Aus der Reihe „Unterschiedliche Wahrnehmungen“

Ich hatte eine wirklich total fantastische Tour. Vom Berghain zu Tom’s Bar, der Klassiker schlechthin. Viel interessanter war aber der Typ, ein eigentlich recht typischer Vertreter der Kundschaft, die sich von diesem Club zu dieser Bar fahren lässt: Dunkel gekleidet, war sicher auch etwas Leder dabei. Dazu ein modischer Bart und dieses ultrarelaxte Auftreten, das im Taxi gefühlt nur die schwule Kundschaft an den Tag legt.

Netter Kerl jedenfalls, kam von der amerikanischen Westküste. Ich hab keine Ahnung, ob er nur zum Feiern hier war, jedenfalls war ihm die Schlange am Berghain zu lang und er wollte den Abend vor dem Heimflug dann lieber gemütlich ausklingen lassen und hat zu diesem Zwecke eine recht interessante Diskussion zur NSA-Affaire und der deutschen Innenpolitik angefangen. Und ja, auch jenseits des großen Teiches leben vernünftige Menschen!

Dann kamen wir an, er freute sich kurz über die schnelle Fahrt, mich, Gott und die Welt und drückte mir einen Zwanziger in die Hand:

„Keep the change!“

„Oh, well …“

Auf der Uhr standen 16,40 €.

„I know, it’s not much.“

Darauf ist mir dann auch nix mehr eingefallen. Ein paar Unterschiede gibt es dann wohl doch noch. 😀

Ein sehr spätes erstes Mal

Man sagt ja gerne vom Zeichnen, es sei die Kunst des Weglassens. Manche sagen das auch übers Schreiben. Vielleicht trifft es in gewisser Hinsicht auf die meisten Künste zu. Was dann ein Hinweis darauf wäre, dass Taxifahren keine Kunst ist. Viel weglassen kann man da nicht, damit es besser wird – manche Kollegen erproben das seit Jahrzehnten anhand des Beispiels der Manieren recht ausgiebig und die Ergebnisse sind verheerend.

Aber auch und gerade in Sachen Ortskunde trifft das zu. Als Taxifahrer tut man gut daran, einfach alles zu kennen. Wirklich alles. Ob es einem nachher bei der Wegfindung, der Fahrgastunterhaltung oder beim Zwischenstopp für eine Mahlzeit hilft: Mehr Wissen schadet von der Sache her nie*.

Bei der Arbeit wäre es einfach nur cool, sagen zu können:

„Aha, das Dorint-Hotel. Hoffentlich nicht Zimmer 206. Da stört die Wand vor dem Fenster und der Wasserhahn tropft. A prospos Tropfen: Wenn sie den Haupteingang nicht mittig durchqueren, treffen sie die besonders dicken Tropfen vom Fenstersims der 102 nicht, wenn Andrea wieder mit Blumengießen dran ist …“

Die Realität, *hüstel*, ist da manchmal ein bisschen anders. 😉

Die Adresse, die mir der Kunde ansagte, war gar kein Problem. Das Borchardt, ein immerhin im Ortskundekatalog stehendes Restaurant, definitiv eine der Locations, die nicht zu kennen knapp am Kapital-Fail als Taxifahrer vorbeischrammt. Zu den Top-100-Adressen in der Stadt kann man es wahrscheinlich zählen. Das war also nicht das Ding, obgleich sich der Kunde immerhin erfreut zeigte, dass ich keine Nachfrage hatte. Mir ist dann auf dem Weg dorthin aber aufgefallen, dass ich tatsächlich noch nie in den nunmehr 4 Jahren und 11 Monaten dahin gefahren war. Also direkt, um jemanden vor der Türe abzuladen. Und binnen fünf Jahren gegenseitiger Nichtbeachtung hat sich der Schlingel von Restaurant doch in meinem Kopf tatsächlich um fast einen ganzen Block verschoben …

[Beginn verstörend stammelnder Einschub]

