Am Ende war alles umsonst

Mit dem Kunden hatte ich einen echten Glücksgriff gelandet. Er hatte zwar schon einen im Tee, war aber von der seichten alkoholschwangeren Euphorie abgesehen total umgänglich und zurechnungsfähig. Ein netter Fahrgast, der mir freundlich sagte, ich müsse wegen seiner kleinen Straße in einem Außenbezirk nicht das Navi anschmeißen, er würde mir das gerne zeigen, wenn ich wisse, wie ich bis zum nächstgrößeren Platz kommen würde – was nun wirklich kein Problem war. Eine vergleichsweise lange Fahrt über 25 €, mit absehbar gutem Trinkgeld und ohne Stress. Nur eines noch:

„Wenn wir dann am Bahnhof sind, lässt mich kurz noch Bier holen. Hab zwar’n Späti ums Eck, aber der ist viel teurer …“

Wie bei dem Auftakt nicht anders zu erwarten verlief auch der Zwischenstopp problemlos. Er ließ mir Jacke und Ausweis als Pfand da und kam nach kaum zwei Minuten wieder, anbei eine Tüte mit fünf Bier. Ach, wie schade es sei, dass er mir keines anbieten könne, da vorne geht’s übrigens links ab! Nachdem wir angekommen waren, gab es amtliche drei Euro Trinkgeld für mich, eine bessere Tour hatte ich weder davor noch danach.

Und dann stand er da an der Ecke und winkte mir noch zu. In dem Moment riss seine Tüte und keine einzige Flasche überlebte den Aufprall auf dem Asphalt. Während ich ihn noch bedauere, zuckt er mit den Schultern und stapfte los zum ach so teuren Späti, während mir schon der nächste Kunde ins Auto sprang. Als ich den Späti passierte und sah, dass er bereits zu hatte, hätte ich am liebsten umgedreht. Aber erklär das mal zahlender Kundschaft, die nur wortkarg einen Straßennamen eingeworfen und sich fortan dem Handy gewidmet hat …

Uberholt

So, nun haben wir 2015. Im Taxigewerbe brechen mit dem Mindestlohn neue Zeiten an und zudem darf man so langsam wohl die Hoffnung haben, dass sich der 2014er-Spuk Uber zumindest hier in Berlin totgelaufen hat.

Derletzt hat mich eine Journalistin (privat, während einer Tour) gefragt, was denn nun mit Uber sei. Tja, puh …

Sie haben in Deutschland nicht wirklich einen Fuß in die Tür gekriegt – und selbst in vielen anderen Ländern bläst ihnen seit Ende des Jahres eisigster Wind entgegen. Verbote über Verbote, trotz Milliardenbewertungen. Natürlich ist Uber nicht tot. Und sie werden hier und mehr noch in manch anderen Ländern Nischen besetzt halten und vielleicht sogar global eine große Marke bleiben. Die große Revolution jedoch scheint so langsam verpufft zu sein.

Zu zahlreich waren die Negativschlagzeilen, zu heftig der Widerstand.

