Wiederholungstäter?

Im nördlichen Prenzl’berg stand er plötzlich am Straßenrand und wartete lange mit dem Winken ab. Dass er ein Taxi suchte, war ohnehin nicht so sonderlich deutlich erkennbar, da er ein Fahrrad mitführte.

Selbiges zu verladen hat dann nach meinem eiligen Stopp aber einmal mehr geklappt wie immer: Es war ein anstrengendes Gefummel, aber letztlich hat es reingepasst. Und trotz des miesen Wetters sind am Ende kaum Spuren an mir oder am Auto geblieben. Hurra! So zumindest äußerte sich der Kunde mehr oder weniger, er lallte nämlich grob folgendes:

„Dusississubber dasses Faaahrad voll reingeht! Subber!“

Den Kerl aus dem Verkehr zu ziehen war meine gute Tat für heute Nacht. Dann hat er mir eine Straße angesagt, die mir sofort bekannt vorkam, obwohl sie klein war und weit draußen in Mahlsdorf lag. Eine sogar in Berlin nicht doppelt vorkommende Straße mit schwieriger Schreibweise, die ich von diesem Kunden kannte. Und seitdem mir das aufgefallen ist, bin ich nicht sicher, ob es nicht der gleiche Kunde war. Rein vom Alkoholisierungsgrad und der Adresse könnte es so gewesen sein. Beim Rest macht mir meine Gesichtsblindheit einen Strich durch die Rechnung. Außerdem war das auch die in fast 7 Jahren erste Tour, bei der ich einen schlafenden Fahrgast mitgenommen habe, der seinen Fahrradhelm nicht abgesetzt hat. Das erschwert das Wiedererkennen dann ja auch ein wenig.

Bezüglich der Straße warte ich mal ab, ob sie sich weiterhin als ein Hort stark betrunkener Fahrgäste erweist.

8 Kommentare bis “Wiederholungstäter?”

  1. Hab in Berlin auch mal nen Taxi rangewunken, mit Fahrrad an der Hand. Hab aus dem MBike einfach das Schnellspanner-Vorderrad rausgenommen – da passt das bei teilbar umklappbarer Rücksitzbank in jeden Kleinwagen. War gar kein Problem, der Taxler (mit Van) hatte nicht mal mit der Wimper gezuckt. Ein- und ausgeladen habe ich es selber – der von mir so „missbrauchte“ Taxler muss sich ja nicht noch extra die Hände schmuddelig machen wegen mir…

  2. Cliff McLane sagt:

    Berlin. Fahrrad. Angetrunkene Person.

    Meine kriminalistische Spürnase sagt mir, dass du dich da möglicherweise der Beihilfe zu einem Fahrraddiebstahl schuldig gemacht hast.

    Wobei es so etwas wie Fahrraddiebstahl in Berlin ja gar nicht geben tut. Wie mir ein Berliner Freund mal recht plausibel erklärt hat, ist es in einer Stadt mit n Radfahrern, aber grundsätzlich nur (n-1) Fahrrädern völlig normal, sich eines mitzunehmen, das offensichtlich gerade nicht gebraucht wird.

  3. streckenweise sagt:

    @Cliff McLane
    Und damit er sich nicht verdächtig macht als Fahrraddieb, hat er sich vorsorglich einen Helm aufgesetzt (der er während der ganzen Fahrt nicht abgesetzt hat)?

  4. Cliff McLane sagt:

    @streckenweise, das ist doch einfach mit der n-minus-eins-Regel zu erklären: Wenn mir MEIN Fahrrad abgeht, dann habe ich zwar den Helm noch, aber halt eben das Rad nicht. Daher muss ich mir ein Rad nehmen. Wenn ich dann aber feststelle, dass ich zu besoffen zum Radfahren bin, dann winke ich mir ein Taxi. Und, zack!, wird der Taxifahrer zum Komplizen.

  5. Cliff McLane sagt:

    Und überhaupt, ich gurte mich auch immer an, wenn ich bei den Nachbarn die Autos klaue. Wäre ja extrem dumm sich wegen sowas erwischen zu lassen.

  6. Sash sagt:

    @gedankenknick:
    In so einem Fall ist das ja leicht. Ich hatte aber noch nie Fahrgäste mit Schnellspanner. Mit den dreckigen Händen muss ich also meist leben und arbeiten …

    @Cliff McLane:
    An Diebstahl würde ich wirklich zu allerletzt denken bei betrunkenen Radfahrern. Einfach, weil sie zu alltäglich sind. Und das ist kein Rant gegen Fahrradfahrer, sondern nur die logische Schlussfolgerung daraus, wie viele ich mit Flaschen in der Hand fahren sehe. Aber nichtsdestotrotz: Eine interessante Theorie. 🙂

  7. Cliff McLane sagt:

    @Sash, keine Theorie, sondern erlebte Praxis.

    Wobei ich mich frage, mache ich mich strafbar, wenn ich auf dem Gepäcksitz eines von einem Kumpel geklauten Fahrrads sitze, das er fährt, und wir das dann irgendwo wieder abstellen und die restlichen Meter laufen?

    Und gilt die Metallsäge, die ich zufällig dabei hatte, als Tatwerkzeug?

  8. Einweghandschuhe sagt:

    „Mit den dreckigen Händen muss ich also meist leben und arbeiten …“
    (OP-)Einweghandschuhe (100 Stk um 2 EUR) sind Dir wohl zu mainstream?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: