{"id":7574,"date":"2011-01-23T17:44:34","date_gmt":"2011-01-23T16:44:34","guid":{"rendered":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/?p=7574"},"modified":"2011-01-23T17:45:56","modified_gmt":"2011-01-23T16:45:56","slug":"donald-und-das-gift","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2011\/01\/23\/donald-und-das-gift\/","title":{"rendered":"Donald und das Gift"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">So, das Wochenende bietet erfahrungsgem\u00e4\u00df wenig Zeit zum Bloggen &#8211; aber eine Fahrt vom Freitag muss ich dringend noch unter die Leute bringen. Ich hatte eine fr\u00fchmorgendliche Ostbahnhof-Kurzstrecke f\u00fcr nicht ganz 6 \u20ac zur Warschauer Stra\u00dfe hinter mir. Da hab ich dann beschlossen, mal einen Blick in die Revaler zu werfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das h\u00e4tte ich mir vielleicht besser erspart. Wenn man morgens als Taxifahrer durch die Revaler Stra\u00dfe in Friedrichshain gurkt, dann kann man einiges erwarten. Eine bunte Mischung an Partyg\u00e4ngern aus verschiedenen Clubs watschelt \u00fcber die Stra\u00dfe, und insbesondere der Beleuchtung wegen ist es eine der Stra\u00dfen, wo ich die erlaubten 50 km\/h eigentlich nie ausreize.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich war also auf der Suche nach irgendeinem verstrahlten P\u00e4rchen, das heim nach Kreuzberg wollte. So in etwa stellte ich mir die Fahrt vor. Die Nacht war bis dato fantastisch gelaufen, dank etlicher Leute auf der Stra\u00dfe wollte ich gar keine lange Tour in einen Au\u00dfenbezirk, sondern m\u00f6glichst eine 10\u20ac-Tour, die mich nur 10 Minuten kostet, um dann gleich weiterzumachen, wo ich dann lande.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Statt feierw\u00fctiger Clubg\u00e4nger ersp\u00e4hten meine Augen Donald Rumsfeld. Ich nehme zwar an, er war es nicht wirklich, aber er sah so aus. Von den Haaren \u00fcber die Brille bis zum K\u00f6rperbau sah er diesem nicht sehr sympathischen Amerikaner sehr \u00e4hnlich, er trug einen Trenchcoat und stand so bekloppt auf der Stra\u00dfe, dass ich es kaum beschreiben kann. Nicht nur, dass er mittig die Fahrbahn versperrte, er stand auch mit ausgebreiteten Armen, jedoch stark zu seiner Rechten geneigt, einfach recht reglos im Weg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst wollte ich vorsichtig vorbeifahren, doch er versuchte mir den Weg zu versperren. Nicht, dass ich das sonderlich toll fand, aber ich hab dennoch mal das Fenster an der Beifahrerseite runtergelassen und abgewartet, was er zu sagen hatte. Und was er zu sagen hatte, h\u00e4tte irritierender kaum sein k\u00f6nnen. Insbesondere in Kombination mit dem Wie!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend er die Arme weiterhin ausgebreitet lie\u00df, beugte er sich seitlich herunter und nuschelte aus einem Mundwinkel mit sonst fast starrem Gesicht:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Brings&#8216; mich Krankenhaus? Gift!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Wie bitte?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Brings&#8216; du mich Krankenhaus. Gift!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Wie, Gift?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Jemand hat mich vergiftet!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Na heilige Schei\u00dfe. Wat machste nu?<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;\u00c4h&#8230; welches Krankenhaus denn?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Is egal, bring mich nur ins Krankenhaus! Irgendeins!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Etwas \u00fcberfordert bin ich die Optionen durchgegangen. Notarzt w\u00e4re vielleicht nicht unsinnig gewesen, aber mir fielen auf Anhieb 3 Krankenh\u00e4user in 10 Minuten Umkreis ein. Also bei optimistischer Auslegung der Verkehrsregeln. Ich hab mich f\u00fcr das Klinikum im Friedrichshain entschieden, weil es am g\u00fcnstigsten zu erreichen war, und ich da zudem schon mal an der Rettunsstelle war, und die nicht erst h\u00e4tte suchen m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Donald kraxelte ins Auto, ziemlich steif, die Arme nach wie vor mehr oder minder ausgebreitet. Ging aber erstaunlich gut. Sah halt v\u00f6llig bekloppt aus. Ich war mir ziemlich sicher, dass er einfach betrunken ist und vielleicht einen Hexenschu\u00df in Kombination mit Paranoia hat &#8211; also nix wirklich ernstes. Aber man weiss ja nie. W\u00e4hrend den etwa 3 Minuten, die ich von der Revaler bis zur M\u00fchsamstra\u00dfe etwa gebraucht habe&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Hier d\u00fcrfen die Tagfahrer ein bisschen weinen)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8230;hab ich versucht, ein paar n\u00e4here Infos aus ihm herauszubekommen. Wo er war, wer ihn vergiftet hat, was ihm eigentlich fehlt. Die Antworten waren weitgehend wertlos. Vielleicht war er ja doch wenigstens Politiker. Er war was trinken. Wo, weiss er nicht, ebensowenig wer ihn vergiftet habe. Er k\u00f6nne sich nicht mehr bewegen. Ins Krankenhaus. Schnell!