Und das kann ich – etwas unbeholfen, aber in Ansätzen – sogar erklären: Ich habe geistig verschiedene Kartenausschnitte vor Augen, wenn Kunden eine Zieladresse nennen. Gröbere, genauere, manche mit dem Fokus auf eine bestimmte Ecke, manche aus der Perspektive der Straße, auf der ich meistens dort vorbeikomme. Denken in Karten – eine Geschichte für sich, ganz ehrlich! Da mein Gedächtnis aber eben alles andere als perfekt ist, passen die einzelnen Ausschnitte mitunter nicht zusammen. So habe ich die Friedrichstraße als wichtige Nord-Süd-Strecke fix im Kopf. Und das Borchardt liegt östlich davon in der französischen Straße. Viel öfter in der Ecke fahre ich allerdings über die Charlottenstraße – eine weiter östlich – an den Gendarmenmarkt heran, schon alleine weil die Friedrichstraße immer gesperrt ist. Friedrichstraße und Borchardt sind Ortskundewissen vom Lernen, meine Routen durch die Charlottenstraße Praxiserfahrungen. Und geistig hab ich das Borchardt bei mir jetzt einfach östlich der Charlottenstraße platziert, weil diese gerade „meine wichtige Nord-Süd-Strecke“** da ist. Dumm nur, dass das Restaurant zwischen Charlotten- und Friedrichstraße liegt …

[Ende verstörend stammelnder Einschub]

Wie dem auch sei: Am Ende hab ich dann doch nach DEM Borchardt Ausschau gehalten, weil ich es zu früh erwartet hatte. Dafür bin ich ja jetzt hingefahren: das schlägt sich alles nieder! 😀

Aber gut, ich hab mir meine Verunsicherung nur unwesentlich anmerken lassen. Und der Kunde war auch cool. Dass ich bei der Ecke unsicher war, keine Ahnung, ob er es bemerkt hat. Dass ich fürchtete, er wolle seine (mit gutem Trinkgeld) auf 16,00 € lautende Rechnung mit einem Fünfziger bezahlen, schien er jedoch zu erahnen. Er kramte ein wenig in den Jackentaschen und verkündete spannungsaufbauend:

„Aber jetzt … jetzt! Warten Sie, gleich. Passen Sie auf! HIER, bitteschön!“

Drei Fünfer und eine Euro-Münze. Hach, so hätte ich Borchardt-Kundschaft gar nicht eingeschätzt. 🙂

*Das Tückische ist, dass sich Wissen irgendwie nicht grenzenlos ansammeln lässt. Zumindest nicht ohne dazugehöriges Krankheitsbild mit nicht gerade weniger Stress …

**Falls Kollegen sich wundern: Die meisten Fahrten in die Ecke hatte ich gefühlt aus Richtung Osten zum Sofitel in der Charlottenstraße. Wahrscheinlich hat jeder von uns dort eine andere Hauptroute, also nicht wundern. 😉

Ja, wow und so, ne?

Ich stand so mit einem Kollegen aus meiner Firma am Ostbahnhof. Er hatte nur kurz auf der Durchfahrt angehalten, ein kleiner Luxus der Nachtschicht. Da bleiben die Taxifahrer schon mal in zweiter Reihe stehen, um zu quatschen. Ich selbst stand auf Position vier, hatte also noch ein wenig Wartezeit vor mir. Dachte ich zumindest. Denn unser Gespräch wurde recht jäh unterbrochen von einem jugendlichen Kerl, der mich mit folgenden liebenswerten Worten anquatschte:

„Was‘ los, bisse frei? Machnwer Erkner?“

Ja, scheiß doch die Wand an! Prima Tour ins Umland, auf dem berüchtigten Silbertablett serviert. Die Verabschiedung des Kollegen fiel quasi komplett aus – auch etwas, das man lernt als Taxifahrer. Wir haben unglaublich viel Zeit, „während der Arbeit“ miteinander zu quatschen, dann aber kommt wer und das Gespräch endet schonmal so in etwa:

„Nee, und ganz interessant bezüglich des neuen Navis ist, oh Kundschaft, man sieht sich!“

Und die ganz große Herausforderung für uns alle ist, unseren Freunden und Partnern zu erklären, dass wir auch Telefongespräche mal derart beenden müssen. 🙂

