Mein neuer Freund

Der coolste Taxifahrer in seinem ganzen Leben wäre ich, mindestens. Ich schätze, den Titel hatte ich mir schon eingefangen, weil ich nicht einfach abgehauen bin, als er schwankend vor mir stand und reichlich unverständlich nuschelte, dass er nach Moabit müsste. Aber unbedingt vorher noch aufrauchen, denn im Auto rauche man nicht …

Das klang dann doch schon irgendwie nach angenehmer Kundschaft. Einen Zwanni hätte er noch, ob das reichen würde.

Hmm, naja, vermutlich, ganz sicher war ich nicht. Andererseits: Wer nimmt’s am Ende mit 50 Cent so genau, wenn es eine eigentlich prima Tour mit einem scheinbar netten Kerl ist? Und im Grunde ist es auch dabei geblieben. Er war ein netter Kerl, aber für 21 Uhr eindeutig mit drei Promille über Normalmaß unterwegs. Wenn man als Vergleichsgruppe russische Kampftrinker auf Wettbewerbstournee heranzieht. Wir hatten noch nicht einmal ein Viertel des Weges hinter uns, als er erklärte, er würde jetzt eine rauchen.

„Ey, Du wirst jetzt keine rauchen! Deswegen haben wir gerade aufgeraucht, schon vergessen?“

„Aba ich rauch doch hier DRAAAAUSSSEN!“

Sprach’s und lehnte sich theatralisch weit aus dem Fenster. In der Folge hab ich ihn von so ziemlich allem abhalten können, was irgendwie nicht gut war: Rauchen, seine Streckenvorschläge durchzusetzen und vor allem seine Verbrüderungsversuche.

„Du, gib’s ma am besten deine Nummer, falls ich dich mal brauch! Wir bleiben doch Freunde, oder Alter? Haste Whats App? Ich bin auch auf Facebook …“

Dass ich meine Nummer nicht rausgebe (also an Nicht-Leser 😉 ) hab ich ihm noch zu verklickern versucht. Da er aber ohnehin nur die Hälfte verstand, hab ich am Ende ja und Amen zu allem gesagt. Am Ziel hab ich ihm dann eine unleserliche Unterschrift auf der Quittung gegeben, was er toll fand und versprach, sich zu melden. Na denn, viel Glück …

PS:

Natürlich erhöhen viele Stammfahrgäste gerne mal den Umsatz. Und der größte Unsympath unter der Sonne war der Typ auch nicht. Aber ich mach’s nicht mehr – oder nur in sehr seltenen Ausnahmefällen. Dass ich das mit Lesern anders halte, liegt einfach daran, dass ich weiß, dass ihr wisst, wie meine Arbeit ist. Natürlich gehe ich nicht ans Telefon, während ich Kundschaft habe. Natürlich lehne ich Fahrten ab, wenn ich dabei 15 Kilometer Anfahrt aber nur 8 € Umsatz haben werde. Wenn mir Winker einsteigen, drücke ich selbst Ozie am Telefon ohne Verabschiedung weg. Das ist eben der Deal, den man abschließt, wenn man mich bei der Arbeit anruft. Aber so Typen wie dem oben muss man das erst langsam innerhalb der nächsten drei Fahrten erklären … bei Euch setze ich das voraus. 🙂

Wochenanfangsschwierigkeiten

Es gibt aber auch so Tage …

Dass ich das Auto in der Werkstatt abholen musste, wusste ich seit vorgestern. Da war wohl der TÜV fällig oder so. Und wahrscheinlich haben Sie dabei auch mal die Batterie geprüft, die mir letzte Woche einmal abgekackt ist.

Das für mich nervige ist: Unsere Werkstatt liegt inzwischen zwar innenstadtnäher als die Firma, ist aber für mich viel bescheuerter zu erreichen. In Minuten gerechnet nicht unbedingt, aber ich mag es nicht, drei- oder viermal umzusteigen. Aber gut, einmal kann man sich sowas ja antun. Ich hab ja immer noch das Glück, das Auto am Wochenende dann zu Hause zu haben.

Dass irgendwas schief gehen könnte, hatte ich schon vermutet. Schließlich hatte ich keinen Autoschlüssel dabei, sondern sollte den nehmen, den die Werkstatt hatte. Da ich nun nach dem Feierabend unserer Schrauber den Dienst antrete, haben wir dafür eine Sonderlösung: Es gibt einen Platz auf dem Firmengelände, wo sie den Schlüssel hinterlegen. Gut versteckt zwar, aber sie machen das natürlich nicht gerne, weil ja theoretisch mal jemand vorbeikommen könnte und dann Schlüssel und Auto klaut. Was aber noch nie passiert ist, das Versteck ist reichlich gut und erprobt.

