Unterstützung

„So, dann …“

„Oh! Wir sind schon da? Wow! Na, da sind Sie aber sehr schnell gefahren!“

„Naja, war ja nur einmal links und dann ein paar hundert Meter …“

„Ach, dann hätte also Kurzstrecke auch fast reichen können?“

„Sicher, aber das geht halt nicht vom Stand aus …“

„Jajajajaja … woll’n wir auch gar nicht. Wir wollen voll zahlen! Die lokale Wirtschaft, die Taxizunft unterstützen!“

„Na, dann nehme ich die etwa 1,10 € – die’s gleich mehr sein werden – doch dankend an.“

„Jajajaja! Hier, stimmt so!“

Ein Zehner. Für eine 6,10€-Tour.

Wenn man sich jetzt noch überlegt, dass sie mich nach 3 Minuten Anstehen mitten (!) aus dem hintersten Nachrückebereich rausgefischt hatten, dann bleibt mir kaum mehr als ein Danke übrig. Obwohl, eher wohl so:

„Jajajajaja, danke.“

😉

Fundsachenhäufung

Fundsachen sind eine ganze Weile nicht mehr bei GNIT aufgetaucht – und das aus dem Grund, dass sie einfach im Taxi nicht aufgetaucht sind. Kein Cent Kleingeld, keine Klamotten, Schirme oder sonst irgendwas. Doch da sich alles ausgleicht: So langsam scheint sich ein Gegentrend zu etablieren. Angefangen hat es damit, dass Anfang letzter Woche von einem meiner Tagfahrer ein paar einfache Fleece-Handschuhe in die Fahrertüre geklemmt waren: Als eindeutiges Zeichen – „Mir gehören sie nicht, sind das deine?“

Und da es nicht meine waren, hat die wohl ein Kunde liegen lassen. Während ich die Handschuhe im Auto ließ und sie nach meiner Arbeitswoche weg waren, wurde ich aber noch Empfänger einer besonders gezielten Fundsache, denn eine Kundin fragte mich beim Aussteigen:

„Ach, Sie haben aber gesehen, dass hier eine Flasche Bier steht, oder?“

Ähm. Nein. Sehr gezielt war es deswegen, weil es eine 0,5er-Flasche Berliner Pilsener war, was ich gerne trinke.

Und als ob so ein Taxi in Punkto Fundsachen nicht einen ganzen Haushalt ausstatten könnte, wenn es gut läuft: Am Tag darauf fand ich während der Schicht in der Beifahrertüre eine Schachtel Zigaretten von Ozies Marke, aus der gerade mal ein oder zwei Stück gefehlt haben.

Keine Fundsache indes war diese Dose:

Da muss man vom Verzehr eher abraten … Quelle: Sash

Da muss man vom Verzehr eher abraten … Quelle: Sash

Die hat mir ein grenzenlos begeisterter Fahrgast zusätzlich zum Trinkgeld vermacht, während auf der Rückbank gequengelt wurde, dass er doch nicht all ihr Bier an irgendwelche Berliner verschenken könne.

Und ich muss ehrlich sein: Er hätte es auch lassen können.Ich weiß die Geste zu schätzen, aber es hat nicht geschmeckt. Ich hab das Gesöff nach artgerechter Lagerung im Kühlschrank zum Beginn meines Wochenendes geöffnet und war sowas von über alle Maßen enttäuscht. Ich trinke gerne Bier und Pilsener besonders gerne. Ich bin da aber nicht festgelegt und mag auch manches Bier mit eher ausgefallenem Geschmack. Es gibt eine Zeit für Augustiner, für Jever, für Rothaus und Flensburger. Ja, ich trinke gelegentlich sogar gerne Beck’s und hab früher in einer meiner Stammkneipen ausschließlich Schwarzbier von Schwabenbräu getrunken. Ich bin echt nicht eindimensional bei meinem alkoholischen Lieblingsgetränk. Aber das oben gezeigte Wolters hab ich nicht ganz leer gekriegt. Selten etwas erlebt, das gleichermaßen so frei von Eigengeschmack und so ungenießbar war. Gut, die Geschmäcker sind verschieden, eine Warnung scheint mir trotzdem vorsichtshalber angemessen zu sein …