Aber man will so eine Tour ja auch nicht verlieren, nur weil man sich noch ausquatschen muss. In dem Fall hat das gut geklappt und ich hatte den Fang bei mir im Auto sitzen. Also Erkner. Schon ein paar Mal war ich da, aber ehrlich gesagt trotz Nähe zur Stadtgrenze immer mit Navi. Das ist jetzt echt kein tolles Eingeständnis, aber ich bin halt Zugewanderter. Ich hab wie blöde auf die Ortskundeprüfung gelernt, die aber ist mit komplett Berlin schon umfangreich genug. All mein Wissen übers Umland habe ich nur (!) aus den Fahrten dorthin. Und die sind einfach mal selten. Deswegen schätze ich da heute noch vieles falsch ein. So viel im Vorfeld dazu, dass ich erst darüber nachdachte, über die Autobahn zu fahren. Schließlich gibt es doch auf dem Weg nach Frankfurt einen Abzweig nach Erkner …
Ja, ist Bullshit. Der Umweg ist so groß, dass man keine Zeit spart – das hab ich erst während der Tour von meinem Navi erfahren. Das dadurch anfänglich etwas blöde Umhergegurke beendete ich dann immerhin halbwegs rechtzeitig und der Umweg hielt sich in Grenzen. Aber so ganz ohne Grund war das auch nicht, denn der junge und sehr relaxte Kerl hatte es eilig. Richtig eilig!

Er wollte einen Zug erwischen, für den wir die Strecke in irgendwas knapp über einer halben Stunde hätten schaffen müssen. Deswegen die verzweifelte Suche nach einer schnellen Route.

Hektische Fahrten sind immer mies. Denn hier geraten die eigenen und die Kundeninteressen ganz massiv aneinander. Sicher, die Tour schnell rumbringen wollen wir auch, aber keine einzige Fahrt, die einem durchschnittlich auch nur einmal passiert als Taxifahrer, ist auch nur einen einzigen Monat Fahrverbot wert. Selbst eine Fahrt in meine Heimatstadt Stuttgart ersetzt mir nicht den Lohn eines Monats Arbeit. Und die Fahrt nach Erkner wäre schon für’n Arsch gewesen, wenn auch nur 20 € Bußgeld anfallen würden – was bei einem Blitzer und 11 km/h Übertretung der erlaubten Geschwindigkeit schon der Fall wäre …

Das kann man sich ruhig mal vor Augen halten, wenn man der Meinung ist, der Taxifahrer da fahre doch ein bisschen lahm.
(Und ja: Ich weiß, dass viele Kollegen trotzdem rasen wie die Irren. Dafür, dass nicht alle ganz knusper sind, kann ich auch nix.)

Auf der anderen Seite will man ja auch ein guter Dienstleister und/oder einfach nett sein. Auch mal locker sein. Ein bisschen mehr geben, als es jetzt notwendig gewesen wäre, einen besonders guten Eindruck hinterlassen. Oder dafür Sorge tragen, dass ein Kunde nicht nachts stundenlang auf einem Provinzbahnhof stehen muss.

Ich hab mein Kistchen also unter Einbeziehung aller notwendiger Vorsichtsmaßnahmen so gut befeuert, wie es nur ging. Straßenrand und Tacho im Auge behalten, bei bekannten Abkürzungen kurzen Prozess gemacht, die Gelbphasen bis aufs Letzte genutzt. Und mein Kunde war ein Guter. Ehrlich. Er hat mich nicht zum Rasen gezwungen. Ich hab versucht, es ihm recht zu machen, mehr nicht. Wir haben uns viel unterhalten und er hat sogar ausdrücklich klargemacht, dass es ihm leid tue, dass er mir das jetzt indirekt so stressig machen würde. Sein Onkel Harry sei ja auch Taxifahrer, bei ihm im Dorf, er kenne ja die Geschichten. Aber mehr als den Fuffi jetzt hätte er halt nicht, sonst hätte ich ihn gerne bis ganz nach Frankfurt bringen können, dann wäre die Zeit auch egal …

Traumkunde. Also wenn man vom Zeitplan absieht.

Und hey: Der Onkel ist Taxifahrer, er hat einen Fuffi und die Fahrt wird nur knapp über 40 kosten … ja, man denkt bei solchen Touren auch mal übers Trinkgeld nach. 😉

Diesen Teil hat der Kollege Harry aus einem Kaff bei Oldenburg aber offenbar eher stiefmütterlich behandelt. Denn obwohl die Fahrt stressfrei verlief und wir am Ende unter Ausnutzung einiger wirklich nur sehr schwer noch als grau definierbarer StVO-Grenzbereiche 5 Minuten vor dem Zug am Bahnhof Erkner ankamen, ergab sich folgender Dialog:

„Tja, bitte! Das hätten wir. Gerade so, aber immerhin. Dann wären wir bei 41,80 €.“

„Ja, hier. Mach einfach 42.“

Ja, wow und so, ne? 🙁

Aber gut, der Umsatz war klasse, es ist mal wieder alles gut gegangen, da wollen wir wohl besser nicht meckern.

