{"id":88,"date":"2009-01-26T01:02:48","date_gmt":"2009-01-26T00:02:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=88"},"modified":"2009-01-26T01:02:48","modified_gmt":"2009-01-26T00:02:48","slug":"nachtschicht-eine-abrechnung-nach-nur-2-monaten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2009\/01\/26\/nachtschicht-eine-abrechnung-nach-nur-2-monaten\/","title":{"rendered":"Nachtschicht &#8211; eine Abrechnung nach nur 2 Monaten"},"content":{"rendered":"<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 10pt;\"><span style=\"font-family: verdana,geneva;\">Nachtschicht! F\u00fcr die einen verhei\u00dfungsvoll, f\u00fcr die anderen der pure Horror. Meine Arbeitszeiten sind ein Thema, auf das ich auch mit meinen Fahrg\u00e4sten schnell mal komme (&#8222;Wie lange m\u00fcssen sie denn heute noch?&#8220;). Nun, wie sieht es also aus? Wie ist es so, nur Nachts zu arbeiten?<br \/>\nEine eindeutige Antwort f\u00e4llt mir schwer, denn nat\u00fcrlich gibt es auch hier positive und negative Seiten. Auf der einen Seite ist es irgendwie von Vorteil, NUR nachts zu arbeiten. Denn erstens gew\u00f6hnt man sich schneller einen gewissen Rhytmus an, zweitens sind beim Taxifahren die Bedingungen radikal anders. Tags\u00fcber ist es h\u00e4ufiger, dass die Leute zu den Bahnh\u00f6fen, in die Krankenh\u00e4user, zu den Flugh\u00e4fen und in die Tagungsst\u00e4tten wollen. Nachts dominieren die Privatwohnungen und Clubs. Hotels dagegen gehen wahrscheinlich gleicherma\u00dfen gut&#8230;<br \/>\nAls Fahrer muss ich nat\u00fcrlich erw\u00e4hnen, dass der Verkehr nachts um einiges angenehmer ist. Auch wenn Berlin den Ruf hat, rund um die Uhr Party zu bieten: Man muss auch wissen, wo! Unter der Woche nachts um 2 Uhr ist auf dem Ku&#8217;damm n\u00e4mlich so ziemlich kein einziger Mensch mehr anzutreffen. Das mag Hoffnungen zerst\u00f6ren, ist aber so.<br \/>\nDer zweitwichtigste Punkt auf der Liste ist sicher das Geld. Nachtfahrer verdienen mehr! Ob das heisst, dass sie mehr Touren machen, kann ich nicht wirklich beurteilen. Ich kenne schlie\u00dflich bisher fast nur Nachtfahrer, und mein Kollege H., der mit unserem Auto die Tagschicht f\u00e4hrt, f\u00e4hrt um L\u00e4ngen mehr ein als ich. Laut meinen Chefs ist er aber auch einer der besten&#8230; Nein, der f\u00fcr mich erstmal wichtigste Vorteil diesbez\u00fcglich ist, dass ich einen Teil meines Lohns wegen der Nachtarbeit in Form steuerbefreiter Zuschl\u00e4ge bekomme, was meine Steuerbelastung erheblich senkt, und ich somit in den Genuss h\u00f6herer Nettozahlungen bei gleichem Bruttogehalt komme. Das ist f\u00fcr selbstst\u00e4ndige Fahrer wohl eher egal&#8230;<br \/>\nDas wichtigste aber ist nat\u00fcrlich die Zeiteinteilung, der Rhytmus, das Leben als solches:<br \/>\nMein Leben ist halt quasi auf den Kopf gestellt. Das alleine macht nicht viel aus. Wenn man gut ist, dann schafft man es sicher, einfach Schlaf- und Arbeitszeit im Vergleich zu Otto Normalb\u00fcrger zu tauschen, und es \u00e4ndert sich nicht viel. Dadurch, dass ich aber l\u00e4nger arbeite, als ich schlafe, ergeben sich hier nat\u00fcrlich Differenzen. Insbesondere in meiner Beziehung &#8211; die zu f\u00fchren ich das Gl\u00fcck habe.<br \/>\nMein Tag sieht momentan (unter der Woche, an nicht-freien Tagen) wie folgt aus:<br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<ul>\n<li> <span style=\"font-size: 10pt;\"><span style=\"font-family: verdana,geneva;\">15 &#8211; 17 Uhr: Ich stehe auf.