{"id":9963,"date":"2012-01-03T05:42:10","date_gmt":"2012-01-03T03:42:10","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=9963"},"modified":"2012-01-03T05:42:10","modified_gmt":"2012-01-03T03:42:10","slug":"schaffste-noch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2012\/01\/03\/schaffste-noch\/","title":{"rendered":"&#8222;Schaffste noch!&#8220;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Bevor ich vorletztes Jahr das erste Mal an Silvester gefahren bin, haben mich die Kollegen nicht nur vor den Kotzern gewarnt, sondern viel mehr auch vor den Ungl\u00fccklichen. Nicht etwa, weil sie gef\u00e4hrlich w\u00e4ren, sondern weil sie einem geh\u00f6rig die Laune verderben k\u00f6nnen an diesem sonst so wundervollen Tag f\u00fcr uns.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hatte damals auch umgehend eine ziemlich deprimierte Frau im Auto, mit der ich just die l\u00e4ngste Fahrt des Abends hatte und richtig froh war, danach wieder kurz vor dem Ausfall stehende betrunkene Jugendliche zu bef\u00f6rdern. Aber ja: Der Jahreswechsel l\u00e4dt einen ja nicht nur zum Feiern ein, sondern auch zum Nachdenken, was man in den letzten 12 Monaten so zustande gekriegt hat. Dass der Abend eher weniger sch\u00f6n ist, wenn ein Jahr im R\u00fcckblick nur aus zerbrochenen Beziehungen und toten Verwandten besteht, kann ich nachvollziehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eher selten sind allerdings die Leute, denen die Silvesterfeiern selbst auf den Zeiger gehen &#8211; von den Hardcore-Spa\u00dfverweigerern mal abgesehen. Mich ereilte das diesj\u00e4hrige Gl\u00fcck kurz vor meiner Haust\u00fcre, als ich mich gerade auf eine Pause gefreut hatte. Aber ich kann ja nicht nein sagen, wenn man mich nett fragt, ob ich nicht noch vielleicht kurz&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Fahrt war tats\u00e4chlich nicht lang, vielleicht 3 Kilometer, etwas das mir an Silvester immer gut gef\u00e4llt. Da es an Kundschaft eh nicht mangelt, erh\u00f6ht das Stunden- und Kilometerschnitt doch betr\u00e4chtlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jedenfalls wollte er nur in eine Hochhaussiedlung unweit meiner Heimat und das Gespr\u00e4ch landete recht schnell bei der Feier. Er h\u00e4tte keinen Bock mehr und geht jetzt &#8222;nach Hause&#8220;. Was aber gar nicht zu Hause war. Er hat sich hier eine Wohnung f\u00fcr eine Nacht angemietet, denn er war extra aus Frankfurt am Main wegen Silvester zu seiner Freundin gefahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hab mich kurz umgeschaut, keine Freundin gefunden und besser mal nicht gefragt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann hat er selbst ausgeholt zum Erz\u00e4hlen: Er ist ein wenig versp\u00e4tet angekommen, dummerweise war er damit so ziemlich der einzige n\u00fcchterne Mensch auf der Party. Seine Freundin war bereits so nahe an komat\u00f6sen Zust\u00e4nden, dass sie weder geradeaus gucken, noch ihn ernsthaft erkennen w\u00fcrde. Ihm ist das also tierisch auf die N\u00fcsse gegangen und er hat sich gefrustet auf den Heimweg gemacht. Ich hab ihn mit ein paar Allgemeinpl\u00e4tzen des Bedauerns bedacht, wurde dabei jedoch von seinem Telefon unterbrochen. Zun\u00e4chst rief die Freundin an, was er nach einer Minute abbrach, da sie ihm offenbar nicht sinnig oder \u00fcberhaupt wie begr\u00fcnden konnte, weswegen er umkehren sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Minute sp\u00e4ter klingelte es wieder. Das Gespr\u00e4ch dauerte \u00e4hnlich lange, mein Fahrgast beendete es mit den Worten:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Na das schaffste auch noch, wenn ihr so weitermacht!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Etwas z\u00f6gerlich hab ich gefragt, ob es schlechte Neuigkeiten g\u00e4be. Er hat seine Stirn in Falten gelegt, als w\u00fcsste er selbst nicht so genau, was er davon zu halten habe. Dann sagte er:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Ach, das war einer von den Typen, die vorher schon so furchtbar an meiner Freundin rumgebaggert haben. Und jetzt erz\u00e4hlt der mir hier wunder wei\u00df was \u00fcber sie. Soll er sie doch abschleppen, ist mir jetzt auch egal!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann ist er mit einem gequ\u00e4lten L\u00e4cheln auf den Lippen ausgestiegen und hat mir ein sattes Trinkgeld vermacht. Ich hab gequ\u00e4lt zur\u00fcckgel\u00e4chelt und mich innerlich gefreut, dass mein Jahr damit dann doch etwas besser anf\u00e4ngt&#8230;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/976bfd93d3604c81a9cb46f05daf4165\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bevor ich vorletztes Jahr das erste Mal an Silvester gefahren bin, haben mich die Kollegen nicht nur vor den Kotzern gewarnt, sondern viel mehr auch vor den Ungl\u00fccklichen. Nicht etwa, weil sie gef\u00e4hrlich w\u00e4ren, sondern weil sie einem geh\u00f6rig die Laune verderben k\u00f6nnen an diesem sonst so wundervollen Tag f\u00fcr uns. 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