{"id":8286,"date":"2011-05-27T05:06:11","date_gmt":"2011-05-27T04:06:11","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=8286"},"modified":"2011-05-27T06:47:47","modified_gmt":"2011-05-27T05:47:47","slug":"die-festpreisler","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2011\/05\/27\/die-festpreisler\/","title":{"rendered":"Die Festpreisler&#8230;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Ich hab schon lange nichts mehr \u00fcber Festpreisverhandler geschrieben, nicht? Das ist eine Erkenntnis, die mich gestern getroffen hat. Irgendwie erstaunlich, aber ich habe festgestellt, dass es daran liegt, dass sie mich nicht mehr ernsthaft stressen. Alleine in den letzten 2 Wochen hatte ich sicher 10 Touren mit Fahrg\u00e4sten, die nach einem Festpreis gefragt haben. Und trotzdem taucht das Thema hier bei GNIT kaum noch auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die, die relativ neu sind, und das noch nicht wissen: Innerhalb des Pflichtfahrgebietes sind Festpreise nicht erlaubt. Das mag den ein oder anderen \u00fcberraschen, denn wenn ich den anfragenden Kunden Glauben schenken soll, dann ist so gut wie jeder schon mal irgendwie zu einem festen Preis Taxi gefahren. Aber ja: Wenn es nicht irgendwo nach au\u00dferhalb geht, ist das fast \u00fcberall illegal.<br \/>\nDass das so ist, hat auch tats\u00e4chlich seine Gr\u00fcnde. Zum einen verhindert es (manchmal) Schwarzarbeit. In der Regel will der Chef vom Fahrer die Kohle haben, die das Taxameter anzeigt, und es ist recht beliebt unter den Kollegen, mal schnell &#8222;ohne Uhr&#8220; f\u00fcr Betrag X irgendwohin zu gurken. So lange nichts auf der Uhr steht, kann Cheffe nix verlangen, und man kann das Geld brutto=netto einstecken. Neben den wegfallenden Steuern spart man sich damit auch das Geld an den Chef, der ja v\u00f6llig unberechtigterweise welches haben will, um damit unn\u00f6tige Dinge wie das Auto, den Sprit oder die Werkstattkosten zu bezahlen.<br \/>\nDann sind die Tarife in mehr oder minder m\u00fchevoller Diskussion zustandegekommen. Der Taxitarif &#8211; mal egal, ob man ihn als zu hoch oder zu niedrig erachtet &#8211; soll sowohl daf\u00fcr sorgen, dass die Mitarbeiter des Gewerbes (Chefs und Fahrer) f\u00fcr ihre Arbeit fair entlohnt werden, als auch (und das vergessen einige gerne mal!) den Kunden davor sch\u00fctzen, dass wir als Fahrer Mondpreise verlangen k\u00f6nnen.<br \/>\nDeswegen m\u00fcssen die Taxameter regelm\u00e4\u00dfig geeicht werden und deswegen ist jede Fahrt im Pflichtfahrgebiet nur nach Taxameterpreis zu fahren. Wer es ok findet, dass wir Fahrer auch mal &#8222;f\u00fcr 2 \u20ac weniger&#8220; fahren, m\u00fcsste es andererseits auch ok finden, wenn wir mal &#8222;&#8217;n F\u00fcnfer Aufschlag&#8220; verlangen. Wie man sich denken kann: Jeder Fahrer w\u00fcrde gerne mehr verdienen, jeder Kunde gerne weniger zahlen &#8211; und das sorgt dann f\u00fcr die Horrormeldungen \u00fcber widerlich hohe &#8222;Spezialpreise&#8220; von zwielichtigen Kollegen und auf der anderen Seite f\u00fcr wirklich unversch\u00e4mte Anfragen an uns.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber die H\u00f6he des Tarifs darf man also meinetwegen gerne leidenschaftlich diskutieren und streiten, dass es ihn gibt, finde ich gut &#8211; im Sinne aller Beteiligten!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gut, das interessiert die meisten Leute wenig, die mit einem Zehner Restkapital morgens nach einer durchzechten Nacht vor dem Club stehen und der Meinung sind, dass ihnen eine Heimfahrt im Taxi ja dennoch irgendwie zust\u00fcnde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den meisten Festpreisverhandlern ist gemein, dass sie \u00fcbers Taxigewerbe genau soweit blendend informiert sind, als es ihnen n\u00fctzt. Dass es f\u00fcr uns lukrativer ist, eine 15\u20ac-Tour ohne Uhr f\u00fcr einen Zehner zu fahren, das ist bekannt. Der Gedanke, wie viele Taxen (und wie viele in vern\u00fcnftiger Qualit\u00e4t) es g\u00e4be, wenn jeder Idiot jeden Preis annehmen w\u00fcrde und genau die Chefs pleite gehen, die sich noch den Luxus von Steuern und Sozialabgaben leisten&#8230; das ist nat\u00fcrlich unwichtiges Detailwissen.<br \/>\nDiskussionen auf der Basis k\u00f6nnen echt enervierend sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">M\u00fcssen sie aber nicht!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In meinem Umfeld haben vor einiger Zeit sowohl meine bessere H\u00e4lfte als auch Kalle Zentrum als (ehemalige) Callcentermitarbeiter mir erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, dass man auch mit den stressigsten Kunden recht schnell fertig werden kann. Zugegeben: Man riskiert es, vielleicht mal eine Fahrt nicht zu bekommen, aber im Grunde ist selbst diese Gefahr recht klein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Wichtigsten ist es zun\u00e4chst einmal, freundlich und offensiv nein zu sagen, am Allerbesten ist die Situation nat\u00fcrlich, wenn man gleich ein brauchbares Gegenangebot machen kann.<br \/>\nDas ist zwar bei den nervigsten Kunden (die weit unter Tarifpreis fahren wollen) nicht m\u00f6glich, aber hier bietet sich als Strategie an, das Angebot l\u00e4cherlich zu machen, und sich im Zweifelsfall binnen einer Minute gleich mehrere &#8222;Mach ich nicht, vergesst es!