{"id":8770,"date":"2011-07-29T04:12:27","date_gmt":"2011-07-29T02:12:27","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=8770"},"modified":"2011-07-25T03:40:15","modified_gmt":"2011-07-25T01:40:15","slug":"das-erste-taxi-am-stand","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2011\/07\/29\/das-erste-taxi-am-stand\/","title":{"rendered":"Das erste Taxi am Stand"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die Berliner Taxiordnung sagt in Paragraph 4 (2):<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Den Fahrg\u00e4sten steht die Wahl der Taxe frei. [&#8230;]&#8220; <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Soweit die Theorie. Wie sieht das in der Berliner Realit\u00e4t aus? Ein Erfahrungsbericht:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hatte mir (was sehr selten ist) an der Tankstelle meines Vertrauens ein belegtes Br\u00f6tchen f\u00fcr l\u00e4cherliche 2,99 \u20ac rausgelassen und mich zum Essen am Bahnhof an den Stand, auf Position 25 etwa, gestellt.<br \/>\nIn dem Moment, in dem ich erwartungsvoll die T\u00fcte \u00f6ffne, klopft es an meine Scheibe:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Sag mal, bringste mich kurz zum Mariannenplatz?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4re er nur 5 Sekunden sp\u00e4ter gekommen, h\u00e4tte ich mit &#8222;Felbverfb\u00e4mfliff&#8220; antworten m\u00fcssen, ohne eine halbe Gem\u00fcsetheke im Mund gelang mir aber die hochsprachliche Artikulation.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Letztes Mal hat mich der Taxifahrer ganz vorne gebeten, doch nach hinten zu gehen, ist das in Ordnung?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jein. Bitten oder Beten ist nicht verboten. Wie wir eingangs gelesen haben, ist dem Wunsch eines Fahrgastes aber Folge zu leisten. Mein \u00fcbersensibler Kunde war tats\u00e4chlich gewillt, es allen Fahrern auf diesem Planeten recht zu machen, da war das sichtlich in Ordnung. Ich denke, ich kann f\u00fcr fast alle Fahrer sprechen, wenn ich sage: Wir freuen uns, wenn der Kunde sich \u00fcber unser Gesch\u00e4ft Gedanken macht und eine kurze Fahrt mit einem der hinteren Taxen absolviert, weil diese noch nicht so lange gewartet haben. Selbst ich \u00e4rgere mich manchmal insgeheim, wenn ich nach einer Stunde Standzeit eine Tour f\u00fcr 5 \u20ac bekomme, das bleibt nicht aus, wenn man umsatzbasiert bezahlt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber es ist und bleibt dabei: Der Kunde darf sich das Auto (und damit auch den Fahrer) aussuchen. Wir Fahrer m\u00f6gen den ein oder anderen Kundenwunsch nicht verstehen, aber legitim ist er. Ob der Kunde sich das Auto aussucht, weil es an einer bestimmten Stelle steht, weil es neuer, gr\u00f6\u00dfer, sauberer oder vielleicht doch eher gem\u00fctlicher, lustiger oder \u00e4lter ist: Es ist sein Recht. Wir Taxifahrer haben eine Bef\u00f6rderungspflicht, und die gilt in einem siffigen Lada ebenso wie in einem frisch geputzten Mercedes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Problem ist schlicht der Faktor Mensch. Jeder Taxifahrer geht anders mit seinem Job und den Kunden um. Und viele sind der Meinung, dass das ungeschriebene Gesetz, der erste bekomme die Tour, \u00fcber der Taxiordnung steht.<br \/>\nMan sollte als Kunde nicht verwundert sein, wenn ein Fahrer den ersten in der Reihe vorschl\u00e4gt. Es ist meist einfach ein Versuch, kollegial zu sein.<br \/>\nEbenso finden sich aber nat\u00fcrlich auch Arschl\u00f6cher am Taxistand, die als letzte in der Reihe den Kunden mit der Kurztour wieder nach vorne schicken, &#8222;weil das so ist&#8220;, obwohl sie in Wirklichkeit nur dem Kollegen eine kurze Tour unterjubeln wollen und selber auf einen dicken Fisch warten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit ist es ein leidiges Thema, denn es ist schwer, es allen Taxifahrern recht zu machen. Wir sind auch nur Menschen und haben alle ein bisschen verschiedene Ansichten. Wirklich beliebt sind kurze Strecken vielleicht nie &#8211; aber genau das ist ein Grund mehr, die Taxiordnung beim Wort zu nehmen und als Kunde zu entscheiden, mit wem man fahren will!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich w\u00fcrde wirklich gerne einen allgemeing\u00fcltigen Tipp geben, welches Auto man als Kunde am ehesten w\u00e4hlen sollte &#8211; aber irgendwer in der Kollegenschar f\u00fchlt sich immer auf die F\u00fc\u00dfe getreten. Vielleicht sollte ich es so machen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn sie eine kurze Strecke im Taxi fahren wollen, dann sagen sie das im Voraus und fahren dann mit dem Fahrer, der am nettesten reagiert. Und wenn sie das Gehacke um dieses Thema genauso st\u00f6rt wie mich, dann bedanken sie sich bei genau diesem Fahrer mit einem guten Trinkgeld und verzichten sie beim n\u00e4chsten N\u00f6rgler ganz explizit (gerne mit Ansage) darauf. Vielleicht \u00e4ndert sich dann mal was&#8230;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/a18500a7d4be4304840c77d3bc5b8081\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Berliner Taxiordnung sagt in Paragraph 4 (2): &#8222;Den Fahrg\u00e4sten steht die Wahl der Taxe frei. [&#8230;]&#8220; Soweit die Theorie. Wie sieht das in der Berliner Realit\u00e4t aus? 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