Die Schicht war gelaufen, der Umsatz war gut, das Wochenende rief. Das Auto war geputzt und betankt und die Bahn würde mich in 13 Minuten heimbringen. Die 13 Minuten würde ich auch brauchen, denn ich musste all mein Zeug aus dem Auto pflücken, den Abschreiber ausfüllen, den Taxischlüssel im Tresor hinterlegen und am Ende noch zur Bahn watscheln. Doch dann winkt da einer, keine 100 Meter vom Hauptquartier entfernt.
Uff.
Aber naja, an einem anderen Tag würde ich ewig auf den Umsatz warten.
Also hab ich ihn eingeladen und er hat mir die Zieladresse mal eben auf dem Handy gezeigt. Soweit alles toll und easy. Nun war er aber sehr erfreut, einen netten Taxifahrer, und ich umgekehrt, einen netten Kunden zu haben. Also quatschten wir drauf los und stellten schnell fest, dass das problematisch war: Wir fanden keinen gemeinsamen Nenner. Ich bin gut in Deutsch und Englisch, er konnte nur Französisch.
Ausgerechnet! Hätte er nicht wenigstens Spanier sein können! Da hätte ich mich auf den Ich-hab-keine-Ahnung-was-Sie-von-mir-wollen-Standpunkt zurückziehen können. Aber das kann ich bei Französisch nicht.
Was viele von Euch vielleicht nicht wissen: Ich hab einen Haufen mehr Französisch in der Schule gehabt als die meisten von Euch. Es war meine erste Fremdsprache, noch vor Englisch, und ich war in einer Schule, in der ich das französische Abi hätte machen können. Ich hatte in mehreren Schuljahren einige Unterrichtsfächer auf Französisch und sollte das viel besser können als Englisch – obwohl ich später in den Englisch-Zug gewechselt habe.
Alleine: Da ist nix mehr.
Ja, ich verstehe Französisch teilweise ganz gut und würde nie so ungeschickt wie mein Vater dereinst in Frankreich einen „Finn Ruusch“ ordern, wenn ich einen Wein wollte, aber gute Aussprache und passives Vokabular machen einen nicht gerade zu einem begnadeten Sprecher. Ich hab mein Französisch seitdem eben nur selten gebraucht.
Aber nun saß der Typ im Auto und nachdem ich ihm quasi akzentfrei gesagt hatte, dass ich 7 Jahre Französisch in der Schule hatte, wusste ich nicht mehr weiter. Und er entsprechend auch kaum. Er jedoch hat sich entschuldigt und gemeint, er hätte wohl doch mal besser Englisch gelernt. Insgesamt schien er sich aber sehr zu freuen, wie das am Ende alles geklappt hatte. Denn nach seiner reichlich verspäteten Ankunft am Flughafen hatte er die S-Bahn genommen, die dann (zumindest für ihn) aus unersichtlichen Gründen in Schöneweide stoppte und nicht mehr weiter bis in die Stadt hinein fuhr.
Auf der Uhr standen am Ende 11,70 € und das schien ihn auch eher positiv überrascht zu haben. Denn nachdem ich ihm sein Wechselgeld auf 20 € auf Heller und Cent zurückgegeben hatte, eiste er nicht etwa ein paar Münzen aus dem Portemonnaie, sondern gab mir gleich den Fünfer wieder zurück und bedankte sich.
Für den Fünfer hab ich mir dann am Bahnhofskiosk drei Bier geholt, denn immerhin war da ja noch die Sache mit meiner am Ende dann doch verpassten Bahn und ich hatte ja Wochenende. Ich hoffe, seines ist dann eben so gut weitergegangen, wie meines gestartet ist. 🙂