Bonne nuit!

Wenn ich eines mit Sicherheit sagen kann, dann dass es kein Fehler war, Französisch in der Schule abzuwählen. Französisch ist zweifellos eine wunderschöne Sprache, mir persönlich liegt sie allerdings gar nicht. Theoretisch hätte ich an meiner Schule sogar das französische Abi machen können, bei mir war es aber eher so, dass mich die ein oder andere Stunde histoire etliches Geschichtswissen gekostet hat, anstatt es mir näherzubringen.
Ich stehe im Allgemeinen mit der Grammatik ein wenig auf Kriegsfuß, und das wird der Grund sein, weswegen ich mich mit Englisch zwar anfreunden kann, Französisch aber immer einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt.*

Aber eines muss man dieser Sprache lassen: Richtig ausgesprochen ist es die beste Form, Einladungen ins Schlafgemach glaubhaft zu machen.

Nun, ganz so zügellos geht es meinem Taxi dann auch nicht zu. Aber ich hab mich dazu breitschlagen lassen, ein paar Worte auf französisch zu reden mit der reizenden jungen Dame, die in ihr Hotel gebracht werden wollte. Also sind wir ehrlich: Einen wirklich holperfreien Satz hab ich allenfalls zur Verabschiedung zustande gebracht (manche Dinge vergisst man halt doch nie) – aber es hat tatsächlich ein wenig Spaß gemacht. Und ein paar Worte haben die 7 Jahre Unterricht dann ja doch hinterlassen. Während ich in Spanien wirklich ausschließlich zwei Bier bestellen kann, kann ich in Frankreich schon erklären, dass ich mit dem Auto da bin und lieber etwas alkoholfreies hätte.

Aber wir (will heißen: Sie) hatten schon einiges zu lachen. Am Ende hat sie zusätzlich zu ihrem netten Trinkgeld noch im Geldbeutel gekramt, eine Münze rausgeholt und sie mir mit einem umwerfenden Lächeln in die Hand gedrückt:

„C’est pour toi, mon ami. Pour collectionner. Bonne nuit.“

Ganz ehrlich: Obwohl ich jedes Wort verstanden hab, ist es mir kalt den Rücken runtergelaufen. Rrrr!

Was die Münze angeht, hatte ich ja auf einen Franc gehofft, wäre ja wirklich nett, eine nicht mehr im Umlauf befindliche Münze zu erhalten. Aber leider war meine wohlwollende Kundin wohl aus der Schweiz.

Aber wenn ich gerade dabei bin:

Zut alors! Trop tard pour écrire des textes longues… Bonne nuit, mes copains!

Wer in den Sätzen Fehler findet, darf sie gerne behalten. Ich kann schließlich gar kein Französisch und hab es jetzt nicht überprüft.

*Hey, an diesem bewusst zweideutigen Wortspiel hab ich hart gearbeitet – also lacht bitte auch! 🙂

Gutes Timing

Hallo zurück erstmal, liebe Leser!

Eine Woche Funkstille ist nun vorbei – aber da die Klagen so zahlreich nicht waren, hoffe ich doch, dass ich gleich zur Tagesordnung übergehen kann 😉
Nur so viel: Ich war krank, hatte Besuch und nebenbei auch oft keinen Bock. Da muss auch mein Blog mal ein wenig leiden.

Heute dann der langersehnte Start, der Wiedereintritt – oder was einem sonst noch so für Vokabeln einfallen, die man in Anlehnung an den ersten bemannten Raumflug vor nunmehr 50 Jahren verwenden kann…
So spektakulär wie Gagarins Flug war meine erste Schicht natürlich nicht. Weder hat meine Kiste den Weltraum erreicht, noch ist sie ins Trudeln gekommen, und einen Orden von der russischen Regierung werde ich wahrscheinlich auch nicht bekommen. Sei es drum. Es war ja nur eine total langweilige Dienstagsschicht.

Ich bereite mich auf die Schichten ja durchaus unterschiedlich vor. Nicht arg, aber in Nuancen. Während ich Samstags zum Beispiel dafür sorge, dass ich ein paar Knabbereien dabei habe, die ich schnell nebenher essen kann, sorge ich mich Dienstags wesentlich mehr um Zigaretten und Lesestoff. Wer denkt schon daran, beim Fahren zu essen, wenn man sowieso 6 von 8 Stunden rumsteht…

Insofern war die Schicht nicht nur was seichtes zum Wiedereinstieg, sondern gleichzeitig auch eine erneute Geduldprobe. Eine Tour pro Stunde hab ich gerade so hinbekommen, das Gesamtergebnis blieb dennoch zweistellig. Dennoch spreche ich von gutem Timing in der Überschrift. Weswegen?