Und was die Fundsachen angeht: Feuerzeuge wären mal wieder nett. Die gehen immer so schnell kaputt, wenn man dauernd Bier damit aufmacht. 😉

*weiß Bescheid*

„Oh! Hier sind wir ja schon! Wir sind von hinten rangefahren?“

„Ja, ist der kürzeste Weg …“

Da hat sie sich zu ihrer Mitreisenden gewandt:

„Ich hab Dir gesagt: Lass uns in Berlin Taxi fahren – die wissen, wie man’s macht!“

Der geht dann wohl gleichermaßen auch an alle Kollegen. 🙂

Horrorfahrt!

… oder vielleicht doch nicht?

Wie oft ich von Kollegen Beschwerden höre, wie laut und unangenehm Kunden sein können …

Ich muss ja zugeben: Ich bin auch ein wenig spießig geworden im Laufe der Jahre und finde es nicht einfach grundlos toll, wenn die Leute bei mir im Auto rumbrüllen. Andererseits überwiegt dann doch noch immer die Frage: Wayne?

Ich bin (die letzte Fahrt hatte ich in Mariendorf beendet) frohen Mutes den Tempelhofer Damm hochgeschossen, um in Richtung Kreuzberg/Mitte zu gelangen, wo vielleicht noch Kundschaft warten könnte. Dann aber Winker am Platz der Luftbrücke. Drei Oberprolls im Hiphopper-Outfit, die sofort nach dem Einstieg einerseits um „coole Mucke“ bettelten, andererseits selbst anfingen, wie die Bekloppten völlig sinnlosen Scheiß zu rappen. Der Tenor war ungefähr „Wir sind die Geilsten, so viel Party war noch nie!“.

Nun ja, ich mag Rap ja, aber die dargebotene „Kunst“ war ein extra Grund, sie doof zu finden. Für Hiphop-Hasser wären sie nur ungefähr gleich scheiße wie andere Hopper gewesen, mir hat das entsprechend mehr wehgetan. Wobei sie in ihrer „Wir dissen den Rest der Welt“-Blase durchaus auch lustig waren.

Der auf dem Beifahrersitz (wie eigentlich immer der Vernünftigste) hat gleich gesagt, ich solle doch besser das Radio einschalten, dann wären die Spinner ruhig. Das hat anfangs nur so semi geklappt, aber inmitte der eher kurzen Fahrt (zur Boddinstraße) hab ich im Radio Hiphop gefunden, den sie cool fanden, dann aber irgendwie leise wurden, weil plötzlich Lyrics dazu kamen, die französisch waren – und damit konnte nun keiner der Obergangster was anfangen. Aber klar: Es wäre auch zu peinlich gewesen, den Taxifahrer bei den (auch ordentlich auf laut gedrehten) fetten Beats zu bitten, den Sender zu wechseln …

Ich fand’s lustig, die „Open-Mindness“ der Oberchecker ungeplant auf die Probe zu stellen. 😀

Zwischendrin wurde mir noch erklärt, dass ich eigentlich Kurzstrecke hätte eingeben sollen, was aber schon reichlich an Aktualität verloren hatte, weil ich die 2km-Marke bereits überschritten hatte und sie das auch verstanden.

Ich will nicht lügen: Die Jungs waren superstressig! Alle zwei Sekunden ein neuer Lautstärkerekord oder eine neue Bitte, was ich denn jetzt zu tun oder zu lassen hätte. Sicher nichts, was man um Mitternacht unbedingt haben muss. Aber es waren höchstens fünf fucking Minuten! Ein bisschen mittelprächtige Musik, ein bisschen zu viel Lautstärke. Ich will das nicht für total cool erklären oder mir herbeiwünschen. Aber es hat meinen Arbeitstag 5 Minuten von insgesamt 10 Stunden beeinflusst und mir im Gegenzug rund 4% der Einnahmen beschert. Darüber hinaus gab es für 9 € Fahrpreis recht saftige 3 € Trinkgeld. Weil ich „so cool“ war.

