Wc pause mit kalten Wasser das Gesicht zu waschen.

  4. nadar sagt:

    @ Sash: richtig so!
    Vor Jahren war ich einmal privat unterwegs auf der Autobahn und ziemlich geschockt, weil ich plötzlich auf einer Abfahrtsspur war und nicht wusste, wie ich dorthin gelangt war. Das Adrenalin hat gahelofen, bis zum nächsten Rastplatz zu kommen. Dort hab ich den Sitz nach hinten geklappt und zwei Stunden geschlafen…
    Seitdem höre ich in dieser Hinsicht sehr genau auf meinen Körper.

    @ Marcus: Wenn man wirklich müde ist, hilft nix mehr. Du fühlst dich vielleicht für ein paar Minuten etwas wacher, aber sobald der Motor wieder brummt und dein Auto dich schaukelt, fallen die Lider wieder zu.

  5. nadar sagt:

    s/gahelofen/geholfen

    (0o)

  6. Wolfy sagt:

    nadar =/= Wolfy
    Wobei gahelofen auch von mir sein könnte 😀

  7. Ich sagt:

    ich hab das einmal in der fahrschule gemacht. da war ich abends weg und hatte morgens ne fahrstunde. war ich froh, als das vorbei war. so oft wie der fahrlehrer mir ins lenkrad greifen oder bremsen musste, hab ich spaetestens da gelernt, warum man nicht betrunken/uebermuedet faehrt.

  8. Paul sagt:

    Ich trinke nie Kaffee (auch nicht in Tablettenform) und fühle mich eigentlich ganz wohl nachts, wenn ich ausreichend geschlafen habe. Falls das einmal nicht der Fall ist und mich die Müdigkeit übermannen möchte, suche ich mir einen Parkplatz und mache Gebrauch von meinem Liegesitz. Nach einer Stunde Nickerchen sieht die Welt wieder ganz anders aus.

  9. Aro sagt:

    Natürlich mache ich Feierabend, wenn ich zu müde werde. Bei mir ist das meist gegen 2 Uhr der Fall. Auch wenn’s manchmal weh tut, weil das Geschäft ausnahmsweise mal brummt. Klar könnte ich es mit Gewalt. Bin schon von Berlin in die hintere Slowakei und dann über Prag und Niedersachen wieder zurück nach Berlin in einem Stück gefahren. Mit entsprechender Koffein- oder chemischer Unterstützung geht das ausnahmsweise. Aber nicht im Taxi, sogar noch mit Fahrgästen, das ist ein klares Prinzip.

    Aber: „… und schlafen dann am Stand so lange, bis auch der letzte Kollege aus der Reihe statt zu hupen vorbeifährt. Das kann es echt nicht sein!“
    Seh ich genauso. Man soll doch nicht einfach vorbei fahren, sondern warten, bis er von allein wieder aufwacht. Vielleicht von hinten ein leises Schlaflied hupen…?

  10. Tobsen sagt:

    H ich denke mit der Zeit gewöhnt man sich an alles… nun gut unsere Festangestellten fahren 10 Stunden-Schichten, die in der Nacht von 21-07 Uhr… allerdings maximal 5 Tage dann Spätschicht von 15-01 Uhr oder so ähnlich… Die Wissen genau dass sie zumindest bei mir als Zentralist (Unternehmenseigene Zentrale) abschreiben können/sollen, wenn sie übermüdet sind, vorgekommen ist das glaube ich bisher einmal. Ich hoffe zumindest das die Fahrer genau wissen das sie in so einem Fall abschreiben können/sollen… keine Ahnung ich hatte (ja ich Sitze ja nur auf der Zentrale) in den ersten 3-4 Jahren auch immer mal einen Tiefpunkt so zwichen 2 Uhr und 4 Uhr, in der Zwichenzeit ist der gar nicht mehr dar, oder ich finde ihn (also den tiefpunkt) zumindest nicht mehr…

  11. Sash sagt:

    @Quacki und Antara:
    Ja, so ist es. Danke!

    @Marcus:
    Also wenn ich die Coffees mal nehme, dann trinke ich durchschnittlich etwa 3 bis 5 Tassen Kaffee die Woche. Sicher ist Koffein nicht das Beste, was es gibt – aber damit sollte ich meilenweit unter dem Durchschnitt der Bevölkerung liegen. Viele schaffen das an einem Morgen 🙂

    @nadar:
    Ich bin da leider überhaupt kein Heiliger, aber ich bemühe mich, aus den Fehlern zu lernen. Ich kenne auch diese Situationen: „Häh, ich bin schon durch den Tunnel? Hab ich gar nicht mitgekriegt…“

    @Ich:
    Eigentlich nicht schlecht, das gleich zu Beginn mit Unterstützung zu lernen 🙂

    @Aro:
    Ich denke, so lange einem ein Kaffee noch hilft, geht das durchaus. Die Frage ist ja bei vielen eher, ob man nach dem vierten noch einen Fünften versucht oder an der Ampel einpennt.
    Und was das Schlafen am Stand angeht: Ich mache gerne mal bei der ersten Müdigkeit die Augen am Bahnhof zu. Aber nicht, wenn ich wirklich schlafen muss, eher so entspannend. Und der Text trifft es ganz gut: Wenn die Kollegen irgendwann keinen Bock mehr aufs Hupen haben, weil es ständig erforderlich wäre, dann isses doch einfach zu spät!

