Tipping Policy

Beinahe schon so etwas wie eine Sensation …

Das Trinkgeldverhalten bei Touristen ist so eine Sache für sich. Eigentlich nicht einmal nur bei Touristen. Man sollte meinen, dass die Trinkgelder im Taxigewerbe irgendwie nach dem Verlauf der Fahrt ausfallen. Dem ist nicht so. Sicher, die regelbestätigenden Ausnahmen gibt es, meist aber spielen bei der Frage, wie viel Trinkgeld gegeben wird, ganz andere Dinge eine Rolle: Wieviel Geld der Fahrgast gerade hat, wie seine Einstellung zum Trinkgeld überhaupt ist, welche Summe gerade auf der Uhr steht, etc. pp.

Ich wünschte, es wäre nicht so, aber man kann nicht viel machen. Ziemlich zu Beginn meiner Arbeit als Taxifahrer hatte ich zum Beispiel mal einen unangenehmen Typen, der mir kurz nach dem Start einen Betrug unterstellte, weil mein Taxameter angeblich bei einem zu hohen Startpreis zu zählen angefangen hätte. Da es das weder davor noch danach je tat, kann man diese Behauptung ins Reich der Legenden einordnen, ich habe nämlich keinen Zauberknopf, an dem ich sowas einstellen kann. Die Taxameter gehören ohnehin zu den am meisten überprüften Dingen im Taxi. Aber egal, nach einer Weile Gezeter über meine Unverschämtheit gab mir jener Fahrgast damals tatsächlich Trinkgeld. Nicht viel, aber die Höhe hätte an der Beklopptheit auch nix mehr geändert.

(Ich hab da auch einen Eintrag zu geschrieben, finde ihn aber nicht mehr.)

Zurück zu den Touristen: Die Kollegen unterscheiden am Taxistand recht genau zwischen den Nationalitäten der Fahrgäste, denn zumindest gefühlt besteht da ein Zusammenhang. Obwohl mir da jede Verallgemeinerung fern liegt, stelle ich durchaus fest, dass Spanier und Italiener meist kein Trinkgeld geben, Briten hingegen ziemlich viel. Meine Vermutung ist, dass da tatsächlich die Sozialisation eine Rolle spielt, die durchaus mal ländertypisch sein kann.

Amerikaner gelten – soweit ich meinen Kollegen glauben darf – auch eher zum besseren Publikum im Trinkgeldsinne. Mir persönlich sind all die Amerikaner in meinem Wagen bislang weder besonders positiv noch negativ aufgefallen. Es war immer von allem was dabei.

Was mir dieses Wochenende allerdings das erste Mal passiert ist, war die Nachfrage.

Ich hatte drei Amis an Bord, zwei Jungs und ein Mädel. Partylaune pur, und einer der drei war bereits das zweite Mal hier und ließ (auf durchaus liebenswerte Art) den Chef raushängen und erklärte den anderen, wo es hier in Berlin lang geht. Das Ziel war tatsächlich ein kleiner Underground-Club, den weder ich noch das letzte Taxihandbuch mit Namen kannten. Fernab von Touripfaden wandelten sie also schon mal. Die Fahrt selbst war unspektakulär, sie unterhielten sich meist untereinander. Und knappe 10 € Umsatz sind auch gerade mal durchschnittlich.

Der selbsternannte Chef zahlte artig und ließ sich das Rückgeld auf den Cent genau rausgeben. Ich hab das Trinkgeld schon abgeschrieben, da fragte er mich, wie denn hier die „tipping policy“, sprich das Verhalten beim Trinkgeldgeben so sei. Ich war im Grunde viel zu ehrlich und hab ihm gesagt, dass es hier keine festen Regeln gäbe und man durchaus auch mal nichts bekommen würde als Taxifahrer. Dass der Durchschnitt so bei etwa 10% liegt, habe ich natürlich auch erwähnt. Von höheren Beträgen hab ich gar nix erzählt.

Ich Depp.

Das Ergebnis allerdings konnte sich sehen lassen. Er reichte mir 3 € nach vorne und bedankte sich für die nette Fahrt. Da hat jemand es wohl wirklich über-über-durchschnittlich gut gemeint. Da freue ich mich natürlich besonders. Aber da es bekanntlich immer noch schöner kommt, wenn man nicht daran glaubt, stellte ich im Nachhinein fest, dass mein Beifahrer mir offenbar zusätzlich noch einen Zweier auf’s Armaturenbrett gelegt hatte.