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Irgendwann meinte er dann noch, ihm sei schlecht. In meinem Kopf spukten Gedanken umher, wie es aussehen muss, wenn der Kerl mit erhobenen Armen messiasgleich neben der Stra\u00dfe beginnt, sich von seinem Essen zu verabschieden. Ich konnte den Gedanken allerdings bei weitem nicht ausreichend genie\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da sackte er pl\u00f6tzlich mit einem St\u00f6hnen in sich zusammen und fragte, wo wir w\u00e4ren und wo wir hinfahren.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;\u00c4h, wir sind auf der Petersburger. Ich biege jetzt da vorne an der Landsberger links ab und dann sind wir gleich am Krankenhaus.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Fahr mich mal zur S-Bahn!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Wie jetzt? Kein Krankenhaus?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Nee, lass mal. Geht schon wieder.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Geht schon wieder? Ich dachte, sie wurden vergiftet!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Ja, vielleicht. Aber geht schon wieder. Ich hab ja schon oft zu viel, aber sowas&#8230; wow!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Ja&#8230; wow&#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hab ihn dann auf vermehrtes Dr\u00e4ngen hin zum S-Bahnhof Landsberger Allee gebracht. Dort angekommen hatte ich 7,60 \u20ac auf der Uhr und der Kerl war eigentlich immer noch ziemlich verstrahlt. Aber wahrscheinlich waren es eben doch nur 3 Bier zu viel. Naja, vielleicht 4.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Wat krissn?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;7,60 \u20ac.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Ok.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er kramte in seinem Geldbeutel und f\u00f6rderte einen F\u00fcnfer zu Tage. Er begutachtete ihn und meinte:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Zu wenig.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da war was Wahres dran. Er nestelte weiter in seinem heiligen Lederbeutel, \u00f6ffnete das Kleingeldfach und sagte:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Auch zu wenig.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann sank er grinsend in sich zusammen. Da er erst einmal keine Anstalten machte, diesen Zustand zu \u00e4ndern, fragte ich ihn, was nun sei. Pl\u00f6tzlich strahlte er \u00fcbers ganze Gesicht, so als h\u00e4tte er irgendwo im Hinterland geheime Massenvernichtungswaffen gefunden und verk\u00fcndete:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Haha! Jetz&#8216; kommt die Schummelkasse!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er \u00f6ffnete das &#8222;Geheimfach&#8220; an seinem Portemonnaie und sah mich mit herunterh\u00e4ngenden Mundwinkeln an:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\"><em>&#8222;Auch leer&#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Na meine Fresse! Ist ja klar! Ich scheine die Bekloppten ja mal wieder anzuziehen. Eine Minute sp\u00e4ter war nicht nur meine Geduld zu Ende, sondern er hatte auch noch mehr oder minder glaubhaft versichert, dass auf der Bank nix zu holen sei. Also was tun?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Entweder ich hole die Cops, und in einer Dreiviertelstunde bin ich hier weg. Dann krieg ich irgendwann meine 2,50 \u20ac \u00fcberwiesen und wir sind alle genervt. Oder&#8230;<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Na komm, hau ab!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Ehrlich?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\"><em>&#8222;Pass mal auf: Ich mach den Job, um Geld zu verdienen. Und wenn ich das von dir nicht krieg: Die da vorne am Hotel sehen aus, als k\u00f6nnten sie ein Taxi brauchen. Ich hab jetzt keinen Bock auf gro\u00dfen Stress, also haste mal Gl\u00fcck gehabt. Begeistert bin ich nicht, aber du versaust mir meinen Umsatz mehr, wenn wir jetzt um die Zwofuffzich einen Aufstand machen. Also hau ab!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2,50 \u20ac f\u00fcr eine gute Geschichte. Nicht sch\u00f6n, normalerweise gibt es die umsonst. Aber entweder ich zapfe meine 27 \u20ac Trinkgeld f\u00fcr den Quatsch an oder ich lass mir die Kohle als Fehlfahrt gutschreiben. Ist ja kein Weltuntergang. Da ich nach der Tour aber noch mal zackige 50 \u20ac Umsatz in den letzten eineinviertel Stunden gemacht habe, sollte auch Cheffe mir diese Nachsicht verzeihen k\u00f6nnen \ud83d\ude09<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/2d3796288f4e477ea3e9b04970cbe0d9\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So, das Wochenende bietet erfahrungsgem\u00e4\u00df wenig Zeit zum Bloggen &#8211; aber eine Fahrt vom Freitag muss ich dringend noch unter die Leute bringen. Ich hatte eine fr\u00fchmorgendliche Ostbahnhof-Kurzstrecke f\u00fcr nicht ganz 6 \u20ac zur Warschauer Stra\u00dfe hinter mir. Da hab ich dann beschlossen, mal einen Blick in die Revaler zu werfen. 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