Also zum einen hab ich die Bahn zum Heimfahren punktgenau erwischt. Das ist in der Tat nicht schlecht, denn die fährt Nachts ja nur im 30-Minuten-Takt. Aber damit will ich nun wirklich niemanden langweilen.

Nein, es ging natürlich um eine Tour. Als ich heute einmal fast eine Stunde vor dem Ostbahnhof versauert bin, trat ein Mann an einen Kollegen vor mir heran, setzte sich in sein Auto und redete. Dann stieg er wieder aus und ging zu einem weiteren Kollegen. Soweit nichts ungewöhnliches, Preisverhandlungen sind ja letztlich – ob legal oder illegal – an der Tagesordnung.
Als er dann zu einem dritten Kollegen wechselte, wurde ich neugierig. Er war zwar bisher überall abgeblitzt, aber selbst der blödeste Vollpfosten fragt nicht 3 Taxifahrer, ob er eine 30€-Tour für 10 kriegt. Ich vermutete sowas wie „an der Bank halten“, Kartenzahlung oder eine kleine Finanzdifferenz von einem 5er – den man ja eventuell auch wieder an einer Bank ausgleichen könnte.

Inzwischen haben sich die ersten beiden Kollegen unterhalten, und es kam heraus, dass der Kerl wohl nach Bernau wollte. Ui!
Dem ersten Kollegen hat er einen Zwanni geboten, was dann locker die Hälfte unter einem halbwegs plausiblen Angebot liegt. Kollege 2 allerdings hat schon 30 geboten bekommen, und so überlegte ich zum einen, wie viel ich verlangen würde – zum anderen, wie viel er bieten würde, wenn er die Taxen der Reihe nach durcharbeitet und immer um einen Zehner erhöht 🙂

Letzteres hätte 70 € für die Tour gebracht, aber das war natürlich eine absurde Annahme. Ich hab also mal geschaut, wie weit das genau ist. Mein Navi meldete was von 25 Kilometern, und ich wartete weiter. Für 30, naja… 33 Euro hätte ich ihn eingesackt. Versaut zwar den Schnitt, aber an einem Dienstag… und selbst mein Chef freut sich im Zweifelsfall erst mal über den Umsatz. Eine gigantische Ferntour, bei der die Kilometer dann wirklich schmerzhaft werden, sieht ja dann doch anders aus.

Aber soweit kam es nicht.

Kollege Nummer 4 hat irgendeinen Deal ausgehandelt und ist mit ihm von Dannen gefahren. Damn! Ein paar Minuten mehr blieben mir also nicht erspart.

Meinen Fahrgast bekam ich aus einem ganzen Pulk an Leuten, und ja: Es war sekundengenaues Timing, dass ich just ihn erwischte. Und… Moment mal! Den kennste doch!

Es war niemand anders als der personifizierte Glücksgriff unter den regelmäßigen Fahrgästen am Bahnhof: Ein Geschäftsmann, der bis nach Zehlendorf fährt und immer gute 3 € Trinkgeld gibt. Meine erste Fahrt mit ihm hatte ich bereits in meinem ersten Monat. Siehe hier.

Er war damit – nach langer Pause – das dritte Mal (Rekord!) Gast in meinem Auto, und wie schon beim zweiten Mal erkannte er mich nicht wieder. Das macht mich jetzt nicht fertig, ich bin nur einer von zahllosen Taxifahrern und zudem hat der werte Mann die Angewohnheit, die Fahrt nach Hause mit Zeitunglesen zu verbringen. Das erste Mal hat mich seine Schweigsamkeit noch tierisch nervös gemacht, inzwischen freue ich mich darüber, denn bei ihm weiss ich inzwischen, dass es keine eisige Kälte ist, sondern er lediglich seine Fahrt gerne ruhig und lesend verbringt.

Auf den Fahrtpreis war ich selbst gespannt, da ich ihn seit der Tariferhöhung nicht mehr gefahren habe, und er außerdem inzwischen auch eine zweite Route vorschlug, die ich dann lieber genommen habe als seinen Standardweg.

