Kunden haben keine Ahnung!

Ich war mit einem neuen Rekordumsatz in der Tasche als letzte Amtshandlung der Schicht mit drei Holländern auf dem Weg zum Alex. Zunächst blieb die Ortsangabe diffus – sie wollten sich irgendwo noch nach was zu essen umsehen. Dann verkündete mein Beifahrer, er glaube eh nicht mehr an die Essens-Geschichte, und ich solle sie zum Hotel fahren.

Ich glaubte, aus dem Kauderwelsch ein „Agon“ herausgehört zu haben. Ich kam die Alexanderstr. von der Brückenstr. aus entlang und reihte mich rechts ein.

„Also wir müssen hier links und dann um den Block rum…“

Also nicht das Agon. Meinetwegen.

Ich bog links in die Grunerstr. und fragte, ob ich dann die nächste oder übernächste erst rechts sollte.

„Egal, in die Mollstr. eben!“

Also doch das Agon…

„Ähm, die Mollstr. ist aber (mit dem Arm fast Kunden erschlagend) da hinten!“

„Ja, was weiss ich. Du wohnst doch hier. Wir sind nur Touristen!“

„Hmm, ich dachte halt, das links abbiegen sowas ähnliches bedeutet wie links abbiegen…“

„Links abbiegen? Alter! Das ist ein guter Witz. Nee, ist schon ok, du machst das sehr gut!“

Hab noch nie mit Kunden einen derart bekloppten Umweg mit derart bekloppt guter Laune gemacht. Schöne Abschlusstour. Aber ich sollte endlich mal lernen, dass ich solchen Ansagen keinen Glauben schenken sollte. Ich bin zu naiv, ehrlich!

Kotzen bei Kollegen

Eine amüsante Erzählung meines Kollegen S.:

Als „sein“ Taxi gerade neu war, hat er beschlossen, sich – wie bei ihm damals üblich – mit gebügeltem Anzug ins Auto zu setzen und damit natürlich nicht irgendwo aufzuschlagen. Nein! Keine Proll-Kundschaft! Ans Adlon! Mindestens!

Also wartete er am Adlon auf Kundschaft, und irgendwann war er dann erster. Nun kam der komisch gekleidete Hotel-Bedienstete (der an der Tür, wie heissen die nochmal?) und öffnete einem Fahrgast die Tür zur geputzten Noblesse eines vom Kundenservice überzeugten Berliner Taxifahrers.

Der Fahrgast selbst war von vielem überzeugt, scheinbar zu sehr von seinem Gleichgewichtssinn und – die Überschrift lässt es erahnen – von der Resistenz seines Magens.

„Bis zu den Russen“

sind sie gekommen, so schilderte S. es mir. Damit ist die Russische Botschaft gemeint, die keine 500 Meter Fahrtweg auf gerader Strecke entfernt liegt.

„…dann hatte ich vom normalen Sitzplatz [hinten rechts] bis hier [Armaturenbrett] alles voll mit roter Soße.“

Der Kollege zückte sein Handy und wählte schon mal die 110. Der Fahrgast war entsetzt bis empört und fragte, was er da mache.

„I call the police!“

„Why?“

„Look at this! 200 Euro!“

Letztlich gab der Musterkunde nach und bezahlte aus einem offenbar ansehnlichen Bündel mit 4 braunen Banknoten seine Schulden. Mein Kollege bot ihm an, ihn zurückzufahren, was auch angenommen wurde. Der meines Erachtens nach witzigste Teil der Geschichte war dann der, als mein Kollege wieder vor dem Adlon hält und der Hotelangestellte in pflichtbewusstem Engagement heranstürmt und die Tür öffnet.