Kleiner Link am Rande: Eine der tollen Touren nach Erkner war diese hier: Teil 1 | Teil 2 | Teil 3

Geschwätzig

Klasse Kunde. Nicht sehr sympathisch und nach eigener Aussage aus einem Club rausgeflogen. Zudem betrunken, und zwar sehr. Zum Straßennamen, den er mir genannt hatte, wollte er keine Nummer nennen. Stattdessen sagte er an der erstbesten Kreuzung, ich könne hier sowohl rechts, als auch links oder geradeaus fahren. Rechts hätte etwa 40.000 km Umweg bedeutet, es wäre die komplett falsche Richtung gewesen. Geradeaus war ungefähr ebenso falsch*, aber er fand es in Ordnung.

Er lotste mich letztendlich zum Ziel (war natürlich eine andere Straße als die angegebene) und gab recht überraschend ganze drei Euro Trinkgeld.

„Mach mal zwanzig! Du bist nich‘ so geschwätzig, das find ich gut!“

Mal abgesehen davon, dass wir uns die Hälfte der Fahrt unterhalten haben: DAFÜR hab ich als Dauerquassler das erste Mal Trinkgeld bekommen. Obwohl ich mir vorher schon immer dachte, dass ich die Wünsche der Kunden halbwegs erspüren und mein Verhalten entsprechend anpassen könnte. Damit lag ich dann wohl nicht so falsch. 😉

*OK, es war nur ein Kilometer Umweg, aber ich bin da halt kleinlich …

Die andere Seite

Wenn man sich die Nachrichten anschaut, hat man schnell genug von der Welt. Mord und Todschlag allenthalben, und wenn nicht vor der eigenen Türe, dann irgendwo anders. Man hat das Gefühl, die Ellenbogengesellschaft ist so langsam auf dem Höhepunkt angelangt und ohne Stress und Nerverei sei man ohnehin doch der letzte Doofe auf der Welt. Und dann sowas:

Als der Arm kurz vor dem Ostbahnhof in der Straße der Pariser Kommune hochgeschnellt ist, hab ich mich nur bedingt gewundert. Hier war Endstation für Ersatzbusse, die zwischen dort und der Warschauer Straße einmal blöd im Kreis fahren mussten. Und nun eine ältere Frau, oh nee, Moment mal! Ein Typ in meinem Alter mit zwei Kindern war auch noch dabei.

„Sagen Sie, haben Sie zwei Kindersitze?“

„Ja, hab ich.“

„Wie viel würde das denn kosten, wenn Sie ihn und die Kids zum Hauptbahnhof bringen würden?“

„Ich sag jetzt sicherheitshalber mal 15 €.“

„Und danach in’n Tiergarten?“

„Im schlimmsten Fall kommen da 20 zusammen, aber wahrscheinlich deutlich weniger.“

„Das ist ok. Ich hab halt auch nur noch 25 dabei …“

So weit, so gut. Nachdem wir die Kids – und zudem einen ganzen Berg Gepäck – verstaut hatten, lief die Fahrt wie jede andere. Nette Kundschaft, kein Stress. Erst währenddessen hab ich so langsam mitgekriegt, was Sache war. Die Frau und der Typ gehörten nicht zusammen. Sie hatte ihn mit einer Freundin zusammen aufgelesen. Er kam mit seinen zwei Kids aus Marokko, um seine Freundin, die Mutter der beiden, zu besuchen. In Wolfsburg. Nun hatte sein Flieger drei Stunden Verspätung gehabt, was ihn ohnehin seinen Zug verpassen lassen hat. Zu allem Überfluss war er aber just in Berlin gelandet, als der Schienenersatzverkehr gerade seinen Höhepunkt erreicht hatte; und das Chaos für einen einzelnen Mann mit quasi null Deutschkenntnissen, einem schlafenden und einem heulenden Kind, sowie drei Koffern ein klitzekleines Bisschen zu viel wurde. Bis zur Warschauer Straße war er wohl gekommen, wusste dann aber absolut nicht weiter. Überfordert und auf das kleine weinende Kind einredend wurde er dann von den beiden Damen gefunden. Und die beschlossen, dass das ja kein Zustand wäre. Zunächst haben sie dem Dreiergespann den Weg zum Ersatzverkehr gezeigt und ihm beim Tragen geholfen. Als sich die Wege der Freundinnen trennten, beschloss meine jetztige Beifahrerin dann, dass sie ja auch mal ein Taxi nehmen und zwischendurch den fertigen Mann am Hauptbahnhof absetzen lassen könnte. Dem war der Rummel um seine Person zwar vermutlich auch ein bisschen zu viel, aber kaum im Auto, fielen ihm auch hier und da mal die Augen zu. Ein bisschen Entspannung tat ihm sichtlich gut.