Am Ende lief es auf 31,00 € raus, nicht auf die 29,60 €, die damals noch Standard waren.
(ich hab ja damals mit Fahren nach Navi sogar 28,90 € hinbekommen und hätte es noch billiger geschafft…)
Aber auch er hat seinen Preis angepasst und 34 € gegeben. 😀

Gut, wie eingangs erwähnt: Deswegen ist die Schicht noch nicht zu einem Rekord geworden – aber wenn ich jetzt überlege, wo ich ohne die Tour sein könnte…

Manchmal ist es dann doch schön, wenn man nicht den Erstflug wagt, sondern in bekannten Gewässern schifft.

Trinkgeld-Extreme

Wenn ich es gerade bei Torsten drüben lese, dann muss ich doch irgendwie auch meinen Senf dazugeben 🙂

Trinkgeld ist ja nun wirklich eine schwer zu bemeckernde Tatsache. Schon alleine, dass jemand Trinkgeld gibt, ist toll, das tun beileibe nicht alle Taxikunden. Manche tun es aus Unwissenheit über unseren Job nicht, manche aus Prinzip und manche sind vielleicht wirklich vom Service enttäuscht. Leider erfährt man es meist nicht.

Komisch ist es irgendwie oftmals, wenn es wenig Trinkgeld gibt. Klar geben manche einfach eisern genau einen Euro oder 10 Prozent, was mich dann bisweilen überrascht, weil ich bei einer Fahrt für 8,80 € nicht gerade erwarte, auf 9,80 € herauszugeben, oder bei 6 € Fahrpreis über die Ansage „6,60 €“ stolpere. Das ist einfach ungewöhnlich. Die beiden Beispiele lagen jetzt allerdings durchaus im Rahmen.

So ein ähnliches Beispiel wie Torsten hatte ich derletzt allerdings auch. Ich hatte ein paar Winker am Straßenrand in Friedrichshain, und sie wollten zum bekanntesten Bordell der Stadt, zum Artemis. Sie waren entzückt darüber, dass ich 5 Sitze habe, so konnten sie sich das zweite Taxi sparen. Unterwegs unterhielten wir uns nett – notgedrungen auf englisch, aber durchaus ausführlich – über alles mögliche von Berlins Sehenswürdigkeiten bis zu ihrer Heimat, übers Taxifahren, das Wetter, Fußball und nicht zuletzt über ihre Zieladresse. Einmal waren sie schon dagewesen, sie priesen Qualität und Sauberkeit und Service, und auch die Taxifahrer seien bisher alle so super gewesen, das würden sie gar nicht kennen von zu Hause.
Die Fahrt war also nicht nur relativ lang, sondern auch angenehm. Dazu hatte ich Kunden im Auto, die sich um die Ohren warfen, welchen Luxus sie sich gleich hier für einen Fuffi, da für einen Hunni extra leisten würden, und wie schön doch die Stadt sei. Am Ende standen 21,80 € auf der Uhr, und nachdem ich dem Fünften im Bunde geholfen habe, die dritte Sitzreihe zu verlassen, bekam ich 22 € gereicht und mit einem Klopfen auf die Schulter wurde mir bedeutet, ich könne den Rest doch gerne behalten, war ja schließlich so nett mit mir…

Man muss ihnen zu gute halten, dass sie immerhin kein hohes Trinkgeld versprochen haben.

Und dann hat man zwei Stunden später einen älteren HartzIV-Empfänger im Auto, der wegen einer Bahnverspätung nur noch einen ungünstigen S-Bahn-Anschluss nach Hause hatte. Der hat es sich nicht nehmen lassen, ein bisschen zu jammern, dass der Besuch bei seiner kranken Mutter doch eh schon ein tiefes Loch in die Haushaltskasse gerissen hätte, was ich ihm schlecht verdenken kann. Und dann rundet der Kerl mit einem zahnlosen Lächeln die 12,20 € auf 15 € auf und meint, darauf käme es jetzt auch nicht mehr an, er freue sich, dass ihm mal jemand zuhört.

Da wusste ich dann wirklich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte…

Es ist ja klar, dass nicht jeder meinen Briten (Hey Torsten, bei mir zieht einer alleine den Schnitt schon nach oben! 😉 ) toppen kann. Das wäre auch etwas zu viel verlangt. Ich bin mit den durchschnittlichen 10 Prozent Trinkgeld zufrieden. Schade finde ich, dass es wirklich oft vorkommt, dass das wenigste Trinkgeld von den Leuten kommt, die es sich entweder leisten könnten oder auch noch damit prahlen, es zu tun.