Wie ich der Journalistin auch gesagt habe: Natürlich kann ich als Taxifahrer als Betroffener rumwettern, ohne dass es wen interessiert. Am Ende bleibt halt, dass es an der Firma nix Gutes gibt. Uber gebremst hat ja letzten Endes nicht irgendein erfundenes Taxikartell, sondern das ganz normale Leben, das halt nicht ganz nach den Regeln von Ayn Rand spielt. Selbst der ultimative Kapitalismus hat Grenzen – und wer einfach nur scheiße ist, muss halt auch mal einstecken. Uber hat mit Lohndumping, Schwarzarbeit, Datenschutzverletzungen, unlauterem Wettbewerb und Bedrohung der Pressefreiheit einfach alles ausprobiert, was man sich an Widerlichkeiten für ein „nettes kleines Startup-Unternehmen“ vorstellen kann. Darüber hinaus gab es Probleme, die ihnen „nur“ indirekt zugeordnet werden konnten, wie Versicherungsstreitigkeiten und Zwischenfälle dank unzureichender Sicherheitsvorkehrungen. Die Schlagzeilen bestimmten in letzter Zeit weniger irgendwelche marginalen Preisvorteile gegenüber Taxis als vielmehr Vergewaltigungen und Totschlag. So gesehen hat die Firma alle meine Befürchtungen binnen eines halben Jahres sowas von übererfüllt, ich könnte mich glatt gut fühlen, wenn es nicht um das Leben von Menschen gehen würde. Seit sie bei UberPOP die Preise auf ungefähr die Höhe der Betriebskosten gesenkt haben (um nun eine erlaubte Mitfahrzentrale zu sein), spielen sie in Berlin erwartungsgemäß kaum mehr eine Rolle. Es finden sich eben – Überraschung! – nur wenige Fahrer, die einfach zum Spaß Leute mitnehmen wollen. Es ging halt doch ums Geld und damit um gewerbliche Personenbeförderung …

Wie viele Branchen – und vielleicht sogar mehr als die meisten – wird sich die Personenbeförderung im Laufe der Zeit wandeln. Das tut sie jetzt schon, z.B. mit vielen Sharing-Angeboten und Nischenanbietern. Daran ist überhaupt nichts auszusetzen. Vielleicht wird sich auch die Taxibranche wandeln (und nein, Taxiapps alleine sind eigentlich kein so großer Wandel gewesen) oder es wird sogar ganz andere Konzepte geben. So ist die Welt eben, alles entwickelt sich weiter. Aber auch 2015 gilt: Es wäre der worst case, wenn eine derart widerliche Firma wie Uber daran Anteil hat.

Und wer jetzt auch denkt, dass das ja mal wieder typisch ist, dass ich als Taxifahrer sowas sage, der soll sich kurz meine Geschichte aus der Silvesterschicht anhören:

Ich hatte eine junge Kundin, nennen wir sie mal Ulrike. Vielleicht ist es besser, ihren wirklichen Namen nicht zu nennen.

Ulrike fragte mich, wie es so liefe, nebenbei hatten wir eine entspannte Fahrt. Dann kam sie etwas komisch auf’s Thema zu sprechen:

„Ich arbeite ja quasi gerade für diese Taxi-App Uber. Fährst Du auch für Uber?“

„Nein.“

„Gut. Würde ich auch nicht machen. Das ist so eine Drecksfirma!“

Ich nenne hier bewusst wenige Details, sorry. Ich möchte einfach nicht, dass Ulrike meinetwegen Ärger kriegt. Sie hat jedenfalls im Rahmen ihrer Ausbildung mit Uber zu tun und es geht bei ihr darum, Kampagnen für Uber zu entwerfen oder zu fahren – so genau hab ich das auch nicht verstanden. Jedenfalls entschuldigte sich Ulrike bei mir persönlich und fügte an, dass sie viel lieber eine Kampagne gegen Uber starten würde. Mit der Begründung, dass es ethisch einfach nicht vertretbar sei, was dieser Drecksverein veranstalten würde. Und dabei war sie keineswegs überzeugte Taxi-Anhängerin:

„Ich finde Euch auch zu teuer und es nervt mich, wenn die Taxifahrer immer pissig sind. Vielleicht könnte man das alles besser regeln. Aber einfach so Leuten das Leben zerstören, bloß um mehr Kohle zu verdienen – das geht nicht!“

Ich habe mir den Start des Jahres 2015 dank der Silvesterschicht durchaus positiv ausgemalt. Dass ich nun aber von einer (eher freien) Mitarbeiterin von Uber folgendes gesagt bekommen würde, hat selbst meine Erwartungen übererfüllt:

„Danke für die nette Fahrt. Und lass‘ dich ja nicht von Uber unterkriegen, ok!?“

Loyalität kriegen nicht zwangsläufig die, die am meisten Kohle rüberrücken. Schön, dass das auch 2015 so zu sein scheint.

