{"id":8371,"date":"2011-06-07T03:06:18","date_gmt":"2011-06-07T02:06:18","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=8371"},"modified":"2011-06-07T03:06:18","modified_gmt":"2011-06-07T02:06:18","slug":"arbeitnehmer-im-taxigewerbe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2011\/06\/07\/arbeitnehmer-im-taxigewerbe\/","title":{"rendered":"Arbeitnehmer im Taxigewerbe"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Man gew\u00f6hnt sich ganz sch\u00f6n an Luxus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich meine jetzt damit gar nicht so sehr den materiellen, sondern viel mehr auch den emotionalen. Ich schreibe hier verdammt viel dar\u00fcber, warum mein Job mir Spa\u00df macht und warum ich ihn so gerne habe. Das liegt zu gro\u00dfen Teilen an den Fahrg\u00e4sten, bzw. nat\u00fcrlich auch daran, dass ich mit Menschen relativ gut umgehen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Verdienst &#8211; sind wir mal ehrlich! &#8211; geh\u00f6rt weniger dazu, die Arbeitsbedingungen dagegen umso mehr. Das betrifft schon ganz einfache Dinge: Wenn ich zur S-Bahn komme, und meine Bahn am Bahnsteig steht, dann renne ich aus Prinzip nicht mehr! Entweder sie ist noch da, wenn ich einsteige, oder ich hab noch 5 Minuten zum Lesen. Diese Vorstellung, ich m\u00fcsste eine Bahn erwischen, um p\u00fcnktlich bei der Arbeit zu sein&#8230; die kommt mir inzwischen grotesk vor.<br \/>\nIch h\u00e4tte zum Beispiel am Freitag meine Abrechnung machen m\u00fcssen. Die meisten Kollegen rechnen ein- oder mehrmals die Woche ab, sprich: Bringen Cheffe das Geld vorbei &#8211; ich selbst mache es nur monatlich, weil ich daf\u00fcr fr\u00fcher aufstehen muss und eine Stunde Bahnfahren. Jetzt hat mir Freitag aber mal sowas von gar nicht gepasst. Ich war m\u00fcde, bin sp\u00e4t aufgestanden, und zudem war es der letzte Tag in 2 Wochen, in denen ich das Auto nicht hatte. Also hab ich kurzfristig angefragt, ob ich auch am Montag abrechnen k\u00f6nne. Ich bin zwar schon davon ausgegangen, dass es geht &#8211; aber man m\u00f6chte ja nicht als der dastehen, der sich reihenweise Extraw\u00fcrste g\u00f6nnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">War aber kein Problem.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gestern hatte ich das Auto vor der T\u00fcre, sowieso nicht geschlafen und beschlossen, meinen Chefs die Freude zu machen, wenigstens fr\u00fch vorbeizukommen, damit sie danach ihre Ruhe haben zum Arbeiten.<br \/>\nEntgegen der landsl\u00e4ufigen Meinung arbeiten n\u00e4mlich tats\u00e4chlich auch Chefs &#8211; und meine geh\u00f6ren zu denen, mit denen ich bestimmt nicht tauschen wollte&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Also jetzt nicht nur wegen mir als Arbeitnehmer&#8230; \ud83d\ude09 )<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was mir am Taxigewerbe gef\u00e4llt, sind die flachen Hierarchien. Nicht mal unbedingt, weil ich dadurch als Arbeitnehmer besser dastehe, sondern weil ich es grunds\u00e4tzlich interessanter finde, Menschen mehr auf Augenh\u00f6he zu begegnen, als eventuell bestehende Machtgef\u00e4lle in welche Richtung auch immer auszunutzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist nat\u00fcrlich nicht nur bei uns im Gewerbe so, beziehungsweise auch nicht \u00fcberall bei uns. Ich hab ja aber durch Zufall den richtigen Arbeitgeber gefunden, und so kam es dann, dass ich bevor ich unser B\u00fcro betreten habe, von Cheffe selbst zum Chinesen gegen\u00fcber gewunken und dort zum Essen eingeladen worden bin.<br \/>\nIn meinen Augen war das eine wirklich gute Atmosph\u00e4re, um z.B. <a href=\"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2011\/06\/05\/wagen-umgekippt\/\" target=\"_blank\">die Sache mit Einkaufswagen und dem R\u00fccklicht<\/a> zu besprechen. W\u00e4hrend unser firmeninterner Schrauber gleich in Aussicht gestellt hat, dass es wegen der bl\u00f6den Ersatzteilpolitik von Opel sein k\u00f6nnte, dass wir sogar gleich zwei neue R\u00fccklichter brauchen k\u00f6nnten, hat mein Chef sich im Wissen um die eigentlich sehr nette Kundschaft sp\u00e4ter erst einmal an den PC gesetzt, um nach gebrauchten Teilen zu suchen. Was daraus wird, weiss ich noch nicht &#8211; ich hoffe mal, er wird f\u00fcndig!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst haben wir aber tats\u00e4chlich noch ein paar Worte \u00fcbers Schreiben verloren, denn eine der Taxizeitungen in Berlin sucht offenbar verzweifelt nach Content jeder Art. Dass ich blogge, wissen die Leute in der Firma ja inzwischen, wenngleich mein Chef sagt, er liest nicht hier, weil er es f\u00fcr indiskret halten w\u00fcrde. Naja, jedenfalls versucht also gerade ausgerechnet er mich in meiner zeitintensiven Nebenbesch\u00e4ftigung zu f\u00f6rdern und mich nicht unter Wert weiterzuvermitteln. Das hat auch was \ud83d\ude00<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Abrechnung selbst war eigentlich nicht der Rede wert &#8211; wenn man mal davon absieht, dass es ohnehin das einzige Mal im Monat ist, dass ich meine Chefs pers\u00f6nlich sehe. Alles weitere kl\u00e4rt man ja heute mit Mails und SMS, gelegentlich dann noch via Telefon.<br \/>\nNun bin ich also wieder auf dem laufenden Stand bez\u00fcglich der Geschehnisse in der Firma, hatte trotz etwas &#8222;Arbeit&#8220; (an einem freien Tag) einen entspannten Nachmittag und freue mich ehrlich gesagt aufs n\u00e4chste Mal.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht werde ich es eines Tages bereuen, dass ich nicht zugunsten einiger hundert Euro mehr im Monat einen anderen Beruf ergriffen habe. Das kann schon sein, und das sollte sich auch jeder gut \u00fcberlegen, der gerne Taxifahrer werden will, weil er im Internet ein paar lustige Geschichten gelesen hat &#8211; aber gerade bin ich hier genau richtig!<br \/>\nUnd in Anbetracht der Tatsache, dass ich nebenher k\u00fcnftig noch mehr schreiben will, bin ich sogar eigentlich als Angestellter genau richtig in diesem Gewerbe.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/9dd0da2fd16343e3aecbdc6808c980d3\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man gew\u00f6hnt sich ganz sch\u00f6n an Luxus. Ich meine jetzt damit gar nicht so sehr den materiellen, sondern viel mehr auch den emotionalen. Ich schreibe hier verdammt viel dar\u00fcber, warum mein Job mir Spa\u00df macht und warum ich ihn so gerne habe. 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