Die bissige Kundschaft

Pressemeldungen haue ich hier ja nicht mehr oft raus, das ist meist öde. Aber in diesem Fall muss ich mal wieder eine Ausnahme machen: Eine Frau wurde nun zu 18 Monaten Knast auf Bewährung und zu 300 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt, weil sie einen Taxifahrer gebissen hat. Klingt jetzt erstmal recht witzig, aber der Kollege hatte mit der werten Dame offensichtlich einiges zu ertragen: Sie soll während einer 300€-Tour dauernd versucht haben die Uhr auszuschalten, hatte letztlich zu wenig Geld, am Ende klappt es auch am Automaten nicht. Dann lässt sie sich zu einer anderen Adresse fahren und dort wollte der Fahrer wohl ihre Tasche als Pfand haben, bis sie mit einer gültigen Karte wieder herunterkommt. Und in die Hand, die nach der Tasche griff, biss sie dann wohl.
Angespuckt und getreten wurde der Kollege vor dem Eintreffen der Polizei dann auch noch und zu guter Letzt versuchte sie den Beamten wohl wenig glaubhaft zu vermitteln, der Fahrer hätte sie sexuell belästigt.

Verdammt, was bin ich froh, diese Tour nicht gemacht haben zu müssen! Und ich vermute, dem Kollegen geht es im Nachhinein ähnlich.

Danke an Moritz für den Hinweis.

PS: Ich kenne auch persönlich Kollegen, die von Fahrgästen gebissen wurden!

Arbeitszeiten und Kollegen

Hab in letzter Zeit wieder vermehrt Anrufe von euch gekriegt. Hab deswegen mal einen kurzen Text zu meinen Arbeitszeiten geschrieben. Warum ich das nicht hier, sondern drüben bei Sashs Blog gemacht hab, weiß ich nicht. Aber ich nehme an, es ist euch im Grunde auch egal. 🙂

Link zu dem Text mit den Arbeitszeiten von Sash

Und wenn ich euch schon zwischen meinen Seiten rumscheuche: Hier gibt es noch eine Kollegengeschichte auf der Seite meiner Chefs.

Gestern Nacht im Taxi

Heute ist so ein Morgen, der sich anbietet, über Schönheit zu sprechen.

Hat wer von euch heute die Möglichkeit gehabt, das Gewitter zu genießen?

Ich weiß, es wird hier und da auch große Schäden angerichtet haben. Aber es war ein so endgeiles Naturschauspiel, ich bedauere jeden einzelnen, der das verpennt hat. Und ehrlich: Ich hab schon einiges gesehen an Gewittern. Was da heute Nacht um die vierte Stunde herum in Berlin los war, ist kaum in Worte zu fassen. Während ich mich mit einem ebenso naiv begeisterten Fahrgast über die Wassermassen gefreut habe, meinte auch er:

„Das kannste keinem beschreiben. Wenn Du das so erzählst, glaubt es Dir wieder keiner!“

Meine knuffige kleine 1925 war eines der letzten Fahrzeuge, das die Landsberger Allee vor ihrer Vollsperrung passiert hat. Hinter uns das Blaulicht, unter uns locker 30 cm Wasser und seitwärts 5 Meter hohe Fontänen. Wer hätte gedacht, das kleine Opelchen mit 343.000 Kilometern auf dem Tacho noch ihr Seepferdchen machen können? Und das waren die Stellen, an denen man wenigstens „schnell“ fahren konnte. Lange Zeit davor lag die Sichtweite unter 20 Metern, das Fahren war anspruchsvoll und von Vorsicht geprägt, nach und nach fielen zudem etliche Ampelanlagen in ganz Berlin aus …

Es war schlicht und ergreifend eine totale Ausnahmesituation. Die Menschen standen dicht gedrängt unter allem, was irgendwie nach Regenschutz aussah und wir Taxifahrer hatten natürlich Umsätze, die denen an Silvester in nichts nachstanden. Aber jeder klatschnasse und spontan von seinen Abendplänen befreite Fahrgast war irgendwie viel eher inspiriert, happy oder ehrfürchtig. Wut aufs Wetter hab ich kein einziges Mal vernommen. Da kam einfach an vielen Enden das Berlin durch, das ich so schätzen und lieben gelernt habe: Die Lockerheit, die Unbeschwertheit und sicher auch manchmal Pragmatismus. Allesamt Sachen, die ich mir auch auf meine Fahnen schreiben würde.