„a little extra“

Ich bin immer nett zu meinen Fahrgästen und hab kein Problem mit ihren für mich mitunter unlohnenden Beförderungswünschen, das wisst ihr. Ich hab in der letzten Woche gleich zweimal nach einer Wartezeit von mehr als einer Stunde eine Tour vom Ostbahnhof zum Berghain gemacht und keiner der Kunden hat auch nur mitbekommen, dass er damit meinen Stundenlohn auf einskommairgendwas gesenkt hat für die Zeit.

Aber ich muss dann doch mal meckern: Wieso eigentlich wird man ständig belogen oder mit falschen Versprechungen geködert?

Mir ist schon klar, dass Leute ihr Geld auch für andere Dinge als fürs Taxi ausgeben müssen, aber wieso zahlen 50% der Leute, die „leider leider nur noch einen Zehner“ haben, ihre Fahrt mit einem Zwanziger? Und wieso kriegt man das schlechteste Trinkgeld von Leuten, die besonders viel versprechen?

Andere und miese Kollegen hin oder her: ICH fahre die Leute ja und ich stelle gar keine Ansprüche oder versuche den Eindruck zu erwecken, dass ich das tun würde. Ich freue mich über ein gutes Trinkgeld, natürlich, aber man braucht mich nicht überreden. Und wenn man schon der Meinung ist, es tun zu müssen: Warum hält man sich dann nicht an die eigenen Versprechen?

Kommen wir zum Grund dieses Eintrages. Ich wurde in Neukölln herangewunken. Nun stieg die begeisterte junge Dame aber nicht etwa einfach ein, sondern sagte mir:

„I’m sooo sorry! My friend is very drunk, but would you pleeaaaase take her? I’ll pay you a little extra!“

Und ihre Freundin wurde mir ins Auto gesetzt. Also sie wurde getragen. Völlig hinüber dank in der Bar großzügig verschenkter Jägermeister. Die restliche Fahrt über haben sich die Mitreisenden über ihr Gesicht amüsiert und sich überlegt, was sie machen würden, sollte die junge Frau sterben. Jaja, alles ironisch. Und kotzen würde sie selbstverständlich auch nicht. Da sind sich die Begleiter ja irgendwie immer sehr sicher.

Aber ja, wir hatten Minusgrade, unser Opfer saß zuvor an einer Hausmauer und außerdem ist es mein Job. Natürlich hab ich’s riskiert. Ich hätte ablehnen können, aber man ist ja kein Unmensch. An „a little extra“ hab ich dabei nicht mal gedacht.

Die Fahrt ging nach Friedrichshain und die Mitreisenden hatten die Dame wirklich gut im Griff. Sie hatte den Kopf in einer Tüte und im Schoß einer Freundin. So gesehen war durchaus für etwas Sicherheit gesorgt. Für mich war’s natürlich trotzdem ein ständiges Angespanntsein, man weiß ja nie, ob man nicht plötzlich reagieren muss. Betrunkene machen ja gerne auch mal dumme Dinge wie z.B. vorhandene Tüten wegschmeißen und dann erst losreihern.

Aber gut, die 12 Minuten Stress, die die Fahrt brachte, hab ich mit einem Lächeln weggerockt. Nebenbei bin ich schön sanft und gemütlich um die Kurven, alles ganz im Sinne der Kundschaft. Die Uhr stand am Ende bei besonders Extra-unfreundlichen 15,00 €, natürlich. Gereicht wurden mir dann von der „so lucky“-Lady 15,50 €. Mit dem Hinweis, ich wäre ihr rettender Engel gewesen. Und nicht nur das: Dass ihr Extra wirklich sehr little war (das durchschnittliche Trinkgeld bei so einer Tour liegt eher bei 1,50 bis 2,00 €) hat sie auch erkannt:

