{"id":7709,"date":"2011-02-19T17:19:43","date_gmt":"2011-02-19T16:19:43","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=7709"},"modified":"2011-02-19T17:19:43","modified_gmt":"2011-02-19T16:19:43","slug":"auswurf-braun-rot","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2011\/02\/19\/auswurf-braun-rot\/","title":{"rendered":"Auswurf, braun-rot"},"content":{"rendered":"<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Eine Leiche gibt&#8217;s immer&#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">l\u00e4chelte die junge Dame gequ\u00e4lt, als sie einen massiven Typen auf die R\u00fcckbank schiebt. Der ist nicht mehr in allerbestem Zustand, grenzwertig auf jeden Fall. Aber lasse ich die Kunden jetzt stehen? Verzichte ich auf das Geld? Vertraue ich den Aussagen, er w\u00fcrde es sicher packen? In diesem &#8211; wie in den meisten F\u00e4llen &#8211; hab ich mich zum Transport entschieden, mit einer Mischung aus Verantwortungsbewusstsein und Geldgeilheit. Wie das beim Taxifahren wohl immer der Fall ist.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Dann ist es aber nicht so gut, wenn er ganz links sitzt &#8211; da geht die T\u00fcr n\u00e4mlich nicht auf!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Ach, im Notfall sagen wir Bescheid.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt springen sicher gleich ein paar Kollegen auf und meinen, dass ich ja hier schon h\u00e4tte abbrechen k\u00f6nnen. Gewiss, eine konkrete Gefahr bestand. Aber ich f\u00fchre diese Dialoge so oft &#8211; und es passiert fast nie was. Ich hab mit solchen Truppen schon lustigste Fahrten und beste Trinkgelder gehabt &#8211; meist schafft man im Ernstfall ja noch so eine ganz eigene Art &#8222;Gefahrenbremsung&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Fall war es ein Fehler. Als ich auf Bitten eines Mitreisenden angehalten habe, hatte &#8222;die Leiche&#8220; schon lautlos aus dem Fenster gekotzt und eine ansehnliche Spur auf der Au\u00dfenseite des Wagens hinterlassen. Es folgte eine kurze Pause, einiges an Abwischerei, und ich war immerhin froh, dass kaum etwas im Auto zu finden war. Die Truppe war zudem recht nett, sie k\u00fcmmerten sich um ihren Freund und ich bekam auch schon den ersten Zehner &#8222;f\u00fcrs Anhalten&#8220; zugesteckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hab das mit einem Verweis auf die laufende Uhr abgetan und gesagt, dass wir mal sehen w\u00fcrden, wie wir das hinkriegen. Bisher sah es zudem wirklich so aus, als ob die Geschichte mit einmal Waschanlage erledigt sein w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den n\u00e4chsten Kilometer verbrachte die Leiche dann auf der rechten Seite, wo die T\u00fcre auch von innen zu \u00f6ffnen ist. Die Bitte zum abermaligen Anhalten kam auch dieses Mal kurz nach Entleerung des Magens aus dem Fenster. Na danke!<br \/>\nDamit waren das Auto, die Laune und absehbar die Schicht im Arsch. Warum h\u00e4tte ich sie nicht noch eben bis nach Hause mitnehmen sollen?<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Ist nur um die Ecke.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Ecke ma\u00df etwa 3 Kilometer Fahrtweg. Dann standen wir da, und nachdem der Typ sich &#8211; trotz einiger Beherrschung in den letzten Minuten &#8211; gleich auf der Stra\u00dfe wieder erbrochen hat, ging es ans Bezahlen. Dem netten Beifahrer hab ich nach dem Herumreichen von T\u00fcchern, kurzem Wischen hier und dort Herumgucken dann auch gesagt, dass jetzt nat\u00fcrlich der unangenehme Teil kommt. Ruhig und sachlich, wie das meine Art ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was denn jetzt auf der Uhr stehen w\u00fcrde?<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;15,90 \u20ac. Aber es ist wohl klar, dass das nicht der Preis ist, \u00fcber den wir jetzt verhandeln.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">V\u00f6llig entgeistert wurde ich von hier und dort angeschaut. Ob ich etwa mehr haben wollte? Au\u00dferdem h\u00e4tte ich ja schon einen Zehner&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hab meinem Beifahrer mit angemessenem Bedauern erkl\u00e4rt, dass mir klar ist, dass das ein unsch\u00f6nes Ende f\u00fcr einen Partyabend ist, aber dass ich auch mein Geld verdienen muss. Dass ich das Auto jetzt erst einmal sauberzumachen h\u00e4tte, und das &#8211; nat\u00fcrlich ausgerechnet &#8211; zu quasi der besten Zeit der Woche, zu der ich an jeder Ecke Kunden mitnehmen k\u00f6nnte. Und bei allem Verst\u00e4ndnis f\u00fcr ihre missliche Lage: Ich w\u00fcrde nicht auf mein Geld verzichten, nur weil ihr Kumpel einen \u00fcber den Durst getrunken h\u00e4tte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Etwas z\u00f6gernd reichte er mir einen Zwanziger und erwartete so etwas wie ein<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Alles klar, sch\u00f6nen Abend noch!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das hat er nat\u00fcrlich nicht bekommen. Inzwischen wurden die Stimmen ums Auto herum lauter. Vom unangenehm drohenden<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Meister, du hast jetzt 30 \u20ac!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">bis hin zu<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Ey, 15 \u20ac! Auf dem Hinweg haben wir 5 \u20ac bezahlt! 