Kommentator hat anlässlich meines letzten Eintrages eine grundsätzliche Frage zur Prostitution gestellt:
@Sash (und andere Taxifahrer, so sie mitlesen und antworten wollen):
Ohne anmaßend oder moralisch sein zu wollen – und da bin ich ernst, ich bin wirklich nur interessiert:
Wie sieht es mit Deiner (Eurer) Haltung zum Rotlichtgewerbe aus? Prostitution ist immerhin “Veranstaltungsort” der schweren Jungs und leichten Mädchen – und leider auch für Zuhälter, Zwangsprostituierte und jeder Menge Gewalttäter, bis hin zur Verschleppung.
Ich wohne beileibe nicht im Elfenbeinturm – ich weiß und akzeptiere, dass es Prostitution gibt. Leider ist das ohne manche üble Begleiterscheinung nicht zu haben, siehe den vorigen Absatz. Ich weiß auch, dass “Trinkgeld” eine gute und notwendige Sitte ist, ich habe selber lange – und gut – in der Gastronomie davon gelebt, und 90 Euro sind eine echte Hausnummer, weil die eigentliche Dienstleistung erbracht ist, aber das “Handgeld” obendrauf kommt.
Aber wie stehst Du (steht Ihr) persönlich dazu? Zum Gewerbe, zu dessen Begleiterscheinungen – und zum Geld, dass aus dem Gewerbe kommt?
Wie gesagt: Ich frage einfach nur nach der Haltung, nicht nach “Moral” oder so.
Ich kann jetzt erst mal nur für mich antworten, allerdings wäre ich über Kommentare von Kollegen ebenso erfreut.
Zunächst einmal ist die Frage nach dem Sexgewerbe nie ganz ohne moralische Aspekte zu sehen. Die Einstellung zur Prostitution hängt immer irgendwie mit den eigenen Vorstellungen zur Sexualität zusammen, schon weil die Grundfrage, ob Sex käuflich sein darf, viele moralische Vorstellungen verletzt.
Ich für meinen Teil bin entschieden gegen Sexismus, und gehe bei der Definition, was Sexismus ist, sicher weiter als die meisten. Dennoch nehme ich – wie beschrieben – auch Geld aus dem Gewerbe an. Und das nicht undankbar oder heimlich.
Der Grund ist folgender:
In meinen Augen hat die Prostitution eine Daseinsberechtigung. Sie ist nicht umsonst als „das älteste Gewerbe der Welt“ bekannt, und auch darüber hinaus wurde Sex schon immer zum Erwerb von Geld, Macht und dergleichen mehr verwendet. Offen und verdeckt. Und in meinen Augen ist es die bessere Variante, dies offen zu tun.
Es ist für mich wesentlich besser, einen Kunden, der möglichst schnell einfach nur Sex will, bei einer Prostituierten abzuliefern, als ähnliche Gestalten zu einem Club zu bringen, wo sie „geile Weiber“ zum aufreissen finden. Die Prostituierten wissen, was die Kunden wollen, wissen was sie selbst dafür verlangen können und in irgendeiner Form haben beide was davon. Da hab ich bei manchen Clubbekanntschaften größere Zweifel.
Dass das Sexgewerbe zu einem Teil, ja wahrscheinlich Großteil, von dubiosen Gestalten betrieben wird, bzw. dort mieseste Bedingungen vorherrschen, ist natürlich leider ein Fakt. Wenn ich über irgendeinen Laden wüsste, dass sie die Frauen misshandeln oder zum Sex zwingen, würde ich dort auch selbstverständlich keine Kunden hinbringen. Da könnten die mir ein Monatsgehalt zahlen und ich würde es nicht machen. Das Problem ist, ich weiss es nicht! Ich würde es gerne wissen, aber ich kann es nicht sicher sagen. Natürlich mache ich mir meine Gedanken, wenn man in einem Bordell nur 35 € für Geschlechtsverkehr zahlt. Und zu den Läden, bei denen man für einen Zehner mehr auch ohne Kondom „darf“, würde ich nie wieder Leute hinbringen.
Wie in vielen anderen Bereichen auch, ist es wahrscheinlich bei der Prostitution am Wichtigsten, die guten Läden zu unterstützen, sie zu empfehlen, wenn Nachfrage besteht. Ich kann es derzeit nicht. Es mag ein ungutes Zeichen sein, wenn ich als Fahrer schon 90 € für zwei Kunden bekomme, ich hoffe aber, dass die das auch machen, weil sie entsprechend viel von den Kunden verlangen, und damit auch die Frauen möglichst viel abbekommen. Vielleicht naiv, aber ich kann es nicht einschätzen. Das Gewerbe ist nunmal nicht gerade öffentlichkeitsgeil.
Ich persönlich kann mir Prostitution weder von der Kunden-, noch von der Anbieterseite vorstellen. Schon deswegen werde ich wohl nie umfassende Einblicke in diese Szene kriegen, ich muss mich also auch auf Gerüchte und Erzählungen verlassen. Ich habe aber keine moralischen Bedenken bezüglich des Gewerbes an sich, sondern im Gegenteil einigen Respekt vor den Menschen, die ihr Geld tatsächlich so verdienen (müssen). Im Arbeitsalltag komme ich mehr oder minder zwangsläufig mit allerlei Angehörigen der Betriebe in Kontakt, und bis auf wenige Ausnahmen hatte ich gar nicht mal das schlechteste Gefühl dabei.
So, ich hoffe, dass das eine angemessene Antwort war. Für alles weitere ist die Kommentarfunktion da.