Aber das sollte es nicht sein. Als ich nach einer Dreiviertelstunde Bahnfahrt und einem 15-minütgen Fußmarsch an der Schrauberei eintraf, fand ich den Schlüssel vor, wo ich ihn erwartet hatte und freute mich auf einen guten Wochenstart. Etwas vorschnell, denn tatsächlich war die Batterie wieder abgekackt. Auf meinen Anruf hin hat Cheffe immerhin Stein und Bein geschworen, das wirklich gecheckt und keine Probleme festgestellt zu haben. Und er wollte nachsehen, ob an der Firma ein anderer Wagen frei ist. Also gut.

Ein äußerst netter Kollege (aus unserer Firma) hat dann erst einmal versucht, mit mir durch Schieben den Wagen in Gang zu kriegen. Bergab geht das ganz gut … auf ebener Strecke … immerhin weiß ich jetzt, dass meine Kraft nicht ausreicht, die 2925 so schnell anzuschieben, dass sie wieder anspringt. Nach (*keuch*) vier Versuchen. Also haben wir die Kiste stehengelassen, wo sie war und den Schlüssel wieder hinterlegt. Muss ja sowieso. Inzwischen ließ sich die Karre nicht mal mehr abschließen …

Also zur Firma. Meldung von Cheffe stand noch aus, also hab ich bei einem Kollegen angerufen, dessen Auto im Hof stand. Leider war es nicht frei (ist mein Lieblingsauto in der Firma!), aber er versprach, in ein paar Minuten da zu sein – und zwar inklusive Starterkabeln. Hurra! \o/

Also sind wir gemütlich zur 2925 zurückgegurkt und haben die Kiste nebst netter Gespräche und zweier gerauchter Zigaretten wieder angeschmissen. Auch wenn inzwischen einige Zeit ins Land gezogen war: Ich konnte meine Schicht mit meinem Auto fahren. Und das mit dem Ersetzen der Batterie wird die Tage dann auch noch irgendwann geschehen. Bis dahin muss ich eventuell noch einmal Starthilfe ordern. Aber dieses Mal bin ich wieder wirklich drauf eingestellt. Immerhin steht die Kiste jetzt ja auch vor meiner Tür – da muss ich auch nicht eine halbe Stunde draussen in der Kälte verbringen.

Kurze Touren und so

Erstmal vorneweg: Sorry, dass ich die Tage nix geschrieben hab. Mir hat’s den Tagesrhythmus völlig verhauen und abgesehen davon hab ich mal wieder ein Weilchen GTA gezockt. Das war dem Bloggen eher weniger zuträglich. Aber ab heute ist ja wieder Arbeit und alles normal … 😉

Dass mein Fahrgast in die Muskauer wollte, war nun wirklich kein sonderlicher Glücksgriff nach 45 Minuten Warten. Das hat er auch selbst ganz gut erkannt:

„Ach Mann, ich weiß ja, ist für dich auch nicht gerade die fetteste Tour …“

Andererseits bin ich meinen Grundsätzen da immer noch nicht untreu geworden:

„Sicher, da haben Sie recht. Aber wer weiß, was danach passiert? Krieg ich gleich im Anschluss eine lange Fahrt? Und selbst wenn nicht: Wenn ich am Ende mit der Schicht zufrieden bin, lag es am Ende auch an dieser Tour, daran, dass ich genau jetzt an genau dieser Stelle war. Im Grunde weiß ich jetzt noch nicht einmal, ob sie mir die Schicht gerettet oder versaut haben – also was soll ich mich darüber ärgern?“

Die Philosophie hat ihn nachhaltig beeindruckt:

„Da haste ja irgendwie auch recht … das, das ist schon richtig eigentlich, so hab ich’s nie gesehen …“

Viele Kollegen ja leider auch nicht. 🙁

„Also hier dann? Dann wären wir bei 7,10 €.“

„Dann, äh, also gib mir mal’n Zehner zurück.“

2,90 € Trinkgeld. Ich sag’s ja: Nachhaltig beeindruckt. 😉

Wirklich famos war dann, dass ich nach ungelogen 100 Metern Leerfahrt wieder rangewunken wurde. Ging gar nicht weit, nur in die Hobrechtstraße, eine Tour die auf entsprechende Ansage auch als Kurzstrecke machbar gewesen wäre. Aber nicht mal das. Dafür blieben die 6,50 € trinkgeldlos. Nun ja, irgendwas ist immer.

