Wohlbekannt nässende mathematische Kenngrößen

„Am Feuchten Winkel“ ist so eine typische Taxifahrerstraße in Berlin. Ein Haufen Menschen fährt sie täglich entlang, aber kaum einer kennt den Namen wirklich. Außer uns eben, weil wir diese blöde Straße für die Ortskundeprüfung gut brauchen können. Fest jeder, der aus Berlin-Mitte mal nach Berlin-Niederschönhausen oder Berlin-Französisch Buchholz musste, ist da schon langgefahren. Aber ja, es ist nur eine kleine Straße, die mal eben die Verbindung von der Prenzlauer Allee (bzw. der A114) zur Pasewalker Straße herstellt. Eine klassische Durchfahrtsstraße. Und die Anrainer scheinen das auch zu wissen:

„Wo darf’s hingehen?“

„Blankenburg.“

„OK.“

„Aber: Feuchter Winkel – kennste, ne?“

Und in der Tat: 90% der Blankenburger Adressen würde man eher über einen anderen Weg anfahren. Das ist dann wieder mal dieses kleine Plus in Ortskenntnis, das einen als Taxifahrer mitunter schneller entscheiden lassen kann als ein Navi. Auch fast 7 Jahre nach der Prüfung freut es mich, hier und da festzustellen, dass ich wirklich nicht alles umsonst gelernt habe. 🙂

5 Kommentare bis “Wohlbekannt nässende mathematische Kenngrößen”

  1. egal sagt:

    Hi Sash, du brauchst ein Formular „Frag den Taxifahrer“ oder so… 😉

    Ich hatte heute das Vergnügen zwar auf dem kürzesten Weg von A nach B gefahren zu werden, aber etwa nach einer Minute im Taxi klingelte das Handy und der Fahrer begann sich per „Freisprecheinrichtung“ (Handy vor sich liegend) zu unterhalten. Verstanden habe ich von der Fremdsprache nix, aber das Radio hat er dann auch ausgemacht, das störte ihn beim telefonieren. Ich schrieb gerade zwar „kürzester Weg“, aber dank abgebrochener Telefonate und entsprechender Ablenkung litt die Fahrtgeschwindigkeit merklich. Die Strecke war insgesamt nicht lang, so dass die Verzögerung nicht dramatisch war (ich bekam so gerade eben noch meine Bahn), aber ich kam mir schon ziemlich störend vor…

    Wenn ich zum Bahnhof gebracht werden möchte, die Strecke nicht weit ist und ich kein schweres Gepäck dabei habe bleibt doch eigentlich nur noch Zeitmangel oder schlechtes Wetter übrig, oder?

    Ich habe es bei anderen Fahrern erlebt, dass Termine zur Abholung vereinbart wurden, so ein Gespräch war auf’s Minimum beschränkt.
    Was machst du, wenn bei dir im Taxi das Telefon klingelt und du Fahrgäste hast?

    P.S. Hin und wieder hatte ich auch mal eine Fahrerin, die mit maximal 40 km/h fuhr, im Schnitt weniger… da habe ich mich nach der dritten Tour schon beim einsteigen geärgert (ja, freie Taxiwahl, aber wenn da nur dieses eine steht…)

    Beeilst du dich implizit, wenn das Ziel ein Bahnhof ist?

  2. Wahlberliner sagt:

    @egal: Mein Nachbar ist Taxifahrer, der hat mir mal per SMS geschrieben (nachdem er mich weggedrückt hatte), dass er, wenn er einen Fahrgast an Bord hat, selbst seine Mutter wegdrücken würde. Ich finde auch, das ist das richtige Verhalten.

    Und zur Durchschnittsgeschwindigkeit: Ich fahre gelegentlich ein Carsharing-Auto, und da ist die Durchschnittsgeschwindigkeit eigentlich immer so um die 29km/h – ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass das ungefähr die Durchschnittsgeschwindigkeit ist, die man hier im Berliner Straßenverkehr erreichen kann. Wenn man ganz normal 50-55km/h fährt, wo keine Beschränkung darunter besteht.