„Sorry it’s only 50 cent. But there is more in your car!“

Aha. Nochmal 50 Cent. Die ich mir aus dem Fußraum kratzen durfte. Ich hab fast ein bisschen Schadenfreude empfunden, als die angeschlagende Kandidatin neben meinem Taxi ihrem Begleiter auf den Pulli gekotzt hat … 😉

PS:

Ich weiß, dass das jetzt so klingt, als fände ich einen Euro zu wenig Trinkgeld. Das ist nicht so. Ich krieg haufenweise Trinkgeld in der Höhe, auch bei kürzeren oder längeren Fahrten. Und es ist besser als nichts und ich freue mich entsprechend über alles. Wären sie einfach nur eingestiegen und hätten so bezahlt, hätte ich allenfalls einen Artikel über das Auf-den-Pulli-Kotzen geschrieben. Ich mag wirklich dieses Lügen nicht, schon alleine weil es auch ein bisschen arrogant wirkt: Wir versprechen einfach so ’nem Taxifahrer mal irgendwas, ist ja am Ende egal …

Ich lass mir dadurch sicher nicht insgesamt die Laune verderben – aber Spaß machen solche Touren dann halt auch nicht wirklich.

Opel nochmal …

„Ach, mein Freund wollte unbedingt mal wieder Opel fahren. Es war hoffentlich ok, dass wir Sie an zweiter Position genommen haben …“

Glücklicherweise bot die Tour ein bisschen Zeit, um uns über die Freie Taxiwahl am Stand zu unterhalten. Und die 72. Nebenbei dann sogar noch über ein paar unkomplizierte Nebenkriegsschauplätze im Taxigewerbe wie den Verdienst, den Mindestlohn, die Tarifbindung, die UberPop-Problematik, und und und …

Als wir dann vor ihrer Haustüre standen, hatte ich nämlich sage und schreibe 57,80 € auf der Uhr und nur noch sehr grob eine Ahnung, wo ich genau war. Für so eine Tour extra des Autos wegen von hinten aus der Schlange gepickt werden, ist mir meines Wissens nach bisher wirklich noch nie passiert. 0.0

Die Höflichen

Zwischen all den schrägen Figuren und den durch die Berliner Schnauze so „authentischen“ Einheimischen vergisst man sie als Kundschaft fast: die ganz leisen und höflichen Gesellen. Und zu dieser Sorte gehörte der junge Mann ganz offensichtlich, der mich am Ostbahnhof an der dritten Rücke ansprach. Ob ich ihn zur Singerstraße bringen könnte, fragte er in gebrochenem Deutsch, ebenso wie viel es kosten würde. Ich fragte zurück, wohin in der Singerstraße genau – und als er, offensichtlich vorbereitet, sagte, dass es in der Nähe der Lichtenberger Straße sei, konnte ich schon einmal ziemlich gut eingrenzen, um was für eine Fahrt es gehen würde:

„Das sind zwischen 5 und 6 €.“

„OK, vielen Dank. Und wäre das in Ordnung, wenn ich … würden Sie mich fahren?“

Sicher nicht die lukrativste Tour des Abends, aber natürlich hab ich angenommen. Der Kerl war noch keine 20 Jahre alt und trotz der ziemlich guten Sprache vermutlich das erste Mal in Deutschland. Gut vorbereitet, dem Internet sei Dank – aber eben nur so weit, wie Google Maps einen bringt. Im Reallife sah das für ihn offensichtlich alles nochmal schwieriger aus. Er nutzte die zwei Minuten, mich alles über den Taxitarif in Berlin zu fragen und als wir nahe des Ziels waren, sah er sich angestrengt um.

„Ist da etwa was, was ich kennen könnte? Ein Hostel oder so …“,

fragte ich nicht ohne Hintergedanken.