Und als ich dann nach der Tour gewendet und wieder in Richtung Kotti unterwegs war, winkte es abermals. Ein netter junger Mann mit einer Fahrt nach Friedenau, schnuckelige 20 € und ein Zweier Trinkgeld.

Am Ende hab ich also nach der Wartezeit in kaum einer halben Stunde ohne nennenswerte Leerkilometer mit bombigem Schnitt (immerhin dreimal Einstiegspreis und teure Erstkilometer!) über 33 € Umsatz gemacht. Und ja, am Ende war ich sogar mit der Schicht halbwegs zufrieden. Es bleibt dabei: Kurze Fahrten ablehnen ist bescheuert!

Kurzer Schichtbericht

Nachdem es gestern so mies gelaufen ist: Heute war es besser. Zu Beginn allerdings kaum. Gut, das Auto ist problemlos angesprungen – was es aber nicht hätte müssen, da ich meine erste Tour sowieso erst nach sage und schreibe 1:45 Stunden bekommen habe. Das hat dem Schnitt natürlich enge Grenzen gesetzt.

Andererseits war ja Uhrumstellen angesagt und dank der Extrastunde hab auch ich mich motivieren können, runde zehn dieser kleinen Zeiteinheiten auf der Straße zu sein. Und nur mit letzter Not hat’s dabei auf wenigstens 200 € Umsatz gereicht. Zudem mit nur 13 Fahrten, auf einen Samstag! 1,30 Touren pro Stunde, das ist ein Witz – selbst wenn zwei über 30 € dabei sind.

Aber gut: Die Herbstferien sind bald vorbei und zudem starten alsbald auch wieder die Weihnachtsfeiern. In bald 7 Jahren hat die Jahresendzeit nie enttäuscht, es besteht also noch Hoffnung. 😀

Fast vergessen geglaubt: Miese Schichten

Die letzten Monate liefen bei mir. Und die Tariferhöhung hatte unbestreitbar einen Anteil daran, denn die Zahl der Fahrten war nicht wirklich hoch. Aber der Umsatz stimmte. Und jetzt sind die Herbstferien wirklich voll angekommen, vermutlich sind einige Touris schon wieder weg und ich bin immer zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen. Das heute Nacht ging jedenfalls gar nicht. Zumindest bei mir; ich hoffe, den Kollegen ging es anders.

Ich hab seit langem mal wieder am Freitag früh Schluss gemacht, weil es nicht lief. Und es fühlt sich immer noch falsch an. Dieses blöde Ich-hätte-ja-noch-können, das außer Taxifahrern vor allem Selbständige immer wieder runterzieht. Als ob ich den drei bis viereinhalb Stunden mehr jetzt irgendwie Reichtümer angehäuft oder Karmapunkte gesammelt hätte!

Ich bin schon am Motivationauftanken für die heutige Schicht, da rocke ich dann richtig rein!

Noch ist allerdings unklar, ob der Schichtstart sich etwas verzögert, weil die 2925 erst mal Starthilfe braucht. Die Batterie ist nämlich heute Nacht zu allem Überfluss auch einmal ausgefallen. Aber darauf bin ich jetzt schon mal eingestellt – von sowas lasse ich mir nicht zwei Tage hintereinander die Laune verhageln. 😉

Begrenzte Gehirnkapazitäten

Man sollte vermuten, zumindest die Grundrechenarten im einstelligen Zahlenbereich sollten bei allen Leuten, die man nachts zum Trinken auf die Straße lässt, funktionieren. Aber ja, dem ist wohl nicht so.

Ich hatte die Truppe aus drei Mädels schon aus hundert Meter Entfernung auf die Straße rennen sehen. Dabei gedacht hab ich mir eigentlich nur „Fuck!“, denn ich war bereits etliche Umwege entlanggegurkt, in der Hoffnung, Winker zu bekommen – und nun hielten sie den ebenfalls freien Kollegen vor mir an, der sich eine Kreuzung vor mir auf die Straße geschlängelt hatte. Wie sich das nachts auf breiten Straßen gehört, hat der Kollege auf der mittleren von drei Spuren gehalten und die Damen schwirrten um ihn herum. Ohne einzusteigen allerdings. Also hab ich mich mal vorsichtig genähert.