Und hey, ich weiss, dass ich nicht die angenehme Art von Service biete, die Prostituierte ihren Kunden angedeihen lassen. Aber sind 2 € für den Taxifahrer echt so unvorstellbar, wenn man gleich 500 € im Puff liegen lässt?

Die Kollegen, das Wochenende

…und der ganze Rest.

Es ist wahrlich kein sonderlich schöner Monat. Pah, Monat! Im Grunde läuft das Geschäft seit 3 Monaten durchgehend desaströs. Die meisten Kollegen meiner mir bekannten Kollegen bestätigen das, und die die es nicht tun haben meist ein- oder zwei Abende Glück gehabt. Hier mal ein Puffbesuch mit Prämie, da mal eine Ferntour.

Den Vogel bezüglich Ferntouren abgeschossen hat Kollege Paul. Der hat jetzt im März 5 Touren gehabt, die man immerhin so halbwegs als Ferntouren einordnen könnte: 2 mal Cottbus, 2 mal Fürstenwalde und einmal noch irgendein anderes brandenburgisches Nest.

Und ich? Naja, nix von alledem. Es war einfach ein beschissener Monat. Bestenfalls kamen die Kollegen zu mir gerannt und haben mit Freudentränen in den Augen geschildert, wie viel ihnen die Tour gebracht hat. Naja, es sei ihnen gegönnt, ich würde es wohl auch kaum anders machen.

Allerdings würde ich es definitiv anders machen als die Kollegen heute am Ostbahnhof. Just als ich mit einem der netteren Exemplare sprach, gerieten vor uns 2 Kollegen mit einem Fahrgast in Streit. Der Fahrgast beschwerte sich lautstark und fragte auf Englisch:

„What is the problem with Erkelenzdamm?“

Der entsprechende Kollege antwortete auch noch hämisch:

„Jaja, ick weeß ja wo der is. Deswegen fahr ick dir trotzdem nich!“

Das Dumme ist, dass ich im ganzen Trubel – der Fahrgast trat dann an mich heran – nicht nach der Konzessionsnummer dieses Kollegenschweins geschaut habe. Und irgendwie war der dann ziemlich schnell weg. Naja, ich hab dann trotz ebenso einstündiger Wartezeit nicht lange gefackelt und den armen Typen zu seinem Ziel gebracht. Ist ja nicht so, dass ich mir nicht auch mehr als 7,00 € auf der Uhr gewünscht hätte, aber ich halte nach wie vor nix vom Tourenablehnen aufgrund der Länge…

Glücklicherweise war das seit langem mal wieder ein besonderer Fall, so viel Stress gab es ja schon aufgrund mangelnder Kundschaft in letzter Zeit kaum.

Deswegen hab ich es mir dann am Samstag (Ja, da lief es dann plötzlich! Grrr….) rausgenommen, mich gemütlich auf zwei Kaffee mit Axel zu treffen, mit dem ich wegen der Kabel1-Geschichte seit langem mal wieder in Austausch getreten bin.
Und ich will meinen werten Lehrer und Kollegen jetzt nicht in den Himmel loben: Aber es hat verdammt gut getan, sich mal innerhalb des Gewerbes auf Augenhöhe mit jemandem unterhalten zu können. Bis auf ein paar ebenfalls bloggende Kollegen bescheren mir dieses Vergnügen nämlich wirklich nur die allerwenigsten…

Das Ende der Pause hat dann just Jo eingeläutet, indem er mich mal flugs ums Eck bestellt hat. Ich war dann zwar erst über eine Stunde später da, aber das schreibe ich nur, um die Zeitumstellung (die mir wie üblich keine Probleme gemacht hat) auch noch in diesem Artikel unterzubringen.
Jo hat dann noch eine „alte Rechnung“ beglichen, sodass es eigentlich gar nicht so schlecht aussah an dem Abend. Und ich glaube für die Route, die wir gefahren sind, lade ich ihn irgendwann dann doch noch mal auf ein Bier ein. Oder wenn es passt – des Anlasses wegen – auf einen „Kurzen“ – denn das ist so etwa das, was ich ihm schuldig geblieben bin in meiner frühsonntäglichen Verplanung 😉

