Ungewollte Anwesenheit

Viele weisen einen bei diesem Job ja auch immer wieder darauf hin, dass es auch unangenehm sein kann, so nah an den Kunden dran zu sein. Ein solchen Beispiel hatte ich heute definitiv. Als Taxifahrer habe ich es geschafft, eine junge Frau ausgerechnet in den ersten, besonders unschönen Minuten einer Trennung fragen zu müssen, wo ich genau hinfahren soll. Also genau die Zeitspanne zwischen den letzten „Hurensohn“-Rufen bis mitten in den ersten Weinkrampf, der wahrscheinlich noch immer anhält.
Memo an mich: Taschentücher erst anbieten, nachdem man sie gefunden hat, sonst schlechtes Gewissen überpräsent!

Planänderung…

Uh, ist das kompliziert mit der Zeiteinteilung! Gerade hat mein Tagfahrer H. sich gemeldet und gesagt, er macht bis Samstag frei. Ich hab mir dann die Erlaubnis eingeholt, das Auto für die betreffende Zeit nicht an der üblichen Stelle abzustellen, sondern bei mir vor der Tür. Jetzt kann ich – wenn ich will – also ganztags das Auto nutzen. Und was mache ich? Heute frei. Das ist ein wenig verwirrend – für mich am meisten – aber irgendwie konsequent, da ich ausnahmsweise auch mal weihnachtlich eingebunden bin und zudem heute so beschissen geschlafen hab, dass ich die ganze Schicht eh nicht durchgezogen hätte. Dazu kamen dann noch Organisationsfragen bezüglich Silvester, wo sich ja ein paar Kollegen gleich um mein Auto beworben haben. Nun hat Kollege U. das Glück – der hatte aber auch gleich doppelten Vorsprung, weil er mich
a) als erster gefragt hat, und
b) mich nach einer Schicht heimgefahren hat 🙂
Ja, irgendwie hab ich schon wieder ein schlechtes Gewissen, weil ich so wenig arbeite (ich will ja auch gerne fahren), aber ich tröste mich damit, dass ich nächsten Monat, will heissen: nächstes Jahr, dann so richtig durchstarte. Mein Ziel sind 3000 € Umsatz im Monat, und da hat mich mein Chef schon fast wieder gebremst, weil das der „Profi“-Durchschnitt ist 🙂 Bin isch Profi oder was? Denke schon…

Musik im Wagen…

Ich möchte einmal mehr schreiben über etwas, das wahrscheinlich viel zu wenig bekannt ist. Der Kunde ist nicht nur dem Namen nach König, sondern kann tatsächlich über einiges entscheiden. So ist die Wahl der Musik – also in aller Regel des Radiosenders – Kundensache. Natürlich kann ich aus „Sicherheitsgründen“ verlangen, dass die Musik leiser gemacht wird, bzw. sie selbst leiser stellen. Aber prinzipiell wehren kann ich mich gegen schlechte Musik im Wagen nicht. Ich finde das nicht einmal schlimm, denn es gibt so gut wie nichts, was ich nicht wenigstens ein paar Minuten oder eine halbe Stunde (länger sind wirklich nur Überlandfahrten) aushalten kann.
Allerdings machen die wenigsten Leute Gebrauch davon. Das finde ich natürlich nicht schlimm, erlaubt es mir doch immerhin in der Regel zu hören, was ich mag. Aber eigentlich schreibe ich das, um Fahrgästen die „Angst“ zu nehmen, sich das Recht zu nehmen, unangenehme Soundkulissen zu beenden. Ich hatte neulich einen Kunden im Auto, der gerne den Sender „Fritz“ hören wollte. Ich hab das umgesetzt, und mir für 10 magere Minuten ein bisschen Elektro gegeben. Ich hab es schön laut gestellt, und der Dank waren 3 € Trinkgeld mit dem Vermerk „Für die gute Musik!“
Was ich damit sagen will, ist: Der Kunde zahlt einen – vielleicht nur subjektiv – hohen Preis für die Beförderung. Es ist keine Schande, dafür auch mal den Radiosender zu wechseln. Das Klima wird in der Regel gleich viel angenehmer und das zahlt sich letzten Endes wahrscheinlich sogar aus.
Ich finde es ehrlich schade, dass manche Kollegen das nicht einmal ansatzweise begriffen haben. Ein nettes Gegenbeispiel ist mein Kollege O., der gerade eine CD mit Weihnachtsliedern mit sich führt – falls jemand das hören will. Finde ich eine gute Sache. Ehrlich!