Der Kollege gab alsbald Gas und fuhr davon, daraufhin kamen sie zu mir. Was wohl sollte das werden? Fernfahrt, mit Hund, betrunkener Kumpel, Kartenzahlung, Schwarztour?

„Sagen Sie mal: Können wir bei Ihnen auch zu acht rein?“

„Äh … nein?“

„Bitte, ist auch nur ganz kurz …“

„Nein. Ende. Bis zu sechs Leute kann ich mitnehmen. Und das ist schon eng. Außerdem isses nicht erlaubt, die Verantwortung dafür liegt bei mir und ich mach das nicht!“

„Aber wir machen das voll oft, das geht schon. Was sollen wir denn sonst machen? Die Bahn kommt nicht und es ist voll wichtig, weil mein Kumpel, der hat Geburtstag und …“

„Dann müsst Ihr halt in den sauren Apfel beißen, einen Fünfer mehr ausgeben und zwei Taxis nehmen.“

Ich hatte an der Stelle mit viel gerechnet. Dass sie wie alle Gruppen aus mehr als sechs Leuten, die in irgendeinem angesagten Club Cocktails für 12,50 € schlürfen, natürlich keine 20 € fürs Taxi eingeplant haben (war eine 10€-Tour) oder dass sie keine 4+4-Konstellation finden, bei der nicht zwei sich erschlagen und zwei andere versehentlich miteinander schlafen. Aber weit gefehlt:

„Da … daran hab ich noch gar nicht gedacht.“

WTF?

Am Ende sind dann aber auch nicht vier der insgesamt acht Leute mit mir mitgefahren, weil … keine Ahnung. Aber ich war auf jeden Fall schuld an der Misere, weil ich diese tolle Idee ja nicht gebracht hatte, als noch das andere Taxi („Hier kommen ja niiiieee Taxis vorbei!“) da war. Also bevor sie mich gefragt hatten. Schon klar. *facepalm*

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Meine Versuche, in die Firmengeschichte einzugehen …

Nun gut, ich muss ehrlich sagen, dass ich mir irgendwie einen Stein im Brett bei meinen Chefs gesichert hab. Und im Gegensatz zu den meisten anderen Kollegen gerade nicht mit guten Umsätzen, sondern mit dem was ich hier und anderswo tue: dem Schreiben. Dass ich statt für meine Chefs Kohle ranzukarren, ein bis drei Tage pro Woche weniger arbeite, als in meinem Vertrag stehen, hat sie trotz der theoretischen Option seit drei Jahren noch nicht dazu bewogen, mich abzumahnen, sondern im Gegenteil: Sie hängen stolz die Zeitungsinterviews von mir im Büro auf.

Daneben hab ich noch die Rolle als Kickerkönig der Firma inne; darüber hinaus aber auch die Auszeichnung, als erster jemals einen der Keys fürs Taxameter geschrottet zu haben. Hab ich damals auch verbloggt, bin ich aber natürlich nur so mittel stolz drauf …

Und jetzt gucke ich die Woche in die Waschmaschine und finde meinen Key dort. Hab ihn in der Hosentasche vergessen – muss ihn wohl mit einem Taschentuch verwechselt haben. Er sah noch gut aus, aber man weiß ja nie. Ich hätte die Sache natürlich gerne unter den Teppich gekehrt und erst einmal ausprobiert, ob das Ding noch tut. Dummerweise hole ich das Auto immer erst nach Büroschluss, so dass ich damit das Risiko eingegangen wäre, dass die Schicht ausfällt. Denn die Keys loggen ja nicht nur die Umsätze – ohne sie funktionieren die Taxameter einfach gar nicht. Wir brauchen den Key, um es anzuschalten.

Also hab ich am Telefon meinen Gang nach Canossa gemacht und Christian gefragt, ob sie vielleicht noch einen Key für mich hätten, ich wisse nicht, ob meiner nicht vielleicht kaputt sei. Aber obwohl er bei sowas durchaus ein gutes Gedächtnis hat, erwartete mich dann doch nicht ein „Was, schon wieder?“, sondern ein lapidares:

„Ein Key? Klar! Wir haben immer Keys, kein Problem, leg ich Dir hin!“

Puh, schön, wenn am Ende doch eher das mit den Büchern oder dem Kicker hängenbleibt. 😉

PS: Danke an den Hersteller Hale! Der Key hatte die Wäsche tatsächlich unbeschadet überstanden. Ja, er wirkte danach sogar etwas … sauberer.