{"id":8379,"date":"2011-06-09T05:54:07","date_gmt":"2011-06-09T04:54:07","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=8379"},"modified":"2011-06-09T07:33:34","modified_gmt":"2011-06-09T06:33:34","slug":"beziehungskrise-auf-russisch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2011\/06\/09\/beziehungskrise-auf-russisch\/","title":{"rendered":"Beziehungskrise auf Russisch?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Manchmal hat man so Fahrten, bei denen man sich sicher ist, dass irgendwas passiert. Und das sind nicht unbedingt die sch\u00f6nsten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Wochenendschicht verlief weitgehend schlecht. Endlich hatte ich Gl\u00fcck mit einer Tour von Friedrichshain bis nach Neu-Hohensch\u00f6nhausen. Bis dahin sind die Fahrten meist eher innerhalb eines Stadtteils geblieben. Ich war also auf der Suche nach Fahrg\u00e4sten, die mir innerhalb der letzten anderthalb Stunden noch ordentlichen Umsatz in die Kasse sp\u00fclen. In Hohensch\u00f6nhausen. Nee, is klar&#8230; \ud83d\ude09<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich war also auf dem Weg in die Stadt, als zwei alles andere als seri\u00f6s wirkende junge M\u00e4nner pl\u00f6tzlich auf der linken Fahrbahnseite aufkreuzten und mich heranwinkten. Gleich zu Beginn war ich skeptisch, da sie sich in bester R\u00e4uber-Manier verteilten: Einer setzte sich auf den Beifahrersitz, der andere stieg direkt hinter mir ein. Das hat nat\u00fcrlich nicht per se was zu sagen, aber die Kombination ist selten genug, um sich Gedanken zu machen&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es waren zwei reichlich alkoholisierte Russen mit einem mordsm\u00e4\u00dfigen Akzent. Dar\u00fcber hinaus wirkten sie so mittelpr\u00e4chtig harmlos.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Fahrs duuns Schonfeld?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Sch\u00f6nefeld?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Da!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann folgte erst einmal das obligatorische Preisgefeilsche. Ich hab gesagt, dass ich am liebsten die Uhr laufen lassen w\u00fcrde, ansonsten w\u00e4ren 35 \u20ac pauschal auch ok. Nach einigem hin und her &#8211; w\u00e4hrend wir allerdings schon gefahren sind &#8211; haben wir uns auf 30 \u20ac geeinigt. Die Uhr hab ich dennoch mitlaufen lassen. Zur Sicherheit. Wenn mir die beiden Spa\u00dfv\u00f6gel verduften, m\u00f6chte ich wenigstens was zum Vorzeigen haben.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Anderes! Brings duuns &#8217;nkstelle!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Tankstelle? Welche?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Egal, fahrsdu hier!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwei Minuten sp\u00e4ter:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Nein! Fahrsdu Schonfeld!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist ehrlich kein gutes Zeichen: Den beiden schien das Ziel eigentlich egal zu sein, und so ganz geheuer waren sie mir immer noch nicht. Ich hab dann gegen\u00fcber einer Tanke an der Rhinstra\u00dfe angehalten und gefragt, ob sie jetzt dorthin wollten oder nicht. Es ging ihnen offenbar um einen weiteren Alk-Einkauf, und ich hab sie letztlich \u00fcberredet, kurz zur Tanke zu gehen, und dann weiterzufahren. Das war tats\u00e4chlich eine strategische Entscheidung. Zum einen hab ich zu dem Zeitpunkt gehofft, dass sie vielleicht doch gleich endg\u00fcltig aussteigen w\u00fcrden. Dann w\u00fcrde ich zwar kaum Kohle verdienen, mir allerdings viel Stress mit wechselnden Zielen ersparen und br\u00e4uchte mir gar keine Sorgen bez\u00fcglich eines \u00dcberfalls machen.