Ansonsten gibt es nicht viel zu berichten von der Straße. Kaum Leute unterwegs, Schlaglöcher überall und die Bremsen an meinem Auto quietschen munter vor sich hin, obwohl der Hausschrauber die vor zwei Wochen genau aufgrund meines Verdachts für in Ordnung befunden hat. Doofe Geschichte, ich finde es nicht sehr angenehm, mit einem quietschenden Auto an Kunden ranzufahren…

Ach ja, die Kunden:

„Sie sind gewesen von den Fahren Taxi bisher besten alle!“

Na, immerhin 😀

Mürrisch

„Aber sonst ist alles ok?“

hab ich die vier Mädels gefragt. Es war die erste Tour des Abends, und die Laune war bei eigentlich allen Anwesenden gut. Meinetwegen hätte die Fahrt zwar etwas länger sein können, aber es war mal wieder eine Gruppe, die ich hinten in der Schlange abgegriffen habe, weil ein paar meiner Kollegen keine große Lust auf Partyvolk hatten. Die Wartezeit war also kurz.

Ich hatte gerade eine Diskussion über Avril Lavigne mit meiner Kurzzeit-Beifahrerin geführt, als aus dem Fond ziemlich laut ziemlich unanständige Dinge gesagt wurden. Und darauf hat sich meine Frage bezogen. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten:

„Ja klar, hört man doch!“

Darüber sinnierend, ob es inzwischen tatsächlich gesellschaftlich anerkannt ist, seine gegenwärtige Stimmung mit einer Zustandsbeschreibung des eigenen Genitalbereichs auch Fremden gegenüber mitzuteilen, bin ich dann weitergefahren. Mit der gesprächigen Dame auf dem Beifahrersitz habe ich einen neuen Radiosender gesucht, die Lautstärke der Stimmung angepasst und mich ein wenig gefreut, dass die nun lautstark skandierten Texte wenigstens auf englisch und damit für Passanten unverständlich waren. Dem Mitsingen nach auch für die Person auf der linken Seite hinter mir, aber das ignorieren wir mal 😉

Kurzum: Eigentlich war es ganz nett, und trotz nicht ganz so guter Musik war das ein prima Einstieg in die Schicht. Und dann kam DIE Aussage schlechthin:

„Sie könnten langsam mal mürrisch werden!“

„Wie bitte?“

„Naja, bisher hatten wir immer so total mürrische Taxifahrer. Nerven wir sie nicht?“

„Nee, sorry! Ich hab schon schlimmere Ausdrücke gehört und schlechtere Musik sowieso. Außerdem ist die Tour gar nicht so kurz und ich verdiene Geld dabei. Mich würde es viel mehr stören, wenn ihr hier alle depressiv rumsitzen und mein Auto vollkotzen würdet.“

Also so sinngemäß hab ich das gesagt.

2 Minuten später war die Fahrt zu Ende, und neben dem üppigen Trinkgeld (3,80 €) gab es dann noch eines der schönsten Komplimente der letzten Zeit:

„Bist’n super Taxifahrer. Ehrlich! Bewahr dir das in deinem Leben!“

Ich versuche es 🙂

Arbeitsauffassung

Die Einstellung zur eigenen Arbeit: Ein prima Thema. Ich bin mir da mit so vielen Kollegen uneins, wahrscheinlich mit den meisten. Ich mache meine Arbeit gerne. Davon abgesehen empfinde ich sie durchaus auch als sinnvoll. Klar, mich im Speziellen bräuchte dieses Gewerbe sicher nicht – aber dass es Taxen und ihre Fahrer gibt, ist schon eine tolle Sache an und für sich.

Natürlich mache ich den Job auch zum Geldverdienen. Ich freue mich auch immer, mal nicht arbeiten zu müssen und es gibt auch Tage, an denen ich froh bin, mal nicht lauter fremde Menschen so nahe auf der Pelle zu haben.
Aber im Gegensatz zu vielen Kollegen sehe ich mich nicht in einem Scheißjob gefangen, nicht als Sklaven der Kunden oder – das ist wirklich das geilste, was ich in letzter Zeit am Stand gehört habe – als großes Opfer der Politiker, denen nichts anderes am Herzen liegt, als armen Autofahrern mit aufgezwungenem Biosprit den Garaus zu machen.

Ich biete eine Dienstleistung an und lasse mich dafür bezahlen. Meist endet das angenehm für mich und meine Kunden – und über die Ausnahmen lassen sich wenigstens wunderbare Geschichten schreiben. So würde ich das sehen.

