Lob, papierförmiges.

Es erwischt einen ja immer unvorbereitet. Ich hatte gestern z.B. eine dieser schon hundertfach gefahrenen Kleinfahrten vom Ostbahnhof nach Kreuzberg. Zum Paul-Lincke-Ufer in die unmittelbare Nachbarschaft der bloggenden Kreuzberger Anwälte. Macht achtirgendwas.
Dann auf der Skalitzer sofort Winker. Nach Charlottenburg. Eine ausgesprochen gemütliche Fahrt mit einem etwas älteren Paar aus Norwegen. Und wir haben gequasselt und gequasselt. Über die Stadt, dieses jenes, teils privates. So eine Traumfahrt, bei der man am Ende wirklich noch was miteinander trinken gehen könnte, obwohl man sich erst seit einer Viertelstunde kennt.

Die beiden waren um Dank auch nicht verlegen und badeten mich in warmen Worten. Wirklich bemerkenswert war, dass sie deswegen tatsächlich ihr Trinkgeld angepasst haben. Letztlich bin ich natürlich trotzdem auf der Straße, um Geld zu verdienen. Und die beiden haben den Fahrpreis von 17,40 € nach anfänglichem Überlegen tatsächlich nicht mit 20, sondern mit sage und schreibe 30 € beglichen. Kleine Rechnerei: ohne Trinkgeld würde mir erst eine Tour ab 40 – 45 € einen ähnlichen Verdienst bescheren. Und die sind selten …

In die Top-10 kommen sie damit („leider“ will ich schon schreiben) nicht mehr, aber unter die obersten 1% ganz sicher. Und so explizit für die gute Arbeit gegeben fühlt sich das Trinkgeld auch gleich dreimal so gut an. 🙂

Vielen Dank …

Was ich am Taxifahren nach wie vor mag, ist die Kundennähe. Natürlich ist das nicht ausnahmslos schön und ich hab mich sehr amüsiert über Eure Kommentare zum gestern geposteten Artikel. Aber es gibt so lustige Dinge, die halt einfach im Taxi zumindest mal wesentlich öfter passieren als bei anderen Dienstleistungsjobs.

So hatte ich dieses Wochenende Holländer im Auto. Inklusive der fußballerisch begründeten guten Laune. Leicht angetrunken, vier Jungs – und sie wollten ins Matrix. Hätte vom Klientel her auch eine Horrorfahrt werden können. Stattdessen lief es so:

Ich fragte, wie ich ranfahren soll. Natürlich fahre ich die Fahrgäste grundsätzlich bis ans Ziel, aber wenn man von der Warschauer Straße aus in Richtung Matrix zielt, muss man (so man sich an die Verkehrsregeln hält) einen ziemlichen Umweg machen, der sich durch knapp 100 Meter Fußweg vermeiden lässt. Als ich das erklärt hatte, wollten sie auch wirklich bereits am Durchgang von der Warschauer aus rausgelassen werden. Nun denn. Bringt mir 1,20 € weniger, freute diese Kunden aber wirklich enorm.

„Darfen wir Dich ein Lied singen? Den kennst du sicher: Vielen Dank …“

Und die ganze Rückbank stimmte mit ein:

„… FÜR DIE BLUMEN! VIELEN DANK, WIE LIEB VON DIR!“

Und dann haben wir uns die letzten 3 Minuten darüber unterhalten, wie alt wir waren, als wir regelmäßig „Tom & Jerry“ im Fernsehen angeschaut haben.

Für mich als Nachtfahrer fast noch halbwegs normal. Fast noch. Halbwegs. Mein größter Spaß in dem Moment bestand darin, mir zu überlegen, wie das bei anderen Berufen aussehen mag: Der Chor für den Anwalt im Gerichtssaal, weil er eine geringere Bestrafung erstritten hat; das Gesinge in der Pizzaservice-Hotline, weil es heute zwei Extra-Zutaten zum Preis von einer gibt; und die Blicke des Bankberaters, wenn man so auf die Genehmigung eines Dispositionskredites reagiert.

Ja, manchmal bin selbst ich froh über den dreizeiligen Smalltalk, der distanzierend beim „Sie“ bleibt und einfach nur eine professionelle Dienstleistung abrundet. Dass das aber nicht der Grund ist, warum ich den Job mag und warum ich hier blogge, das ist vermutlich trotzdem recht einleuchtend …

Überraschung!

Öfter mal was neues! Man hält sich ja an, nicht immer nur den selben Quatsch zu machen.

Ich – als Inbegriff eines Gewohnheitstieres – komme nicht so oft von selbst auf neue Ideen, kann aber immerhin recht sicher sein, dass meine Fahrgäste da auch von alleine für sorgen. So hatte ich ja nun schon einige Leserfahrten mit Euch – allen bisher aber war gemein, dass ihr davon wusstet. Nun ergab sich die Chance, daran etwas zu ändern. Was gar nicht so leicht war.