  3. Sash sagt:

    @egal:
    Ach, für sowas kann man Kommentare doch auch nutzen. Ansonsten steht die Mailadresse unter Kontakt. 🙂
    Was das Telefonieren angeht. halte ich mich an das, was Wahlberliner sagt: In diesem einen Moment, in dem ich einen Fahrgast habe, drücke ich alle Telefonate weg. Ich hab zugegeben auch nicht einmal ein Headset bisher – aber jeder, der mich kennt – und sei es aus dem Blog hier – weiß, dass ich gerade bei der Arbeit auch mal nicht verfügbar bin. Selbst mit meiner Frau ist ausgemacht, dass ich – sollten wir telefonieren, wenn ich am Stand stehe – einfach mitten im Satz „Kundschaft!“ sagen kann und umgehend auflegen. Alle Anrufe, bei denen ich wirklich von was wichtigem (wie „Unsere Wohnung brennt“ oder so) ausgehen kann, würde ich vorher beim Fahrgast anfragen und ggf. erklären.
    Und das selbe gilt für die Bahnhofsgeschichte: Nein, ich fahre nicht per se schneller, wenn es zu einem Bahnhof oder Flughafen geht. Aber wenn solche Adressen im Raum stehen, dann frage ich immer zu Beginn nach, ob es eilig ist oder nicht und passe mein Verhalten entsprechend an. Und egal, was andere dazu sagen: Ich bin sicher, dass es da keine bessere Lösung gibt. Dabei allerdings, das muss ich auch anmerken, ist es mir wiederum egal, ob der Fahrgast gerade telefoniert. Wenigstens Zeit für das Wörtchen „eilig“ oder am besten die Nachfrage „Schaffen wir es bis XY Uhr?“ sollte dann auch jeder haben, dem es wichtig ist.

  4. egal sagt:

    @Wahlberliner: Habe ich wohl etwas ungenau formuliert. Mit Durchschnittsgeschwindigkeit meinte ich die typischerweise während der Fahrt erreichte Höchstgeschwindigkeit. Schneller als 40 km/h fuhr sie einfach nicht, auch in einer langen 50er Zone mit sehr breiten, leeren Straßen im Wohngebiet.

    @Sash: Danke für deine lange Antwort! 🙂 Bei mir ist die Distanz meist nicht sehr groß (1,5 km max Fahrtstrecke) – typischerweise laufe ich das Stück in knapp unter 20 Minuten. Ein Auto schafft die Strecke in 5 Minuten (2 Ampeln)… wenn ich ins Taxi einsteige sind es meist noch 8 bis 10 Minuten Zeit. Ich bin die Strecke schon oft gefahren, 95% der Fahrer schaffen das ohne besondere Anmerkung in 5 Minuten. Manche sagen beim Einsteigen schon „Wie immer?“.

    Ich gebe dir recht, ich würde etwas sagen, wenn die Strecke größer wäre und die Zeit schwerer einzuschätzen ist.
    Aber ein Fahrer, der auf dem kurzen Stück trödelt (um ein paar Cent mehr zu verdienen?), nervt dann doch. Falls jemand alternativ versucht Umwege zu fahren ist die Zeitrechnung natürlich auch hinfällig.

    Deine Variante mit dem Telefonieren finde ich gut. Wobei ich da auch eher ein schlechtes Gewissen hätte, dass du nichtmal den letzten Satz zu Ende bringen konntest bzw. eine vernünftige Verabschiedung.

    Und ja, wie so oft bleiben einem die 5% in Erinnerung, über die man sich ärgert und die 95% verdrängt man schnell, sie haben ja auch das getan, was man erwartet hat. Ich hoffe, ich schaffe es mal nach Berlin und finde dich irgendwo nachts für eine Tour durch Berlin. Dann nuschel ich was von „Buch“ und leg mich schlafen… wenn wir im Norden sind friemel ich aus meinem Rucksack ein Buch und zeig darauf… P.S. Ihr habt komische Namen. 😉

  5. Sash sagt:

    @egal:
    So gut wie nirgends verdient man durch Trödeln mehr Geld. Sicher, wenn man gezielt die rote Ampelphase abwartet – was aber bei zwei Ampeln eher weniger ins Gewicht fallen sollte. Zwar springt die Uhr auf den Wartezeittarif, sobald der lukrativer ist, aber ich hab bisher noch von keiner Stadt gehört, bei der das bei mehr als 10 km/h passiert – und sooo langsam werden nun ja wirklich die wenigsten fahren. 😉
    Hier in Berlin wäre das dank der Wartezeitunterdrückung ohnehin alles nicht machbar.
    Und was das Telefonieren angeht: Sieh’s mal so: Viele Menschen dürfen während der Arbeit überhaupt nicht privat telefonieren. Jemand, der mich bei der Arbeit anruft, weiß, was für eine Arbeit ich mache – und die meisten lesen sogar hier mit. Und wenn ein Kunde einfach weiterläuft, weil ich offensichtlich nicht verfügbar bin, kann mich das sogar Geld kosten. Sollte man vorher klären, aber das hab ich wie gesagt auch.
    Was natürlich nicht heißt, dass ich es nicht toll finde, wenn Fahrgäste das verstehen und einen noch kurz telefonieren lassen – man fährt ja ohnehin am besten mit gegenseitiger Rücksichtnahme – auch wenn man nur eine Geschäftsbeziehung pflegt.

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