<br \/>\nSollten sie doch weiterfahren&#8230; naja, sagen wir es so: Ich hab sie direkt vor einer Videokamera an der Tanke aussteigen lassen und meine Tageseinnahmen sowie Handy und Kamera in den gr\u00f6\u00dften Tiefen meines Autos versteckt. Als sie dann erfolgreich mit Erdbeerlik\u00f6r (!) wieder ankamen, h\u00e4tten sie mir h\u00f6chstens noch 40 \u20ac Wechselgeld abnehmen k\u00f6nnen \ud83d\ude09<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt, da sie mit Lebenselexier ausgestattet waren, war die Stimmung aber gleich viel besser. Ja, es wurde tats\u00e4chlich sogar eine recht nette Fahrt. Der eine ist gleich eingeschlafen und der andere hat sich wie so viele Kunden interessiert am Taxifahren gezeigt. Er hat mir dann auch das Ziel genau definiert, und ich hab bei einem Blick aufs Navi feststellen k\u00f6nnen, dass die vereinbarten 30 \u20ac daf\u00fcr v\u00f6llig ok waren. Letztlich sollte ich die Uhr etwa einen Kilometer vor dem Ziel ausschalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viel interessanter wurde allerdings die Situation der beiden. Denn sie sind nur mit dem Taxi unterwegs gewesen, weil sie sich mit mindestens einer ihrer Freundinnen gestritten hatten. Selbige war offenbar ein paar Stunden zuvor wutentbrannt mit dem Auto des einen davongeprescht &#8211; nach dem die beiden gro\u00dfkotzig verk\u00fcndet hatten, sie w\u00fcrden eben heimlaufen. Die zwanzig Kilometer&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als wir mehr oder weniger in der Einflugschneise zu ihrer Heimat waren und er inzwischen mit seiner Freundin &#8222;telefoniert&#8220; hat (sie h\u00e4tten sich wahrscheinlich bei der Lautst\u00e4rke das Telefon sparen k\u00f6nnen), bekam ich noch ein paar unwesentliche Details zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1. Die Wohnlage:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Is Plattenbau. Aber bessere. Nicht dass du denkst, hier Ghetto und so!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2. Mein Geld:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Haben wir nix Geld. Kriegsdu von Freundin! Keine Angst, klappt sicher!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3. Verhaltenstipps:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Vielleicht h\u00e4lst besser bisschen weiter. Egal was passiert: Nicht wegfahren. Kriegst du Geld! Wird sicher nix sch\u00f6n. Wir kriegen gro\u00dfe \u00c4rger!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Puh! Na heilige Schei\u00dfe! Bezahlen soll mich also ausgerechnet die Freundin, mit denen die beiden gerade den offensichtlich gr\u00f6\u00dften Streit ever haben. Konnte mir ja nix besseres passieren&#8230; \ud83d\ude41<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Ziel angekommen bekam ich erstmal eine Zigarette aufgedr\u00e4ngt. Der Schlaftrunkene wachte erst nach dem Herausziehen aus dem Auto durch seinen Freund langsam auf, selbiger war hochnerv\u00f6s und ermahnte mich immerzu, ich solle auf alles gefasst sein.<br \/>\nDann \u00f6ffnete sich die T\u00fcr und mit stampfenden Schritten st\u00fcrmte eine schon reichlich abgeschminkt aussehende Freundin geradewegs auf mich zu. F\u00fcr einen kurzen Moment hab ich mir echt \u00fcberlegt, ob ich der Situation nicht besser bewaffnet h\u00e4tte begegnen sollen. Die beiden Jungs w\u00fcrdigte sie keines Blickes, und entgegen der ersten Erwartungen stoppte sie vor mir. Sie holte ein Portemonnaie heraus und fragte mit echter H\u00f6flichkeit aber aufgesetzter Beherrschung:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Was kriegen sie denn?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Wir haben 30 \u20ac ausgemacht.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Bitte.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das war es dann. Ich war sicher und ich hatte mein Geld. Die Freundin stampfte wutentbrannt und immer noch ohne die Jungs anzuschauen oder auf deren Beschwichtigungen, Vorw\u00fcrfe, Begr\u00fc\u00dfungsfloskeln und Lallereien zu achten davon.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die beiden Helden der Nacht schlichen gesenkten Hauptes hinterher und bereiteten sich seelisch auf &#8222;gro\u00dfe \u00c4rger&#8220; vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und ich? Nix wie weg! \ud83d\ude00<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/70b793306f5941fdb2b6eb241a26f8ca\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manchmal hat man so Fahrten, bei denen man sich sicher ist, dass irgendwas passiert. Und das sind nicht unbedingt die sch\u00f6nsten. Die Wochenendschicht verlief weitgehend schlecht. Endlich hatte ich Gl\u00fcck mit einer Tour von Friedrichshain bis nach Neu-Hohensch\u00f6nhausen. 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