&#8220; aus den Rippen zu leiern. Obwohl ich echt ein weicher Keks bin, hab ich inzwischen kein Problem mehr damit, 5 auf mich einlabernde Jugendliche einfach wegzuschicken, wenn sie mir f\u00fcr eine 20\u20ac-Tour nur einen Zehner zahlen wollen.<br \/>\nSchade vielleicht, wenn der n\u00e4chste Kollege sie aus Verzweiflung f\u00e4hrt, aber irgendwann steht man dr\u00fcber.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein gutes Beispiel f\u00fcr einen gelungenen Gespr\u00e4chsverlauf hatte ich dagegen dieses Wochenende erst:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein junges P\u00e4rchen stiefelt am Ostbahnhof auf mich und Kollege Ali zu. Wir stehen neben seinem Taxi und reden ein wenig, die beiden sind schon angetrunken und sichtbar fertig von der Party, die sie zweifelsohne zuvor gefeiert haben. Er ist ein hagerer Typ Mitte 20, hat ein zerfetztes Tr\u00e4gerhemd an, unter dem gro\u00dffl\u00e4chige Tattoos die Vermutung best\u00e4tigen, dass er relativ schmerzresistent ist.<br \/>\nSie ist \u00e4hnlich ausgehfertig bekleidet, kurze Hosen, weites T-Shirt und Augenringe bis kurz \u00fcber den Lippen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er geht auf Ali und mich zu und fragt mich nach einer Stra\u00dfe in Friedrichshain, die ich spontan nicht so genau einordnen kann:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Oh, Moment mal, wo war das gleich genau?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Die geht von der Scharnweber ab. Machste uns&#8217;n Festpreis?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Nein, das werde ich garantiert nicht tun!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">antwortete ich schnell, bevor Ali etwas sagen kann. Er macht den Job noch nicht so sonderlich lange, und ich hatte ein wenig die Bef\u00fcrchtung, er w\u00fcrde sich einlullen lassen von den beiden.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Aber&#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Gegenangebot)<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;&#8230;ich kann ziemlich genau sagen, was das kosten wird: Zwischen 8 und 9 \u20ac!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da hatte ich dieses Mal leichtes Spiel, weil sie wirklich nur Angst hatten, dass die Strecke irgendwie verdammt teuer werden k\u00f6nnte. Aber so ganz aus ihrer Haut k\u00f6nnen die meisten dann doch nicht:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Dann machen wir 11 \u20ac pauschal, ist das dann ok?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Ich hab gesagt, wir kommen nicht \u00fcber 9 \u20ac. Die 11 nehm ich nat\u00fcrlich gerne an, aber pauschal mach ich das deswegen immer noch nicht!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;OK, dann wollen wir mit dir fahren!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass das nicht die nervigen Verhandlungstypen waren, ist klar. Tats\u00e4chlich sind die aber auch nur nerviger, nicht schwerer zu bearbeiten \ud83d\ude42<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Fahrt selbst verlief dann recht unspektakul\u00e4r, mal davon abgesehen, dass die beiden sich erstmal mehr oder weniger einander vorgestellt und sich auf den bevorstehenden Beischlaf gefreut haben. Die Kr\u00f6nung war aber letztlich folgender Dialog, den sie eingeleitet hat:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;\u00dcberhaupt, dass ich hier mit Taxi&#8230; also dass ich da \u00fcberhaupt f\u00fcr zahle! Normalerweise zeig ich meine Br\u00fcste und fahr umsonst!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hab mich an dem Punkt schon darauf vorbereitet, zu erkl\u00e4ren, dass das bei mir nicht funktioniert, bzw. allenfalls gegen einen Fotobeweis f\u00fcr meinen Blog. Soll keiner sagen, ich sein nicht bereit, in GNIT zu investieren! \ud83d\ude09<br \/>\nAllerdings musste ich dann eher grinsen, denn er antwortete darauf v\u00f6llig eingesch\u00fcchtert und leise:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Und ich? Zeigst du mir deine Br\u00fcste?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Antwort ging im Geknutsche unter und ich war aus dem Schneider. Ich hab die Tour dann bei 8,20 \u20ac wie versprochen beendet und bekommen hab ich letztlich 10. Was die <a href=\"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2011\/01\/20\/in-der-beweispflicht\/\" target=\"_blank\">Ank\u00fcndigung von hohen Trinkgeldern<\/a> angeht, haben sie sich also auch wie erwartet verhalten \ud83d\ude42<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/4f807afcf4bc4f5fa964c0feda3da161\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich hab schon lange nichts mehr \u00fcber Festpreisverhandler geschrieben, nicht? Das ist eine Erkenntnis, die mich gestern getroffen hat. Irgendwie erstaunlich, aber ich habe festgestellt, dass es daran liegt, dass sie mich nicht mehr ernsthaft stressen. Alleine in den letzten 2 Wochen hatte ich sicher 10 Touren mit Fahrg\u00e4sten, die nach einem Festpreis gefragt haben. 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