Wie eingangs erwähnt: Meist hat das Trinkgeld nichts mit der Leistung zu tun. Aber wenn sich die Fahrgäste unsicher sind, dann aus meinem Mund die „10%-Regel“ hören und ich anschließend 50% Tip in der Kasse habe … dann hab ich wohl doch auch was richtig gemacht. 🙂

Lost

„I, I … I somehow got lost.“

„No Problem. That’s what we’re here for. Where should you be right now?“

„Ähm, here, at the Wasrafer Plas.“

Da er an der Station „Warschauer Straße“ ausgestiegen ist, zum „Warschauer Platz“ musste, und ich ihn fast Ecke Kopernikus aufgegriffen habe, kann man ihm durchaus ein wenig Verlorenheit unterstellen. Einfach mal einen Kilometer in die komplett entgegengesetzte Richtung gelaufen ist der junge Mann. Mit schwerem Gepäck. Aber wie ich ihm auch gesagt habe: Dafür sind wir ja da …

Mit einmal ihm zuliebe illegal abbiegen waren das genau 5 €. Ich würde sagen: ein fairer Preis. Und sobald er gelernt hat, wie man das hier üblicherweise mit dem Trinkgeld hält, fahre ich auch freiwillig eine Kurzstrecke ohne Nachfrage. 😉

Der klassische Fall …

Ich hatte eigentlich das Glück im Unglück schon gehabt. Den ganzen Abend dumm in der Gegend rumgestanden und Däumchen gedreht – und danach ging es nach einer Fahrt Schlag auf Schlag. Vier Touren ohne zwischendrin länger anzuhalten, als nötig gewesen wäre, um die Passagiere aus- und einzuladen.

Gut, außer mit Jo. Mit dem hab ich wie immer noch eine Kippe vor der Haustüre geraucht.

Irgendwann ist aber der beste Run vorbei. Und obwohl ich mir gestern keine hohen Ziele gesteckt hatte, wollte ich doch zumindest noch einen Zehner näher an das ranrücken, was noch so halbwegs in Planung war – also umsatzmäßig jetzt.

Nach viel gedanklichem Hin- und Her hab ich mich entschieden, mich nicht vor’m Ostbahnhof, sondern vor’m Kater Holzig, bzw. dem Lichtpark anzustellen. Ersterer war zwar geschlossen, aber zum einen hätte diese Tatsache feierwütige Angereiste ins Taxi locken können, zum anderen wusste ich von Jo, dass im Lichtpark noch was los war. Also hab ich mich in die Schlange gestellt, mal Twitter gecheckt und gewartet.

Nix hat sich bewegt. Die Schlange kam nicht voran und auch auf der Straße schienen nur freie Kollegen rumzufahren. Also hab ich die Flinte ins Korn geworfen und auf den Zehner geschissen. Als ich Marzahn bereits rund einen Kilometer näher war, kam jemand über die Kreuzung gesprintet, an der ich stand. Alle nonverbale Kommunikation half nichts, der Mann schlich sich bedächtig an mein Taxi und stellte die wichtigste aller Fragen:

„Sind Sie frei?“

Nachdem wir diesen komplexen Sachverhalt erörtert hatten, stieg er ein und wollte „zum Mehringdamm nach Schöneberg“. Obwohl es vollkommen entgegengesetzt meiner Richtung war, war ich froh über die finanziell genau passende Fahrt und belehrte ihn nicht, dass der Mehringdamm nicht in Schöneberg, sondern in Kreuzberg liegt. Seine Verwechslung wurde für mich noch lustiger dadurch, dass ich von uns beiden der einzige Zugewanderte war und er gerade nach Hause fuhr. Aber sei es drum, immerhin war er auch keiner der Idioten, der es schlimm fand, dass ich aus Stuttgart komme. 🙂

Die Ruhe weg …

Der ein oder andere hat sich vielleicht nach dem gestrigen Eintrag gefragt, ob es künftig überhaupt noch Kotzgeschichten auf GNIT gibt, wenn ich der Ablehnung von Betrunkenen zustimme.

Na klar! 😀

„Mann Mann, Du hast ja echt die Ruhe weg!“

„Hey, mein Job ist es, die Leute heimzubringen. Und so lange ich und das Auto das überleben, versuche ich, meinen Job gut zu machen!“

Der junge Mann, der sich noch mehrmals bei mir entschuldigen sollte, musste in diesem Moment wieder zu seinem Kumpel eilen, da der gerade erneut auf den Gehweg kotzte. Kurz darauf kam Jenny über die Straße gewetzt, eine frische Tüte hochhaltend. Dabei verlor sie fast ihre Hose, was sie mir schnell mit einem kaputten Reißverschluss erklärte.