Laut meinem Kollegen machte es

„Platsch!“

Nicht zu vergessen die weisen Worte in die Richtung des nun flüchtenden zweiten Dienstleisters:

„Hiergeblieben! Dein Kunde!“

Und wie es solch krude Geschichten verlangen, durfte S. dann auch noch einen fünften Fünfziger „aus der Soße“ sein Eigen nennen. Prost Mahlzeit sag ich da nur…

Schon komisch…

„Is schon komisch, oder?“

„Was denn?“

„Was Fahrgäste sich im Taxi so alles erzählen.“

Mädels, ganz im Ernst: Der Bau eines Hochbettes wird erst dann interessant, wenn ihr es gemeinsam zu nutzen gedenkt und das kundtut. Dass ihr euch je ein eigenes bastelt fällt noch lang nicht in die Kategorie interessant 😉

Ups, ich glaube es war nicht ganz wahrheitsgetreu als ich gesagt habe, man vergisst sowas sowieso gleich wieder… 🙂

Rechnungsauswurf – oder Auswurfsrechnung

Der Brief an meinen ersten Kotzer ist raus.

Schon vor zwei Tagen geschrieben, habe ich heute die Rechnung an den werten Herrn Doktor verschickt, dessen Gattin letzten Freitag in stoischer Lethargie während einer famosen Tour meine Seitentüre mit ihrem Mageninhalt verziert hatte. Die Rechnung ist nicht ganz so saftig wie ich sie mir in Gedanken ausmalen könnte, aber doch irgendwie fair.

200 € ist ein gutes Maß, sagen zumindest die meisten Kollegen, Aro z.B. stellte hier aber auch schon 250 € in Frage, und es ist klar, dass wir hier Handlungsspielraum haben – zumal sich die Schäden ja auch immens unterscheiden können. Wenn der Kunde die Rechnung nun ordnungsgemäß begleicht, hat mir die Tour 185 € eingebracht, und damit wäre ich eigentlich zufrieden. Soll jetzt nicht heißen, dass mir jeder für 185 € die Kiste vollkotzen soll, weil ich mich drüber freue – aber abgesehen von zwei blöden Sprüchen kann ich mich über das Verhalten der Kundschaft bisher nicht beschweren. Trotz enormer alkoholbedingter Schlagseite lief alles ruhig und verständnisvoll ab. Den – wenn auch im Nachhinein betrachtet lächerlichen – Versuch einer eigenmächtigen Säuberung rechne ich dem Herrn positiv an, und de facto bleibt von der ganzen Kohle ja immerhin alles bei mir – und nicht nur die üblichen 45%. Dafür dass sich mein tatsächlicher Ekel auf ein oder zwei Momente beschränkt hat (Identifikation von Lebensmitteln und so), wäre das in dem Fall in Ordnung – und in Zukunft handhabe ich das dann wahrscheinlich auch strikter. Zumal die wenigsten Kunden in so einem Fall irgendwie kooperativ sind.

Sollte der Versuch nicht fruchten, dann wird es wahrscheinlich hässlich – aber mein Chef ließ schon verkünden, dass man das dann ja über den Anwalt der Firma regeln könne. Wahrscheinlich werde ich das Geld also sehen 🙂

Stinker

Das war eine vergurkte Donnerstagsschicht…

Der erste Fahrgast fährt für 6,40 € und zahlt mit einem Fünfziger. Besser ist es kaum geworden. 8 Touren in 5 Stunden sind recht ordentlich in Berlin – leider war keine einzige über 10 € dabei.

Einmal mehr am Ostbahnhof angekommen, schlich ein altes Ehepaar über die Straße. Ich war letzter in der Schlange, stand vor dem Wagen und hab eine geraucht. Sie kam mit einem Rollator daher, er war da um sie abzuholen. Sie nuschelte irgendwas von

„Is ja gut, dass die bis hier stehen…“

Klingelingeling! (etwas kindische Darstellung von Alarmglocken)

„Brauchen sie etwa ein Taxi?“

„Ja, aber wir müssen doch erst da vor laufen…“

Sprachs und war gar nicht so begeistert davon.