Ganz trocken hab ich die Schicht nicht überstanden, hier und da musste ich auch mal von außen die Kindersicherung auf der linken Seite lösen. Auch das Auto sah aus wie Sau, mal davon abgesehen, dass ich heute ohnehin wieder Schweine sondersgleichen in der Karre hatte. Aber das kommt alles noch. Zurück bleiben an einem Tag wie heute eigentlich nur bombige Impressionen, Bilder von Blitzen, Wassermassen, überforderten Scheibenwischern und durchnässten Fahrgästen. Und natürlich ein Bombenumsatz. Hatte ich schon erwähnt, dass ich für diesen Spaß bezahlt werde? 😉

Ortskunde und so

Ich bin ja echt froh, dass ich das mit der Ortskundeprüfung hinter mir hab. Ich denke nicht oft daran zurück, aber dieses Dreivierteljahr irgendwelche Straßennamen und Objekte aneinanderdengeln, um in Gedanken Routen zu fahren, die ich in Realität nicht kannte … ich hab schon schöneres gemacht.

Und ich habe eine Menge relativ unnützes Wissen mitgenommen. Denn das vertrackte an der Ortskundeprüfung ist nicht nur (wenn auch hauptsächlich) der pure Umfang der geforderten Kenntnisse, sondern oftmals sind es die kleinen Details, die man nicht mal eben so im Stadtplan findet. Vielleicht erinnert sich ja der ein oder andere: Ich bin einmal durch die Prüfung gefallen, weil ich kurz vergessen hatte, dass ich in der Friedrichstraße vor dem Friedrichstadtpalast nicht wenden darf. Eine Amtshandlung, die ich eines Nachts um 5 Uhr aus purem Trotz übrigens dennoch getätigt habe.

Eine der größeren Kleinigkeiten ist mir die Tage in einer Polizeipressemeldung über den Weg gelaufen. Die Polizei schreibt dort, ein Bus sei „in der Prinzenstraße in Kreuzberg in Fahrtrichtung Moritzplatz“ angegriffen worden. Und da hab ich spontan gedacht:

„Hä? Und von welcher Seite?“

Google ist da inzwischen zwar korrekt, aber die meisten Stadtpläne zeigen eben gerade nicht, dass die Prinzenstraße nicht am Moritzplatz endet, sondern auch auf der nördlichen Seite noch ein wenig weitergeht. Für die meisten Kreuzberger dürfte die Heinrich-Heine-Straße bis direkt zum Platz gehen. Und das in dem kurzen Eck Prinzenstraße befindliche Motel One hatte sicher schon oft verärgerte Kunden, die nach Stadtplan angereist sind und „in der ganzen Prinzenstraße“ kein Hotel gefunden haben. Damit ist das Eck ja auch noch für Normalsterbliche halbwegs interessant, aber für die Prüfung kann es auch an ziemlich widersinnigen Stellen unpraktisch werden.

Eine meiner Lieblingsstrecken beispielsweise führt mich über die Schillingbrücke unweit des Ostbahnhofes in die Köpenicker Straße. Als ich die Prüfung abzulegen hatte, war das eine kniffelige Stelle: Denn man muss ja in der mündlichen alle Straßennamen runterbeten, die man befährt. Das kurze Stück Straße zwischen der Brücke und dem Beginn von Engel- und Bethaniendamm hatte aber keinen. Und hat wohl bis heute keinen. Bei Google Street View sieht man schön, dass die Straßenschilder nur in eine Richtung zeigen. Ob man die paar Meter davor „an der Schillingbrücke“, im Engel- oder Bethaniendamm ist, ist genau genommen ungeklärt und es interessiert auch kein Schwein, weil dort kein einziges Haus steht. Nur als Ortskundeprüfling denkt man über sowas nach. Immerhin: bei dieser Ecke glaube ich, dass das selbst die Prüfer nicht wissen. 😉