Was war geschehen?

Matze und Jenny, offenbar ein Pärchen („Wir ficken nicht, bei uns heißt das anders!“), haben im Club den armen Stefan gefunden, der sich nun die Seele aus dem Leib kotzte. Sie kannten ihn gut, er war allerdings unabhängig von ihnen dort. Er war mit ein paar Kumpels einen heben und wurde von eben jenen auch einfach liegengelassen, als er sich das berühmte Glas zu viel eingeschenkt hatte. Er lag im Eck, war nicht mehr wirklich feiertauglich, also was soll’s? The Show must go on, nicht wahr?

Glücklicherweise hatte er mit Jenny und Matze aber ein paar wirkliche Freunde. Die haben ihn nämlich aufgelesen und beschlossen, ihn heimzubringen. An Laufen war freilich nicht zu denken, seine Wohnung lag immerhin rund zwei Kilometer entfernt.

Als ich an der Kulturbrauerei vorfuhr, war kein Kollege in Sicht. Jenny bemerkte mich als erstes und rannte auf mich zu, einen sorgenvollen Blick im Gesicht:

„Wir, ähm, also mein Freund ist schon ziemlich betrunken … aber der packt das!“

Na sicher! -.-

„Ich glaub Dir gerne, aber zur Sicherheit kommt er hier an die Tür. Da ist keine Kindersicherung drin, falls es also doch nicht reichen sollte …“

Stefan wurde artgerecht im Taxi plaziert und gab sogar erste Anweisungen zur Wegfindung. War nur eine kleine Straße, und dank nicht ganz klarer Schreibweise tat ich mich zunächst trotz Navi schwer.

„Im Notfall ham‘ wir auch ’ne Tüte!“

meinte Matze noch. Bis zu deren Einsatz waren es etwa hundert Meter Wegstrecke. Am Ende standen wir genau auf der anderen Straßenseite, da wir zuvor wenden mussten. Nachdem Stefan die von Matze gehaltene Tüte unter Zuhilfenahme der bestmöglichen Kotzgeräusche zu einem Teil zu füllen, erbat er sich dann doch einen Stopp und reiherte vor dem Auto hemmungslos alles voll, was ihm in die Quere kam. Immerhin waren keine Menschen dabei.
Den beiden Begleitern war das sichtlich unangenehm, aber ich wollte sie wirklich nicht noch weiter runterbringen. Ich mag Leute, die ihre eigene Party abbrechen, um einen angeschlagenen Freund sicher ins Bett zu bringen. Sicher war es Stefans Schuld, aber wieso hätte ich bei zwei so engagierten Helfern noch das Arschloch raushängen lassen sollen?
Mir und meinem Auto ging es gut, und während Stefan noch kotzte, ist Jenny bereits ein zweites Mal zum Dönerladen geflitzt, um eine neue Notfalltüte zu holen. Stress lag mir wirklich fern, zumal die Uhr natürlich mitlief, während wir da standen.

Am Ende war es wie so oft keine große Sache. Die Fahrt hat mit Anhalten und einer Reihe kleinerer Umwege dank mir unbekannter Baustellen nicht einmal zehn Euro gebracht. Und das ist ok, ich hatte immerhin eine bezahlte Kippenpause zwischendrin. So lange es außerhalb des Autos passiert, ist mir doch eigentlich egal, ob ein Fahrgast kotzt oder Sehenswürdigkeiten fotografiert.

Endlich vor der Haustüre angekommen – Stefan hat ab da Wort dicht gehalten und nicht nochmal kotzen müssen – stand die Uhr bei 9,20 €.

„Machste auf jeden Fall zehn, quatsch: elf. Ach, mach zwölf, Hauptsache wir sind da!“

meinte Jenny.