„Sie können auch gerne bei mir einsteigen! Sie können sich das frei aussuchen…“

Klar ist es netter, wenn der erste Kollege die Fahrt kriegt, aber weiter vor als bis zur Nummer 16 (waren ja am 3. Nachrück(e)platz) wären sie eh nicht gelaufen und wenn ich mich ihrer schon annehme…

Sie haben sich dann spontan für mein Taxi entschieden („Sie gefallen uns am Besten!“) und ich war auch froh drum, wenigstens noch eine Tour mehr zu haben. Mir egal, wohin! Im Zweifelsfall macht es die Masse…

„Nach Johannisthal bitte!“

BAM!

Da war sie endlich: Die erste Tour über 10 €. Ja mehr noch! Fast schon 20! War ein ganz nettes Pärchen, die sich noch damit begeistern lassen konnten, dass der Rollator ungefaltet in den Kofferraum passt. Hervorragend! Super Tour!

Wenn nicht…

…ja wenn nicht…

…wenn nicht binnen einer Minute zu riechen gewesen wäre, dass er sich offenbar gepflegt in die Hose geschissen hat. Ich möchte gar nicht über ihn herziehen! Ich kenne die Gründe nicht, und da das Auto sauber blieb, nehme ich stark an, dass er mit Windeln oder dergleichen vorgesorgt hatte. Folglich wahrscheinlich eher Krankheit, Alter, das Übliche. Und ja: Auch das sind Kunden – und auch die bringe ich ans Ziel!

Aber was hab ich eigentlich verbrochen, damit ausgerechnet die einzige lukrative Fahrt, die einzige, die länger als 5 Minuten gedauert hat, die einzige wirklich gute Tour an dem Abend ausgerechnet mit einem Kunden sein musste, der ein derart „erdiges“ Aroma verströmt, dass ich mir irgendwie die kotzende Gattin von letzter Woche zurückgewünscht habe? Einfach nur so, weil’s besser riecht…

Kann ja nicht nur gute Tage geben…

Würdiger Abschluss

Wie inzwischen wohl jeder weiss fahre ich stumm. Ich hab den Funk nicht an und mir fehlt dabei voerst auch nichts. Klar, die ein oder andere Fahrt würde bisweilen sicher zusätzlich dabei rausspringen, aber wenn ich mich so umhöre, liege ich zumeist gar nicht so schlecht im Schnitt unter den Kollegen.

Weswegen aber mache ich das eigentlich? Naja, das hat wohl ein bisschen mit meinem langjährigen Job im Behindertenfahrdienst zu tun. Ich genieße es noch immer wahnsinnig, dass ich im Taxi die Freiheit habe, eigentlich nie unter Zeitdruck zu stehen. Ich kenne mich in Berlin noch nicht so gut aus wie manch altgedienter Kollege, und ich bin ganz froh, dass es bei den Fahrten bei einer Zielsuche bleibt, und ich nicht auch noch den Start erst finden muss. Insbesondere damit habe ich schon sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Ich finde es einfach angenehm, dass beim Taxifahren in der Regel keine dritte Partei mit drinhängt. Ich fahre meinen Fahrgast, und falls es wirklich mal den ein oder anderen Ärger geben sollte, dann kann ich das eigenverantwortlich angehen. Die Erwartungen Dritter bezüglich Zeitpunkt, Fahrzeug, Fahrer etc. erfüllen zu müssen, liegt mir einfach nicht.

Dennoch konnte ich nicht Nein sagen, als mein Lehrer in Sachen P-Schein und heutiger Kollege mich am Freitag anrief und mich fragte, ob ich nicht eine Fahrt am frühen Sonntag morgen übernehmen wolle. Eine Reisebüro-Fahrt, lohnend zudem: Es ginge von Grünau zum Ostbahnhof.