<\/span><\/span><\/li>\n<li> <span style=\"font-size: 10pt;\"><span style=\"font-family: verdana,geneva;\">bis 18.15 Uhr: Leben in Form von Hausarbeit, Freundin sehen, Bloggen, Zeit f\u00fcr mich.<\/span><\/span><\/li>\n<li> <span style=\"font-size: 10pt;\"><span style=\"font-family: verdana,geneva;\">19.15 Uhr: Ich gehe aus dem Haus und fahre zum Auto.<\/span><\/span><\/li>\n<li> <span style=\"font-size: 10pt;\"><span style=\"font-family: verdana,geneva;\">20.00 Uhr: Ich fahre los&#8230;<\/span><\/span><\/li>\n<li> <span style=\"font-size: 10pt;\"><span style=\"font-family: verdana,geneva;\">06.00 Uhr: Ich stelle das Auto nach der Schicht ab.<\/span><\/span><\/li>\n<li> <span style=\"font-size: 10pt;\"><span style=\"font-family: verdana,geneva;\">07.00 Uhr: Ich komme zuhause an.<\/span><\/span><\/li>\n<li> <span style=\"font-size: 10pt;\"><span style=\"font-family: verdana,geneva;\">bis 8.00\/10.00 Uhr: Leben<\/span><\/span><\/li>\n<li> <span style=\"font-size: 10pt;\"><span style=\"font-family: verdana,geneva;\">08 &#8211; 10 Uhr: Ich gehe schlafen&#8230;<\/span><\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><span style=\"font-family: verdana,geneva;\">Das entspricht nat\u00fcrlich nie dem Tagesablauf von Ozie, wenngleich sie ja auch wechselnde Schichten hat (aber nie \u00fcber Mitternacht hinweg). Das macht die Sache schwer. Es kommt einfach vor, dass man sich (was auch selten ist) an einem Tag nur f\u00fcr eine halbe Stunde sieht.<br \/>\nAnsonsten ist das f\u00fcr mich kein Problem. Ich habe mir schon vor diesem Job eher die N\u00e4chte als die Tage um die Ohren geschlagen, und manchmal glaube ich, dass diese Studien mit dem &#8222;Wer weniger Tageslicht abbekommt, bekommt Depressionen&#8220; bei mir ins Leere laufen w\u00fcrden.<br \/>\nIch finde es irgendwie sogar geil, einen v\u00f6llig anderen Rhytmus zu haben. Es ist eben sch\u00f6n, beim Feierabend die Leute zu sehen, die missmutig zur Arbeit fahren. Es ist geil, die Stadt in einem anderen Licht zu sehen und mitzubekommen, wo auch um 5 Uhr morgens noch was los ist.<br \/>\nIch war immer ein Freund der Subkulturen, und es ist mir &#8211; bei allen potenziellen St\u00f6renfrieden &#8211; immer noch lieber, besoffene Sp\u00e4theimkehrer nach Hause zu fahren, als gestresste Gesch\u00e4ftsm\u00e4nner zum Flughafen.<br \/>\nSo ist das Fazit aus meiner Sicht ein eher vers\u00f6hnliches: Ich finde Nachtschicht hervorragend, und wenn ich meine Freundin befrage, dann nervt sie auch eher, dass sie nicht die Option hat, zur selben Zeit zu arbeiten.<br \/>\nWenn es nach mir alleine geht, dann mache ich das noch m\u00f6glichst lange. Meine Freunde werden mich schon warnen, wenn ich zu depressiv werde \ud83d\ude09<\/p>\n<p>PS: Mir ist nat\u00fcrlich dennoch bewusst, dass Nachtschicht beschissen ist f\u00fcr Familienv\u00e4ter und andere wenig flexible Menschen. Das ist meine pers\u00f6nliche Einsch\u00e4tzung zu meiner pers\u00f6nlichen Situation. Ich kann deswegen dennoch alles Geschimpfe \u00fcber die Nachtschicht verstehen. Vielleicht sogar besser, als Menschen mit &#8222;normaler&#8220; Arbeitszeit.<\/span><\/span><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachtschicht! F\u00fcr die einen verhei\u00dfungsvoll, f\u00fcr die anderen der pure Horror. Meine Arbeitszeiten sind ein Thema, auf das ich auch mit meinen Fahrg\u00e4sten schnell mal komme (&#8222;Wie lange m\u00fcssen sie denn heute noch?&#8220;). Nun, wie sieht es also aus? Wie ist es so, nur Nachts zu arbeiten? 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