5!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">war alles dabei. Noch viel besser: Ich h\u00e4tte sie vorher dar\u00fcber aufkl\u00e4ren m\u00fcssen, was es kostet, ins Auto zu kotzen. Au\u00dferdem sei ich selber schuld, weil ich die Kindersicherung links drin h\u00e4tte. Im Umkehrschlu\u00df &#8211; als ich erw\u00e4hnte, dass die Kindersicherung extra dazu da ist, dass Betrunkene nicht einfach auf die Stra\u00dfe springen, war ich dann selber schuld, weil die Kindersicherung ja schon beweisen w\u00fcrde, dass ich Betrunkene mitnehmen w\u00fcrde. Wir erinnern uns daran, wie froh die Truppe vor einer halben Stunde war, dass sie jemand mitgenommen hat, und dass ich auf die Kindersicherung hingewiesen habe.<br \/>\nDer Vorwurf mit den Kosten f\u00fcr die Fahrt ist auch extrem lustig, da sie mir nie ein Fahrtziel genannt, sondern die Strecke unterwegs angesagt haben. Und etwa 5 km Fahrtweg mit 5 Personen zuz\u00fcglich etwa 10 Minuten Wartezeit&#8230; kommt mir ziemlich tarifgerecht vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber gut, w\u00e4hrend der Gro\u00dfteil der Gruppe entweder kotzte oder mir vorwarf, ich wolle sie \u00fcbelst \u00fcber den Tisch ziehen, sa\u00df mein Beifahrer m\u00f6chtegerngelassen da und w\u00e4hnte sich in einer total guten Position. Die 14,10 \u20ac, die er mir nun quasi freiwillig obenauf \u00fcberlassen hat, waren in seinen Augen unanfechtbarer Beweis, dass die Sache nun gekl\u00e4rt ist. Mit einem s\u00fcffisanten L\u00e4cheln wollte er h\u00f6ren, was ich denn nun noch haben wolle. Ob ich etwa glauben w\u00fcrde, er solle mir nun 50 &#8211; oder gar 100! &#8211; Euro geben.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Und ob ich das glaube.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Antworten darauf k\u00f6nnte man als Beleidigung auffassen, aber da bin ich hart im Nehmen. Ich hab ihm nochmal erkl\u00e4rt, dass das nicht einmal sonderlich hochgegriffen ist, und ich wenn es nach meinem Chef ginge, die Kiste jetzt sowieso erst einmal professionell reinigen lassen m\u00fcsste. Dass das wiederum noch mehr Zeit kostet und schnell mal bei mehreren hundert Euro liegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sein Kumpel meldete sich wieder von der Seite und meinte, das eine Mal Waschanlage sei ja wohl von den 30 \u20ac locker mitbezahlt.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Ach ja? Mit den \u00fcbrigen 14,10 \u20ac komme ich auf Uhr gerade mal bis zur Waschanlage. Ohne zus\u00e4tzliche Kosten und die Zeit, die das dauert!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;H\u00f6r mal, bevor ich hier 100 \u20ac zahle, nehm ich dir dein ganzes Auto auseinander!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Gerne. Das ist auch eine M\u00f6glichkeit! Dann bleibt nur mein Verdienstausfall&#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber nat\u00fcrlich spinne ich total, bin unversch\u00e4mt, ein Arschloch und dergleichen. Er stellte klar, dass er nicht zahlen werde, und ich, dass ich diesbez\u00fcglich nicht einverstanden bin und die Polizei rufen werde. Relativ friedlich eigentlich. Auf die Frage, ob ich irgendeinen Namen bekommen w\u00fcrde, bekam ich die Antwort<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Nimm Karl-Heinz oder so.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alles klar. Ich stand vor ihrem Haus, ihr Fenster war als einziges beleuchtet und die Haust\u00fcre haben sie gn\u00e4digerweise ge\u00f6ffnet gelassen, was die beiden angeforderten Streifenpolizisten auch dankbar nutzten, um zu ihrer Wohnung zu gelangen. Und was soll ich sagen? Selten habe ich zufriedener in ein WTF-Gesicht gesehen als heute morgen um 5 Uhr. \ud83d\ude00<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Personalien sind also ausgetauscht, und zack &#8211; keine halbe Stunde sp\u00e4ter (etwa der Gegenwert der 14,10 \u20ac) &#8211; konnte ich mich also ans Putzen machen. Ich hab die Uhr angemacht, mir Putzutensilien von der Tanke und von zu Hause besorgt und die Kiste nach allen Regeln der Kunst bearbeitet und p\u00fcnktlich zum Schichtbeginn meines Tagfahrers flecken- und geruchsfrei am Abstellort bereitgestellt. 70,60 \u20ac standen auf der Uhr, und in Anbetracht der Tatsache, dass ich ihnen eine teure Reinigung und (\u00fcbers Wochenende!) gleich mehrere Tage Verdienstausfall erspart habe, ist eine Pauschale von 100 \u20ac f\u00fcrs Putzen auch nicht unangemessen. Sind dann also irgendwas um die 170 \u20ac. Ich bin ja gespannt, ob dar\u00fcber ein Gericht entscheiden muss, oder an welchem Punkt sie beschlie\u00dfen, es besser sein zu lassen. Beim netten Brief von mir, bei dem vom Anwalt, beim Mahnbescheid?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mir soll es egal sein, ich hab Zeit.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/10b2adc704d043399e9b9003e752d90c\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Eine Leiche gibt&#8217;s immer&#8230;&#8220; l\u00e4chelte die junge Dame gequ\u00e4lt, als sie einen massiven Typen auf die R\u00fcckbank schiebt. Der ist nicht mehr in allerbestem Zustand, grenzwertig auf jeden Fall. Aber lasse ich die Kunden jetzt stehen? Verzichte ich auf das Geld? Vertraue ich den Aussagen, er w\u00fcrde es sicher packen? 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