    @Tobsen:
    Ich werde mich hüten, die Kollegen schlechtzureden, aber bei der Quote sind sicher einige dabei…
    Aber schön, wenn das wenigstens offizielle Meinung im Unternehmen ist. Hier gibt es genügend Betriebe, bei denen die Autos nach punktgenau 12 Stunden getauscht werden und dafür gesorgt wird, indem zwei Fahrer nur einen Schlüssel zusammen kriegen…
    Bei uns im Unternehmen sind wir da völlig frei, eine Pflicht gibt es in keine Richtung, selbst meine kurzen Arbeitszeiten haben noch nie für ein Wimperzucken gesorgt (ich arbeite gerade meist 20 bis 27 Stunden die Woche, obwohl 40 im Arbeitsvertrag stehen…)
    Den Totpunkt Nachts habe ich allerdings nach 3,5 Jahren immer noch – obwohl ich seitdem fast durchgehend nachts arbeite und an den freien Tagen nachts wach bin. Aber wie gesagt: In 99% aller Fälle ist das heute mit einer Coffee geklärt und danach geht es auch ohne weiter…

  12. Oni sagt:

    Nachdem meinem Sekundenschlaf zwei Außenspiegel (ein eigener und ein fremder) zum Opfer gefallen sind weiß ich genau wie saugefähelich müde fahren ist und wurde es nie machen. Das perfide ist, dass ich an dem Tag eigentlich hellwach war und während der kurzen Fahrt müde geworden bin ohne es zu merken. Umso mehr achte ich auf Alarmsignale und bleibe im Zweifel stehen um zu schlafen.

  13. Ich sagt:

    @Sash
    ja, mein fahrlehrer hat auch gesagt, er wuerde mit jedem schueler ne betrunkene (oder angetrunkene) fahrt machen, nur um zu zeigen wie wenig kontrolle man dann noch hat, wenn er das duerfte.

  14. SaltyCat sagt:

    Ich habe eine Weile mit mir gerungen, ob ich hierzu etwas schreiben soll. Allzu präsent ist die Erinnerung auch nach 7 Jahren noch. Es war ein Tag wie jeder andere, ich fuhr damals für die Post, meine Touren überschritten nicht die gesetzlichen Lenkzeiten. Ein Teil meines Tagwerks war die tägliche Nachtrunde Hamburg – Osnabrück – Hamburg. Ich fühlte mich eigentlich gut, nicht übermüdet oder ähnliches, höchstens ein wenig matschig wie in weiter Vorahnung einer anstehenden Erkältung.
    Die Hinfahrt nach OS war auch kein Problem, Routine halt, ich bin die Tour insgesamt 2,5 Jahre jeden Werktag gefahren. Ich weiss auch noch genau, dass ich mich auf dem Weg zurück gefreut hab, bald daheim zu sein, da es – im gegensatz zum damaligen normalfall – keine verspätungen in osnabrück gegeben hatte …
    Das nächste, was mir dann bewusst wurde, war ein LKW-Heck verdammt nah vor mir und viel zu schnell auf mich zukommend. Ich habe es in diesem Moment noch geschafft, instinktiv einen knappen Meter nach links auszuweichen (Gott sei Dank fuhr da grad keiner – nen Smart hätte ich glatt von der Bahn geschossen), dann war da nur noch Lärm und Rauch und Gestank.
    Diese eine Sekunde, in der ich noch reagieren konnte, hat mir wohl das Leben gerettet. Das Fahrzeug war um mich herumgefaltet, aber dadurch, dass ich selbst quasi linksseits der linken lkw-seite eingeschlagen bin, ist mir fast nichts passiert.
    Falls sich jemand unbedingt bildhaft vorstellen möchte, was ich da beschrieben habe, da gehts lang

  15. Aro sagt:

    @ SaltyCat
    Puh. Willkommen im zweiten Leben…

  16. Sash sagt:

    @SaltyCat:
    Sehr eindrucksvoll! 🙁
    Und ja: Herzlich willkommen bei Leben 2.0!

  17. sachma sagt:

    Was bei anderen das Nachmittagsloch, ist bei Dir das Nachmitternachtsloch.

  18. Sash sagt:

    @sachma:
    Ja, so ist das wohl.

  19. elder taxidriver sagt:

    Hallo Sash,

    1. Man soll keine Gesundheitstipps geben.
    2. Ausnahmen erlaubt.
    3. Vitamin C in ‚etwas höheren Dosen‘ hat mittlere bis starke Wachmacher-Wirkung.
    4. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, bzw. elder taxidriver..
    5. Wenn überhaupt.

  20. Sash sagt:

    @elder taxidriver:
    1. Siehe 2.
    2. Eben.
    3. Aber Coffees sind dann doch schneller und potenter, würde ich wetten.
    4. Das ja sowieso.
    5. 🙂

  21. elder taxidriver sagt:

    Erg. zu Pkt 3 :

    müsste man ggfls. vor ‚Schischtbeginn‘ nehmen. Wenn man erst morgens gegen 4 h damit
    anfängt, wo urplötzlich und völlig überraschend überall Müdigkeits-Eisberge in der Stadt auftauchen,
    das hieße ja die Titanic n a c h dem Zusammenstoß mit Stahlplatten zu verstärken..

    (Ober? Noch 1 Kaffee für Sash, geht auf mich)

    Smile-Emoticon, ganz meinerseits

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: