Fußballschichten

Obwohl ich auch gerne mal über Fußball und die dazugehörigen Fans meckere: Ich gehöre ja auch zu den Leuten, die sich bei größeren Turnieren gerne mal ein paar Spiele ansehen. Und ja: Ich verstehe sogar die Kritik der Hardcore-Fans an dieser selektiven Teilnahme, muss aber zu meiner Verteidigung einwerfen, dass mir einfach diese bedingungslose Liebe zu einer Mannschaft völlig abgeht und ich bei stets wechselnder Sympathie wenn dann wenigstens gute Spiele sehen will.

Mit meinen Arbeitszeiten vertragen sich die 21-Uhr-Spiele der EM derzeit allerdings nur bedingt, also lasse ich einige ausfallen.

Das Deutschland-Spiel gestern natürlich nicht. Aus Gründen. Immerhin sind die Straßen bei so einem wichtigen Spiel weitgehend leergefegt, es gucken ja alle Fußball. Nun könnte man vermuten, dass das auch auf die Taxifahrer zutrifft und es somit auch weniger Konkurrenz gibt, aber das ist eine Fehleinschätzung: Denn zum einen gibt es einen Haufen nichtdeutsche Fahrer, die dann oft auch keinen Grund sehen, für ein Spiel die Arbeit abzusagen; zum anderen verbinden viele Fahrer dann auch das Angenehme mit dem Nützlichen und sehen sich das Spiel im Taxi an. So lange, wie wir teilweise am Stand stehen, ist das auch kein völlig utopisches Unterfangen.

Das mache ich nicht. Anfangen tut’s schon damit, dass ich nicht wegen einem Monat Fußball alle zwei Jahre einen mobilen Fernseher kaufen muss. Außerdem hab ich das große Glück, mir die paar Spiele zu Hause ganz einfach mit meiner besseren Hälfte ansehen zu können anstatt wie viele andere einen Kampf ums Fernsehprogramm führen zu müssen. Und wenn die Alternative zu wenig Umsatz auf der Straße eben ist, gemütlich zu zweit mit einer Tüte Tortilla-Chips vor dem großen Bildschirm rumzulümmeln ist, dann fällt mir die Entscheidung nicht sonderlich schwer. 🙂

Also gestern Deutschland gegen Italien in voller Länge inklusive Beinahe-Herztod beim Elfmeterschießen zu Hause.

Und dann ab ins Auto! Man lässt einen Samstag ja dann trotzdem nicht komplett links liegen und ich hab mir ohnehin nie angewöhnt, beim Fußballgucken immer Bier zu trinken. Also spricht ja nix dagegen, danach Jagd auf all die anderen zu machen, die nach dem Kneipen- oder Kumpelbesuch heimwollen.

Und heute Nacht war das eine grandiose Entscheidung!

Natürlich bin ich vergleichsweise nur kurz rausgefahren und natürlich hätte ich bei einer ganzen Schicht mehr Umsatz gemacht. Aber am Ende hab ich meinen wenigstens so grob eingeplanten Hunni in unglaublich kurzer Zeit erreicht; und das sogar inklusive des Luxus‘, gar nicht erst in die City zu cruisen. Ich hab einfach in Marzahn und den umliegenden 5 Stadtteilen Leute auf der Straße eingesammelt und bin damit auf einen äußerst erquiklichen Schnitt von deutlich über 30 € pro Stunde gekommen. Anstatt mich auch nur einmal an einen Stand zu stellen bin ich nur einmal zum Geldwechseln nach Hause gefahren und hab das Auto mit gutem Gewissen doch sehr schnell wieder abstellen können. Aber auch müssen, denn am Ende kommt dann halt doch zum üblichen Zeitpunkt die Müdigkeit, auch wenn man nicht den ganzen Arbeitstag auf der Straße verbracht hat.

Das, was mir zu einer wirklich guten Wochenendschicht gefehlt hat, werde ich aber auch heute nicht mehr einfahren. Im Gegenteil, denn heute spielt dann ja wieder Island und als Underdog-Liebhaber ist mir das Spiel nochmal wichtiger als das gestrige. Ich werde also wieder erst spät starten und im Gegensatz zu gestern werden danach nicht Massen an glücklichen Fans beim Heimtorkeln versehentlich ein Taxi ranwinken. So viele Isländer gibt es einfach nicht in Berlin. 😉

Ich glaube, ich mag das mit dem Fußball vor allem, weil es für mich eher eine Abwechslung als der Alltag ist. Vielleicht aber auch nur, weil’s eine gute Ausrede fürs Freimachen ist. Aber wer will bei sowas schon kleinlich sein? 😀

Dann halt so

Ich war bereits ein paar Stunden auf der Straße und hatte nur einen semiguten Umsatz zusammengefahren. Dass die Schicht noch nicht verloren war, wusste ich auch – aber so langsam drängte sich mir doch die Frage auf, wie ich mein Ziel noch würde erreichen können; ich lag einfach wirklich etwas arg unter Soll. Und dann ein Winker, in Mitte:

„Kurze Frage: Potsdam?“

Hat sich fast ein bisschen wie Cheaten angefühlt. 😀