Ich will echt nicht behaupten, dass man sich als Taxifahrer alles gefallen lassen muss. Wirklich nicht, liebe Kollegen! Aber so kleinlicher Bullshit wie ein paar rappende Prolls sollten einen echt nicht an die Grenze der Belastbarkeit bringen.

PS: Einen ähnlichen Tenor habe ich in meiner (bald erscheinenden) Kolumne bei der Taxi Times angeschlagen, da ging es allerdings um eine Tour, die gleich um die 50 € gebracht hat. Ich füge dieses Beispiel gerne an, weil es eben nicht darum geht, dass eine solche Fahrt auch Geld bringt. Das tut jede Tour – und trotzdem kann sie unangemessen verlaufen.

Nicht viel …

Die drei Leute in meinem Taxi hatten gleich zu Beginn gefragt, was es ungefähr kosten würde. Die Finanzen waren knapp nach der Party. Als ich dann „so 12 bis 14 €“ in den Raum warf, nickten sie zufrieden und ließen sich chauffieren. Am Ende standen 12,90 € auf der Uhr und alle bemühten sich darum, mit etwas Kleingeld oder einem Fünfer ihren Obolus zu leisten. Das war – wie nach der anfänglichen Abschätzung zu vermuten war – kein Problem: Ich bekam sogar ein recht ansehnliches Trinkgeld von 2,10 € obenauf. Soweit kann man das als absolut normal bezeichnen, aber der dritte im Bunde, der neben mir saß, war erkennbar unzufrieden. Während die anderen bereits ausstiegen, nestelte er weiter im Portemonnaie und schob mir anschließend noch ein paar Münzen zu. Immerhin auch nochmal 1,30 €. Und zwar mit den Worten:

„Ich weiß, ist jetzt nicht viel, aber trotzdem danke!“

Ich will ja nicht lügen: Ich mag die Einstellung von Leuten, die der Meinung sind, über 25% Trinkgeld seien noch zu wenig. Etwas schade finde ich aber, dass ausgerechnet die sich immer so in der Pflicht sehen, während andere mit großkotzigem Verhalten 5% geben und sich darauf wunder weiß was einbilden.

Ich freue mich über jedes Trinkgeld, ehrlich, immer noch. Aber bei mehr als einem Euro braucht auch echt keiner weinerlich werden. Auch das meine ich ganz ehrlich so.

Wofür man das alles macht …

„Dann mach mal zehn. Und danke für … für die gute Laune.“

War keine Mördertour, war kein exorbitantes Trinkgeld. Aber ja: Auch um solche Kunden bin ich froh!

Fremd in der eigenen Stadt

„Und kannst Du mir sagen, ob das Hotel ok ist, so qualitativ?“

„Ganz ehrlich: Nein. Ich hab eine Wohnung in Berlin, entsprechend schlafe ich hier selten im Hotel.“

„Haha, ja, so geht’s mir ja eigentlich auch …“

Hat mich gefreut, dass er dieser Argumentation so bereitwillig gefolgt ist. Aber von der Sache her isses ja wirklich so. Ausgerechnet bei Hotels! Dass ich Museen schon besucht, in Restaurants schon gegessen oder in Clubs schon getanzt habe … das sind ja sehr naheliegende Gedanken – obwohl meine Erfahrungen auch diesbezüglich sehr überschaubar sind. Aber wer bucht als Einheimischer schon mal ein Hotel?

Wie er genau in die Situation geraten ist, hat er nicht erzählt. Seine Erklärung, dass er eigentlich Familie hat, jetzt aber unbedingt mal 3 Nächte außerhalb schlafen müsse, hat mich fragend und mit ungesundem Kopfkino hinterlassen.

Vergleichsweise glücklich war ich indes mit seinen Ansprüchen. Das Intercity direkt im Ostbahnhof war ihm zu teuer, das Ibis gegenüber auch – obwohl wir da zunächst die Preistafel begutachten sollten. Das A&O in der Köpenicker hingegen war ihm zu Low-Budget, also hat die Fahrt wenigstens auf 8,50 € gereicht: Zum Moritzplatz ans Motel One.

Wie so oft werde ich nie erfahren, was es mit der Fahrt auf sich hatte. Aber immerhin fand er mich super hilfreich. 🙂