Nun bin ich ja nicht alleine mit dieser Einstellung. Mir ist noch gut der Außendienstmitarbeiter eines großen Elektromarktes in Erinnerung, der so richtig happy war, dass er mit seiner Arbeit Menschen helfen konnte. Aber ja, bei manchen Branchen wundert mich diese Einstellung dann auch. Das mögen alles Vorurteile sein – aber die hat man nunmal.

So hab ich am Wochenende einen Mann in meinem Alter aufgegabelt, der sich nach Mitte bringen lassen wollte. Wie das so ist, sind wir schnell miteinander ins Gespräch gekommen, und er zeigte sich sichtlich erleichtert, mal frei zu haben:

„Normalerweise arbeite ich am Wochenende auch immer! Ist richtig cool, mal frei zu haben und auch mal Kollegen in ihren Läden besuchen zu können.“

Oha! Nachtigall, ick hör dir trapsen: Gastronomie. Nach wie vor stimmt die Vermutung fast immer, wenn es um Nacht- und vor allem Wochenend-Arbeit geht.

„Gastronomie?“

„Nee nee, Security!“

Hoppla. Aber klar, die haben auch so in etwa meine Arbeitszeiten 🙂

„Türsteher würden die meisten sagen. Ich betrachte mich eher als eine Art Gästebetreuer.“

DAS hatte ich so nun wirklich noch nicht gehört!

Es kam, wie es kommen musste: Wir unterhielten uns über nervige Kunden, und bedauerten einander mit zwinkerndem Auge ob unserer Arbeitszeiten. War eine echt angenehme Fahrt soweit. Er hat seinen Job dann klassifiziert als

„95% Psychologie und 5% körperliche Gewalt“

Trotz dieser fast noch brauchbaren Verhältnisse bin ich ja froh, dass bei mir der Gewaltanteil bisher nach 2 Jahren bei 0% liegt. Wirklich amüsant fand ich dann aber den folgenden Spruch:

„Weisste, wenn mir dann einer kommt mit „ey du Fotze!“, dann sag ich auch immer: „Lass uns bei SIE Fotze bleiben, dann haben wir wenigstens noch eine Verhandlungsbasis!““

Ich find den gut 😀

Mein Fazit lautet übrigens immer noch so, wie beim oben verlinkten Artikel: Diese Stadt würde nicht funktionieren ohne all die Menschen mit dieser Einstellung. Mir erzählen ja auch immer viele Kunden, sie könnten meinen Job nicht machen – das verstehe ich, und ich liebe ihn trotzdem. Immer wieder schön zu sehen, dass das teilweise auch bei Jobs so ist, über die ich das selbe sagen würde.

Sonstiges

Das Wochenende war umsatzmäßig das, was man gelegentlich über Fleisch sagt: Durchwachsen. Dafür waren meine Fahrgäste spendabel. Freiwillig und unfreiwillig. Das Trinkgeld ist überdurchschnittlich gut gewesen, was verschiedenen Kunden zu verdanken war. Beispielsweise den zwei Norwegern, die völlig happy und ein wenig knülle aus dem Matrix kamen.

Sie fänden Berlin großartig. Sie wären zwar nicht das erste Mal hier, aber es wäre das erste Mal, dass sie hier was trinken. Und da man hier nicht wie in Norwegen 4 € pro Bier bezahlt, sei das alles gleich doppelt super. Einziges Problem: Sie hatten sich nicht getraut, die Jacken abzugeben und wären deswegen jetzt etwas verschwitzt, weil sie im Club stundenlang in Daunenjacken getanzt hatten.

„And Norway is a cold country! We have good jackets!“

Lobenswerterweise haben sie mir dann ein richtiges Trinkgeld gegeben, mit dem ich auch in ihrem Heimatland ein Bier hätte trinken können 😉

So dürfte das immer laufen.

Und von der Sorte gab es einige in den letzten Tagen. Richtig gut wurde es dann, als ich am Freitag beim Auto säubern noch einen Zehner gefunden hab. Keine Ahnung, wer den da verloren hat, ich werde mir das Fundbüro dieses Mal sparen.

Und gestern hab ich dann beim Umklappen der hinteren Sitze ein Zwei-Euro-Stück an einer Stelle gefunden, an der es definitiv niemand hätte verlieren können. Wäre zu kompliziert, es zu beschreiben, aber ihr könnt es mir glauben!

Und dann waren da natürlich noch die üblichen paar Cent im Fußraum. Alles in allem recht nett. So kann es meinetwegen weitergehen 😀