Schlechtes Beispiel

Wenn ich mich so unter meinen Kollegen im Taxigewerbe umsehe – zugegeben kenne ich bisher wenige – dann frage ich mich doch immer wieder, woher eigentlich der schlechte Ruf kommt, den die Taxifahrer in dieser Stadt zu haben scheinen. Gestern Abend habe ich auf Distanz wenigstens auch mal einen derer gesehen, die den Ruf meinesgleichen zunichte macht.
Ich stand ihm am Ostbahnhof gegenüber, er hat gerade Fahrgäste einzuladen. Anstatt loszufahren, stiegen sie jedoch nacheinander wieder aus und er gab ihnen die Koffer wieder in die Hand. OK, was immer da war – kann ja mal passieren. In diesem Moment lief eine Frau auf das zweite Taxi in der Reihe zu und wollte dort einsteigen. Er bäffte sie von der Seite an, dass bei ihm auch frei sei. Scheinbar im Unwissen ob der Tatsache, dass man das Taxi frei wählen kann, stieg sie dann auch bei ihm ein. Sichtlich irritiert, wenn nicht genervt. Offenbar da ich am nächsten am Geschehen stand, rief er mir zu: „Für drei fünfzich wollten die Fahren. Ja hab ich sie noch alle!?“
Scheinbar wollten die Fahrgäste also zum Kurzstreckentarif fahren – der vom Taxistand nicht möglich ist. OK, vielleicht waren sie auch uneinsichtig. Dann ist es ja auch ok, dass er sie „rausgeschmissen“ hat (sah auch nicht nach Stress aus, das muss ich mal erwähnen!). Aber zum einen hindere ich nicht einen potenziellen Kunden – wenn auch nur verbal – daran, dass er das Auto eines Kollegen wählt. Und dann schreie ich auch nicht – und schon dreimal nicht vor einem Fahrgast – wie scheiße ich es finde, wenn jemand wenig Geld bezahlen will.
Natürlich weiss ich nicht, was genau passiert ist. Vielleicht waren sie unverschämt. Und natürlich darf man gegebenenfalls auch darauf hinweisen, dass unsere Dienstleistung auch Geld kostet – und der Ertrag für die Fahrer bei weitem nicht so üppig ist, wie man sich das stellenweise vorstellt.
Was man aber definitiv nicht macht, ist seinen Frust über die falsche Berufswahl am Fahrgast auszulassen und sich dann auch noch damit zu brüsten, dass man es denen aber gezeigt hat.
Ich bin auch der Meinung, dass „Der Kunde ist König“ nicht gleichbedeutend ist mit „Der Fahrer ist Sklave“. Es gibt Grenzen, die man ziehen muss – und vielleicht war die in dem Fall auch gerechtfertigt – aber es ist erbärmlich und zudem kontraproduktiv, wenn man das so umsetzt.

Simply the Best (1)

Gestern gab’s vier neue Rekorde meiner Wenigkeit:

  • Umsatz pro Schicht: 211,00 €
  • Trinkgeld pro Schicht: 23,80 €
  • Umsatz in einer Stunde: 48,80 €
  • Trinkgeld pro Tour: 3,30 €

Das sind natürlich keine astronomischen Zahlen, aber ich fange ja auch erst an. Ich protokolliere das eher für mich selbst hier.
Mal schauen, wann ich die wieder einstelle. Heute sicher nicht, denn heute mach ich nur eine halbe Schicht und hab dann anderthalb Tage frei. Um es mit Stimpys Worten zu sagen: Jubel Jubel Freu Freu!

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

"Schönes Wochenende!"

So wird man ja bisweilen im Supermarkt seiner Wahl verabschiedet, wenn man Freitags einkauft. Ich habe ja bereits mehrmals geschrieben, bzw. angedeutet, dass das Wochenende die beste Zeit zum Fahren ist. Mein Wochenende besteht also fast nur aus Arbeit. Für diejenigen, die sich überlegen, das Taxifahren zum Beruf zu machen, sei hier mal mein „Zeitplan“ für ein Wochenende grob wiedergegeben. Ich weiss, dass das mehr abschreckend wirkt – aber ich denke, dass man diese Arbeitszeiten doch berücksichtigen sollte, wenn man sowas plant.

Sashs Wochenende im Normal/Optimal-Fall:

Freitag, ca. 17.00 Uhr: Aufstehen, danach Duschen, Bloggen, ein wenig Hausarbeit
Freitag, ca. 18.30 Uhr: Ab in die Bahn zum Auto
Freitag, ca. 19.30 Uhr: Das Auto ist startklar, Arbeitsbeginn
Samstag, ca. 07.00 Uhr: Auto abstellen
Samstag, ca. 08.00 Uhr: Ankunft zuhause, danach Zeit mit Freundin, lesen, Bloggen etc.
Samstag, ca. 09.30 Uhr: Schlafen gehen
Samstag, ca. 17.00 Uhr: Aufstehen, danach Duschen, Bloggen etc.
Samstag, ca. 18.30 Uhr: Ab zum Auto
Samstag, ca. 19.30 Uhr: Los gehts: Arbeiten
Sonntag, ca. 07.00 Uhr: Auto abstellen
Sonntag, ca. 08.00 Uhr: Heimkommen
Sonntag, ca. 09.30 Uhr: Schlafen
…und Abends geht es wieder los…

Die Zeiten variieren natürlich – ich kann ja frei entscheiden, wie viel ich arbeite. Und wenn alles gut läuft, dann bringt mir das Ganze so um die 200 € (für mich alleine, beide Tage zusammen) – vielleicht auch ein Bisschen mehr oder weniger. Mit Parties und Entspannung sieht es also am Wochenende eher schlecht aus 😉