Ortskunde ist echt komisch. Meist zeigt sie sich immer noch dadurch, dass einem just das Hotel, das der Kunde sucht, nicht einfallen will. Manchmal hat man aber auch den Kopf voll mit unnötigem Wissen über die Stadt …

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Die „ganz netten“ Kollegen

Mike hat mir gestern eine Mail geschickt, in der er eine Frage bezüglich eines Kollegen stellt:

Moin erstmal!

Ich habe eine Frage und hoffe, dass du vielleicht die Antwort dazu  
hast: Ich habe ein Problem mit einem Taxifahrer und bin nun am  
herausfinden, was ich am besten tun koennte. Bevor falsche Vermutungen  
aufkommen, lass mich erklaeren 🙂

Ich arbeite als nebenbei als Security fuer einen Nachtclub – keine  
Disco im herkoemmlichen Sinn, sondern ein Kulturclub, der regelmaessig  
jedes Wochenende unterschiedlichste und teilweise auch recht  
alternative Veranstaltungen hat (Neben den ueblichen Techno, Gabba,  
Drum’n’Bass gibts da auch Tangonaechte, Disco & Funk und  
Queer-Veranstaltungen). Wir liegen in einem Gewerbegebiet an einer  
relativ engen Strasse.

Nachts warten meist ein oder mehrere Taxis auf der Strasse vor dem  
Gebaeude. Wobei sich da eingebuergert hat, dass immer ein Taxi im  
Parkverbot direkt vor dem Gebaeude wartet, und die weiteren Taxis so  
20 oder 30 meter vorher auf der anderen Strassenseite warten. Da ist  
zwar auch Parkverbot, aber meist kuemmert das niemand und die Polizei  
toleriert das vernuenftigerweise auch. Wenn das erste Taxi vor dem  
Gebaeude wegfaehrt, zieht dann das erste aus der Schlange hinten nach.

Soweit, so gut. Gestern hatten wir nun das Problem, dass das uebliche  
Taxi vor dem Gebaeude stand, und ein weiteres Taxi ankam, an den  
wartenden Taxis vorbeifuhr und sich mitten auf die Strasse gestellt  
hat, um seitlich versetzt hinter dem ersten Taxi zu warten. Dabei hat  
er die Strasse blockiert, so dass nachkommende Autos nur ueber den  
Gehweg seitlich vorbeikamen, bzw ueberhaupt gar keinen Platz hatten,  
vorbeizufahren. Ich habe den Taxifahrer freundlich angesprochen  
(ehrlich, ich bin keiner von den stressigen Arschlochsecuritys ;)),  
dass er bitte hinter die anderen Taxis fahren moechte, habe aber nur  
ein pampiges „Bist du von der Polizei oder was? Du hast mir gar nix zu  
sagen!“ erhalten. Natuerlich ist er stehen geblieben, hinter ihm die  
hupenden Autos von Gaesten. Die 2 anderen Taxifahrer sind  
ausgestiegen, haben aber nur mit dem Kopf geschuettelt, aber nichts  
weiter gemacht.

Nachdem mein Chef mit ihm gesprochen hat (inzwischen nicht mehr so  
freundlich), und der Taxifahrer das Fenster zugemacht, die Tueren  
abgesperrt und ihn ignoriert hat, hat er die allgemeine Taxirufnummer  
angerufen (es gibt bei uns afaik nur eine zentrale Taxinummer).  
Allerdings meinten die, dass seine Konzessionsnummer nicht existiert,  
die koennen das Auto nicht zuordnen. Inzwischen sind Gaeste in sein  
Auto gestiegen und er ist weggefahren.