Vor einiger Zeit nämlich meldete sich Felicitas Then bei mir. Das; traurigerweise, wenn man ehrlich ist; nicht etwa, um für mich zu kochen, sondern um mich zu fragen, ob wir es irgendwie hinkriegen würden, dass ich als Überraschung zum Geburtstag ihres Freundes Tammo auftauchen würde. Und das gestaltete sich nicht so leicht wie gedacht, denn handelsübliche Geburtstage haben den Nachteil, außerhalb meiner Arbeitszeiten zu liegen.
Am Ende waren es zwei Telefonate und mehrere Mails, bis der Plan stand, einmal wurde sogar mein Schlaf vorzeitig beendet. Aber zu guter Letzt stand ich als Überraschung mit einer noch erstaunlich kühlen Flasche Sekt in Kreuzberg und habe mal wieder zu spät gemerkt, dass Aliens sich wie vor jeder Fahrt mit anschließendem Foto meiner Frisur bemächtigt hatten.

Ganz sicher entspannter als am Vorabend, als die beiden damit beschäftigt waren, 300 Burger fürs Hoffest des regierenden Bürgermeisters anzurichten, standen sie dann pünktlich vor mir und dank viel Selbstdisziplin bin ich wohl eine gute Wahl gewesen. Die Tage davor hätte ich nämlich gerne irgendwas angedeutet, aber wie soll man das machen, wenn man weiß, dass es insbesondere von der Person gelesen wird, die es zu überraschen gilt?

So gesehen ist nicht nur vom Überraschungen nicht ganz so sehr mögenden Geburtstagskind sondern auch von der Überraschung selbst einiges an Spannung abgefallen, als wir letztlich fröhlich plaudernd zu dritt in der 72 saßen. Am Ende sind es zwei Fahrten geworden, beide schön – gerade im Vergleich zur sonst sehr mauen halben Schicht.

Gut, darüber, dass ich in einem Anflug völliger geistiger Umnachtung einmal beinahe 4 € Wechselgeld zu wenig rausgegeben habe, sollte ich vielleicht besser schweigen, aber sonst glauben ja wieder alle, sowas passiere mir gar nicht. Da will ich meinem Aufklärungsauftrag dann ja doch auch nachkommen. 😉

Wäre die angedachte dritte Fahrt noch zustande gekommen, wäre ich in dem Abend mehr Privatchauffeur als Taxifahrer gewesen, was eigentlich ganz ok war. Insofern, an Felicitas gerichtet: wenn das mit dem eigenen Chauffeur irgendwann klappt, sieh‘ das hier einfach als Bewerbungsschreiben! 😀

Und nun, abschließend, wie sicher schon erwartet: das Beweisfoto (dafür, dass sich schon wieder Aliens an meiner Frisur zu schaffen gemacht haben)

Sash, Felicitas, Tammo. Quelle: auf Autodach abgestellte Kamera.

Sash, Felicitas, Tammo. Quelle: auf Autodach abgestellte Kamera.


Das Taxizeichen

Das vergangene Wochenende war voll des Lobs. Nicht mal für mich, sondern allgemein die Kollegen in Berlins Taxen. Ich hatte haufenweise viel- und gernfahrende Kundschaft, und sie haben sich fast ausnahmslos positiv über die Besatzung der hellelfenbeinfarbenen Wagen geäußert. Sehr schön, so muss das! 🙂

Eine Feiernde erklärte ihren taxi-skeptischen Freunden dann gleich noch etwas mehr:

„DAS (hält sich ein Auge zu) ist zwischen mir und meiner Freundin das Taxi-Zeichen.“

Ich hab ebenso wie die anderen etwas sparsam geguckt, denn mir ist allenfalls diese ZDF-Werbung aus dem letzten Jahrzehnt eingefallen. Aber sie wusste das schlüssig zu begründen:

„Ja, immer wenn sich eine von uns schon ein Auge zuhalten muss, um die SMS auf dem Handy nicht doppelt zu sehen, ist klar, dass wir’n Taxi nach Hause nehmen …“

Wieder was gelernt.

Kompetenzgefälle

Zwei Uhr, regennasse Fahrbahn, die Kreuzung Stralauer Allee/Markgrafendamm. Die Ampelschaltung, um geradeaus nach Stralau zu kommen, ist wie immer zu kurz. Aber es müsste noch reichen. Die beiden Wagen vor mir fahren flott an, ich drücke mich bei Dunkelgelb noch durch. Plötzlich setzt der erste den linken Blinker und bremst wegen Gegenverkehr. Notgedrungen bremst der hinter ihm und hinter selbigem auch ich. Ich stehe mitten auf der Kreuzung und inzwischen bekommt der Querverkehr grün. Mir bleibt nichts anderes übrig, ich rolle ein Stück zurück, muss ich halt aufs nächste eigene Grün warten.

