Gegenseitig großzügig

Dass sich Leute an Silvester ein Taxi teilen, ist so ungewöhnlich nicht. Immerhin sind die Wartezeiten lang, und bei grob gleicher Richtung kann das ja passen. Als mir am Funkhaus ein junger Kerl zustieg, war er dennoch perplex, als sich eine Frau als Begleitung anbot. Der Weg war nur so mittel zusammenpassend, aber halbwegs ok. Er wollte nach Neukölln, sie in den Norden des Weddings. Für sie eigentlich sogar günstiger. Dachte ich.
Dann aber bat sie am Ziel des Typen, er solle sein Geld wegstecken, sie übernehme die Tour als Gegenleistung dafür, dass er sie habe miteinsteigen lassen. Und wir waren an dem Punkt fast schon im 20€-Bereich. Etwa ähnlich viel sollte dann noch einmal hinzukommen, was zum Teil dem gesperrten Tunnel zu verdanken war. Sie aber nahm es sportlich, obwohl sie ein paar Stunden später einen Flug erwischen musste.

(Das muss man Silvester lassen: WENN die Leute ein Taxi haben, geht’s eigentlich mit dem Stress!)

Als sie dann die knapp 40 aufgelaufenen Euro zahlen sollte, hat sie das dann zudem noch mit einem glatten Fuffi getan und mir dieses höchste Trinkgeld der Schicht mit sehr netten Worten vermacht:

„Weißt Du, ich fliege ja nachher, da kann ich kein weiteres Kleingeld gebrauchen …“

Jaja, schön war’s. Und jetzt ist Januar.

5 Kommentare bis “Gegenseitig großzügig”

  1. Ana sagt:

    Bei mir beobachte ich, dass Weihnachts- und Silvestertrinkgelder ein paar prozente höher ausfallen als an anderen Tagen.
    Ist das Allgemeingültig, oder kommt der Umsatz hauptsächlich über die vielen Fahrten?

  2. Habakuk sagt:

    Die gute Frau hat ihm gewissermaßen das Taxi abgekauft. Hat anders wahrscheinlich keines gefunden.

    Gute Aktion, beide haben was davon. Oder, besser gesagt, alle drei..

  3. gnaddrig sagt:

    @ Ana: Zu meiner aktiven Zeit (Mitte der 90er, süddeutsche Kleinstadt) habe ich Silvester immer überdurchschnittlich viele Überlandfahrten und ungefähr den Umsatz einer normalen Samstagnachtschicht als Trinkgeld gehabt. In den normalen Nachtschichten waren ganz ungefähr 10 % Trinkgeld normal (meistens etwas weniger, dafür aber bemerkenswerte Ausrutscher nach oben, müsste ich mal aufschreiben), Silvester war es dann eher im Bereich zwischen 20 und 30 %

    In Berlin heute wird das anders sein. War’s vermutlich damals schon…

  4. T. sagt:

    Ich kann ja mal aus meiner Sicht eines Pizzafahrers berichten. An Weihnachten sind die Trinkgelder unterirdisch, liegt vor allem an den Bestellern, sind eigentlich nur die, die beruflich oder kulturell beding nicht in Weihnachtsstimmung sind.
    An Neujahr war es auch richtig schlimm, bei der Katerpizza gibts selten mehr als ein paar Cent.
    Sehr gut war Ostern, da gab es überdurchschnittlich viel. Lag daran, dass viele Familien bestellt haben und es da tendenziell mehr gibt.
    Und witzigerweise waren wiederholt sonnige Freitage im Sommer die Termine, an denen die Leute richtig richtig großzügig waren.
    Je besser die Stimmung, desto besser wohl auch das Trinkgeld.

  5. Sash sagt:

    @Ana:
    Ja, in der Regel fällt das Trinkgeld höher aus, aber dieses Mal war der Typ eher die Ausnahme. Am Ende kommt der Umsatz von den Fahrten. Denn auch an Silvester ist die Kundschaft wild gemischt. Dieses Jahr war der Umsatz ca. 200% von einer guten Wochenendschicht, das Trinkgeld aber nur ca. 120%. Das kann manchmal durchaus auch 200% sein, aber anteilig ist es immer noch nicht der Hauptgewinn.

    @Habakuk:
    Absolut. Trotzdem bemerkenswert, weil sie sich dabei immer noch einiges hätte sparen können.

    @gnaddrig:
    Ja, es ist anders, aber die Tendenz passt schon.

    @T.:
    Ich kann mit meiner Zeit im Behindertenfahrdienst gegenhalten. Dort war Trinkgeld eigentlich eher eine Randerscheinung, vielleicht mal hier ein Zweier, selten (Abgesehen von z.B. SEHR speziellen Stammkunden) hat das mal 5€ pro Tag gerissen. Und an Heiligabend? Hat JEDER mindestens einen Fünfer oder diverse Geschenke springen lassen. 🙂

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