„Na das wäre doch ein schöner Schichtabschluss!“,

dachte ich mir so und willigte ein. Die Fahrt ging natürlich auf Coupon, und es sollte noch recht kompliziert werden, bis wir es geschafft haben, uns im belebten Wochenend-Verkehr zu treffen, damit ich den Coupon und die Adressen entgegennehmen konnte. Ich hatte erst echt ein mieses Gefühl, weil der Kollege mich schon darauf hingewiesen hat, dass die eine Straße im Stadtteil zweimal existiert und ich unsicher war, ob mein Navi das im Zweifelsfall blickt. Sollte aber keine Probleme geben.

Sogar zeitlich hat die Tour gut gepasst, und ich konnte sie prima unterbringen. Vier Rentner aus verschiedenen Ecken des Südwestens [Südosten – Danke Aro] fuhr ich dann morgens gegen 6 Uhr zum Ostbahnhof, und zudem war die Tour lukrativer als gedacht. Mit 25 € hatte ich gerechnet. Dass es aber letztlich knapp über 40 werden würden… nice! Zumal die Nacht davor ja auch gut lief, und ich in 7 Stunden schon fast 200 € eingefahren hatte.

Und nun hatte ich zum Abschluss vier strahlende Rentner der höchsten Zufriedenheitsstufe pünktlich am Bahnhof, und drei Euro Trinkgeld gab es sogar auch noch. Beschweren kann ich mich nun wirklich nicht. Hat den Freitag mit der Kotzerei wenigstens ein bisschen ausgeglichen.

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

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Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Gut gelaufen

Warum kann es nur nicht jeden Tag so laufen wie am Wochenende? Alleine das Wissen, dass überall eine Fahrt lauern könnte, macht es schon psychologisch spannender, auch mal in unbelebtere Gegenden zu fahren.

Die Samstagsschicht hat super angefangen, aber nach 3 Stunden zeichnete sich ab, dass es doch nicht so ganz optimal lief. Die Standzeiten waren teilweise einfach unnötig lang. Der beste Lauf dieses Wochenendes begann wie so oft am Ostbahnhof und der erste Kunde wollte nach Oberschöneweide. Super, gleich mal 17 €! Schon auf dem Hinweg sah ich in Oberschöneweide eine Gruppe Jugendliche, die wie so viele Verzweifelte selbst besetzte Taxen heranzuwinken versuchten, indem sie sich in erpresserischer Weise mitten auf der Fahrbahn postierten. Das kann ich gar nicht ab – wozu haben wir beleuchtete Dachschilder?

Dann wurde ich auf dem Rückweg schon 200 Meter früher herangewunken, woraus sich allerdings keine Fahrt entwickelte, da mir 10 € zum Matrix von dort aus schlicht zu wenig sind. Vor allem meinem Taxameter ist das zu wenig. Also doch die Kiddies. Die standen immer noch da und suchten tatsächlich auch noch nach einer Großraumtaxe. Kaum dass ich da war, waren sie auch gar nicht mehr so unsympathisch. Zudem führte mich die Tour an mehrere Ziele und über Rummelsburg, den Bahnhof Lichtenberg und Friedrichsfelde Ost bist fast nach Biesdorf. Zack, 22 €!

Auf meinem Rückweg gen City hab ich auf der Frankfurter Allee ein paar Gestalten eingesammelt, die zum Matrix wollten. Ein Zehner mehr! Ich habe mir am Stand kurz eine Zigarette gegönnt, bin dann aber weiter. Nach 100 Metern an der Schwulen- und Lesben-Bar wurde mir eine angeheiterte und witzige Frau ins Auto gesetzt, die ich mal eben nach Tegel fahren sollte. Bingo, 22 €! Als ich dort wieder weg bin, waren gerade mal eine Stunde und 15 Minuten vergangen.

So stellen sich Kunden wahrscheinlich den Alltag beim Taxifahren vor. Wenn es nur auch unter der Woche so wäre 🙁