Da das reichlich aprupte Bremsen, das Im-Weg-Stehen auf der Kreuzung und schließlich das Zurückfahren in meinen Augen nicht so wirklich professionell aussieht, entschuldige ich mich bei meinen Fahrgästen:

„Sorry, das war so nicht geplant.“

„Ach, war doch nicht dein Fehler! Oder doch? Ich hab keine Ahnung, ich fahr‘ ja nicht Auto …“

🙂

Wort gehalten

Sie sagte:

„Ich sag immer: Gute Taxifahrer, gutes Trinkgeld! Scheiß Taxifahrer, kein Trinkgeld!“

Na endlich! Ich mache ja keinen Hehl daraus, dass ich etwas unfair finde, dass wir Fahrer im Schnitt irgendwie alle um die 10 – 15% Tip bekommen, wo es doch so unterschiedliche „Kollegen“ gibt. Und – auch wenn ich mich eigentlich auf der sicheren Seite wähne – es wäre eigentlich auch ein tolles Korrektiv, ein Anlass über das eigene Verhalten nachzudenken, wenn man sicher wüsste, dass das Trinkgeld überlegt gegeben wurde. Aber auch ich hatte schon Trinkgeld von Leuten, die mir einen Betrug vorgeworfen haben und erst heute Nacht wieder kein Trinkgeld von total dankbaren Leuten.

Und meine oben erwähnte Kundin?

Hat aus 27,20 € glatte 35 € gemacht. Und danach einen Kerl überredet, bei mir ins Auto zu steigen, weil ich so cool war.

Ich glaube, mit dem System könnte ich mich anfreunden. 😉

Mal eben die Bude ausräumen …

Er winkte mich gleich auf meiner ersten Runde durch den Kiez an die Straßenseite. Dort wusste er dann aber nicht so sicher, wie er mir beibringen sollte, dass das eine eigentlich total tolle Tour werden würde:

„Sag mal, geht das auch, dass wir, ich meine, könnten wir auch in der xy-Straße anhalten. Meine Freundin hat mich gerade rausgeschmissen und ich müsste mein Zeug holen und danach nach Lichtenberg. Kriegst auch’n Fünfer extra!“

Wofür verschloss sich mir zwar, aber man will sein Glück in so einer Situation ja auch nicht überstrapazieren. 🙂

An besagtem Haus angekommen konnte ich gut vor der Einfahrt halten und hab eigentlich hauptsächlich eine geraucht. Seine Koffer und Taschen hab ich ihm an der Haustüre abgenommen, ein paar wurden auch von einer Frau rausgetragen. Dem Gesichtsausdruck nach könnte es die Freundin gewesen sein. Der Aufenthalt dort war kurz, unkompliziert und das Gepäck hat prima in den Kofferraum gepasst:

„Geil, dass Du mit so ’ner geräumigen Karre unterwegs bist!“

Dann kurz nach Lichtenberg, ein paar Koffer vor den Hauseingang stellen, fertig. Echt kein großer Deal, wenn ihr mich fragt. Auch er hat mich das nicht gefragt, sondern sein Versprechen wahr gemacht. 14,20 € standen auf der Uhr und er meinte:

„Wären 20 jetzt wirklich ok für Dich?“

Ja, vielleicht hätte ich ihm das mit dem Wartezeittarif noch mal genauer erklären können – oder das Hilfe beim Gepäck eigentlich selbstverständlich ist. Aber Himmel, der wurde gerade rausgeschmissen, den wollte ich doch nicht mit Details über den Taxitarif belästigen … 😉

PS: Ich mach das ja selten, zu meinen Gunsten bei solchen Fragen schweigen. Aber hier war das ok. Der hat die Frage ohnehin gestellt, als würde er mir ohne weiteres auch 25 oder 30 € geben. Er war sichtlich überrascht und erfreut über die problemlose Abwicklung und dass das alles insgesamt so günstig und stressfrei war. Das hat ihm sichtbar den ansonsten ja nicht ganz so optimal verlaufenen Tag erleichtert. Das sind so Momente, da nimmt man ein tolles Trinkgeld auch einfach mal an. Der wird sich nicht am nächsten Morgen gedacht haben: „Scheiße, ich hätte dem Fahrer doch auch nur 16 € geben können!“

PPS: Heute Abend bin ich hoffentlich wieder fit genug zum Arbeiten. Bisher sieht es gut aus, aber das ein oder andere Daumendrücken schadet sicher nicht. 😀