Am Bahnhof wartete ich dann ein paar Minuten; die resolute Dame ließ es sich nicht nehmen, ihn eigenhändig zum Schalter zu führen, wo ihm dann (hoffentlich) weitergeholfen wurde.

Auf der weiteren Fahrt zu ihr bedauerte sie, dass es offenbar sonst niemanden interessiert hat, dass der Typ da so verloren war. Als sie anfing, sich bei mir zu bedanken, hab ich trotzdem unterbrechen müssen. Ich hatte ja nun wirklich nichts getan, was nicht meiner Arbeit geschuldet war. Ich ließ mich von ihr ja bezahlen und die Tatsache, dass ich meinen Kunden hier und da beim Gepäck oder dergleichen behilflich bin, ist nun wirklich eine andere Nummer, als wildfremde Leute auf eigene Kosten durch die Stadt zu begleiten. Am Ende sollte ich dennoch ein gutes Trinkgeld bekommen. Mehr noch hat mich, so kitschig das auch klingen mag, an dem Abend aber gefreut, dass es solche Leute wie die zwei betagten Damen noch gibt. Ja, am Ende hab ich mir gedacht, dass ich es eigentlich in genau solchen Ausnahmefällen doch auch mal nicht so genau nehmen sollte mit der Bezahlung.

Notiz 2

Auch sehr schön: Man nimmt eine Truppe junger Schotten als Winker fast direkt nach der letzten Tour auf. Sie wollen zwar nur rund anderthalb Kilometer weit, dennoch keine Kurzstrecke. Am Ende fallen unschottische 1,80 € Trinkgeld auf nur 5,20 € Fahrpreis an. Und im Weggehen hört man noch ein Gespräch von zweien mit:

„Hey, the driver was a nice guy.“

„Yeah, really nice.“

„Berlin guys are really great, I love the city. You gave him a tip?“

„Of course …“

„I love Germany.“

Trinkgeldfreundliche Beträge

Auf runde Beträge will ich am Ende einer Tour eigentlich nie kommen. Irgendwie ist die Befürchtung groß, dass das die Leute veranlasst, doch mal kein Trinkgeld zu geben. Denn die gibt es ja. Vielleicht 10% der Fahrten haben am Ende bei mir in meinen Aufzeichnungen eine leere Stelle beim Trinkgeld stehen. Und wenn es doch welches gibt, ist es dann nicht fast schon automatisch genau ein Euro? Nicht, dass ein Euro grundsätzlich ein schlechtes Trinkgeld wäre – aber hätte der Fahrgast in diesem Moment nicht vielleicht eher 1,30 € gegeben, wenn die Uhr 20 Cent mehr angezeigt hätte?

Um ehrlich zu sein: Ich hab keine Ahnung. Ich kann mal meine Daten durchsehen und versuchen, eine Statistik zu erstellen. Aber ebenso wie die natürlich am Ende nicht repräsentativ sein wird, lässt sich das schlechte Gefühl bei 10,00 € auf der Uhr wohl nicht mit Gegenargumenten verscheuchen.

Umso mehr freute ich mich, dass mir eine Frau aus einer Gruppe ziemlich zivilisierter Partygänger am Wochenende bei oben genannten 10 € gleich einen Zweier mit den beruhigenden Worten „Stimmt so!“ in die Hand gedrückt hat. Noch besser war allerdings, dass ihre Kumpels im Anschluss wie aufgescheuchte Hühner durcheinandergackerten, man möge mir gefälligst Trinkgeld geben – und zwar ein richtiges. Und unter richtig verstanden sie, ich hab’s nachgezählt, offenbar noch einmal 2,64 €.

46% Tip sollten eigentlich Grund genug sein, meine Sorgen zu vergessen. 🙂