„Oh ja, eine Hostel, der, die Nummer 109.“

„Ich weiß, wo das ist. Hir im Hinterhof. Nochmal rechts, dann links …“

Und da standen wir dann, er mit dem Rucksack in der Hand und sichtbar stolz, dass sein Deutsch für eine gute Taxifahrt gereicht hatte. Die Uhr habe ich bei 5,60 € auf dem Display gestoppt, da stellte er dann die Frage, die sich viele nicht zu stellen trauen: ob man denn im Taxi Trinkgeld geben würde. Ich hab’s bei der Wahrheit belassen: dass es üblich ist und man sich gerne an 10% orientieren kann, es aber freiwillig ist. Natürlich hätte ich auch 20% nennen können, oder darauf hinweisen, dass viele bei so kurzen Strecken deutlich mehr geben etc. pp. Selbst Taxifahren ist ja nicht nur der Kampf um die letzten paar Cent, die man aus einem anständigen Neukunden noch rausholen kann.

Er hat dann halbwegs eloquent auf 6 € aufgerundet und sich weiterhin höflich verabschiedet und sich für die Fahrt bedankt. Ein zufriedener Kunde, ein guter erster Eindruck, ich hoffe, dass sich sowas auszahlt. Mehr Geld hab ich zweifelsohne mit den besoffenen Engländern 4 Stunden später gemacht, die mir nach 120 ins Ohr gelallten Fucks ihre 11,20 € auf 15,00 € aufgerundet haben – aber man kann sich insgeheim ja auch mal über die anderen Fahrten freuen, auch wenn man noch so hart im Nehmen ist.

Mission Kundenberuhigung

Ich war ja zu Beginn mehr als nur froh. Ein Winker auf dem Weg in die Stadt! Insbesondere, da ich das Auto zu Hause gehabt hatte und die Leerkilometer am Anfang den Schnitt gerne drücken bei meiner Wohnlage am Stadtrand.

Aber was für ein Schichtanfang!

Der Fahrgast war ein hagerer Typ in meinem Alter und hatte optische Anleihen eines Inders. Und er war sauer. Stinksauer.

Natürlich nicht meinetwegen, sondern wegen eines Kollegen.

„DIESES ARSCHLOCH VON TAXIFAHRER!“

„Oh, was ist los?“

„DER WOLLTE MICH ABZOCKEN!“

Ich schreibe ungerne in Großbuchstaben, deswegen mal mit meinen Worten: Der Fahrgast wollte zur Warschauer Brücke, bzw. in ein angrenzendes Gebäude. Er hatte es eilig. Ziemlich. Er musste zur Arbeit, pünktlich, und hat deswegen ein Taxi gerufen. An sich prima, denn genau dafür sind wir da. War der Kollege wohl auch. Nur hat er dann einen, nun ja, fragwürdigen Weg eingeworfen.

Ich hab mal eine Karte erstellt. Das ist nicht der genaue Routenverlauf, aber die Karte zeigt in grün den Startpunkt, in rot das Ziel und in gelb die Position, an der ich den Fahrgast aufgegabelt habe, nachdem er offenbar das andere Taxi zum Anhalten gezwungen hatte und ausgestiegen war.

Nun kann man dem Fahrgast sicher ein hitziges Gemüt unterstellen, allerdings ist wirklich nicht ersichtlich, wie er an besagten Punkt der Karte gelangt sein könnte, wenn nicht durch viel Absicht. Ich kenne natürlich nur die Version des Kunden, die muss nicht unbedingt wahr sein, das ist mir bewusst. Aber er hat den Kollegen offenbar darauf hingewiesen, dass er in die falsche Richtung fahren würde und als Antwort bekommen, das sei der kürzeste Weg.