Nunja… 30 Minuten spaeter kam er zurueck und hat sich genau wie  
vorher mitten auf die Strasse gestellt, an den wartenden Kollegen  
vorbeigedraengelt und auf meine Bitte „bitte wegzufahren“ nicht  
reagiert. Ich habe dann ein Foto von vorne und hinten von seinem Taxi  
gemacht, auf dem erkennbar ist, wie es auf der Strasse steht und alles  
blockiert. Ich habe mit ihm nicht diskutiert, ihn nicht beschimpft und  
nicht gestritten. Ich habe einmal gebeten, wegzufahren und habe danach  
die beiden Fotos gemacht, um am Montag eventuell die Taxizentrale  
drauf anzusetzen. Als ich die Fotos gemacht habe, ist er direkt in die  
Hofausfahrt gefahren (wobei… eher mit heulendem Motor und  
quietschenden Reifen wie bloede in die Ausfahrt geheizt und dabei noch  
fast nen Gast angefahren, aus dem Auto gesprungen, sich furchtbar  
aufgeregt, mich Arschloch hoch und runter geheissen und mir Pruegel  
angedroht. Letzteres hat er zwar nicht durchgezogen, aber das lag  
vermutlich auch nur daran, dass ich mit einem Kollegen da rumstand. Er  
ist dann wieder mit Gaesten weggefahren (Betrunkene sind da  
erstaunlich resistent, was komische Fahrer angeht, glaub ich :)), kam  
aber 20 Minuten spaeter erneut (!), nur um uns weiterhin wuest  
anzuschreien und zu beschimpfen.

Ich habe nochmal die Taxizentrale angerufen, die meinten dass sie  
weder das Kennzeichen, noch die Konzessionsnummer kennen und nur  
vermuten koennen, dass das ein Taxi aus Ettlingen (Nachbarstadt) ist,  
die in KA eigentlich gar nicht fahren duerfen – aber dass sie nichts  
tun koennen, da sie nicht wissen, welcher Fahrer das ist und fuer wen  
er faehrt. In Ettlingen selbst gibt es keinen zentralen Taxiruf,  
sondern verschiedene Unternehmer und Rufnummern. Die Polizei zu rufen  
war mir dann auch zu doof, die haben besseres zu tun als sich um so  
nen Idioten zu kuemmern…

So, langer Text, das nur zur Vorgeschichte, vielleicht ists ja auch  
fuer den Blog interessant oder so :). Meine Frage ist nun: Habe ich  
irgendeine Moeglichkeit oder uebergeordnete Stelle, an der ich mich  
ueber den Fahrer beschweren kann? Anzeige zu erstatten ist es mir  
nicht wert, aber zumindest sollte sein Chef oder irgendeine  
Taxiornagisation (falls es sowas gibt :)) bescheidwissen, denn  
wiederholt absichtlich die komplette Strasse zu blockieren, sich an  
der inoffiziellen Halte vorzudraengeln und anschliessend mehrmals (!)  
wuest und ausgiebig Security zu beschimpfen und Pruegel anzudrohen,  
weil man ein Foto von ihm macht, wie er scheisse steht und alles  
blockiert – das geht halt gar nicht, meiner Meinung nach!

Vielleicht hast du ja einen Tipp fuer mich. Falls nicht, war’s  
wenigstens den Versuch wert 🙂
Davon abgesehen: Weiter so mit dem Blog, bin ein mehr oder weniger  
treuer leser (wenn die Zeit es erlaubt)!

Gruss, Mike

Also ich persönlich bin ja der Meinung, dass es mal gar nicht geht, was der „Kollege“ hier gebracht hat, so sehr ich auch immer skeptisch bin, wen mich jemand einfach so von der Seite anlabert.

Einen sonderlich guten Tipp konnte ich Mike nicht geben, da ich vermute, die zuständigen Ordnungsbehörden geben Daten auch erst heraus, wenn eine Anzeige vorliegt. Gerade auch deswegen hab ich das hier aber mal veröffentlicht, denn vielleicht lesen ja auch Kollegen mit, bei denen das ähnlich organisiert ist wie in Karlsruhe, oder welche, die bereits Erfahrungen mit sowas hatten.

Auf Meinungen zur Sache bin ich allerdings auch mal gespannt …