Sicher, man könnte ein Schmerzensgeld höher ansetzen. Aber mein Magen ist da sowas von schmerzresistent, das glaubt ihr gar nicht. Und das viele Lob für meine Besonnenheit hab ich ja auch noch obenauf gekriegt. Ja, manchmal braucht es halt doch mehr als einen Satz, um zum „nettesten Taxifahrer“ zu werden – aber das ist ok. Außerdem hatten meine Passagiere schon sehr lange nicht mehr „Ein Hoch auf unsern Taxifahrer“ gesungen, das musste wohl auch mal wieder sein. 🙂

Stefan wird’s inzwischen wieder gut gehen. Seine beiden Freunde haben sogar versprochen dafür zu sorgen, dass er noch ordentlich Wasser trinkt, wenn er daheim ist.
Wenn man schon feiert, so lange man noch jung ist, sollte man Freunde haben, die einen heimbringen – nicht nur welche, die einen beim Saufen anfeuern …

Und einen Taxifahrer, der die Ruhe weg hat, klar. 😀

Medienpräsenz

Die ist im Taxi gar nicht mal so gering. Und damit meine ich weder mein Handy, das für mich die Medien ins Auto bringt – sondern die Leute aus dem Genre. Während ich mit Promis insgesamt nur recht wenig bis gar nichts zu tun hab, weil ich die Leute überwiegend einfach auf der Straße einsammele, sind es oft die, die im Hintergrund bis spät in die Nacht arbeiten, die mir ins Auto purzeln. Wobei das mit dem „Arbeiten“ ja gerade in dem Umfeld, in dem auch Sehen und Gesehenwerden eine Rolle spielen, oft mal für Außenstehende nicht so leicht als Arbeit erkennbar ist. 😉

Sehr gefreut hat mich vor ein paar Wochen schon eine Fahrt gleich zu Schichtbeginn: Ein im besten Sinne jung gebliebener Typ schmiss sich an der O2-World in mein Auto und orderte eine Fahrt zur Masurenallee, zum RBB. Er kam von einem Konzert und hatte nun noch die Aufgabe, bis zu den frühen Morgenstunden eine Kritik auszuarbeiten und in sendefähiges Format zu bringen. Dass ein Wort das andere ergab, wo ich ja erst vor kurzem in seiner Sendeanstalt zu Gast war, versteht sich von selbst.
Was mir aber – wie immer – besonders das Herz erwärmte, war, einmal mehr einen Typen zu treffen, der einer recht seltsamen Beschäftigung zu unmöglichen Uhrzeiten nachging und sich einfach darüber gefreut hat. Ich hab ihn an der Tanke rausgelassen, wo er sich noch zwei Bier für die folgenden Stunden gekauft hat …

Nicht mehr nötig hatte ein Typ um die 30 zwei Bier, er hatte ganz offensichtlich schon einige mehr getrunken. Die Fahrtzielansage kam schon in recht eintönigem Singsang, gefolgt von der Feststellung, dass er der Feierkultur in Berlin nicht mehr so recht folgen könne. Es war bereits kurz vor fünf und er war anscheinend einer der ersten, der sich aus einer geselligen Runde gelöst hatte, der Rest wollte wohl noch weitermachen. Anderthalb Minuten Smalltalk später wusste er dann dank gezielten Nachfragen auch, dass ich blogge und versprach mir, ich würde dann sicher die Sendung kennen, die er machen würde. Tat ich.
Eine sehr schöne Ausnahme unter den Fernsehsendungen, ich lasse sie trotzdem unerwähnt, denn ich möchte dem armen Kerl auch nicht auf die Füße treten, der mir überschwänglich versprach, mich ins Fernsehen zu bringen, bevor er sich torkelnd im Schein seines Smartphones nach der Gabe von gerade einmal 40 Cent Trinkgeld vom Taxi entfernte. Hätten wir uns schon eine Stunde früher getroffen, wäre da vielleicht was draus geworden, wer weiß … 😉

Aber ich weiß ja, wie das läuft. Ich mach ja selbst irgendwie „was mit Medien“, nicht wahr?

Wie die Parties heute losgehen …

„Passen hier fünf Leute rein?“

„Ja, Moment.“

Ein Großraumtaxi ist halt doch eine feine Sache. Auch wenn der Raum in der letzten Sitzreihe alles andere als groß ausfällt. Dieses Mal waren es nicht interessierte Kunden am Stand, sondern wagemutige Winker, die mich in Mitte aus einem Strom hellelfenbeinfarbener Wagen herausgezogen haben. Die Geräumigkeit der Zafiras scheint inzwischen bekannt zu sein. Obwohl der Wagen manchmal als sehr klein wahrgenommen wird …

Naja, ich hab jedenfalls einen der beiden Zusatzsitze ausgeklappt und in der Truppe befand sich sogar eine recht kleine Person, die freiwillig hinter ihren Kumpels in den tiefsten Tiefen der 1925 verschwand. Die Zieladresse war zunächst eine kleine Straße in Friedrichshain, die mir natürlich auf Anhieb nichts sagte – obwohl ich an ihr sicher an die dreitausendmal vorbeigefahren bin in den letzten Jahren. Selektive Wahrnehmung kann ich.

Dort angekommen wollte ich wissen, wer nun aussteigt – da sich die allgemeine Aufbruchstimmung in Grenzen hielt.

„Niemand. Es kommt noch einer.“

„OK, also alle …“

„Nein, es …“

„Ich hab schon verstanden. Aber es müssen alle von der Rückbank, damit ich den zweiten Sitz hinten noch ausklappen kann.“

Erleichterung.

„Und dann? Wo soll es dann hingehen?“

„Zum Berghain.“

Viel Spaß mit einer Gruppe aus sechs Leuten an einem Tag, an dem die Schlange bis 50 Meter vors Gelände reicht …

Aber zunächst mussten wir auf Juan warten. Den hatte niemand fünf Minuten vor Ankunft angerufen, wie das so die Idee der meisten Leute ist. Stattdessen durfte ich bezahlt vor der Türe warten, wärend im Taxi von der überwiegend weiblichen Belegschaft bereits diskutiert wurde, ob sie ihn überhaupt reinlassen – also zumindest, wenn er „nicht heiß ist oder das Taxi zahlt“. Ich mag Menschen mit dieser Prioritätensetzung nicht unbedingt, aber erfrischenderweise war das verstrahlte Etwas, das nach zwei weiteren Minuten mit komplett derangierter Frisur aus dem Haus stolperte, in den Augen der Damen heiß. Geld hatte er jedenfalls nach eigenem Bekunden keines dabei.

Davor sollte es noch an eine Bank gehen. Die Sparkasse am Bersarinplatz sollte es nicht sein – also schlug ich den klitzekleinen Umweg zur Volksbank in der Warschauer vor. Wurde angenommen. Etwas irritiert muss ich kurz darauf auf die Frage reagiert haben, ob es eine Bordtoilette gäbe. Selbstverständlich aus der allerhintersten Reihe – was dann dafür sorgte, dass auch beim Bankstopp – obwohl nur eine noch Geld holen wollte, wiederum alle aussteigen mussten. Wohin sich die gute Frau dann an der Warschauer Straße genau zum Pinkeln zurückgezogen hat, will ich besser gar nicht wissen.

Für die 3,00 € Zuschläge hab ich dieses Mal ziemlich oft die Sitze umgeklappt. Immerhin hab ich ein wenig Mitleid bekommen, mit Trinkgeld sah es dagegen ziemlich mau aus.

Am Ende will ich aber nicht meckern. Von der Torstraße zum Berghain für knapp 22 € ist immerhin auch was, was man ohne eine solche Truppe legal niemals zusammenbekommen würde. 😉

Die 100%-Tour

Es gibt Dinge, die passieren einem als Taxifahrer nur sehr selten bis gar nie. Etwas leichter hat man es, wenn man nebenher schreibt und einen Haufen Leser hat, die wissen, was man mag und was nicht. Von so einer – zu 100% perfekten Tour – handelt dann wohl dieser Eintrag.

Die Uhr wehte frisch und der Wind stand auf kurz nach halb eins. Oder so. Ich stand am Ostbahnhof, dritte Rücke, die nächste Fahrt so in etwa einer halben Stunde in Aussicht. Am Samstagabend sind die toten Stunden zwischen 0 und 2 Uhr nicht ganz so extrem, aber immer noch spürbar. Ich schaute ein wenig um mich, als mein Blick an einem bekannten Gesicht hängen blieb. Und das bei meiner Gesichtsblindheit! Aber ich hatte mich nicht vertan, denn das bekannte Gesicht blickte erfreut zurück und der zu dem bekannten Gesicht gehörige Mund formte betont beiläufig folgende Worte:

„Na, wir kennen uns doch!“

Allerdings.

Christian, seines Zeichens Anwalt aus der Nähe von Hamburg, saß schon einmal bei mir im Taxi und ist Blogleser und (Selten-)Kommentator der ersten Stunde. Das konnte kein Zufall sein!

War es auch nicht. Zwar hat die Bestellung bei myTaxi nicht geklappt, da uns beiden ungefähr zeitgleich das Programm abgeschmiert war – aber dank meines Trackers (dafür hab ich den also!) hat er – und das ist etwas Neues – sich extra in die Bahn gesetzt, um zu mir zum Taxi zu fahren.

„Ich bin zufällig in Berlin und wenn’s Dir recht ist, dann würde ich vorschlagen, wir fahren ein bisschen rum, gehen bei laufender Uhr einen Döner essen und Du bringst mich danach irgendwann ins Hotel zurück. Wäre das ok?“

Ob das ok wäre? Na, aber hallo!

Und dabei bin ich zunächst noch davon ausgegangen, dass wir nur mal eben nach Kreuzberg rüber zum nächsten Döner gurken. Stattdessen interessierte sich Christian aber für so allerlei Blog-spezfische Plätze und schlug vor, ich könne ihm auch gerne meinen Heimatbezirk Marzahn zeigen. Stopp an einer Bank und an einem Döner allerdings obligatorisch!

Ich hab mich anfangs ein bisschen schwer getan damit. Ziellos durch die Gegend fahren ist nun wirklich so ziemlich das Letzte, in dem man irgendwie Übung hat nach viereinhalb Jahren im Taxi. Immer geht es nur um die kürzeste Strecke, den schnellsten Weg und das letztendliche Ziel. Und nun das. Ich hab mir aus dem Ärmel eine immer noch relativ geradlinige Route nach Marzahn einfallen lassen und ihm nebenbei die Abstellplätze des Autos und alles auch nur halbwegs interessante gezeigt. Aber im Grunde war sogar das nebensächlich, denn wir haben uns vor allen Dingen gut unterhalten.
Am Ende haben wir tatsächlich im Eastgate Geld geholt und beim Döner vor meiner Haustüre gemütlich was gegessen und getrunken. Und uns weiter unterhalten. (Gemeinsamer Buchtipp übrigens: Oliver Sacks – Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte)

„Ich wusste, dass es gut wird. Aber dass es SO gut wird …“

Da konnte und kann ich auch jetzt noch nur beipflichten!

Und all das, während die Uhr in der 1925 weiter vor sich hintickte. Wenngleich die Auslegung meiner Bestellung seitens des Personals beim Döner etwas abenteuerlich war, hatten wir also unsere Unterhaltung und führten diese bis zum Ende der üppigen Portionen fort. Selbst eine Raucherpause gestand mir mein Fahrgast noch zu, während ich immer noch nicht wirklich loslassen konnte von meiner Sorge, dass ich doch wenigstens dafür die Uhr kurz … ich bin wahrscheinlich wirklich unverbesserlich.

Auf dem Rückweg nahmen wir noch ein paar Eindrücke aus Marzahn, Lichtenberg und Friedrichshain mit – und nach ein bisschen Club-Sightseeing standen wir ungefähr eindreiviertel Stunden nach unserer Begegnung vor seinem Hotel und haben uns ausdauernd verabschiedet. Die Uhr zeigte knapp über 65 € an und ich nenne den Betrag nur, damit man ungefähr eine Vorstellung hat, was folgender Satz beim Bezahlen zu bedeuten hat:

„Ich weiß ja, Du magst keine großen Scheine. Aber wenn ich sage ‚Stimmt so!‘, dann geht das hoffentlich …“

Ja, es ist wahr. Die Truppe lustiger Jugendlicher mit ihrem Mördertrinkgeld haben in der Schicht leider nur den zweiten Platz gemacht. Dass mir an diesem Tag nichts mehr die Laune verderben konnte, ist wahrscheinlich verständlich, oder? 🙂

Kleines PS:

Das ist natürlich ein Erlebnis, das ich nicht meinem Beruf als Taxifahrer zu verdanken habe. Christian hat sich ausdrücklich für mein regelmäßiges und gutes Schreiben bedankt, was ich sehr zu schätzen weiß. Und ich möchte auch den Eindruck zerstreuen, das sei für mich einfach ein tolles Geschäft gewesen. Natürlich ist so eine Tour der Hammer und unter dem Gesichtspunkt hab ich’s hier natürlich auch runtergetippt. Aber übers Finanzielle hinaus war es einfach ein netter Break, eine kleine Pause im wuseligen Wochenendbusiness, ein bisschen Erholung nebst viel Spaß. Christian möchte ich zu diesem Anlass natürlich besonders danken, aber es ist ja nicht das erste nette Erlebnis mit Euch Lesern. Und ich glaube sagen zu können, mit allen von Euch Spaß gehabt zu haben.