„ABER WOHIN?“

will der Fahrgast gefragt haben:

„WOHIN IST DAS DER KÜRZESTE WEG?“

Da musste ich dann sogar etwas schmunzeln. Die Frage wäre mir so pointiert bei der Geschichte nicht in den Sinn gekommen. 🙂

Ich hab übrhaupt gute Miene zum bösen Spiel gemacht und ihn sich ein bisschen aufregen lassen. War ja nicht gegen mich gerichtet. Und das hat er auch klargestellt und uns Taxifahrern allgemein ein gutes Zeugnis ausgestellt. Er schien sich tatsächlich eher aufzuregen, weil ihm sowas noch nie passiert war und ihn die Dreistigkeit des „Kollegen“ völlig überrascht hatte.

„Der hat mich vielleicht für ’nen Touri gehalten, keine Ahnung, was mit dem abging!“

Sollte seine Schilderung der Wahrheit entsprechen, dann ist der weitere Verlauf jedenfalls passend: der Fahrer hat kein Geld gekriegt, die Zentrale ist bereits informiert und der Anruf beim LABO inzwischen vermutlich auch.

Der Fahrgast kam am Ende drei Minuten zu spät, trotzdem hab zumindest ich noch ein dickes Trinkgeld bekommen. Und mit meinem offenen Ohr hoffentlich diesen Kunden für uns ehrliche Kollegen gerettet. Hoffe ich zumindest …

Szeneprominenz

Die „ganz großen“ Promis landen bei mir ja selten im Auto. Die trauen sich ja nicht, sich ein Taxi ranzuwinken. Und da ich den Funk ausgeschaltet habe … ich denke, Ihr versteht den Zusammenhang. 😉

Umso erstaunter hab ich nun im Nachhinein festgestellt, dieses Wochenende mit Jurassica Parka die „Miss CSD 2014“ im Auto gehabt zu haben. Winkend am Straßenrand und kurz davor, doch noch einen Kollegen zu bestellen, weil ewig kein Taxi kam. Wieder mal eine Party gerettet, diesmal die Popkicker im SchwuZ.

Ich für meinen Teil kann mich aber auch bedanken für die Fahrt, denn zum einen war es eine ordentlich lange Winker-Tour, zum anderen ist die Drag-Queen wirklich nahe dran an der perfekten Kundschaft gewesen: nett, lustig, gesprächig. Darüber hinaus mit Interesse an Taxierlebnissen und voll des besonderen Lobes fürs hohe Dach der 72, das selbst für ihre gewagten Frisuren tauglich ist (zumal sie mit hohen Schuhen größer ist als ich!).

Dass ich die genauen Koordinaten des SchwuZ nicht aus dem Kopf wusste, hat sie gar nicht gestört und mir unkompliziert die letzten Meter gezeigt. Ja, sicher, einmal war ich schon da. Aber wie meine Kundin treffsicher bemerkte:

„Ich vermute mal, Sie sind hetero, dann werden Sie da wohl auch nicht oft sein …“

Ja, könnte schon sein. 🙂

Ich würde das gerne als schöne Erinnerung stehen lassen. Tolle Fahrt, tolle Kundin, gutes Trinkgeld … alles toll. Aber eines muss ich noch loswerden:

Wenn mir eine Kundin bezüglich Taxifahrten sagt:

„Ach, als Transe biste einiges gewöhnt …“

und anschließend erzählt, dass viele Taxifahrer sie hassen, andere wiederum eine Chance wittern und sich gerne zur Begleichung der Fahrtkosten einen blasen lassen wollen …

Sorry, „Kollegen“!
Aber so lange es solche Arschlöcher wie Euch gibt, muss ich auch mal den Gutmenschen raushängen lassen und hier klipp und klar sagen, dass ich das widerlich finde! Wer nicht normal damit umgehen kann, dass in Berlin (anderswo natürlich auch, aber hier besonders!) auch Menschen ein Taxi besteigen, die irgendwie andere sexuelle Vorlieben haben, sollte sich mal überlegen, ob das dann nicht eventuell der falsche Job ist …