Dieses ungute Gefühl…

…das sich einstellt, wenn Vorurteile bestätigt werden.

Ich bin wie jeder andere Mensch alles andere als frei von Vorurteilen. Ich hege vielleicht nicht die gleichen wie viele meiner Mitmenschen, aber das ändert im Prinzip ja nichts. Und im Gegensatz zu einem äußerlich recht nett erscheinenden Kollegen, der – natürlich statistisch gestützt von zwei bitteren Erfahrungen – inzwischen keine „Neger“ mehr mitnimmt, versuche ich mich wenigstens regelmäßig mit meinen Vorurteilen auseinanderzusetzen.

Und immerhin:

Es ist Quatsch, dass junge Besoffene kaum Trinkgeld geben, nicht alle Italiener sind geizig, meine afroamerikanischen Fahrgäste sind bisher durch fast überdurchschnittlich gute Manieren aufgefallen und manch Amerikaner entpuppte sich als politsch interessiert und weltgewandt mit eindeutiger Ablehnung seinem letzten Präsidenten gegenüber und sogar manch ambivalenter Einstellung zum Irak-Krieg, von wo aus er fast unmittelbar (mit Umwegen über Bars) in mein Taxi purzelte.

Glücklicherweise sind die Menschen verschieden, und so kommt es immerhin auch, dass nicht alle Taxifahrer Behinderte ablehnen oder latent rassistisch sind.

Was mich allerdings ein ums andere Mal bestätigt, das sind die Soldaten in meinem Auto. Gut, sie sind zum Zeitpunkt der Beförderung meist im unglücklichen Zustand, sich mit 2 Promille auf den Dienstbeginn in zwei Stunden zu freuen, aber selbst das ist ja schon wieder eine Klischeebestätigung. Ausfälligkeiten gegenüber Passanten gehören bei der Gruppe nach meinen bisherigen Erfahrungen erstaunlich oft dazu, und es ist eine ziemlich unfaire Fügung des Schicksals, dass der kürzeste Weg vom Matrix in die Kaserne ausgerechnet über den Straßenstrich an der Oranienburger Str. führt. Ja, ich bin deswegen schon Umwege gefahren! Nicht weit, aber sicher gut für etliche mehr oder minder beteiligte.

Nun aber habe ich eine neue Kategorie kennengelernt, und dagegen habe ich mir eigentlich die Soldaten wieder ins Auto gewünscht, und das waren: Auszubildende bei der Polizei…
Natürlich wäre es unfair, das Verhalten dieser Assis auf den kompletten Berufsstand umzumünzen. Denn bei allen Vorbehalten gegenüber den Positionen, den manch einer inne hat, bin ich durchaus in der Lage, zwischen Mensch und Beruf zu unterscheiden. Aber die Vorstellung, dass auch nur einer dieser Spinner irgendwann auf hilfesuchende Menschen losgelassen wird, löst diesen kalten Schauer auf dem Rücken aus, den in den letzten Jahren kein Horrorfilm hervorrufen konnte.

Ich will nicht einmal so weit gehen, und über das Rechtsverständnis der Jungs zu urteilen, nur weil sie versuchten, den gesetzlich festgelegten Taxitarif ständig und auch nach erzielter Einigung fortlaufend herunterzuhandeln. Das ist ja Usus bei vielen Leuten. Aber die ausgeprägte Widerlichkeit, mit der diese Trottel in der Lage waren, über ihre Freundinnen (und natürlich erst recht kurzlebigere Sexualkontakte) zu reden, lässt mich wirklich nur hoffen, dass sie irgendwann mal mit einem beherzten Tritt in die Eier von ihren Allmachtsfantasien erlöst werden.

Ich war selten so froh, dass die Protagonisten meiner Existenzsicherung völlig idiotischerweise schon 3 km vor Erreichen des Ziels beschlossen haben, den Rest zu laufen. Das notwendige Übel davor waren natürlich Streitereien über den Anteil am Fahrpreis, den jeder zu entrichten hatte. Mal ganz im Ernst: Wenn ich eine Frequenz von 100 „Fotzen“ pro Minute will, dann kauf ich mir eine Sido-Platte…

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